10/2000

INHALT

Neue Bücher

Das Vorurteil über Pius XII.

von Alois Steiner

 

Es sind die schlecht'sten Früchte nicht, woran die Wespen nagen.» An dieses Sprichwort fühlt man sich unwillkürlich erinnert, wenn der reisserisch präsentierte Band<1> zu rezensieren ist. Noch reisserischer tönt der Titel der englischen Ausgabe: «Hitlers Pope». Auf den ersten Blick sollte wohl der Eindruck erweckt werden, Pius XII. sei der Schuldige, weil er ­ angeblich ­ zu den Judenverfolgungen geschwiegen und dadurch den Tod vieler unschuldiger Juden mitverursacht habe. Wer sich ohne genauere Kenntnisse der Geschichte des 20. Jahrhunderts der Lektüre dieses Buches hingibt, merkt nicht, dass er arglos einer raffinierten Fährte folgt und dadurch zu völlig falschen Schlüssen kommt.

Es begann mit Hochhuth

Die gezielte Verleumdung gegen Pius XII. begann 1963 mit der Uraufführung von Rolf Hochhuths Tendenzstück «Der Stellvertreter» in Berlin. Erzbischof Orsenigo, Nuntius in Berlin und Pacellis Nachfolger, wird von Kurt Gerstein, der als Augenzeuge die Gaskammern gesehen hat, orientiert. Orsenigo weigert sich, irgendetwas von dem zu glauben, was der Zeuge ihm mitteilt, und er ist nicht bereit, Informationen an den Papst weiterzugeben. Schliesslich gelangt ein Abgesandter Gersteins in den Vatikan. Aber Pacelli erweist sich als Zyniker, den in erster Linie seine Investitionen interessieren, die unter den alliierten Bombenangriffen auf italienische Industrieanlagen leiden. Als er von den Todeslagern in Polen und dem Einsatz von Zyklon B erfährt, verschliesst er die Ohren. Die Szene wird dadurch dramatisch verstärkt, dass im Schauspiel die römischen Juden gerade zusammengetrieben werden, als Gersteins Gewährsmann seine Bitte um Hilfe überbringt. So weit Hochhuths Version.
Beim «Stellvertreter» handelt es sich um ein Werk historischer Fiktion (Erdichtung, Unterstellung), das auf ungenügender Dokumentation beruht. Die Darstellung Pius' XII. als geldgieriger Heuchler entbehrt jeder Grundlage. Leider fand die von Hochhuth vorgebrachte These ­ trotz nachweislicher Fälschung ­ vielfach Glauben im unkritischen Publikum, und die Tilgung einer solch verfälschten Sichtweise erwies sich als unmöglich.

Wissenschaftliche Aufarbeitung der Kriegsjahre

Der Skandal um Hochhuths Theaterstück gab Anlass, die Kriegszeit wissenschaftlich aufzuarbeiten. Eine Reihe von Historikern fing an, sich ausführlich mit dieser Zeit zu beschäftigen. 1964 wies Paul VI. eine Gruppe von Historikern aus dem Jesuitenorden an, die vatikanischen Dokumente für eine baldig Publikation vorzubereiten. Zwischen 1965 und 1981 erschienen elf Bände unter dem Titel «Actes et Documents du Saint-Siège relatifs à la Seconde Guerre Mondiale». Weitere Historiker (Raoul Friedländer, Guenter Lewy, Carlo Falconi, Pinchas e Lapide u.a.) befassten sich ebenfalls mit dieser Problematik. Pinchas e Lapides Buch «Rom und die Juden» (Freiburg 1967) entlastete Pius' XII.: Der Heilige Stuhl habe mehr getan, den Juden zu helfen, als jede andere Organisation des Westens, einschliesslich des Roten Kreuzes. Nach dieser Studie hat Pius XII. während des Krieges direkt oder indirekt das Leben von etwa 860000 Juden gerettet (S. 188).

Pacellis Gewissensfrage

Nazideutschland wollte die päpstlichen Interventionen nicht zur Kenntnis nehmen. Am 10. Mai 1942 brüstete sich der deutsche Aussenminister Joachim von Ribbentrop, die unbeantwortet gebliebenen Protestnoten des Vatikans seien zu einer «ganzen Registratur» angewachsen (Robert A. Graham, Pius XII. und seine Haltung zu den Kriegsmächten, in: Pius XII. zum Gedächtnis, Berlin 1977, S. 164f.). Der Papst stand vor einer grossen Gewissensfrage. Er wusste von Hitlers tödlichem Hass auf die Juden. Jeglicher Protest verschlimmerte ihre Lage. Sollte nun der Papst einen grossen feierlichen Protest aussprechen mit dem Risiko, das Schicksal der Juden dadurch noch schlimmer zu gestalten oder sollte er schweigen, um dafür wirksamer helfen zu können. Nicht zuletzt war der Papst durch das brutale deutsche Eingreifen gegen die Juden in Holland gewarnt, dem unter anderem auch Edith Stein (Schwester Benedikta a Cruce) zum Opfer fiel. Pius XII. hat sich für die zweite Variante entschieden und dafür den Dank der Geretteten nach dem Krieg erhalten.

Die Juden Roms

Pinchas e Lapide führt im bereits erwähnten Buch aus, von den römischen Juden seien 85% von Priestern, Mönchen, Nonnen und katholischen Laien in Kirchen und Klöstern versteckt und dadurch gerettet worden (S. 93ff.). Warum wird der Papst für die Verhaftung der restlichen 1200 Juden durch deutsche Polizeitruppen verantwortlich gemacht? Perfid ist die Behauptung Cornwells, der Papst sei bereit gewesen, zur Vermeidung der Konsequenzen einer kommunistischen Machtübernahme in Rom den Tod von tausend römischen Juden in Kauf zu nehmen. Wie Recht hat der bekannte Kirchenhistoriker Victor Conzemius, wenn er meint, ein italienischer Papst müsse als Sündenbock für deutsche Verbrechen herhalten.
Wer aufmerksam die Bände «Actes et Documents du Saint-Siège» durchsieht, begegnet Schritt für Schritt Interventionen des Vatikans. Solange Autoren diese offizielle Aktenpublikationen jedoch nur ins Literaturverzeichnis aufnehmen, den Inhalt nicht zur Kenntnis nehmen, ist als Schluss nur möglich: Cornwells Werk bewegt sich auf der Linie Hochhuths.


Anmerkung

1 John Cornwell, Pius XII. Der Papst, der geschwiegen hat, Verlag C.H. Beck, München 1999, 484 S.


Im neuen Jahrtausend

von Leo Ettlin

 

Der kalendarische Einschnitt macht sich auch im religiösen Bücherangebot bemerkbar: als Arbeitshilfen für Predigten und Andachten, als Rückblick auf zweitausend Jahre Christentum und vorsichtige Schau in die Zukunft und als Klärung vieler apokalyptischer Erwartungen und Sehnsüchte, die in diesen Tagen der Wende geradezu boomen. «Wenn die Menschen nicht an Gott glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles» (G.K. Chesterton).
Viele Gläubige, die in den Tagen vor der Zeitenwende verunsichert oder freudig bewegt sind, erwarten, dass auch die Verkündigung dazu etwas zu sagen hat. Das Werkbuch von Hauk und Schredl «Der grosse Advent zum neuen Jahrtausend» ist mit vielen Beiträgen eine allgemeine Anleitung zur Feier von Weihnachten und Advent mit spezieller Berücksichtigung des Millenniums. Das Buch ist sensibel für Gefühle und Sorgen und auch für euphorische Zukunftshoffnungen und Erwartungen.<1>

Rückblick und Ausblick

Erwin Möde, Professor für christliche Spiritualität an der Universität Eichstätt, hat einen bemerkenswerten Band mit einer Reihe fachmännischer Autoren zusammengestellt. Thema ist der Einfluss des Christentums auf die Kulturgeschichte. Behandelt werden die jüdischen und griechischen Wurzeln der christlichen Religion, die Ausbildung der Reichskirche in der Antike und der Feudalkirche im Mittelalter. Es werden Fragen gestellt und beantwortet, welche Veränderungen das Christentum für die europäische Rechtsgeschichte brachte, inwieweit die Religion die Politik mitgestaltet hat und wie es um die soziale Funktion der christlichen Religion steht. Auch die Struktur und Geschichte christlicher Spiritualität ist Thema dieser Sammlung hochstehender Aufsätze. Die Thematik ist zwar in erster Linie historisch, retrospektiv, aber das eigentliche Thema ist christliche Bestandesaufnahme unter dem Aspekt des Gewachsenen. Auch auf die Frage: «Wie geht es weiter?» werden vorsichtige Antworten gewagt. Insofern darf sich dieser Band mit Recht in die Millenniumsliteratur einreihen. Lobend darf man die gefällige Aufmachung des Bandes erwähnen.<2>
Klaus Hofmeister und Lothar Bauerochse geben ihrer Publikation «Die Zukunft der Religion» den Untertitel «Spurensicherung an der Schwelle des 21. Jahrhunderts». Der Band beruht auf einer 20-teiligen Sendereihe des Hessischen Rundfunks von Mai bis Oktober 1999: «Camino ­ Religionen auf dem Weg». Die eigentliche Thematik war die religiöse Situation in der Bundesrepublik Deutschland. Man stellte auch die Frage, welche Trends sind jetzt schon erkennbar, die sich als Perspektiven für die Zukunft erweisen. Der Befund in Sachen Religion ist am Ende des 20. Jahrhunderts irritierend. Die moderne Gesellschaft funktioniert vollends ohne Religion und läuft reibungslos nach Gesetzmässigkeiten, in denen persönlicher Glaube nicht vonnöten ist. Hingegen hat das «Absterben der Religion» nicht stattgefunden. Die Kirchen sind in der Krise, während die Religion insgesamt eine Renaissance erlebt, völlig anders als man das erwartete und auch anders als man sich das wünscht, wie zum Beispiel die Esoterikwelle und die Heilsangebote von Seelentherapeuten verschiedenster Praktiken. Die Umbruchsituation, in der wir stehen, ist evident. Das waren die Voraussetzungen der hessischen Sendereihe: Bilanz der aktuellen Situation und Ausblick in die Zukunft. Die Themen der Reihe sind vielfältig: soziologische und psychotherapeutische Fragen, Sekten und die Sehnsucht nach Esoterik, Renaissance der Religion und Zählebigkeit des ostdeutschen Atheismus, Religion und Politik, Religion und Naturwissenschaft, Fernsehen als familiärer Hochaltar, Plädoyer für eine intensive Suche nach Spiritualität.<3>
Der Band «2000 Jahre Christentum. Eine Religion verändert die Welt» steht in Beziehung mit einem ehrgeizigen Dokumentarfilm des ARD. Geplant ist, «Zweitausend Jahre Christentum» einem breiten Publikum bildhaft darzustellen. Weil das Fernsehen ein Medium des Augenblicks ist, soll dieser Band dazu einladen, die Ereignisse tiefer zu betrachten und eingehender zu bedenken. Die Kapiteleinteilung richtet sich nach den Sequenzen der Filmreihe. Unter einprägsamen Titeln: Kreuz und Schwert, Heilige und Dämonen, Himmel und Hölle, Maschinen und Mensch werden historische Fakten und Strömungen zusammengefasst und seriös behandelt. Wie im Film ist auch in diesem Band der Ehrgeiz nach Perfektionismus spürbar. Der Text ist sachlich tadellos. Doch das Buch lebt wie der Film weitgehend vom Bild und stellt sich als farbig illustrierte Augenweide dar. Darunter finden sich auch zahlreiche reproduzierte Filmszenen.<4>

Apokalyptische Steinbruchexegese

Die Jahrtausendwende beschert esoterische Jenseitsvorstellungen und apokalyptische Endzeitvisionen. In diesen Kreisen wird alles Erdenkliche Anlass zu Hoffung und Angst. Es ist das Anliegen des Jesuiten Medard Kehl von der Hochschule St. Georgen, Frankfurt am Main, sich in ruhigem und sachlichem Gespräch mit einigen heute besonders attraktiven Jenseits- und Endzeitvorstellungen auseinanderzusetzen. Das Buch behandelt kritisch die Reinkarnationsvorstellungen und Methoden östlicher Provenienz. Er nimmt die Sterbeforschung, besonders die «mit provozierender Unbekümmertheit» vorgetragenen Erkenntnisse von Elisabeth Kübler-Ross aufs Korn. Ihr gegenüber betont Medard Kehl die für unser Erkennen unübersteigbare Grenze. Auch das Gerede von «einem schönen Tod» ist eher sentimental als realistisch.
Zur Sprache kommt auch das apokalyptische Endzeitfieber christlicher Sekten, speziell der Zeugen Jehovas. Er nennt ihr Verfahren «Steinbruchexegese».
Auch die marianischen Botschaften von Fatima und La Salette mit ihren wilden Spekulationen, von denen traditionalistisch eingestellte Kreise befallen sind, werden kritisch geordnet. Demgegenüber stellt der Autor die christliche Deutung vom Ende und Untergang der Welt und der Auferstehung der Toten. Klärend wirken die Ausführungen über das «Letzte Gericht», das Fegefeuer und die Hölle. Bemerkenswert sind ferner die grundsätzlichen Überlegungen zur so genannten «Allversöhnung». Das Buch bedeutet Ortung und Klärung über Fragen und Hypothesen, die im pastorellen Gespräch immer wieder auftauchen.<5>
Hermann-Josef Venetz schreibt ein Bändchen über die Geheime Offenbarung, die er «Buch der subversiven Hoffnung» nennt. Er schreibt für exegetische Laien, die mit dem letzten Buch des Neuen Testamentes ihre Schwierigkeiten haben. Der Autor ermüdet seinen Leser nicht mit exegetischen Wortklaubereien. In fünfzehn Kapiteln führt er in die Stimmung dieser geheimnisvollen Schrift ein und gibt damit eine Einführung in die johanneische Apokalyptik. Hermann-Josef Venetz webt in seinen erklärenden Text spezielle weiter ausholende Erklärungen ein (die grosse Hure, Zahlenmystik, das geschlachtete Lamm, das tausendjährige Reich). Auch einschlägige historische Themen (Briefwechsel Trajan/Plinius) werden ausführlicher erörtert.
Das leicht lesbare Büchlein hat auch aktuellen Bezug zur Jahrtausendwende.<6>


Anmerkungen

1 M. Hauk-Rakos und E. Schredl, Der grosse Advent zum neuen Jahrtausend. Gottesdienste und Feiern an der Schwelle zum neuen Jahrtausend, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 200 Seiten.
Im ersten Teil befasst es sich als Anleitung für eine klärende Verkündigung mit der Apokalypse. Der zweite Teil bringt praktische Elemente für Feiern in Schule, Vereinen und in der Familie. Der dritte Teil befasst sich in Beispielen mit der Verkündigung und der liturgischen Gestaltung.

2 Erwin Möde, 2000 Jahre Christentum und europäische Kultur, Styria Verlag, Graz 1999, 192 Seiten.

3 Klaus Hofmeister und Lothar Bauerochse (Hrsg.), Die Zukunft der Religion. Spurensicherung an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, Echter Verlag, Würzburg 1999, 218 Seiten.

4 Leo Strohm, 2000 Jahre Christentum. Eine Religion verändert die Welt, Kreuz Verlag, Stuttgart, und Pattloch Verlag, München 1999, 240 Seiten.

5 Medard Kehl, Und was kommt nach dem Ende? Von Weltuntergang und Vollendung. Wiedergeburt und Auferstehung, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 174 Seiten.

6 Hermann-Josef Venetz, Das Buch von der subversiven Hoffnung. Zugänge zur Offenbarung des Johannes, Kanisius Verlag, Freiburg i.Ü. 1999, 128 Seiten.


Das AT verstehen

Josef Schreiner, Das Alte Testament verstehen (Die Neue Echter Bibel, Ergänzungsband 4 zum Alten Testament), Echter Verlag, Würzburg 1999, 248 Seiten.

Es muss «für den Christen als unerlässlich erscheinen, Zugang zum AT zu suchen, um zu erfahren, was das AT selbst zu sagen hat, und dadurch auch die Botschaft des NT besser zu verstehen» (S. 156). Dies ist einer der Kernsätze zum Anliegen des vorliegenden Ergänzungsbandes. Der Autor greift darin aktuelle Fragen zum Verständnis des AT auf und geht auf Probleme der Exegese ein, die teilweise seit Jahren diskutiert werden. Es geht ihm nicht darum, hermeneutische Theorien, die zwar impliziert sind, abzuhandeln, sondern um die verstehende Begegnung mit dem AT selbst. Voraussetzung für das Verständnis ist der theologische Gehalt, die Methoden als unabdingbare Hilfsmittel sind sekundär.
Leserinnen und Leser werden in drei Teilen in die Thematik eingeführt: Im ersten Teil wird unter dem Titel «Das besondere Buch» das AT in seiner Vielgestaltigkeit der Schriftgattungen und in seinen Beziehungen zur Umwelt und zum NT vorgestellt; im zweiten Teil wird «das massgebende Profil» als Wort Gottes und als inspiriertes Buch, das als wahr und zuverlässig angesehen werden kann, erörtert; im dritten und abschliessenden Teil werden «Zugänge zum Alten Testament» unter anderem vom AT selber her aufgezeigt, vom NT her gedeutet, von der Kirche angefragt und aus Zeitströmungen heraus angegangen.
Der Autor vermittelt eine Fülle von Informationen, Zusammenhängen und Verdeutlichungen. In dichten Aussagen wird viel Material vorgestellt. Daher ist dieser Band kein einfaches Buch, aber ein wichtiges Hilfsmittel für alle, die das AT besser verstehen wollen. Es hilft mit, auch das NT besser zu verstehen, weil der Autor immer wieder deutlich macht, dass das AT nicht ohne das NT und das NT nicht ohne das AT verstanden werden kann. So erweitert es nicht nur das eigene Verständnis der «zweigeteilten» christlichen Bibel, sondern dient auch jenen, die dem aktuellen Bedürfnis nach besserer Kenntnis der Bibel in Predigten, Kursen und Bildungsveranstaltungen Rechnung tragen möchten.
«Die Bibel für das Leben fruchtbar zu machen, ist das Ziel aller ernsthaften Beschäftigung mit ihr» (S. 211). Diesem Bestreben nachzukommen ermöglicht der vorliegende Band in hervorragender Weise.

Urs Köppel


Christen und Muslime

Ludwig Hagemann und Reiner Albert (Hrsg.), Dialog in der Sackgasse? Christen und Muslime zwischen Annäherung und Abschottung, (Religionswissenschaftliche Studien, 46), Echter Verlag und OROS Verlag, Würzburg und Altenberge 1998, 210 Seiten.

Der Dialog zwischen Christen und Muslimen ist eine mühsame Angelegenheit. Im Umfeld des II. Vatikanischen Konzils gab es einen euphorischen Höhepunkt; darauf folgte wie eine kalte Dusche die Ernüchterung. Sie war stark beeinflusst von Ereignissen der Weltpolitik und durch eine militante Praxis des muslimischen Fundamentalismus. Dazu kommt, dass die moslemische Präsenz durch Fremdarbeiter mit ihren Familien, zum Teil schon in zweiter Generation, stark angestiegen ist. Das führt selbstverständlich zum berechtigten Wunsch einer Eigenprofilierung des moslemischen Bevölkerungsteils und zu entsprechenden, oft kleinlichen Abwehrreaktionen der christlichen Mehrheit eines Ortes.
Über die daraus entstehende Problematik handelt das Buch mit einem Team hervorragend qualifizierter Autoren. Es geht zuerst darum, historische Vorurteile und Fehlentwicklungen (Kreuzzüge, Kolonialismus usw.) zu erkennen.
Das Buch ist einem Pionier und Fachmann des christlich-islamischen Ökumenismus zum 75. Geburtstag gewidmet, dem Weissen Vater Robert Caspar. Der Herausgeber schildert eingangs den wissenschaftlichen Werdegang und die grossen Verdienste des Geehrten.
Für die gegenwärtige Problematik Christentum ­ Islam bietet dieses Buch eine Fülle wertvoller Fakten und Überlegungen.

Leo Ettlin


Exerzitien für den Alltag

Piet van Breemen, Was zählt, ist Liebe. Exerzitien für den Alltag, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1998, 144 Seiten.

Der Jesuit Piet van Breemen ist ein gesuchter Exerzitienmeister und ein ebenso erfolgreicher und aufgeschlossener geistlicher Autor. Seine in diesem Bändchen edierten Exerzitien für den Alltag gehen zurück auf eine geistliche Übungswoche, die er 1998 den Benediktinerinnen der Abtei St. Hildegard in Eibingen gehalten hat. Dieser Exerzitienmeister geht in der Praxis wohl in den Spuren des Ignatius von Loiola; aber Piet van Breemen predigt Geistliche Übungen für Menschen von heute ­ Ordensleute und Laien. Der geistliche Meister ist auch mit zeitgenössischer Theologie und schöner Literatur bestens vertraut und er versteht es vorzüglich, aus literarischen Sujets den Kern herauszuschälen und den aktuellen Sinnbezug blosszulegen.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000