19/2000

INHALT

Berichte

Universitätsseelsorge

von Urs Corradini

 

Am 6./7. März trafen sich in Freiburg die reformierten und katholischen Universitäts-Seelsorgerinnen und -Seelsorger der Schweiz zu ihrer jährlichen Zusammenkunft, die unter dem Titel «Seelsorge im Kontext der Universität ­ Optionen für das 3. Jahrtausend» stand. Der Anlass diente einerseits dem Gedankenaustausch, andererseits der Weiterbildung; zudem kamen strukturelle Fragen im Zusammenhang mit dem Engagement der Kirchen an den Hochschulen zur Sprache.
Als Referent der Tagung konnte Prof. Reinhold Bärenz, Pastoraltheologe an der Theologischen Fakultät der Universitären Hochschule Luzern, gewonnen werden. Er führte aus, welche Optionen in der Zukunft für die Universitätsseelsorge von Bedeutung sein könnten. Dabei legte er eine klare Exegese der einzelnen Begriffe in der Tagungsüberschrift vor und verknüpfte diese jeweils miteinander:

1. Kontext:
Jesus steht für einen Gott, der ein Gott des Lebens ist. Er lässt nichts unversucht, um dieses Leben zu intensivieren, vor allem dort, wo dieses radikal bedroht oder infrage gestellt ist. Auf diese Weise zeigt sich Jesus selbst kulturbildend und kulturschaffend, im Kontext seiner und im Kontrast zu seiner Lebenswelt.

2. Universität:
Aus der Geschichte der Universität selbst ergeben sich die folgenden Kriterien für das Wesen der Universität: zweckfrei, kritisch und ganzheitlich. Zum letzteren führte Bärenz aus: Wo sich die Theologie mit der profanwissenschaftlichen «Welt» befasst, da wird sie notgedrungen auch «inkarnatorisch», das heisst da wächst sie mit der «Welt». Wenn sich Theologie nicht nur von innen her, sondern auch von aussen her «er-fassen» lässt, kann sie auch für einen viel grösseren Kreis von Menschen erfahrbar und für ihr Leben relevant werden. Deshalb braucht die Theologie von ihrem Wesen her den Austausch mit anderen Fachbereichen. Die ganzheitliche Ausrichtung der Theologie erfordert eine Vielfalt der Wissensgebiete. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die Theologie nicht nur von den anderen nimmt, sondern diesen auch gibt.

3. Seelsorge und Option:
Vor dem Hintergrund der drei Kriterien der Universität entwarf der Referent nun ein Seelsorgekonzept für die Zukunft: Der Optionsbegriff ist demnach kein überdimensionaler und überfordernder Leistungsbegriff. Er nimmt einerseits die Gegebenheit und Begrenztheit des menschlichen Lebens ernst, andererseits greift er die Herausforderungen (persönlich und gemeinschaftlich, individuell und strukturell) auf. Dabei ist die biblische Botschaft sowohl Inhalt wie auch Methode: Denn Jesus (wie schon der Gott des Alten Testaments) rückt den Menschen, gerade den schwachen und gescheiterten Menschen, in den Mittelpunkt und mutet ihm Grosses zu. Seelsorge hat immer den Menschen in seiner konkreten Lebenssituation im Blick. Die Pastoral nimmt Mass an der Realität und knüpft analog zum Inkarnationsgeschehen am Vorhandenen an. Sie benennt im Blick auf das Beispiel Jesu in menschenwürdiger Weise sowohl den Indikativ der persönlichen Situation als auch den Imperativ der situativen Herausforderung auf konkrete Veränderungen hin.

4. Zukunft:
Zukunft gestalten bedeutet Abschied von Vertrautem und Liebgewordenem zu nehmen, wo dieses für das Leben der Menschen obsolet geworden ist. Visionarbeit und Trauerarbeit bedingen einander. Es bedeutet sich Rechenschaft zu geben, wo und wie die anfänglichen Inspirationen ins Heute «auf-zu-heben» sind. Es gelte, so Bärenz, die Glut und nicht die Asche zu bewahren.

Im Gespräch der Seelsorgerinnen und Seelsorger untereinander wurde klar, dass der Abschied von der Volkskirche den Verlust der Universitäts-Gemeinden (nicht als Institutionen, sondern als «Gemeinden») zur Folge hat. Es ist kaum mehr möglich, Studierende zu einem umfassenden Engagement in den Universitäts-Gemeinden zu gewinnen; vielmehr sprechen verschiedene Studierende auf unterschiedliche Angebote an, wobei die einen die andern nicht mehr kennen. Das ist eine neue Herausforderung für die Pastoral.
In diesem Zusammenhang wird an einigen Standorten von den Kirchen die Frage nach der Effizienz der Arbeit der Universitäts-Seelsorgerinnen und -Seelsorger aufgeworfen; der Spardruck macht sich unangenehm bemerkbar. Seelsorge lässt sich jedoch nie nach quantitativen Effizienz-Kriterien beurteilen, auch nicht pfarreiliche Seelsorge. Die Präsenz der Kirchen an den Universitäten bleibt wichtig, auch wenn die Universitäts-Seelsorgerinnen und -Seelsorger mit ihrer Arbeit nur wenige erreichen. Sie sorgen aber auch dafür, dass Kirche wahrgenommen wird, und zwar von der Universität als Organisation sowie von vielen Mitgliedern der Universitäts-Gemeinschaft.
An einigen Standorten wurden in diesem Zusammenhang neue Kooperationsmodelle entwickelt: Eine Zusammenarbeit mit kirchlicher Bildungsarbeit über die Grenzen der Universität hinaus wurde aufgenommen. Es ist sicher sinnvoll, die Hochschulpastoral in einen weiteren Kontext von Bildungsarbeit und Akademikerpastoral einzubetten; allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Kirche an der Universität sichtbar und die Universität in der jeweiligen kirchlichen Einrichtung erkennbar bleibt.
An einigen Standorten in der Westschweiz gibt es interessante Modelle ökumenischer Zusammenarbeit: Seelsorgerinnen und Seelsorger beider Konfessionen treten als eine einzige Einrichtung auf; die Programmpunkte sind teils ökumenisch, teils konfessionell, jedenfalls immer offen für alle.
Die Pastoral an den Universitäten ist eine grosse Herausforderung an die Kirchen, die von den Universitäts-Seelsorgerinnen und -Seelsorgern mit viel Engagement angepackt wird.


Schweizerische Sakristanenschule

von Erwin Keller

 

Der Schweizerische Sakristanenverband führt seit 1956 eine eigene Sakristanenschule, die seit 22 Jahren in Einsiedeln stationiert ist. Seit 1977 liegt die Leitung der Schule in den Händen von P. Othmar Lustenberger, Einsiedeln. Auf Ende des Schuljahres 1999/2000 hat er seine Demission eingereicht. Als Nachfolger wurde an der letzten Delegiertenversammlung Pfarrer Dr. Erwin Keller, St. Gallen-Winkeln, gewählt, der seit 1992 als Zentralpräses des Sakristanenverbandes fungiert.

Zum Ausbildungsprogramm

Das Ausbildungsprogramm der Sakristanenschule erstreckt sich auf die folgenden fünf Bereiche: 1. Das Sakristanenamt ­ ein Dienst in der Kirche; 2. Das Sakristanenamt ­ im Dienst der Liturgie; 3. Das Sakristanenamt ­ im Dienst des Gotteshauses (und der Pfarreiräume); 4. Das Sakristanenamt ­ und andere pfarreiliche Dienste; 5. Allgemeines.
Die Schwergewichte liegen auf Punkt 2 und 3. Zur Ausbildung im liturgischen Bereich (Punkt 2) gehören die vielen Aufgaben, die dem Sakristan oder der Sakristanin zufallen in der Vorbereitung, bei der Feier und in der Nachbereitung der verschiedenen Gottesdienste wie auch der verschiedenen Zeiten und Festtage im Kirchenjahr. Der Punkt 3 (Sakristanenamt im Dienst des Gotteshauses und der Pfarreiräume) umfasst die Ausbildung in sehr unterschiedlichen Bereichen wie moderne Reinigungspraxis, Überwachung und Wartung der technischen Anlagen, Pflege der liturgischen Gewänder und Geräte, Schmuck der Kirche, Sicherheitsfragen, Unfallverhütung, Brandverhütung und Brandbekämpfung, Garten- und Umgebungsarbeiten usw. Im Punkt 1 geht es darum, den Sakristanendienst in das Gesamt der Kirche und ihrer Ämter und Dienste einzuordnen. Teil 4 handelt von Aufgaben, die nicht zwingend zum Sakristanendienst gehören, aber oft und sinnvoll damit verbunden sind: Leitung der Ministranten, Gestaltung von Andachten, Lektoren- und Kommunionhelferdienst, eventuell Kantorendienst usw. Im Teil 5 sind einige allgemeine Berufs- und Verbandsfragen untergebracht.
Die Ausbildung an der Sakristanenschule soll möglichst praxisbezogen sein. Das schliesst allerdings die theoretische Unterweisung nicht aus, sondern erfordert sie. Die solide theoretische Kenntnis der verschiedenen Bereiche will helfen und motivieren, die praktischen Aufgaben gut und richtig zu erfüllen. Ausserdem will die religiöse und liturgische Bildung auch die nötige Spiritualität der Sakristane und Sakristaninnen fördern.
Die Sakristanenschule, die vom kommenden Herbst an im Schweizerischen Jugend- und Bildungszentrum, Einsiedeln, untergebracht ist, bietet grundsätzlich jedes Jahr zwei Kurse an. Der Grundkurs dauert vier Wochen, aufgeteilt in zweimal zwei Wochen und ist vornehmlich für Sakristaninnen und Sakristane im Vollamt gedacht. Der Einführungskurs, mehr für Sakristane und Sakristaninnen im Nebenamt, dauert zwei Wochen, aufgeteilt in zweimal fünf Tage. Die beiden Kurse sind voneinander unabhängig. Ausser diesen beiden Standardkursen werden je nach Bedarf Spezialkurse angeboten, zum Beispiel für das Schneiden von Sträuchern, für Kantorendienst usw.<1>


Anmerkung

1 Nächste Kurstermine
Für das Schuljahr 2000/2001 sind die Kurse zu folgenden Terminen angesetzt:
Grundkurs, Teil 1:
13.­24. November 2000;
Teil 2: 12.­23. März 2001.
Einführungskurs, Teil 1:
23.­27. Oktober 2000;
Teil 2: 22.­26. Januar 2001.
Auskunft und Anmeldung bei Pfarrer Dr. Erwin Keller, Herisauer Strasse 91, 9015 St. Gallen, Telefon 071-3111303; Fax 071-3115230.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000