27-28/2000 | |
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Berichte |
Das letzte, das 17. europäische Katechumenatstreffen war von besonderem
Interesse, weil es in Frankreich stattfand und Frankreich bei der Wiedereinführung
des Erwachsenenkatechumenats eine führende Rolle gespielt hat. Das
hängt zusammen mit der Situation der französischen Kirche in einer
Gesellschaft, die geprägt ist von der Laizität, das heisst von
der Trennung zwischen Kirche und Staat, aber auch von vielfachem Unglauben
und religiöser Indifferenz.
Vor dem 2. Weltkrieg baten Erwachsene meist im Zusammenhang mit einer Eheschliessung
um die Taufe. Sie wurden vom Pfarrer unterwiesen. Seit 1943 löste die
Frage «Frankreich Missionsland?» eine neue missionarische
Bewegung aus. Man begann, die Katechumenen überpfarreilich in Gruppen
zu sammeln. Man bildete sodann eigene Zentren für Katechumenen, das
heisst für Nichtgetaufte. Später machten diese den Katechumenatsequipen
Platz. Man versuchte, jedem Katechumenen ein oder zwei Begleiter aus der
Pfarrei oder aus seiner Umgebung zu geben. Diese wiederum wurden eigens
geschult.
Mindestens alle drei Wochen treffen sich die Katechumenen mit ihren Begleitern
in überpfarreilichen Equipen. Liturgische und theologische Studien
halfen mit, den Katechumenat der ersten Jahrhunderte der Kirche neu lebendig
werden zu lassen. So begann man, die Vorbereitung von drei Monaten bis zu
drei Jahren auszudehnen, wobei sie verschiedene Etappen umfasste.
1964 wurde ein nationaler Dienst für ganz Frankreich eingerichtet,
um Verbindung mit den Diözesen und Regionen zu halten. Neben angestellten
Verantwortlichen suchten viele freiwillige mitverantwortliche Laien und
Ordensschwestern, den Dienst an den Katechumenen besser zu gestalten. Viele
Handreichungen und Bücher erschienen in der Folge.
Man kann vier Pole nennen, die alle in der Initiation gleichzeitig bestehen:
1. Katechese, 2. Bekehrung zu Christus, 3. Erfahrung der Kirche, 4. Liturgisches
Leben. Gebetsleben.
1972 erschien in Rom das neue Rituale für die Erwachseneninitiation,
welches verschiedene liturgische Feiern in Etappen vorsieht. So erlebte
ich bei unserem Treffen an Christi Himmelfahrt in der neuen Kathedrale von
Ivry bekanntlich vom Tessiner Architekten Botta gebaut , wie
zwei Menschen aus der Dritten Welt in den Katechumenat aufgenommen wurden.
Vor der vollen Kathedrale erklärten sie die Beweggründe zu diesem
Schritt. Daraufhin wurden sie mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnet. Fünf
andern Katechumenen wurde das Vaterunser übergeben. Dazu kamen sie
mit ihren Begleitern nach vorne, um es dort feierlich um den Altar herum
zu beten. In einer andern Feier kann feierlich die Bibel übergeben
werden. Zu Beginn der Fastenzeit wird die Feier der Zulassung zur Taufe,
auch Feier der Einschreibung genannt, begangen, möglichst als diözesane
Feier mit dem Bischof. In der Fastenzeit sind drei Skrutinien vorgesehen,
ausgezeichnet mit der Salbung durch Katechumenenöl, im Sinn der Stärkung
in der Abkehr vom Bösen. Schliesslich wird die Taufe in der Osternacht
möglichst in der Pfarrei gespendet, und zwar durch den Bischof.
Interessant sind auch die wachsenden Zahlen von Katechumenen in Frankreich:
Waren es 1980 noch 2800, so waren es 1991 bereits 5640, 1993 schon 8430,
und 1999 gar volle 11000. Getauft wurden in der Osternacht 1998 allein 2300,
und 1999 deren 2550. Begleiter gibt es ungefähr 15000.
Die meisten Katechumenen sind weniger als 40 Jahre alt (80%). 75% sind Frauen,
20% sind Ausländer, 12% sind Studenten, 11% Randständige. 80%
waren vorher ohne Religion. Als Ursache für die wachsende Zahl von
Taufbewerbern wird auf der einen Seite die wachsende Zahl von ungetauften
Kindern genannt, auf der andern Seite der Einfluss der religiösen Bewegungen
und neuen Gemeinschaften sowie etwa das Weltjugendtreffen. Motive sind meist,
dem Leben einen Sinn zu geben, oder den Gott der Christen kennen zu lernen.
In allen Ländern wird zudem die Erfahrung gemacht, dass offizielle
Stellen für Katechumenen die Kontaktnahme erleichtern.