1/2000 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Rainer Kampling (Hrsg.), «Nun steht aber diese Sache im Evangelium...» Zur Frage nach den Anfängen des christlichen Antijudaismus, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1999, 363 Seiten.
Seit der Erklärung Pauls VI. vom 28. Oktober 1965 ist die Frage nach antijüdischen Tendenzen im Neuen Testament zu einem fast zentralen Thema christlicher neutestamentlicher Forschung geworden. Dabei ist zu bedenken, dass in christlichen Kirchen der Antijudaismus durch Jahrhunderte hindurch in Geltung war. Diese Frage darf man kirchenhistorisch nicht ausklammern. Man darf aber auch nicht darüber hinwegsehen, dass sich die antijüdische Verleumdung und der antijüdische Terror auf die Heilige Schrift beriefen. Spätestens nach der Shoah kommt die Frage, ob nicht das Neue Testament selbst, das Buch der Kirche Jesu Christi und Botschaft der Nächstenliebe, bereits den kirchlichen Antijudaismus begründet und legitimiert hat. Pauschale Antworten auf solche Fragen überzeugen nicht mehr. Die Autoren dieses Sammelbandes gehen an die Front und wägen bei den einzelnen Evangelisten und in den Paulusschriften die einzelnen Texte und ihre Tendenzen kritisch und sorgfältig ab.
Josef Imbach, Das Eselein oder von der Tugend der Keckheit. Eine Märcheninterpretation, Benziger Verlag, Zürich und Düsseldorf 1999, 109 Seiten.
Der bekannte Exeget und Literaturinterpret Josef Imbach durchbricht in der vorliegenden, eingehenden Interpretation die Tiefenschichten des wenig bekannten Märchens «Das Eselein». Mit geübter, sicherer Hand schält er aus der Erzählung vom Königssohn, der als Eselein auf die Welt kommt, die Thematik Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl heraus. Das ergibt eine sowohl unterhaltsame als auch lehrreiche Exkursion in die Tiefenschichten psychologischer Märcheninterpretation. Unaufdringlich aber doch unübersehbar steht im Hintergrund der religiöse Aspekt der interpretatorischen Einsicht.
Regine Schindler, Zur Hoffnung erziehen. Gott im Kinderalltag, Verlag Ernst Kaufmann/Theologischer Verlag, Lahr/Zürich 1999, 312 Seiten.
Regine Schindler hat dieses Buch, das 1977 in einer Vorform erschien,
für all jene geschrieben, die in einer Welt voller Unsicherheit ihren
Kindern in der Religion Beheimatung schenken möchten. Das Buch möchte
«Wege zu solcher Beheimatung aufzeigen». Die Autorin hat ihr
Werk in folgende vier Kapitel aufgeteilt: I. Zur Hoffnung erziehen, II.
Gott im Kinderalltag, III. Die Kirche und ihre Feste, IV. Märchen,
Bräuche und Kinderbücher.
Im ersten Kapitel «Zur Hoffnung erziehen» kommt Regine Schindler
auf die Welt zu sprechen, in der Kinder heute aufwachsen, und auf die vielen
Probleme, mit denen die Kinder schon früh konfrontiert werden. In dieser
Welt voller Bedrohungen weist die Autorin auf ihr Leitmotiv religiöser
Erziehung hin, die Hoffnung. Dieses Thema wird dann mit Beispielen aus der
Bibel illustriert, einer Geschichte aus Saint-Exupérys «Kleinem
Prinzen» und einem amerikanischen Märchen, «Die kleinen
Leute von Swabedoo».
Nach einer Einführung im II. Kapitel «Gott im Kinderalltag»
über verschiedene Gottesbilder führt die Autorin «drei berühmte
Kinder der Vergangenheit und ihr Gottesbild» aus. Die drei berühmten
Kinder sind Augustinus, Parzival und der Grüne Heinrich. Diese Beispiele
sind meiner Ansicht nach etwas schwierig und nicht sehr hilfreich bei der
Suche und Frage nach dem persönlichen Gottesbild. In diesem zweiten
Kapitel wird auch die Frage des Betens ausgeführt, auch wieder mit
praktischen Beispielen illustriert. Beim «Vaterunser» weist
die Autorin auch auf das Mütterliche hin, das ihrer Ansicht nach an
den Anfang des Gebetes gehört.
In diesem Kapitel werden auch die für jede religiöse Erziehung
schwierigen Themen vom Tod und vom Leiden ausgeführt.
Im dritten Kapitel «Die Kirche und ihre Feste» möchte Regine
Schindler «für ein Vertrauen in die Kirche werben und dazu anregen,
das tragende Element in der kirchlichen Gemeinschaft neu zu entdecken».
Beim Abschnitt «Das Kirchengebäude» schlägt sie unter
anderem vor, mit kleinen Kindern den Kirchenraum anzuschauen, um ihnen alles
zu zeigen, was da zu sehen ist, bevor man mit ihnen einen Gottesdienst besucht.
Weiter gibt die Autorin Anregungen für das Feiern des Sonntages und
der Kirchenfeste. Am Ende des dritten Kapitels weist sie auf das Erzählen
biblischer Geschichten hin und erwähnt, bei der Auswahl und beim Erzählen
solcher Geschichten auch darauf zu achten, «Frauengeschichten, die
sich in der Bibel finden, für die Kinder gezielt aufzuspüren und
ihnen ein besonderes Gewicht zu geben».
Im letzten Kapitel «Märchen, Bräuche und Kinderbücher»
beantwortet die Autorin zuerst die Frage, welchen religiösen Bezug
denn Märchen haben, und illustriert dies auch mit Beispielen. Sie führt
auch kurz eine «Kritik an Märchen» an, erklärt den
Sinn der Bräuche vom Osterhase, Christkind und Nikolaus und kommentiert
am Schluss des Kapitels noch Kinderbibeln. Vor der Literaturliste finden
sich noch 16 Bildseiten von erhältlichen Kinderbibeln. Leider fehlen
bei einzelnen Beispielen die Texte dazu, was ich persönlich sehr schade
finde.
Das Buch birgt eine reiche Fülle für die religiöse Erziehung
von Kindern. Es scheint mir vor allem für Eltern und Erziehende gedacht,
die im religiösen und kirchlichen Leben bereits daheim sind und sich
auskennen.
Herbert Bontz, Unzeitgemässe Gottsuche, Snayder Verlag, Paderborn 21998, 168 Seiten.
Der Arzt Herbert Bontz (1923) nutzt seinen Ruhestand im Aufarbeiten von Theologie und Philosophie. Er holt hier offensichtlich nach, was ihm als praktizierender Arzt früher kaum möglich war. Herbert Bontz hat sicher einmal in einem klassischen Gymnasium eine vorzügliche Grundlagenbildung genossen. Da knüpft er an und doziert seine wirklich unzeitgemässe Gottsuche.
Kurt Koch, Leben erspüren Glauben feiern. Sakramente und Liturgie in unserer Zeit, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 253 S.
Der eigentliche Anlass für die Herausgabe dieses Bandes, der zumeist
Studien und Untersuchungen aus der Zeit der Professur an der Theologischen
Fakultät Luzern enthält, ist wohl die pastorale Sorge, die Bischof
Kurt Koch im letzten Abschnitt dieses Bandes ausführt: «Liturgischer
Leitungsdienst in pastoralen Notsituationen». Aufgrund des in unseren
Gegenden rapide voranschreitenden Priestermangels ist der Zusammenhang von
Gemeindeleitung und liturgischem Leitungsdienst gestört. Das wird noch
verschärft durch die seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums
üblich gewordene aber keineswegs postulierte Identifikation
von Eucharistie und Liturgie überhaupt. Diese einseitige und ausschliessliche
Fixierung liturgischen Handelns auf die Eucharistie hat eigentlich zu einer
liturgischen Verarmung geführt. In der Zeit unseres Priestermangels
sollte die Chance wahrgenommen werden, die reiche Vielfalt von Gottesdienstformen
wieder bewusster zu pflegen, das heisst, das Verständnis dafür
zu wecken, «dass Liturgie nicht nur Messe ist».
Trotz dieser Unterscheidung ist die Problematik «Gemeindeleitung und
Sakramentenspendung ohne Ordination» nicht vom Tisch zu wischen. Bischof
Kurt Koch weicht diesen Problemen nicht aus. Er sieht sie mit allen «Folgekosten».
Auch die anderen Aufsätze nehmen schwierige aktuelle Diskussionen klar
ins Visier wie Tauf- und Firmalter, Busse das ungeliebte Sakrament
usw.