6/2000

INHALT

Neue Bücher

Die Bistumsverhältnisse in der Schweiz

Christoph Winzeler, Strukturen von einer «andern Welt». Bistumsverhältnisse im schweizerischen Bundesstaat 1848­1998, ihr historischer Wandel und ihre Inkulturation (Freiburger Veröffentlichungen zum Religionsrecht, Bd. 2, hrsg. von René Pahud de Mortanges), Universitätsverlag, Freiburg Schweiz 1998, XXIV + 326 Seiten.

Das gesamte Paket von Ausnahmegesetzen, das 1848 und verschärft 1874 in die Bundesverfassung gelangte, stammt aus dem Ideengut des Staatskirchentums, aus den Auseinandersetzungen um den Sonderbund und schliesslich verstärkt durch den Kulturkampf der Siebzigerjahre im 19. Jahrhundert. Der bis heute im geltenden Recht verbliebene Genehmigungsvorbehalt für Bistümer (Art. 50 Abs. 4 BV) hat sich fast exklusiv auf die römisch-katholische Kirche konzentriert.
In den letzten Jahrzehnten hat sich der Stellenwert des Religiösen in Gesellschaft und Staat markant verschoben. Der Bundesrat ist gewillt ­ gemäss einer Erklärung aus dem Jahre 1964 ­, diese Bestimmung nicht einseitig oder gar kulturkämpferisch nur auf die römisch-katholische, sondern auch auf weitere Kirchen mit vergleichbarer Diözesanverfassung anzuwenden.
Seit dem 2. Vatikanum (1962 bis 1965) besteht von Seiten der Kirche (Konzilsdekret «Christus Dominus» von 1965) die Tendenz, staatliche, konkordatsrechtliche Bischofswahlrechte längerfristig abzubauen. 1980 legte eine von der Bischofskonferenz eingesetzte Projektkommission «Bistumsgrenzen» die Konzeption einer Neugliederung der schweizerischen Diözesen vor. Sie wurde bis heute nicht realisiert.
Als es um die Nachführung der BV zum 150-jährigen Jubiläum des Bundesstaates ging, tauchten innerhalb des katholischen Volksteils Meinungsverschiedenheiten auf. Die schweizerische Bischofskonferenz trat für die ersatzlose Streichung des Bistumsartikels ein, die Römisch-katholische Zentralkonferenz (RKZ) war der Meinung, die Kantone könnten eventuell die Kompetenz erhalten, «die Errichtung von Bistümern für ihren Bereich zu genehmigen», eine Haltung, die wohl nur durch die «Churer Ereignisse» zu erklären ist. Widersprüchlich ist auch die Haltung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, der öffentlich auf die «historisch bedingte konfessionelle Sensibilität in ehemals reformierten Zentren» Rücksicht zu nehmen hat. In der parlamentarischen Behandlung des Verfassungsentwurfs blieb der Bistumsartikel vorderhand unangetastet. Bei der Volksabstimmung vom Frühjahr 1999 dürften deshalb einige Neinstimmen aus dem katholischen Volksteil gekommen sein.
Die vorliegende Arbeit, die 1997 als Habilitationsschrift der juristischen Fakultät der Universität Freiburg Schweiz eingereicht wurde, ist seinerzeit vom 1990 verstorbenen Basler Lehrer im Kirchenrecht, Prof. Johannes Georg Fuchs, angeregt worden. Sie vermittelt einen guten Überblick über die Bistumsverhältnisse der katholischen, orthodoxen, anglikanischen und methodistischen Kirchen der Schweiz. Wertvoll ist der rechtsvergleichende Ausblick auf die staatliche Behandlung der Bistumsverhältnisse in unsern Nachbarstaaten, in Griechenland und in den skandinavischen Staaten sowie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Verfasser entwickelt daraus Vorschläge für ein modernes Religionsverfassungsrecht, das auch nichtchristlichen Religionen gerecht werden könnte.

Alois Steiner


Erzählung für Ministranten

Stefan Gemmel, Der neue Kirchturmwecker. Lustige Ministrantenabenteuer. Mit Illustrationen von Cornelia Kurtz, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 1999, 112 Seiten.

Von allem Anfang an ist diese Geschichte spannend und voller Überraschungen. Ihr Rahmen ist absolut von heute: Viele Familien ziehen von der Stadt auf das Land. Schüler und Schülerinnen müssen auch in ihren Freizeitaktivitäten klare Schwerpunkte setzen. Ministrantsein gehört nicht einfach zum guten Ton, sondern stellt ein eindeutiges Glaubenszeugnis eines heranwachsenden Christen dar.
Die Ministrantengruppe einer Landpfarrei nötigt dem Neueintretenden eine Mutprobe ab. Mit dem Pfarrer zusammen bereitet sie ein Pfarrfest vor, das die nötigen finanziellen Mittel für die Reparatur der Turmuhr bringen soll. Sprache und Illustrationen sind sich in der Qualität ebenbürtig.

Jakob Bernet


Jesu Tod

Willibald Bösen, Der letzte Tag von Jesus von Nazaret, Herders Reihe Akzente, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1999, 410 Seiten.

Das Buch möchte Antworten auf viele ungereimt scheinende Detailfragen geben, was denn an jenem letzten Tag wirklich geschehen sein soll. Vor solche Fragen ist man immer neu gestellt, wenn man im Heiligen Land den Stätten des Geschehens nachgeht oder wenn wieder einmal pseudohistorische Sensationsberichte in den Boulevardmedien die historischen Tatsachen auf den Kopf stellen. Solche ­ angebliche Sensationen und prickelnde Themen ­ finden guten Nährboden in einem Milieu der Unwissenheit und des Halbwissens. Auch der Vorwurf für antisemitische Parolen in der Passionsgeschichte ist latent immer noch vorhanden. Das vorliegende Buch verbindet Exaktheit und Zuverlässigkeit mit allgemeinverständlicher Diktion. Vorbildlich und auch für den Religionsunterricht anregend sind die vielen Tabellen, Grafiken und Skizzen. Sie lassen sich problemlos vergrössern und kopieren, um sie als Arbeitsblätter einzusetzen.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000