7/2000 | |
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Berichte |
Eine der grössten Spannungen im menschlichen Leben besteht zwischen
dem, was er zu wissen meint, und dem, was er glaubt, zwischen Vernunft und
Glaube also. Soll der Mensch sich von seiner Vernunft oder aber von seinem
Glauben leiten lassen? Diese Frage zieht sich durch die ganze Geschichte
der Menschheit hindurch. Sie stellt sich dort verschärft, wo der Mensch
an einen Gott glaubt, den er nicht sieht. Es erstaunt deshalb nicht, dass
sich Christen aller Zeiten immer wieder mit der Spannung zwischen Glaube
und Vernunft auseinandergesetzt haben, und es ist im Grunde nur zu verständlich,
dass Papst Johannes Paul II. zu diesem Thema eigens eine Enzyklika verfasst
hat: Fides et ratio Glaube und Vernunft.
An der diesjährigen Thomas-Akademie der Theologischen Schule des Klosters
Einsiedeln sprach der Churer Weihbischof Dr. Peter Henrici SJ über
diese Enzyklika und ihre Ausführungen zum Verhältnis zwischen
Glauben und Vernunft. P. Henrici, Theologe und Philosoph, bis zu seiner
Ernennung zum Weihbischof 1993 Professor und Dekan der Philosophischen Fakultät
an der Jesuiten-Universität Gregoriana in Rom, ist in besonderer Weise
kompetent, das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft auszuleuchten.
Die folgenden Zeilen fassen seine Ausführungen in einfacher Weise zusammen.
Wozu, so fragen sich viele Christen, sollen wir uns mit dem Denken nicht-
oder andersgläubiger Menschen abmühen, wenn wir im Glauben an
Christus die endgültige Antwort auf die Frage nach dem Sinn unseres
Lebens bereits erhalten haben? Andere Christen dagegen versuchen, den Glauben
durch Vernunftgründe zu beweisen. Menschen wiederum, die dem Christentum
distanziert gegenüber stehen, sehen im Glauben geradezu einen Angriff
auf die Eigenständigkeit und Würde der menschlichen Vernunft.
All diese Ansichten, so unterschiedlich sie auch sein mögen, stellen
das Verhältnis zwischen Vernunft und Glauben zu einseitig dar. Es gilt,
die komplexen Beziehungen zwischen Glaube und Vernunft an tieferer Stelle
zu suchen.
1. Das menschliche Denken, die menschliche Vernunft ist der einzige gemeinsame
Boden, auf dem Christen wie Nichtchristen, Gläubige wie Nicht- oder
Andersgläubige miteinander überhaupt ins Gespräch kommen
können, ohne aneinander vorbei zu reden. Mit anderen Worten: Die Vernunft,
nicht der Rückgriff auf Bibel und Offenbarung, ermöglicht den
Gedankenaustausch zwischen Menschen unterschiedlicher philosophischer und
religiöser Ansichten. Bereits der Apostel Paulus scheut sich deshalb
nicht, zu den Griechen in Athen in der Sprache ihrer Philosophie zu reden
(Apg). Weil alle Menschen vernünftiger Überlegung fähig sind,
aber nicht alle denselben religiösen Glauben teilen, ist die Aufgabe
der Vernunft im Dialog zwischen den verschiedenen Religionen, zwischen Religion
und Atheismus eine unschätzbare.
2. Die menschliche Vernunft kann und soll den christlichen Glauben von abergläubischen
Vorstellungen reinigen. Noch einmal ist es bereits Paulus, der die Vernunft
zu diesem religionskritischen Zweck einsetzt (Röm). In der Zeit der
blühenden Esoterik, in der Menschen alles Mögliche und Unmögliche
glauben, ist die Wichtigkeit dieser Läuterungsfunktion der menschlichen
Vernunft nur noch gestiegen.
3. Der Christ glaubt an die Erlösung der Welt durch den Tod Jesu Christi
am Kreuz. Dieses Fundament des christlichen Glaubens bedeutet für die
menschliche Vernunft eine radikale Herausforderung, wie schon Paulus betont
(1. Korintherbrief). Denn die menschliche Vernunft steht hier vor etwas,
das sie aus eigener Kraft nicht mehr zu erklären vermag. Dies bedeutet
jedoch nicht einfach eine Kapitulation der Vernunft vor dem Glauben, sondern
im Gegenteil ihre Herausforderung: Die Vernunft erkennt ihre eigenen Grenzen
und kann nicht mehr leichtfertig auf unbegrenzte Leistungen hoffen. Sie
ist berufen, eine Wahrheit zu suchen, die über ihre eigenen Grenzen
hinausgeht. In der Vernunft selbst liegt ein Streben nach etwas, das weit
über sie selbst hinausreicht. So etwa formuliert es im Mittelalter
der Benediktiner Anselm von Canterbury (10331109).
4. Befreit vom Anspruch, die Wahrheit aus eigener Kraft immer schon erkannt
haben zu müssen, kann sich nun die menschliche Vernunft ganz frei ihrer
eigentlichen Aufgabe widmen: der Suche nach der Wahrheit. In dieser selbst
gewählten Orientierung an der Wahrheit erfährt das menschliche
Denken seine radikalste Freiheit und Unabhängigkeit. Weil die Vernunft
durch das Geheimnis des Kreuzes vom Anspruch befreit wird, die Wahrheit
schon gefunden zu haben, wird paradoxerweise gerade der Gläubige dazu
befreit, mit der ganzen Kraft seiner Vernunft nach Wahrheit zu suchen. Es
ist diese enorme geistige Freiheit, die entgegen vieler traditioneller
Vorstellungen Thomas von Aquin auszeichnet: Nur aufgrund dieser radikalen
Offenheit für die Wahrheit, egal welcher Herkunft, wird verständlich,
weshalb Thomas es gewagt hat, die Philosophie des zu seiner Zeit umstrittenen
griechischen Heiden Aristoteles voll und ganz in das christliche Denken
aufzunehmen. Alles Wahre, woher es auch immer stammen mag, wer auch immer
es sagt, stammt von Gott das ist die radikal freie geistige Einstellung
des Thomas von Aquin.
5. Schliesslich ist die Vernunft auch in ganz praktischer Hinsicht von Bedeutung:
Zur Verwirklichung einer Gesellschaft nach christlichen Grundsätzen
ist es nämlich notwendig, dass die christlichen Vorstellungen auch
für Menschen anderer Überzeugungen einsichtig sind. Mit anderen
Worten: Nur ein vernünftiges Christentum vermag Welt, Kirche und Gesellschaft
zum Besseren zu verändern. (Das war der eigentliche Grund, weshalb
Papst Leo XIII. 1879 die Kirche zum Studium der Lehre von Thomas von Aquin
verpflichtet hat.)
Was also hat Glaube mit Vernunft, Vernunft mit Glaube zu tun? Die Antwort
auf diese Frage, so Henrici, ist so vielschichtig wie das Leben selbst.
Dr. P. Patrick Weisser OSB ist Sekretär der Theologischen Schule der Benediktinerabtei Einsiedeln.
Die in der Pfarreiseelsorge Tätigen werden tagtäglich an der Pfarrhaustür, auf Hausbesuchen oder in Einzelgesprächen mit sozialen Problemen konfrontiert. Es gehört auch zur Aufgabe der Kirche, Menschen dort zu helfen, wo der Alltag sie überfordert. Für diese Hilfestellung stehen in Deutschfreiburg verschiedene kirchliche Strukturen zur Verfügung. Sie standen im Zentrum der letzten Dekanatsversammlung der hauptamtlich in der Seelsorge Tätigen Deutschfreiburgs im Bildungszentrum Burgbühl, St. Antoni.
Fast in jeder Pfarrei besteht eine Vinzenzkonferenz oder ein Vinzenzverein,
die sich zum Ziel gesetzt haben, innerhalb ihrer Pfarrei Menschen in finanziellen
Notlagen zu helfen und allenfalls auch seelisch-moralisch zu unterstützen
und zu begleiten.
Als Vertreter der Deutschfreiburgischen Vinzenzgemeinschaften erläuterten
Markus Jungo, Präsident des Ortsrates der Vinzenzkonferenzen Deutschfreiburgs,
und Josef Jungo, Präsident des Vinzenzvereins Düdingen, kurz die
Aufgaben ihrer Organisation und äusserten anschliessend vor allem ihre
Anliegen. So sei es für sie manchmal schwierig, überhaupt Kenntnis
zu erhalten von Not leidenen Menschen innerhalb ihres Wirkungskreises. Die
Tendenz zu Anonymität nehme zu und das strenge Datenschutzgesetz verhindere
vieles. Beide betonten den spontanen, unbürokratischen Charakter ihrer
Dienstleistung. Darin liege die grosse Stärke der Vinzenzkonferenzen
gegenüber Angeboten der öffentlichen Hand. Sie wünschen sich
von Seiten der Seelsorge mehr Informationen und ansonsten eine nicht zu
starke Reglementierung, um die Spontaneität ihrer Hilfe aufrechterhalten
zu können.
Eine andere, für den ganzen Kanton Freiburg angelegte kirchliche
Sozialinstitution ist die Caritas Freiburg. Seit gut einem Jahr wieder mit
einem Büro in der Stadt Freiburg präsent, kommt die Caritas dort
zum Einsatz, wo die öffentliche Hand aufgrund ihrer gesetzlichen Vorschriften
nicht mehr tätig ist. Ilse-Marie Cottier und Florence Butty, beide
teilzeitlich bei Caritas Freiburg angestellt, erläuterten den Seelsorgerinnen
und Seelsorgern, was die Stelle bis jetzt leisten konnte und welches ihre
mittel- und langfristigen Ziele sind.
Ein grosses Anliegen dieser überregionalen Hilfsorganisation, die sich
noch in der Aufbauphase befinde und mit einem Minimum an finanziellen Mitteln
auskommen müsse, sei die Vernetzung der kirchlichen Hilfsangebote im
Kanton. Deshalb habe die Caritas in der Person von Florence Butty jemanden
für die Projektarbeit in den Bezirken angestellt. Pfarreien und ortsansässige
Hilfsgruppen könnten in Zukunft von dieser Stelle profitieren, indem
sie bei geplanten Projekten mit Unterstützung und Begleitung von Seiten
der Caritas rechnen dürften. An die Anwesenden richtete die Caritas
den Wunsch wie in der Behindertenseelsorge bereits verwirklicht
die Bestimmung eines Zuständigen für Fragen der Sozialhilfe in
jeder Pfarrei an die Hand zu nehmen. So liesse sich ein Netzwerk besser
aufbauen und koordinieren.
Die anwesenden Seelsorgerinnen und Seelsorger äusserten den Wunsch
nach einem umfassenden Nachschlagewerk mit Adressen von Hilfsstellen für
alle spezifischen Probleme, mit denen sie im Seelsorgealltag konfrontiert
werden.
Nicht selten holen Menschen, die in einer Lebenskrise stecken, Hilfe
in der Seelsorge. Ein ganz konkretes Hilfsangebot für solche Menschen
könnte in Zukunft das in Deutschfreiburg geplante «Haus der Gesundheit»
sein. Es versteht sich als Alternative zur Psychiatrischen Klinik in Marsens.
Wie Therese Hofer, eine der Initiantinnen, ausführte, sollen in diesem
Haus sieben Menschen stationär für die Dauer von höchstens
drei Monaten aufgenommen und mit ganzheitlichen, alternativen aber auch
herkömmlichen Heilmethoden behandelt werden. Gearbeitet werde mit internen
Fachleuten, es würden bei Bedarf aber auch Experten von aussen einbezogen.
So wünscht sich Therese Hofer für das Haus der Gesundheit eine
«Hausseelsorgerin oder einen -seelsorger» für jene, die
auch eine seelsorgerliche Begleitung beanspruchen möchten. Ende Jahr
hoffen die Initiantinnen die ersten Hilfesuchenden aufnehmen zu können.
Eine grosse Herausforderung diese Projektes ist die Finanzierungsfrage.
Diesbezüglich erhofft man sich auch Unterstützung von Seiten der
Seelsorge und der Pfarreien Deutschfreiburgs.
Das Bistums-Projekt AD 2000 kommt in die Endphase; am 4. Juni findet
es seinen offiziellen Abschluss mit dem grossen Bistumsfest in der Stadt
Freiburg. Als Verantwortlicher für das Dekanat Deutschfreiburg informierte
Rolf Maienfisch über die Höhepunkte im Prozess AD 2000.
Auch an der Deutschfreiburger Kirchentagung vom 11./12. Februar standen
die Inhalte von AD 2000 im Zentrum.
Am kommenden 7./8. April findet unter dem Titel «Out of the Dark
Into the Light» für die Jugendlichen Deutschfreiburgs eine Begegnungsnacht
statt. «Wir werden in der Unterstadt den dunklen Seiten des menschlichen
Lebens begegnen. Menschen sind bereit, uns an einer schwierigen Phase ihres
Lebens teilhaben zu lassen», so Pfarrer Francis Ducrey, Mitorganisator,
über ein Angebot dieser Begegnungsnacht. Organisiert wird der Anlass
durch eine Untergruppe der Kantonalen Kommission für Berufungen.
Marie-Thérèse Weber-Gobet ist Leiterin der deutschsprachigen Informations- und Medienstelle des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg.