7/2000 | |
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Neue Bücher |
Anselm Grün, Mit Herz und allen Sinnen. Jahreslesebuch. Ausgewählt und herausgegeben von Ludger Hohn-Morisch, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 394 S.
Das Jahreslesebuch von Anselm Grün, aus seinen vielen Publikationen ausgewählt von Ludger Hohn-Morisch, kann für jeden Tag des Jahres ein besinnlicher Lichtblick sein. Die Spiritualität des Ottilianer Benediktiners von Münsterschwarzach ist stark geprägt von der Regel seines Ordensvaters Benediktus. Text und Geist der Regel des heiligen Benedikt von Nursia begegnen dem Leser immer wieder. Die benediktinische Spiritualität des Mönchs, der seine Tätigkeit in der geistlichen Erwachsenenbildung sieht, wird ergänzt durch das Ideengut des Grafen Dürckheim. Beides ist Grundlage einer erfolgreichen Beratertätigkeit und individueller Seelenführung. Dasselbe trifft auch auf dieses Jahreslesebuch zu mit seinen anwendbaren und liebenswürdigen Tagesgedanken.
Gottfried Egger, Mit Maria die Freuden betrachten. Meditationen zum Franziskaner-Rosenkranz, Kanisius Verlag, Freiburg i.Ü. 1999, 31 Seiten.
Der Franziskanerpater Gottfried Egger möchte mit dieser Kleinschrift das Interesse für den Franziskaner-Rosenkranz wecken. Die legendäre Entstehung dieser besonderen Gebetsart geht in den Anfang des 15. Jahrhunderts zurück und soll vom heiligen Wanderprediger Bernardin von Siena speziell empfohlen worden sein. Betrachtet werden in sieben Gesätzen von je zehn Ave Maria die sieben Freuden Marias. Dieser Rosenkranz, der auch Bestandteil der franziskanischen Ordenstracht ist, besteht aus sieben Korallenreihen. Pater Gottfried Egger gibt in diesem Bändchen zu jedem Gesätz eine meditative Einführung. Stille, dem Orden der Franziskaner nahestehende Rosenkranzbeter werden diese Neuentdeckung dankbar aufnehmen.
Daniel Biskup (Bild) und Reinhard Kürzinger (Text), Lourdes, Pattloch Verlag, Augsburg 1997, 94 S.
Reinhard Kürzinger, der Autor dieses Lourdes-Buches, ist Pfarrer und Pilgerführer von deutschen Lourdes-Wallfahrten. Mit echter Begeisterung erzählt er die Bernadette-Geschichte und berichtet aus eigener Erfahrung und intuitiver Beobachtung über das Phänomen des französischen Pyrenäen-Städtchens, das der grösste Marienwallfahrtsort der Welt geworden ist. Der engagierte Text ist aber frei von religiösem Kitsch und erzwungener Erbauung. Für den Bildteil ist Daniel Biskup verantwortlich. Biskup ist ein Meisterfotograf und arbeitet für grosse deutsche Magazine. Seine hervorragenden Bilder halten sowohl das Monumentale des heiligen Ortes als auch die menschlichen Emotionen mit gekonnter Meisterschaft fest. Das Buch könnte als Geschenk für Kranke, die Lourdes im Rollstuhl erlebt haben, viel Freude bereiten.
Medard Kehl, Und was kommt nach dem Ende? Von Weltuntergang und Vollendung, Wiedergeburt und Auferstehung, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 173 S.
Das Ende, das manche apokalyptische Gruppen zum Milleniumswechsel angekündigt
haben, ist nicht eingetreten. Medard Kehls Buch «Und was kommt nach
dem Ende?» ist auch deshalb nach wie vor aktuell. Dem Frankfurter
Dogmatiker, der bereits ein viel gelesenes Lehrbuch «Eschatologie»
vorgelegt hat (31996), ist um es vorweg zu sagen eine gut lesbare
Darstellung zentraler Gehalte der christlichen Hoffnung gelungen.
Sein Buch hat zwei Teile: Zunächst setzt es sich unter der Überschrift
«Menschen fragen über das Ende hinaus» mit gegenwärtigen
Hoffnungsvorstellungen auseinander. Einleitend wird zwischen Wissen und
Hoffen unterschieden, dann das Panorama heutiger säkularer wie
kirchlicher Hoffnungsvorstellungen schlaglichtartig beleuchtet. Einen
Schwerpunkt legt Kehl auf das nichtchristliche, gleichwohl religiös
gestimmte Umfeld, wobei er sich besonders der Wiedergeburtslehre als dem
«Kristallisationspunkt moderner Kulturreligiösität»
widmet. Er vertritt die These, dass die Wiedergeburtslehre mit dem christlichen
Glauben unvereinbar sei. Die Vorstellung, dass der Mensch mit einem göttlichen
Funken begabt sei, der sich durch alle Wiederverkörperungen hindurch
einen Weg zu Gott bahne, widerspreche dem christlichen Schöpfungsglauben,
der von einem unendlichen Abstand zwischen Gott und dem Menschen ausgehe.
Daher könne der Mensch auch nicht durch eigene moralische Vervollkommnung,
sondern nur durch die vergebende Liebe Gottes vollendet werden. Schliesslich
sei die Entwertung des Leibes zu einem blossen Durchgangstadium der Seele
mit der christlichen Hoffnung auf Auferstehung des Fleisches unvereinbar.
Angesichts dieser theologischen Klarstellungen verwundert es, dass Kehl
es den Anhängern des Reinkarnationsglaubens überlassen will, sich
als christlich zu verstehen oder nicht (S. 63). Mag die generöse Geste
sympathisch sein, theologisch konsequent ist sie nicht, zumal sie dem relativistischen
Zeitgeist unnötig Tribut zollt.
Der zweite Teil «Und das Leben der kommenden Welt» stellt in
Grundzügen den Glauben an die Vollendung des Einzelnen sowie der Welt
dar. Die klassischen Themen wie Wiederkunft Christi, Tod, Auferstehung,
Gericht, Fegfeuer, Himmel und Hölle werden hier vor dem Forum heutiger
Anfragen neu aufgerollt. Bemerkenswert ist etwa, wie Kehl dem häufig
stiefmütterlich behandelten Topos «Fegfeuer» neue Bedeutung
abgewinnt. Wenn ein schuldiges, unvollkommenes Subjekt in den Zustand der
Vollendung gelangen soll, muss seine Schuldgeschichte in das Vollendungsgeschehen
integriert werden. Dazu bedarf es eines Reifungs- und Läuterungsprozesses,
innerhalb dessen die Schatten eines Lebens im Lichte des unbedingten Vergebungsangebotes
Gottes angenommen werden. Die Schuld wird demnach nicht einfach vergessen,
sie hat als angenommene und vergebene einen Platz auch in der Vollendung.
Nicht überzeugend kann meines Erachtens die Frage geklärt werden,
warum es sinnvoll sein soll, für die Toten zu beten, wenn diese schon
wie Kehl mit Gisbert Greshake annimmt im Tod selbst auferstehen.
Alles in allem aber ist es Kehl gelungen, die Konturen christlicher Hoffnung
neu und deutlich zu ziehen. Sein Buch, das thematisch weithin der Hoffnungstheologie
des Schweizer Theolgen Hans Urs von Balthasar folgt, sei allen empfohlen,
die sich über den Grund unserer Hoffnung erneut Rechenschaft ablegen
wollen.
Paul Deschler, Mein Kreuzweg daheim, Paulus Verlag, Luzern 1998, 33 Seiten.
Ein kleines Büchlein, aber ein ansprechendes und praktisches Geschenk eines Priesterjubilars für die Krankenseelsorger und für die Kranken. Die Stationenbilder sind Farbreproduktionen des Kreuzweges in der Kapelle von Sigigen (Gemeinde Ruswil). Die Entwürfe stammen vom ehemaligen Hofkaplan Schnüriger auf Schloss Vaduz. Pfarrer Deschler schreibt zu jeder Station eine einprägsame Kurzmeditation in je zwei Vierzeilern. Für kranke Menschen, die nicht mehr ausdauernd beten können, eine hilfreiche Unterstützung.
Adalbert L. Balling, Alles Grosse ist einfach. Weisheit des Herzens, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 117 Seiten.
Der bekannte geistliche Autor stellt hier ein nachdenkliches Büchlein vor, das einem unscheinbaren und doch lebenswichtigen Thema gewidmet ist der Einfachheit. Damit bringt er eine altbewährte Devise in Erinnerung, dass alles Grosse einfach ist. In kleinen Dingen und Erlebnissen ist das Grosse, auch das Göttliche ganz nah. Der Autor führt auf die Spur zum inneren Leben und seinen verborgenen Quellen. Der einfache Mensch hört niemals auf, an das Gute im Menschen zu glauben, und so steht er Gott ganz nahe. Der Einfache ist der Selbstgenügsame zufrieden mit dem seinen, mit den Menschen und auch mit Gott.