36/2000 | |
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Berichte |
Eine der grössten akademischen Sommerveranstaltungen Mitteleuropas
die Salzburger Hochschulwochen war dieses Jahr dem Thema Gerechtigkeit
gewidmet. Mehr als zwanzig Wissenschafter, darunter mit dem Freiburger Prof.
Fritz Oser und dem Zürcher Jesuiten Nikolaus Klein auch zwei Schweizer,
diskutierten und referierten vor rund 1000 Zuhörern zwei Wochen lang
über «Gerechtigkeit heute. Anspruch und Wirklichkeit».
Gleich zu Beginn der diesjährigen Veranstaltung wurde darauf hingewiesen,
dass jede Zeit, jede Generation ihre eigene Definition von Gerechtigkeit
finden muss. Was heute als ungerecht empfunden werde, könne bereits
in zehn Jahren als gerecht erscheinen oder umgekehrt. Aufgabe der Menschen
müsse es jedenfalls sein, so der Tenor, sich nach bestem Wissen und
Gewissen ständig um gerechte Verhältnisse zu bemühen. Dies,
obwohl es, wie mehrere Referenten betonten, die «perfekte»,
die endgültige Gerechtigkeit auf Erden wohl nie geben werde.
Es wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass vom Einzelnen wohl immer die
Spannung zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ausgehalten werden muss.
Bezugnehmend auf die Bibel meinte in diesem Zusammenhang etwa die Essener
Theologin Dr. Ilse Müllner, dass offenbar genau diese beiden
Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einander bedürfen, um die Welt
im Lot zu halten. Müllner war es auch, die einmahnte, Gott nicht bloss
auf das Bild des Richtenden zu reduzieren. Die Vorstellung von Gott als
Richter, der alles von jedem Menschen wisse, sei, so die Theologin, für
viele Menschen heute unvereinbar geworden mit der biblischen Botschaft von
Liebe und Erbarmen. Dieser Richtergott verkörpere eine Gerechtigkeit,
an der die Seele zerbreche, weil sie ihr nie genügen könne.
Wie konkret Solidarität mit Gerechtigkeit zu tun hat, wurde bei der
Veranstaltung vor allem durch die Aussagen des Münchner Sozialethikers
Prof. Alois Baumgartner verdeutlicht. Er ortete eine ernste Gefahr der Entsolidarisierung
der Gesellschaft in Bezug auf die Bereiche Gesundheitsvorsorge und medizinische
Versorgung. Die finanziellen Möglichkeiten würden, so Baumgartner,
mit dem medizinisch Machbaren nicht mehr Schritt halten können. Dies
berge ungeheure Brisanz in sich, weil sich Fragen ergeben würden, wie
die, ob man medizinische Hilfe bzw. Versorgung von Faktoren wie Alter und
Geld abhängig machen solle. Baumgartner stand mit seiner Meinung nicht
allein. Auch andere wiesen auf eine solche mögliche Entwicklung hin
und warnten ausdrücklich davor.
Das Verhältnis von Religion und Gerechtigkeit thematisierte der
diesjährige Festredner, der Heidelberger Ägyptologe Prof. Jan
Assmann. Seiner Meinung nach ist die Ethik nicht im Schosse der Religionen
entstanden, als vielmehr im Rahmen der menschlichen Erfahrungen. Erst im
Laufe der Zeit und im Zuge «vieler Enttäuschungen und Zusammenbrüche»
sei sie zur Sache Gottes geworden. Die Suche nach dem «Weltethos»
sei, so Assmann, durch diesen Prozess der Theologisierung nicht einfacher
geworden. Der Ägyptologe forderte daher, dass die Gerechtigkeit wieder
vom Himmel auf die Erde zurückgeholt werden müsse. Assmanns Forderung
nach «Wiederverweltlichung» der Gerechtigkeit blieb nicht unwidersprochen.
Die Gerechtigkeit dürfe nicht von Gott losgelöst werden, meinte
der Salzburger Weihbischof Dr. Andreas Laun. Weil Gerechtigkeit eine Qualität
Gottes und ein Geschenk des Himmels sei, müssten wir äusserst
sorgsam ja ehrfürchtig mit ihr umgehen. Die Aufgabe der
Menschen sieht Laun darin, zu erkennen, was diese Gerechtigkeit für
unser irdisches Leben bedeutet. Dabei können sicherlich die Worte von
Papst Johannes Paul II. hilfreich sein, die er im Rahmen einer Grussbotschaft
an die Hochschulwochenteilnehmer richtete. Praktizierte «Gerechtigkeit»
bedeute, so Papst Johannes Paul II., den anderen in seiner Personalität
weniger als nützliches Mittel zu sehen, als vielmehr als «ebenbürtiges»
Wesen, als «Hilfe», als Nächsten, der am Festmahl des Lebens
teilnehmen solle, zu dem alle Menschen von Gott in gleicher Weise eingeladen
sind. Der Papst drückte in seiner Grussbotschaft auch die Überzeugung
aus, dass man das von allen so ersehnte Ziel des Friedens im Grossen wie
im Kleinen mit der Verwirklichung der sozialen und internationalen Gerechtigkeit
erreichen könne. Er ermutigte alle, die das Thema der Gerechtigkeit
im Zeitalter der Globalisierung bewegt, dazu, auch praktisch jene Tugenden
einzuüben, die das Zusammenleben fördern, um im Geben und Nehmen
an einer neuen Gesellschaft und einer besseren Welt bauen zu helfen.
Über die richtige Dosierung von Gerechtigkeit machte sich bei den Hochschulwochen
der Bonner Staatsrechtler Prof. Josef Isensee Gedanken. Seiner Meinung nach
ist die Bedeutung, die die Gerechtigkeit für das Leben spielt, «dosisabhängig».
Gerechtigkeitsperfektionismus sei lebensfeindlich, mahnte er und wies darauf
hin, dass das Leben nicht um der Gerechtigkeit willen existiere.
Dennoch sollte wohl niemand, um es mit den Worten von Hochschulwochen-Obmann
Prof. Heinrich Schmidinger zu sagen, darauf verzichten, Gerechtigkeit permanent
im Kleinen zu üben, sie im Glashaus zu kultivieren wie ein kleines
Pflänzchen, damit sie auch widrigen Verhältnissen trotzen kann.<1>
Die Salzburger Hochschulwochen im Jahr 2001, sie beginnen übrigens am 30. Juli, werden dem Thema «Geist Erfahrung Leben» gewidmet sein. Das Thema wurde von den Veranstaltern vor dem Hintergrund gewählt, dass Religion bzw. Religiosität heute nur mehr Chancen besitzt, wenn sie im konkreten Alltagsleben vollzogen wird. Es kommt heute bei vielen Menschen zu einer Entkoppelung des eigenen Glaubensvollzuges von der Glaubenslehre. Nicht nur damit, sondern auch mit charismatischen und esoterischen Bewegungen wollen sich die nächstjährigen Hochschulwochen befassen. Dazu kommen Fragen wie jene nach der Spiritualität in Musik, Kunst und Literatur sowie jene nach dem Verhältnis von Spiritualität und Psychologie. Schliesslich sollen Phänomene wie die interreligiöse bzw. die nicht-konfessionelle Spiritualität nicht zu vergessen die Spiritualität ohne Gott untersucht und diskutiert werden.
1 Die Referate der diesjährigen Veranstaltung können in einem Sammelband nachgelesen werden, der Ende 2000 erscheinen wird.
In der deutschsprachigen Schweiz gibt es keine kirchliche Jugendzeitschrift.
Vor mehr als zwei Jahren begann das Forum Kirchliche Jugendarbeit (Mitglieder
sind: Deutschschweizerische Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit,
Deutschschweizer Jugendseelsorger[innen]verein, Blauring, Jungwacht, Jugendstufe,
Verband Katholischer Pfadfinder/-innen) mit der Planung einer neuen Zeitschrift.
Die Projektträger beabsichtigten, die Jugendzeitschrift mit begleitenden
Hilfsmitteln für die Katechese, die Arbeit in den Verbänden und
den Einsatz im Rahmen der «Firmung ab 18» nutzbar zu machen
und eng mit der Jugendstufe zu vernetzen.
Auf Wunsch der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK) fanden eine
breit abgestützte Bedürfnisabklärung und eine provisorische
Subskription statt. Auf diese erste, provisorische Subskription hin wurden
1300 Zeitschriftenabonnemente zugesagt. Das ist mehr als die Hälfte
der Abonnementenzahl, die für eine selbsttragendes Erscheinen der Jugendzeitschrift
nötig gewesen wären. Ermutigt durch diese Rückmeldungen und
das Ergebnis einer externen, professionellen Analyse stellten die Projektträger
der DOK ein Gesuch zur mittelfristigen Finanzierung. An der DOK-Sitzung
vom 14. Dezember 1999 wurde das Gesuch einer Jugendzeitschrift abgelehnt.
Statt dessen wurde angeregt, Themenhefte für die «Firmung ab
18» zu schaffen. Für die DOK-Sitzung vom 21. März 2000 wurde
ein überarbeitetes Gesuch eingereicht. In diesem Gesuch wurde besonders
auf die Stellung der methodisch-pädagogischen Hilfsmittel für
den Einsatz in der Firmvorbereitung innerhalb der projektierten Jugendzeitschrift
hingewiesen. Die DOK blieb bei der Ansicht, dass an Stelle einer Jugendzeitschrift
«Themenhefte zur Firmung ab 18» erarbeitet werden sollten. Diesem
Wunsch können wir nicht durch die Aufgabe des Projektes Jugendzeitschrift
entsprechen. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, die Bemühungen
für eine kirchliche Jugendzeitschrift einzustellen.