44/2000

INHALT

Berichte

Trinität und Eucharistie

von Brigitte Muth-Oelschner

 

Das Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes und die Eucharistie als Lebens- und Nervenzentrum der Kirche gehören unlösbar zusammen. In der Eucharistie erhalten wir Anteil an der Lebensfülle des dreieinen Gottes. Darum sind wir dazu berufen, die Gemeinschaft des dreieinen Gottes in der Kirche sichtbar darzustellen. Bischof Kurt Koch machte diese Kernaussagen während der diesjährigen «Quartener Jubiläumstagung» vor etwa 450 Zuhörern und Zuhörerinnen. Der Glaube an den dreieinen Gott sei nicht etwa eine Komplizierung des Gottesglaubens, sondern dessen Fundament. Gerade das urchristliche Bekenntnis zu Jesus als dem Christus und dem Sohne Gottes habe die Kirche zur Entfaltung des Glaubens an den dreieinen Gott gleichsam genötigt. Der Glaube an den dreieinen Gott habe seinen Grund «in der neutestamentlich bezeugten und erzchristlichen Glaubenserfahrung überhaupt, dass im Menschen Jesus von Nazareth und in der Kraft seines Geistes Gott selbst auf uns Menschen zukommt und uns dabei nicht einfach irgendetwas offenbart, sondern im radikalen Sinne sich selbst». Die neutestamentlich bezeugte Grunderfahrung besage, dass in Jesus Christus wirklich und wahrhaft Gott selbst in die Geschichte eingetreten ist. Die Selbstoffenbarung Gottes in seinem Sohn zeige sich vor allem am Kreuz Christi. Dabei stelle das Kreuz nicht nur die von Jesus «beanspruchte göttliche Autorität infrage, sondern auch und gerade das Gottsein des Vaters selbst. Umgekehrt wäre ohne die Auferweckung Jesu von den Toten der von ihm verkündete Vater nicht wirklich Gott. Deshalb ist des Vaters eigene Gottheit durch den Sohn wie auch umgekehrt vermittelt und deshalb ist die Selbstunterscheidung in Gott grundlegend für die innergöttlichen Personen und für ihre eigene Gottheit.»

Gott ist Lebensraum für den anderen

Der Glaube an den dreieinen Gott erschliesst das tiefste Wesen Gottes: Gott selbst ist Lebensraum für den anderen. «Denn der Vater ist anders als der Sohn, und der Sohn wiederum anders als der Heilige Geist.» Das bedeutet, dass in der göttlichen Dreieinigkeit die Verschiedenheit der Personen lebt, wobei der dreieine Gott eine sich ereignende Gemeinschaft ist: «Gott ist in sich die lebendige Gemeinschaft der drei Personen miteinander in der ursprünglichen Beziehungseinheit der Liebe.» In dieser Einheit der Beziehung der Liebe komme jene neue christliche Einheitsidee zum Vorschein, die in der Offenbarung des dreieinen Gottes enthalten ist. Der christliche Glaube an den dreieinen Gott sei die konsequente Auslegung der neutestamentlichen Aussage: Gott ist die Liebe.

Himmlische und irdische Liturgie

Diese ursprüngliche Beziehungseinheit der Liebe ist auch gemeint, wenn das Leben des dreieinen Gottes als «communio» bezeichnet wird. «Denn der Begriff Ðcommunioð bringt eine Einheit zum Ausdruck, die ihren Gegensatz, nämlich die Vielheit und Verschiedenheit, gerade nicht ausserhalb ihrer selbst hat, sondern in sich selbst trägt. Deshalb feiert sie sich in lebendiger Kommunikation von Einheit und Unterschiedenheit in einem ewigen Fest, nämlich in der himmlischen Liturgie.» Die irdische Liturgie der Kirche nehme an dieser himmlischen Liturgie Anteil. «In dem liturgischen Dialog zwischen Gott und den Menschen geht alle Initiative von Gott aus, der sich selbst als Schöpfer und Erlöser uns Menschen in Liebe und Gnade zuwendet.» Der Bischof fuhr fort: «Wir Menschen können dieser gnädigen Zuwendung Gottes nur dadurch entsprechen, dass wir unsererseits mit der Antwort des Gebetes dankend, lobpreisend und anbetend uns Gott zuwenden.»
Wenn man in diesem Sinn Liturgie als das Werk des dreieinen Gottes am Menschen versteht, heisse dies in erster Linie «das Versammeltwerden der Christinnen und Christen durch die gemeinsame Teilhabe am Leibe Christi». Dies betone auch das Konzil, wenn es sage, die Eucharistie sei zuerst Herrenmahl und dann erst Christenmahl. Hier liege auch der tiefste Grund dafür, dass die Liturgie nicht beliebig gestaltet werden könne, denn sonst ist sie nicht mehr als Gottesdienst, sondern nur noch als Menschenwerk wahrnehmbar. Der Bischof unterstrich, dass das Sakrament der «communio» ­ der Gemeinschaft ­ die Eucharistie sei. «Denn Kirche entsteht und besteht dadurch, dass der Herr sich Menschen kommuniziert, in Kommunion mit ihnen tritt und sie so zur Kommunion miteinander bringt», zitierte er dazu Kardinal Ratzinger. Die besondere Sendung des Priesters bestehe darin, das Geheimnis sichtbar darzustellen, dass die Gemeinschaft der Kirche sich die Eucharistie nicht selbst geben kann, sondern sie nur vom Herrn her durch die Vermittlung der einen Kirche empfangen kann. «Und deshalb bedarf es zur Feier der Eucharistie des Sakramentes des priesterlichen Dienstes», erinnerte der Referent. Der «Leib Christi» als eucharistische Nahrung und der «Leib Christi» als kirchliche Gemeinschaft der Glaubenden und Getauften bildeten ein einziges und unlösbares Sakrament. Dies mache Paulus deutlich, wenn er von einem Leib Christi spreche, an dem das eucharistische Brot Anteil gebe, und dann wieder vom Leib Christi, der die Kirche selbst ist. «So macht Paulus verständlich, dass der Aufbau der Kirche durch die Eucharistie geschah, und dass die Einheit der vielen Glaubenden und Getauften in der einen Kirche von dem einen eucharistischen Brot und damit von dem einen Christus her kommt. Weil und insofern Christus nur einer ist, ist auch das eucharistische Brot nur eines; und weil und insofern die Glaubenden durch dieses eine Brot an dem einen Christus Anteil erhalten, kann auch die Kirche nur eine sein.»

In der Eucharistie gegenwärtig

Wenn Paulus die Eucharistie als ein Mahl bezeichnet, das zum Herrn gehört und von ihm ausgeht, dann dies aus der Überzeugung heraus, dass die christliche Gemeinde ihren Herrn selbst bei ihrer liturgischen Feier als gegenwärtig erfährt, und zwar als den Auferweckten und in der Kraft und seines Geistes Präsenten. «Die Eucharistie ist deshalb zuerst die Feier der personalen Präsenz Jesu Christi, in seinem Geist zur Verherrlichung des Vaters.» Von daher stehe im Mittelpunkt der Eucharistie die Epiklese, die Herabrufung des Heiligen Geistes, die zum Ausdruck bringe, dass das Wunder der Gegenwart des Auferstandenen das Werk des Heiligen Geistes ist. Daher sei die Eucharistie grundlegende Gemeinschaft der Glaubenden und Getauften mit Gott, dem Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Für das Verständnis und den Vollzug der Eucharistie sei es dabei von entscheidender Bedeutung, «dass die Gegenwart des dreieinen Gottes den Feiernden vorgegeben ist und dass sie sich einbeziehen lassen in dieses Geschehen». Die Gegenwart des dreieinen Gottes in der Feier der Eucharistie binde die Glaubenden zur Gemeinschaft: so werde Eucharistie auch erfahrbar als Gemeinschaft der Glaubensgeschwisterlichkeit. Die Eucharistie sei zwar noch nicht das verheissene Reich Gottes, jedoch eine sakramentale Vorwegerfahrung. Wie in den Begleitgebeten zur Gabenbereitung, wird nicht nur die endgültige Verherrlichung Gottes durch die gesamte Schöpfung vorweggefeiert, sondern in der Verwandlung der eucharistischen Gaben wird auch die Verwandlung der ganzen Welt am Ende der Zeiten vorweggenommen. Aus dieser universal-kosmischen Schau der Eucharistie ergebe sich ein neuer Zugang zu der Grundüberzeugung, dass die eucharistische Gegenwart der Lebensfülle des dreieinen Gottes auch über den Abschluss der liturgischen Feier andauert.

 

Brigitte Muth-Oelschner war bis vor kurzem Informationsbeauftragte des Bistums Basel.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000