41/2000 | |
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Berichte |
Aus Anlass des Heiligen Jahres fand zum ersten Mal das Junioratstreffen
der Schweizerischen Benediktinerinnenföderation und der Benediktinerkongregation
gemeinsam statt. Die Arbeitsgemeinschaft von im Noviziat Verantwortlichen
benediktinischer Prägung in der deutschen Schweiz (BENARNO) lud alle
benediktinischen und zisterziensischen Schwestern und Brüder im Junioratsalter
in die Abtei Mariastein ein. So trafen sich vom 28. bis zum 31. August 2000
eine Kandidatin und fünf Schwestern mit zeitlicher Profess aus den
Klöstern Habsthal (D), Niederrickenbach, Magdenau, Sarnen und Wurmsbach,
teils begleitet von ihren Novizenmeisterinnen, und ein Kandidat und acht
zeitliche Professen aus Disentis, Einsiedeln, Engelberg und Mariastein im
Gästehaus des Klosters.
P. Peter von Sury OSB, Mariastein, leitete die Tagung zum Thema «lectio
divina». Ausgehend von Augustinus' Berufungsgeschichte, die mit den
Worten «Nimm und lies!» im engen Zusammenhang steht, tauschten
wir unsere eigenen prägenden Erfahrungen mit der Heiligen Schrift aus.
Danach versuchten wir aus der Vita Antonii des Athanasius herauszuarbeiten,
wie der heilige Antonius mit der Schrift lebte, um danach unsere eigene
Praxis zu reflektieren. Vor allem die Gespräche über die vier
Stufen des geistlichen Weges (lectio, mediatio, oratio und contemplatio),
welche der im beschaulichen Leben geschulte Prior der Grande Chartreuse,
Guigo von Kastell (um 10831137), in einem Schreiben an seinen Mitbruder
Gervasius entwickelte, zeigten neue Zugänge zur Schriftlesung auf.
Neben der thematischen Arbeit und dem gemeinsamen Feiern der Liturgie blieb
genügend Zeit für das gegenseitige Sich-Kennen-Lernen, für
regen Gedankenaustausch und gemütliches Beisammensein.
In einer Zeit, wo in vielen Klöstern der Nachwuchs spärlich ist,
war das Junioratstreffen für alle ausserordentlich bestärkend.
Es tut gut, zu erfahren und zu wissen, dass auch andere junge Frauen und
Männer auf dem gleichen Weg der Suche nach Gott sind und die bzw. der
Einzelne mit seinen Schwierigkeiten und Zweifeln nicht alleine ist.
Anfängliche Bedenken und Ängste waren schnell verflogen
zu wohltuend war die ungezwungene, herzliche und frohe Stimmung. Das gemeinsame
Beten, Arbeiten, Essen, Spazieren, die intensiven Gespräche und das
frohe Beisammensein liessen uns spürbar zur benediktinischen Familie
werden. Es ist zu hoffen, dass dieses Treffen von Schwestern und Brüdern
des heiligen Benedikt eine regelmässige Fortsetzung findet zum
Wohl der Einzelnen und der jeweiligen Klostergemeinschaften.