50/2000

INHALT

Amtlicher Teil

 

Alle Bistümer

 

Glückwunsch

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) beglückwünscht ihren Vizegeneralsekretär und Informationsbeauftragten, Herrn Dr. Nicolas Betticher, zu seiner Ernennung durch Frau Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold zum Pressesprecher des Eidgenössischen Justiz-und Polizeidepartementes (EJPD).
Die SBK dankt Herrn Dr. Betticher für die während fünf Jahren mit Erfolg geleisteten Dienste und wünscht ihm in seiner neuen, anspruchsvollen Aufgabe Erfüllung und Freude.

Die Schweizer Bischofskonferenz


Pressecommuniqué der 250. Ordentlichen Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK)

Die SBK tagte vom 4. bis 6. Dezember 2000 in Luzern (Priesterseminar St. Beat).
Der Tradition entsprechend durfte die SBK den Apostolischen Nuntius in Bern, Mgr. Dr. Pier Giacomo De Nicolò, willkommen heissen.
Die SBK hat von ihrem Generalsekretär, P. Dr. Roland-B. Trauffer OP anlässlich dieser Wintersession Abschied genommen. Nach über 13-jährigem loyalen Einsatz verlässt P. Trauffer die Bischofskonferenz am 31. Dezember 2000. Der aufrichtig ausgesprochene Dank der SBK verbindet sich mit jenem des Apostolischen Nuntius im Namen des Heiligen Stuhls. Die Bischöfe haben auch den Nachfolger von P. Trauffer, Herrn Dr. Agnell Rickenmann, neuer Generalsekretär der SBK, zum ersten Mal im Rahmen einer Versammlung begrüsst.
Die SBK hat folgende Gäste empfangen:
Herrn Pfr. Dr. Gottfried Locher, Bern, Ökumene-Beauftragter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK);
Herrn Pfr. Dr. Frank Jehle, St. Gallen, Co-Präsident der Evangelisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission (ERGK);
P. Dr. Pierre Emonet SJ, Genf, Mitglied der Evangelisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission (ERGK).
Schwerpunkte dieser Ordentlichen Versammlung waren unter anderem die Analyse der vielfältigen Reaktionen nach der Veröffentlichung des Dokumentes der Glaubenskongregation «Dominus Iesus» und die Leitsätze der Theologischen Kommission der Schweiz zum Schwangerschaftsabbruch.
Die SBK hat mit Genugtuung vom Entscheid des Ständerates vom 28. November 2000 Kenntnis genommen, den so genannten «Bistumsartikel» ersatzlos aus der Bundesverfassung zu streichen.
Die SBK freut sich, dass die Vereinten Nationen (UNO) das Jahr 2001 als das Internationale Jahr der Freiwilligen bezeichnet haben, zumal das kirchliche Leben in unserem Land weitgehend von freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen wird. Anlässlich der offiziellen Eröffnung des UNO-Freiwilligenjahres am 5. Dezember 2000 in Bern wurde die SBK durch Mgr. Dr. Anton Cadotsch, Dompropst der Diözese Basel, vertreten.
Einmal mehr wurden die Schweizer Bischöfe über die politisch angespannte Lage im Heiligen Land unterrichtet. Sie bitten erneut um das Gebet für den Frieden in diesem Land, wo Gott Mensch geworden ist.

Reaktionen zum Dokument der Glaubenskongregation «Dominus Iesus»

Die Bischöfe haben sich ausführlich mit den zahlreichen Reaktionen befasst, die das Dokument der Glaubenskongregation «Dominus Iesus» ausgelöst hat. Sie bedauern die Verletzungen, zu denen dieser schlecht kommunizierte Text Anlass gab. Dankbar haben sie von den vielfachen Klarstellungen seitens des Papstes und verschiedener seiner Mitarbeiter Kenntnis genommen. Besonders wurde darin unterstrichen, dass die ökumenischen Bemühungen und der interreligiöse Dialog vertieft fortgeführt werden sollen. Dies haben auch die Schweizer Bischöfe in ihren vielfältigen Äusserungen zum umstrittenen Dokument immer wieder betont. Klärende Aussprachen fanden namentlich mit einer Delegation des Vorstandes des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und mit dem Büro der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) statt. Darin wurde beiderseits der Wille zur Fortsetzung des ökumenischen Dialoges betont. Dieser wird sich intensiv mit den Unterschieden im Kirchenverständnis befassen müssen, um dem Auftrag Jesu noch besser gerecht zu werden, «dass alle eins seien».

Ökumenische Gespräche

Die SBK empfing Herrn Pfr. Dr. Gottfried Locher, Ökumene-Beauftragter des SEK, zu einem Gespräch über die Beziehung der Römisch-katholischen Kirche zu den Evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz. In seiner Anwesenheit hat sich die SBK mit Vertretern der ERGK zu der von dieser Kommission vorgelegten Arbeitsunterlage «Zur Eucharistischen Gastfreundschaft» beraten.

Leitsätze der Theologischen Kommission (TKS) zum Problem des Schwangerschaftsabbruchs

Die SBK hat nach Ende des Vernehmlassungsverfahrens zum Vorentwurf einer Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs im Hinblick auf die zu erwartenden weiteren Auseinandersetzungen über die geplanten neuen Gesetzesbestimmungen eine gemischte Arbeitsgruppe eingesetzt. Unter der Federführung der TKS sollte diese einen Informations- und Argumentationstext zu dieser Problematik für die SBK ausarbeiten. Zugleich sollte sie das aktuelle Geschehen in dieser Frage (z.B. Beratungsmodell, Zulassung von RU 486/Mifegyne und Kassenpflicht) berücksichtigen. Diese unter dem Vorsitz von Prof. Dr. H. J. Münk, Luzern, gebildete Arbeitsgruppe hat nun der SBK zehn Leitsätze vorgelegt, welche die verschiedenen Aspekte der Problematik behandeln. Die Schweizer Bischöfe danken der TKS und der Arbeitsgruppe für die sorgfältige Arbeit und beauftragen die TKS mit der Veröffentlichung dieses Textes.
Im Zusammenhang mit der Einführung der Kassenpflicht für Mifegyne erinnern die Schweizer Bischöfe an ihre «Stellungnahme zum Vorentwurf über die Änderung des Strafgesetzbuches betreffend Schwangerschaftsabbruch» vom 8. September 1997 und an ihre Erklärung zur Homologation von RU 486/Mifegyne am 14. Juli 1999. Sie haben darin stets unmissverständlich sowohl die Fristenregelung, als auch die Einführung von RU 486/ Mifegyne verurteilt.

Sterbehilfe

Die SBK wurde über die Studientagung der TKS zur Problematik der so genannten Sterbehilfe informiert. Sie nahm auch Kenntnis von der in der Stadt Zürich neu erlassenen Verordnung, wonach Sterbehilfeorganisationen in städtischen Alters- und Pflegeheimen Zutritt erhalten sollen. Die Bischöfe sind über diese Entwicklung besorgt und bitten den Generalvikar in Zürich, Weihbischof Dr. Peter Henrici SJ, diese Besorgnis an geeigneter Stelle zum Ausdruck zu bringen.

Seelsorge an den Fahrenden in der Schweiz

Ein Bericht der Seelsorger für die Fahrenden in der Schweiz wurde entgegengenommen. Bei dieser Gelegenheit dankt die SBK den Verantwortlichen für ihre wertvolle pastorale Tätigkeit. Sie wird die eingebrachten Vorschläge prüfen und notwendige Verbesserungen vornehmen, um die bestmöglichen Voraussetzungen für diese besondere Seelsorge zu schaffen.

Tag der Menschenrechte 2000

Anlässlich des 50. Jahrestages der Europäischen Konvention der Menschenrechte bekräftigt die SBK die Notwendigkeit eines überzeugenden Engagements der Christen für die Menschenrechte. Die Bischöfe erinnern daran, dass sie sich seit 1983 zusammen mit den anderen christlichen Kirchen und den Menschenrechtsorganisationen für eine gemeinsame Aktion jeweils am 10. Dezember einsetzen. Dieses Datum erinnert an die Unterzeichnung der «Allgemeinen Menschenrechtserklärung» von 1948. In diesem Jahr wurde als Motto gewählt: «Schritt für Schritt: Folterprävention beginnt bei dir und mir!». Alle Pfarreien wurden mit einer Dokumentation bedient. Die Bischöfe empfehlen diese Aktion nachdrücklich. Dass es die Folter noch gibt, ist ein Skandal!

Verschiedene Berichte aus Kommissionen der SBK

Die SBK hat verschiedene Berichte aus Kommissionen zur Kenntnis genommen, namentlich zu den Vollversammlungen der Kommission «Sapientia Christiana», der Pastoralplanungskommission (PPK) wie auch der Interdiözesanen Koordination. Sie haben auch den Bericht des Rates der Bischofskonferenzen Europas (CCEE) entgegengenommen.
Die SBK hat zudem das Jahresprogramm ihrer Nationalkommission «Justitia et Pax» für das Jahr 2001 sowie das Arbeitsprogramm der PPK für die Amtszeit 2000­2003 gutgeheissen.

Ökumenische Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz

Die SBK hat den Entwurf des Schlussdokumentes der Kirchen zur Ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz in erster Lesung zur Kenntnis genommen. Dieses «Wort der Kirchen» wird am 1. September 2001 allen Teilnehmern an der Ökumenischen Konsultation sowie auch weiteren geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur von den Kirchenleitungen feierlich übergeben werden. Am Dank-, Buss- und Bettag im September 2001 sollen alle Pfarreien des Landes das «Wort der Kirchen» entgegennehmen. Sie werden dazu mit liturgischem Material bedient werden. Zur Deckung der Kosten für die Schlussphase der Konsultation soll am 18. Februar 2001 in unseren Pfarreien eine Kollekte aufgenommen werden.

ESE.02

Die Bischöfe haben von den Verantwortlichen der kirchlichen Projekte ESE.02 an der «Expo.02» einen Zwischenbericht entgegengenommen. Kunst und Glauben sind die Grundpfeiler des Projektes «Un ange passe». Alle Besucher der Expo.02 werden damit eingeladen, zur Frage: «Wer bist Du für Gott?» Stellung zu nehmen. Mit verschiedenen Angeboten an der Ausstellung sollen die Besucher ihre Einstellung zum Glauben und zur Religion vertiefen können. Das Projekt «Un ange passe» wird auf der Arteplage in Murten umgesetzt sein. Nebst den Angeboten in Murten werden auch vielfältige ökumenische Veranstaltungen dieses Projekt ergänzen, besonders am Pfingstfest und am Eidgenössischen Bettag 2002.

Epiphanie-Opfer und Karwochen-Kollekte

Die Bischöfe empfehlen den Gläubigen das Epiphanie-Opfer 2001 für die Pfarrei St-Nicolas in Neuenburg, für die Pfarrkirche Sta Maria Assunta, Semione (TI), sowie für die Pfarrkirche St. Georg in Surava (GR) im Albulatal.
Die SBK hat den Rechenschaftsbericht 2000 des Schweizerischen Heiliglandvereins zur Karwochen-Kollekte zugunsten der Christen im Heiligen Land entgegengenommen. Mit dem Erlös der Kollekte werden jeweils pastorale, soziale und karitative Programme im Libanon, in Israel, in Palästina und im Süden Syriens unterstützt.

Wahlen und Ernennungen

Katechetische Kommission (KKS)
Die Schweizer Bischöfe haben als neues Mitglied der KKS gewählt:
Frau Carola Marsch, Freiburg.

Theologische Kommission der Schweiz (TKS)
Die SBK hat folgende Mitglieder in die TKS gewählt:
Frau Dr. Eva-Maria Faber, Professorin an der Theologischen Hochschule Chur;
Herr Dr. Libero Gerosa, Professor und Rektor der Theologischen Fakultät Lugano;
P. Dr. Wolfgang Müller OP, Privat-Dozent an der Theologischen Fakultät Luzern.

Schweizerischer Katholischer Missionsrat (SKM)
Die Bischöfe haben als neues Mitglied des SKM bestimmt:
Herrn Pfr. Henri Roduit, Monthey (VS).

Pastoralplanungskommission (PPK)
Die SBK hat als neues Mitglied gewählt:
Frau Annette Mayer-Gebhardt, Chêne-Bougeries (GE).

Ökumenische Konsultation:
Katholische Delegation
Als neues Mitglied der katholischen Delegation im Präsidium der Ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz hat die SBK ernannt:
Frau Béatrice Bowald, Kriens (LU).


Bistümer der deutschsprachigen Schweiz

 

Berufe in der Kirche ­ eine neue Perspektive

Informationsweekend für Interessierte

Menschen für den kirchlichen Dienst zu finden ist heute eine besondere Herausforderung für Seelsorgerinnen und Seelsorger. Welche beruflichen Perspektiven gibt es für junge Menschen in der Kirche? Die «Diözesane Kommission für kirchliche Berufe» des Bistums St. Gallen lädt interessierte Frauen und Männer ab 16 Jahren zu einem Informationsweekend zum Thema «Berufe in der Kirche ­ eine neue Lebensperspektive» ein.
Die Veranstaltung findet statt von Samstag, 20., bis Sonntag, 21. Januar 2001 in den Räumen des Benediktinerklosters St. Otmarsberg in Uznach (SG).
Neben der Präsentation der Berufsbilder erzählen junge Seelsorgerinnen und Seelsorger sämtlicher Berufskategorien über ihre persönliche Motivation, Erfahrungen und Chancen eines kirchlichen Berufes. Als Gast wird Diözesanbischof Ivo Fürer, St. Gallen, am zweiten Tag dieser Veranstaltung von seinen Beweggründen, Vorstellungen und Visionen erzählen und sich dabei auch den Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen.
Eingeladen sind Frauen und Männer ab 16 Jahren. Das Informationsweekend steht offen für Interessierte aus allen Deutschschweizer Diözesen und wird durch die DKB gestaltet im Auftrag des Bistums St. Gallen.
Bestellung von Prospektvorlagen und Anmeldungen sind zu richten an: Diözesane Kommission für Kirchliche Berufe, c/o Katholisches Pfarramt Riethüsli, Teufenerstrasse 148, 9012 St. Gallen, Tel. 071-2778132, Fax 071-2770278, E-Mail kath.riethuesli@bluewin.ch


Bistum Basel

 

«In der Ökumene darüber sprechen, was Kirche ist»

Zu einem eindrücklichen Bekenntnis zur Ökumene gestaltete sich ein Treffen zwischen dem Bischof von Basel, Kurt Koch, sowie Menschen, die ihm auf das Dokument «Dominus Iesus» hin geschrieben haben. Mehr als 80 der Briefschreiberinnen und Briefschreiber zeigten ihre Sorge, aber auch ihr Interesse an der römisch-katholischen Kirche dadurch, dass sie am Samstag, 2. Dezember, ins Franziskushaus nach Dulliken gekommen waren, um dort mit Bischof Koch über das Dokument zu diskutieren. Bischof Koch hatte den Weg der persönlichen Begegnung gewählt, um in einem lebendigen Gedankenaustausch ihren Anliegen so weit wie möglich gerecht werden zu können.
In der Hinführung zum Thema sprach der Bischof zunächst über das Dokument selbst. Dieses sei «urökumenisch», weil es in erster Linie den gemeinsamen Glauben an Christus aufzeige und ein «grossartiges Bekenntnis zu Jesus Christus» sei. Das Dokument enthalte die Lehren des Konzils, wobei berücksichtigt werden müsse, dass das Konzil bereits über 30 Jahre zurück liege und neue Interpretationen notwendig geworden seien. Um das Dokument zu verstehen, sei es aber auch wichtig, den Hintergrund zu kennen, auf dem es entstanden sei. Dabei gehe es um «religionspluralistische Theologien». Diese besagten, Gott sei so unermesslich gross, dass er sich zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Gestalten offenbart habe ­ für die Europäer in Jesus Christus. Mit dieser Beliebigkeit stehe aber der christliche Glaube auf dem Spiel.
In der Öffentlichkeit sei nur der Teil IV des Dokumentes diskutiert worden, in dem es um die «Einzigkeit und Einheit der Kirche» gehe. Wer hier Probleme habe, müsse sich fragen, wie er zum Apostolischen Glaubensbekenntnis stehe, in dem der Glaube an die «eine, heilige katholische und apostolische Kirche» bekannt wird. Trotz allen Spaltungen ­ der Teilung in die West- und Ostkirche, die Reformation, der Trennung der Christ(Alt)-Katholiken ­ kann es nur eine Kirche Jesu Christi geben. Diese ist nach römisch-katholischer Überzeugung in der katholischen Kirche verwirklicht, aber noch nicht vollendet.
Die Aussagen, dass die reformatorischen Kirchen nicht im eigentlichen Sinne Kirchen sind, kann zu Schwierigkeiten führen. Dabei ist aber zu beachten, dass das Dokument den reformatorischen Kirchen nicht das Kirchesein absprechen will, sondern nur darauf aufmerksam macht, dass sie nicht im «katholischen Sinn» Kirche sind. Gemäss Konzil wird die eine Kirche erkennbar in der Fülle des eucharistischen Geheimnisses und der Apostolischen Sukzession des Bischofsamtes, wie sie in der römisch-katholischen Kirche verwirklicht sind. Das Dokument spreche zwar von der Verwirklichung der Kirche Jesu Christi in der römisch-katholischen Kirche, sage aber leider nicht, welche kirchlichen Wesenselemente in den reformatorischen Kirchen verwirklicht seien.
Von einer Infragestellung der Ökumene kann nach Auffassung von Bischof Koch nicht die Rede sein, sondern es handelt sich hier um «ein Problem, an dem wir weiter arbeiten müssen, weil wir ein verschiedenes Verständnis von dem haben, was Kirche ist». Allerdings wird nach Meinung von Bischof Kurt Koch über diese grundlegende Frage, was Kirche sei, zu wenig gesprochen. Das Dokument sei darum eine Herausforderung, in der Ökumene weiterzuarbeiten, weil es deutlich macht, «dass wir die Einheit der Kirche noch nicht erreicht haben». Weder die Lutheraner noch die Alt-Katholiken hätten eine neue Kirche gewollt. Ihnen sei es um eine evangeliumsgemässe Erneuerung der Kirche gegangen, oder wie es der evangelische Theologe Pannenberg ausgedrückt habe, das Gelingen der Reformation bestehe in der Wiedergewinnung der Einheit der Kirche. Ziel der Ökumene sei es, so der Bischof auf eine entsprechende Frage, «die gemeinsame Umkehr aller Christen zu Christus und der im Glauben an Ihn bereits bestehenden Einheit».
Was die Sprache des Dokumentes angehe, die als «schwierig, abstrakt und als theologisch abgehoben», bezeichnet wurde, machte der Bischof darauf aufmerksam, dass der Papst selber bedauert habe, dass es zu Missverständnissen gekommen sei. Er versicherte: «Das Herz des Papstes schlägt für die Ökumene.»
Der Bischof sprach davon, wie die römischen Soldaten die Kleider Christi zerteilt, den Leibrock aber ungeteilt gelassen hätten. Geradezu leidenschaftlich sagte er: «Wir Christen haben den Leibrock Christi zerfetzt. Darum gebe ich mich mit der jetzigen Situation der Ökumene nicht zufrieden.» Denn es gehe heute nicht darum, sich in der Ökumene zu arrangieren: «Wir brauchen keine ökumenischen Tranquilizer sondern ökumenische Beunruhigungspillen.» Wenn die Trennung der Kirche Jesu Christi wieder neu beunruhige, «dann können wir von glücklicher Schuld reden».
Während des Treffens wurde auch das Kommunikationsproblem angesprochen. Der Bischof räumte ein, dass die Kommunikation so unglücklich verlaufen sei, dass sie sich zur verkehrten Botschaft verdichtet habe: «Nur Katholiken kommen in den Himmel.» Bemängelt wurde auch, dass die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) das Anliegen nicht besser transportiert habe; dass eine Sprache gesprochen werde, die übersetzt werden müsste.
Und in seinem Schlusswort sagte der Bischof: «Ökumene ist Gemeinschaft in versöhnter Verschiedenheit.» Dazu sei zwar schon ein Meilenstein erreicht, nicht aber schon das Ziel des Weges.

Informationsstelle


Bistum Chur

 

Ernennungen

Bischof Amédée Grab ernannte:
Hans Cantoni, Pfarrer von St. Anton, Zürich, zum nichtresidierenden Domherrn des Kathedralkapitels von Chur;
Viktor Hürlimann, bisher Pfarradministrator in Spiringen (UR), zum Pfarrer dieser Pfarrei;
Hans Mathis, bisher Pfarrer in Regensdorf (ZH), und Josef Kohler zu Pfarrern in solidum für den Seelsorgeraum Glarner Hinterland-Sernftal, umfassend die Pfarreien Schwanden, Linthal und Luchsingen.


Bischöfliche Missio canonica

Bischof Amédée Grab erteilte die bischöfliche Missio canonica:
Reto Häfliger als Pastoralassistent des Pfarradministrators der Pfarrei Dietlikon (ZH) mit der Aufgabe der Gemeindeleitung.

Bischöfliche Kanzlei


Bistum St. Gallen

 

Seelsorgeratstagung in Quarten

Die erste zweitägige Sitzung in der neuen Amtsdauer des Seelsorgerates, geleitet von Franz Hediger, galt dem gegenseitigen Sichkennenlernen, denn mehr als die Hälfte der 38 Mitglieder ist neu. Das Büro hatte inzwischen Alex Hautle zum Vizepräsidenten gewählt. Vom Priesterrat delegiert wurden Kanonikus und Dekan Jakob Fuchs, Heerbrugg; Guardian Josef Hollenstein, Rapperswil; Pfarrer Josef Manser, Speicher; Pfarrer Josef Manser, Uznach; Pfarrer Niklaus Popp, Gossau. Die Delegierten des Rates der hauptamtlichen Laienseelsorger/Laienseelsorgerinnen sind: Michel Corminboeuf, Appenzell; Knut Fiedler, Widnau; Jan Vosse, Uznach; Hanspeter Wagner, Rheineck. Vom Bischof berufen wurden Sr. Mirjam Falk, Kloster Wurmsbach, und Arnold B. Stampfli, Rieden.
Die Tagung galt aber auch der Information über die Struktur des Bistums sowie über einzelne überregionale Fachkommissionen oder Arbeitsgruppen, in denen Mitglieder der diözesanen Seelsorgeräte vertreten sein müssen. Willy Pfister bleibt auf seinen Wunsch auch als ehemaliger Seelsorgerat im Aktionsrat des Fastenopfers. Vorläufig konnte erst die Spurgruppe, eine Gruppe innerhalb des Seelsorgerates, zusammengestellt werden. Mitglieder sind: Martin Bieder, Au; Ruth Hautle, Wattwil; Monika Seitz, St. Margrethen, und Christa Züllig, Steinach.
Intensiv wurden mögliche Themen für die Arbeit im Seelsorgerat diskutiert. Ohne sich auf das eine oder andere festzulegen, wurde deutlich, dass der Seelsorgerat offen und bereit sein muss für aktuelle Fragen. Vordringlich ist, dass sich die Mitglieder die Meinungen und Ängste zur skizzierten Seelsorge-Einheit anhören und im Rat einbringen.
Den Mitgliedern wurde auch bewusst, wie wichtig die Vernetzung von Seelsorgerat, Dekanatsrat und Priesterrat/Rat der hauptamtlichen Seelsorger/Seelsorgerinnen ist. Die gegenseitige Information muss spielen, damit die Arbeit hier wie dort fruchtbar wird.
Die nächste Sitzung des Seelsorgerates findet am Samstag, 27. Januar, in Appenzell statt.


Zweite «Nacht der Lichter» in St. Gallen

«Wenn Ihr wüsstet, wie gross meine Freude ist, es würde euch gerade anders», sagte Bischof Ivo Fürer am Samstagabend vor dem 1. Adventssonntag in der Kathedrale zu 2000 Menschen jeglichen Alters. Die katholische und evangelische Kirche hatte im Sinne gelebter Ökumene gemeinsam zur zweiten «Nacht der Lichter» eingeladen.
Für einmal war es der Bub, der den Vater bat, mit an die Feier im Geiste der Brüder von Taizé zu kommen. Viele Jugendliche waren in Gruppen aus den verschiedenen Ecken des Bistums nach St. Gallen gefahren. Auffallend viele junge Familien sangen und beteten in der mit Tausenden von Kerzen erleuchteten Kirche, zu denen später das Licht der Kerzen kam, die alle Teilnehmenden in Händen hielten.
Was vor zwei Jahren zum Abschluss des Bistumsjubiläums mit damals bereits 1500 Teilnehmenden seinen Anfang genommen hat, dürfte zu einem traditionellen besinnlichen Einstieg in den Advent werden. Die immer wieder vorgetragene Bitte nach Wiederholung war nicht zu überhören in der bischöflichen Wohnung und in den Gängen des Klosterflügels, wo bei einer feinen Minestrone, bei Ghacktem und Hörnli und den verschiedensten Getränken müde Geister wieder wach wurden.
Bischof Ivo Fürer und Kirchenratspräsident Dölf Weder schüttelten unzählige Hände und nahmen bis gegen Mitternacht den Dank entgegen für das eindrückliche, die Generationen und Konfessionen verbindende Erlebnis. Die jungen Leute haben es nicht ausgesprochen, aber sie dürften es als positiv erfahren haben, nicht allein glaubend unterwegs zu sein, sondern mitgetragen zu werden von vielen, die in dieser immer schneller werdenden Welt ebenfalls auf der Suche sind nach dem Licht, nach tiefer Spiritualität.
«Wir werden viel singen und wenig sprechen» war auf dem abgegebenen Liederblatt zum Mitsingen nachzulesen. «Das ist eben Taizé», sagte ein junger Mann zu seiner Begleiterin, die sich wunderte über die häufige meditative Wiederholung der Lieder, die von einem ad hoc gebildeten Chor zuvor einstudiert worden waren. «Nichts führt in innigere Gemeinschaft mit Gott als meditatives gemeinsames Gebet mit nicht endenden Gesängen, die in der Stille des Herzens weiterklingen, wenn man wieder allein ist», heisst es in einem Liederheft von Taizé. Die Universalität der Kirche wurde dadurch ausgedrückt, dass das Evangelium in verschiedenen Sprachen gelesen wurde.
Die fünfminütige Stille ­ ein Wesensmerkmal von Taizé und ein gegenseitiges Geschenk in dieser lauten Welt ­ wurde von der grossen Gemeinschaft mit wenigen Ausnahmen zuhinterst im Raum eindrücklich respektiert. Sie mündete in die Fürbitten, die mit Weihrauch zum Himmel stiegen. Nach dem gesungenen Vaterunser und dem Dank an alle, die die Feier ermöglicht hatten, bat Kirchenratspräsident Dölf Weder um den Segen Gottes. Um das Taizé-Kreuz blieben auch nach Abschluss des Abendgebetes Menschen im Gebet vertieft.
Hauptamtlich in der katholischen und evangelischen Jugendarbeit tätige Männer und Frauen (Daju und AJD) haben den Anlass organisiert, haben auf weitere hauptberuflich in den Kirchen tätige Leute zählen dürfen, aber ohne das Heer von ehrenamtlich mitwirkenden Frauen und Männer hätte die «Nacht der Lichter» nicht so hell erstrahlen können.


Bistum Lausanne, Genf und Freiburg

 

Im Herrn verschieden

Louis Pittet, Marsens
Geboren am 3. März 1918, Priesterweihe 1945, Vikar in Montet, Orbe und Gillarens. Pfarrer von Crésuz 1951­1965. Seit 1965 Spiritual in der psychiatrischen Klinik von Marsens. Gestorben in Riaz am 2. Dezember 2000.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000