50/2000 | |
INHALT | |
Amtlicher Teil |
Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) beglückwünscht ihren
Vizegeneralsekretär und Informationsbeauftragten, Herrn Dr. Nicolas
Betticher, zu seiner Ernennung durch Frau Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold
zum Pressesprecher des Eidgenössischen Justiz-und Polizeidepartementes
(EJPD).
Die SBK dankt Herrn Dr. Betticher für die während fünf Jahren
mit Erfolg geleisteten Dienste und wünscht ihm in seiner neuen, anspruchsvollen
Aufgabe Erfüllung und Freude.
Die SBK tagte vom 4. bis 6. Dezember 2000 in Luzern (Priesterseminar
St. Beat).
Der Tradition entsprechend durfte die SBK den Apostolischen Nuntius in Bern,
Mgr. Dr. Pier Giacomo De Nicolò, willkommen heissen.
Die SBK hat von ihrem Generalsekretär, P. Dr. Roland-B. Trauffer OP
anlässlich dieser Wintersession Abschied genommen. Nach über 13-jährigem
loyalen Einsatz verlässt P. Trauffer die Bischofskonferenz am 31. Dezember
2000. Der aufrichtig ausgesprochene Dank der SBK verbindet sich mit jenem
des Apostolischen Nuntius im Namen des Heiligen Stuhls. Die Bischöfe
haben auch den Nachfolger von P. Trauffer, Herrn Dr. Agnell Rickenmann,
neuer Generalsekretär der SBK, zum ersten Mal im Rahmen einer Versammlung
begrüsst.
Die SBK hat folgende Gäste empfangen:
Herrn Pfr. Dr. Gottfried Locher, Bern, Ökumene-Beauftragter des Schweizerischen
Evangelischen Kirchenbundes (SEK);
Herrn Pfr. Dr. Frank Jehle, St. Gallen, Co-Präsident der Evangelisch/Römisch-katholischen
Gesprächskommission (ERGK);
P. Dr. Pierre Emonet SJ, Genf, Mitglied der Evangelisch/Römisch-katholischen
Gesprächskommission (ERGK).
Schwerpunkte dieser Ordentlichen Versammlung waren unter anderem die Analyse
der vielfältigen Reaktionen nach der Veröffentlichung des Dokumentes
der Glaubenskongregation «Dominus Iesus» und die Leitsätze
der Theologischen Kommission der Schweiz zum Schwangerschaftsabbruch.
Die SBK hat mit Genugtuung vom Entscheid des Ständerates vom 28. November
2000 Kenntnis genommen, den so genannten «Bistumsartikel» ersatzlos
aus der Bundesverfassung zu streichen.
Die SBK freut sich, dass die Vereinten Nationen (UNO) das Jahr 2001 als
das Internationale Jahr der Freiwilligen bezeichnet haben, zumal das kirchliche
Leben in unserem Land weitgehend von freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
getragen wird. Anlässlich der offiziellen Eröffnung des UNO-Freiwilligenjahres
am 5. Dezember 2000 in Bern wurde die SBK durch Mgr. Dr. Anton Cadotsch,
Dompropst der Diözese Basel, vertreten.
Einmal mehr wurden die Schweizer Bischöfe über die politisch angespannte
Lage im Heiligen Land unterrichtet. Sie bitten erneut um das Gebet für
den Frieden in diesem Land, wo Gott Mensch geworden ist.
Die Bischöfe haben sich ausführlich mit den zahlreichen Reaktionen befasst, die das Dokument der Glaubenskongregation «Dominus Iesus» ausgelöst hat. Sie bedauern die Verletzungen, zu denen dieser schlecht kommunizierte Text Anlass gab. Dankbar haben sie von den vielfachen Klarstellungen seitens des Papstes und verschiedener seiner Mitarbeiter Kenntnis genommen. Besonders wurde darin unterstrichen, dass die ökumenischen Bemühungen und der interreligiöse Dialog vertieft fortgeführt werden sollen. Dies haben auch die Schweizer Bischöfe in ihren vielfältigen Äusserungen zum umstrittenen Dokument immer wieder betont. Klärende Aussprachen fanden namentlich mit einer Delegation des Vorstandes des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und mit dem Büro der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) statt. Darin wurde beiderseits der Wille zur Fortsetzung des ökumenischen Dialoges betont. Dieser wird sich intensiv mit den Unterschieden im Kirchenverständnis befassen müssen, um dem Auftrag Jesu noch besser gerecht zu werden, «dass alle eins seien».
Die SBK empfing Herrn Pfr. Dr. Gottfried Locher, Ökumene-Beauftragter des SEK, zu einem Gespräch über die Beziehung der Römisch-katholischen Kirche zu den Evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz. In seiner Anwesenheit hat sich die SBK mit Vertretern der ERGK zu der von dieser Kommission vorgelegten Arbeitsunterlage «Zur Eucharistischen Gastfreundschaft» beraten.
Die SBK hat nach Ende des Vernehmlassungsverfahrens zum Vorentwurf einer
Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs im Hinblick auf die zu erwartenden
weiteren Auseinandersetzungen über die geplanten neuen Gesetzesbestimmungen
eine gemischte Arbeitsgruppe eingesetzt. Unter der Federführung der
TKS sollte diese einen Informations- und Argumentationstext zu dieser Problematik
für die SBK ausarbeiten. Zugleich sollte sie das aktuelle Geschehen
in dieser Frage (z.B. Beratungsmodell, Zulassung von RU 486/Mifegyne und
Kassenpflicht) berücksichtigen. Diese unter dem Vorsitz von Prof. Dr.
H. J. Münk, Luzern, gebildete Arbeitsgruppe hat nun der SBK zehn Leitsätze
vorgelegt, welche die verschiedenen Aspekte der Problematik behandeln. Die
Schweizer Bischöfe danken der TKS und der Arbeitsgruppe für die
sorgfältige Arbeit und beauftragen die TKS mit der Veröffentlichung
dieses Textes.
Im Zusammenhang mit der Einführung der Kassenpflicht für Mifegyne
erinnern die Schweizer Bischöfe an ihre «Stellungnahme zum Vorentwurf
über die Änderung des Strafgesetzbuches betreffend Schwangerschaftsabbruch»
vom 8. September 1997 und an ihre Erklärung zur Homologation von RU
486/Mifegyne am 14. Juli 1999. Sie haben darin stets unmissverständlich
sowohl die Fristenregelung, als auch die Einführung von RU 486/ Mifegyne
verurteilt.
Die SBK wurde über die Studientagung der TKS zur Problematik der so genannten Sterbehilfe informiert. Sie nahm auch Kenntnis von der in der Stadt Zürich neu erlassenen Verordnung, wonach Sterbehilfeorganisationen in städtischen Alters- und Pflegeheimen Zutritt erhalten sollen. Die Bischöfe sind über diese Entwicklung besorgt und bitten den Generalvikar in Zürich, Weihbischof Dr. Peter Henrici SJ, diese Besorgnis an geeigneter Stelle zum Ausdruck zu bringen.
Ein Bericht der Seelsorger für die Fahrenden in der Schweiz wurde entgegengenommen. Bei dieser Gelegenheit dankt die SBK den Verantwortlichen für ihre wertvolle pastorale Tätigkeit. Sie wird die eingebrachten Vorschläge prüfen und notwendige Verbesserungen vornehmen, um die bestmöglichen Voraussetzungen für diese besondere Seelsorge zu schaffen.
Anlässlich des 50. Jahrestages der Europäischen Konvention der Menschenrechte bekräftigt die SBK die Notwendigkeit eines überzeugenden Engagements der Christen für die Menschenrechte. Die Bischöfe erinnern daran, dass sie sich seit 1983 zusammen mit den anderen christlichen Kirchen und den Menschenrechtsorganisationen für eine gemeinsame Aktion jeweils am 10. Dezember einsetzen. Dieses Datum erinnert an die Unterzeichnung der «Allgemeinen Menschenrechtserklärung» von 1948. In diesem Jahr wurde als Motto gewählt: «Schritt für Schritt: Folterprävention beginnt bei dir und mir!». Alle Pfarreien wurden mit einer Dokumentation bedient. Die Bischöfe empfehlen diese Aktion nachdrücklich. Dass es die Folter noch gibt, ist ein Skandal!
Die SBK hat verschiedene Berichte aus Kommissionen zur Kenntnis genommen,
namentlich zu den Vollversammlungen der Kommission «Sapientia Christiana»,
der Pastoralplanungskommission (PPK) wie auch der Interdiözesanen Koordination.
Sie haben auch den Bericht des Rates der Bischofskonferenzen Europas (CCEE)
entgegengenommen.
Die SBK hat zudem das Jahresprogramm ihrer Nationalkommission «Justitia
et Pax» für das Jahr 2001 sowie das Arbeitsprogramm der PPK für
die Amtszeit 20002003 gutgeheissen.
Die SBK hat den Entwurf des Schlussdokumentes der Kirchen zur Ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz in erster Lesung zur Kenntnis genommen. Dieses «Wort der Kirchen» wird am 1. September 2001 allen Teilnehmern an der Ökumenischen Konsultation sowie auch weiteren geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur von den Kirchenleitungen feierlich übergeben werden. Am Dank-, Buss- und Bettag im September 2001 sollen alle Pfarreien des Landes das «Wort der Kirchen» entgegennehmen. Sie werden dazu mit liturgischem Material bedient werden. Zur Deckung der Kosten für die Schlussphase der Konsultation soll am 18. Februar 2001 in unseren Pfarreien eine Kollekte aufgenommen werden.
Die Bischöfe haben von den Verantwortlichen der kirchlichen Projekte ESE.02 an der «Expo.02» einen Zwischenbericht entgegengenommen. Kunst und Glauben sind die Grundpfeiler des Projektes «Un ange passe». Alle Besucher der Expo.02 werden damit eingeladen, zur Frage: «Wer bist Du für Gott?» Stellung zu nehmen. Mit verschiedenen Angeboten an der Ausstellung sollen die Besucher ihre Einstellung zum Glauben und zur Religion vertiefen können. Das Projekt «Un ange passe» wird auf der Arteplage in Murten umgesetzt sein. Nebst den Angeboten in Murten werden auch vielfältige ökumenische Veranstaltungen dieses Projekt ergänzen, besonders am Pfingstfest und am Eidgenössischen Bettag 2002.
Die Bischöfe empfehlen den Gläubigen das Epiphanie-Opfer 2001
für die Pfarrei St-Nicolas in Neuenburg, für die Pfarrkirche Sta
Maria Assunta, Semione (TI), sowie für die Pfarrkirche St. Georg in
Surava (GR) im Albulatal.
Die SBK hat den Rechenschaftsbericht 2000 des Schweizerischen Heiliglandvereins
zur Karwochen-Kollekte zugunsten der Christen im Heiligen Land entgegengenommen.
Mit dem Erlös der Kollekte werden jeweils pastorale, soziale und karitative
Programme im Libanon, in Israel, in Palästina und im Süden Syriens
unterstützt.
Katechetische Kommission (KKS)
Die Schweizer Bischöfe haben als neues Mitglied der KKS gewählt:
Frau Carola Marsch, Freiburg.
Theologische Kommission der Schweiz (TKS)
Die SBK hat folgende Mitglieder in die TKS gewählt:
Frau Dr. Eva-Maria Faber, Professorin an der Theologischen Hochschule Chur;
Herr Dr. Libero Gerosa, Professor und Rektor der Theologischen Fakultät
Lugano;
P. Dr. Wolfgang Müller OP, Privat-Dozent an der Theologischen Fakultät
Luzern.
Schweizerischer Katholischer Missionsrat (SKM)
Die Bischöfe haben als neues Mitglied des SKM bestimmt:
Herrn Pfr. Henri Roduit, Monthey (VS).
Pastoralplanungskommission (PPK)
Die SBK hat als neues Mitglied gewählt:
Frau Annette Mayer-Gebhardt, Chêne-Bougeries (GE).
Ökumenische Konsultation:
Katholische Delegation
Als neues Mitglied der katholischen Delegation im Präsidium der Ökumenischen
Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz hat die
SBK ernannt:
Frau Béatrice Bowald, Kriens (LU).
Menschen für den kirchlichen Dienst zu finden ist heute eine besondere
Herausforderung für Seelsorgerinnen und Seelsorger. Welche beruflichen
Perspektiven gibt es für junge Menschen in der Kirche? Die «Diözesane
Kommission für kirchliche Berufe» des Bistums St. Gallen lädt
interessierte Frauen und Männer ab 16 Jahren zu einem Informationsweekend
zum Thema «Berufe in der Kirche eine neue Lebensperspektive»
ein.
Die Veranstaltung findet statt von Samstag, 20., bis Sonntag, 21. Januar
2001 in den Räumen des Benediktinerklosters St. Otmarsberg in Uznach
(SG).
Neben der Präsentation der Berufsbilder erzählen junge Seelsorgerinnen
und Seelsorger sämtlicher Berufskategorien über ihre persönliche
Motivation, Erfahrungen und Chancen eines kirchlichen Berufes. Als Gast
wird Diözesanbischof Ivo Fürer, St. Gallen, am zweiten Tag dieser
Veranstaltung von seinen Beweggründen, Vorstellungen und Visionen erzählen
und sich dabei auch den Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen.
Eingeladen sind Frauen und Männer ab 16 Jahren. Das Informationsweekend
steht offen für Interessierte aus allen Deutschschweizer Diözesen
und wird durch die DKB gestaltet im Auftrag des Bistums St. Gallen.
Bestellung von Prospektvorlagen und Anmeldungen sind zu richten an: Diözesane
Kommission für Kirchliche Berufe, c/o Katholisches Pfarramt Riethüsli,
Teufenerstrasse 148, 9012 St. Gallen, Tel. 071-2778132, Fax 071-2770278,
E-Mail kath.riethuesli@bluewin.ch
Zu einem eindrücklichen Bekenntnis zur Ökumene gestaltete sich
ein Treffen zwischen dem Bischof von Basel, Kurt Koch, sowie Menschen, die
ihm auf das Dokument «Dominus Iesus» hin geschrieben haben.
Mehr als 80 der Briefschreiberinnen und Briefschreiber zeigten ihre Sorge,
aber auch ihr Interesse an der römisch-katholischen Kirche dadurch,
dass sie am Samstag, 2. Dezember, ins Franziskushaus nach Dulliken gekommen
waren, um dort mit Bischof Koch über das Dokument zu diskutieren. Bischof
Koch hatte den Weg der persönlichen Begegnung gewählt, um in einem
lebendigen Gedankenaustausch ihren Anliegen so weit wie möglich gerecht
werden zu können.
In der Hinführung zum Thema sprach der Bischof zunächst über
das Dokument selbst. Dieses sei «urökumenisch», weil es
in erster Linie den gemeinsamen Glauben an Christus aufzeige und ein «grossartiges
Bekenntnis zu Jesus Christus» sei. Das Dokument enthalte die Lehren
des Konzils, wobei berücksichtigt werden müsse, dass das Konzil
bereits über 30 Jahre zurück liege und neue Interpretationen notwendig
geworden seien. Um das Dokument zu verstehen, sei es aber auch wichtig,
den Hintergrund zu kennen, auf dem es entstanden sei. Dabei gehe es um «religionspluralistische
Theologien». Diese besagten, Gott sei so unermesslich gross, dass
er sich zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Gestalten offenbart habe
für die Europäer in Jesus Christus. Mit dieser Beliebigkeit
stehe aber der christliche Glaube auf dem Spiel.
In der Öffentlichkeit sei nur der Teil IV des Dokumentes diskutiert
worden, in dem es um die «Einzigkeit und Einheit der Kirche»
gehe. Wer hier Probleme habe, müsse sich fragen, wie er zum Apostolischen
Glaubensbekenntnis stehe, in dem der Glaube an die «eine, heilige
katholische und apostolische Kirche» bekannt wird. Trotz allen Spaltungen
der Teilung in die West- und Ostkirche, die Reformation, der Trennung
der Christ(Alt)-Katholiken kann es nur eine Kirche Jesu Christi geben.
Diese ist nach römisch-katholischer Überzeugung in der katholischen
Kirche verwirklicht, aber noch nicht vollendet.
Die Aussagen, dass die reformatorischen Kirchen nicht im eigentlichen Sinne
Kirchen sind, kann zu Schwierigkeiten führen. Dabei ist aber zu beachten,
dass das Dokument den reformatorischen Kirchen nicht das Kirchesein absprechen
will, sondern nur darauf aufmerksam macht, dass sie nicht im «katholischen
Sinn» Kirche sind. Gemäss Konzil wird die eine Kirche erkennbar
in der Fülle des eucharistischen Geheimnisses und der Apostolischen
Sukzession des Bischofsamtes, wie sie in der römisch-katholischen Kirche
verwirklicht sind. Das Dokument spreche zwar von der Verwirklichung der
Kirche Jesu Christi in der römisch-katholischen Kirche, sage aber leider
nicht, welche kirchlichen Wesenselemente in den reformatorischen Kirchen
verwirklicht seien.
Von einer Infragestellung der Ökumene kann nach Auffassung von Bischof
Koch nicht die Rede sein, sondern es handelt sich hier um «ein Problem,
an dem wir weiter arbeiten müssen, weil wir ein verschiedenes Verständnis
von dem haben, was Kirche ist». Allerdings wird nach Meinung von Bischof
Kurt Koch über diese grundlegende Frage, was Kirche sei, zu wenig gesprochen.
Das Dokument sei darum eine Herausforderung, in der Ökumene weiterzuarbeiten,
weil es deutlich macht, «dass wir die Einheit der Kirche noch nicht
erreicht haben». Weder die Lutheraner noch die Alt-Katholiken hätten
eine neue Kirche gewollt. Ihnen sei es um eine evangeliumsgemässe Erneuerung
der Kirche gegangen, oder wie es der evangelische Theologe Pannenberg ausgedrückt
habe, das Gelingen der Reformation bestehe in der Wiedergewinnung der Einheit
der Kirche. Ziel der Ökumene sei es, so der Bischof auf eine entsprechende
Frage, «die gemeinsame Umkehr aller Christen zu Christus und der im
Glauben an Ihn bereits bestehenden Einheit».
Was die Sprache des Dokumentes angehe, die als «schwierig, abstrakt
und als theologisch abgehoben», bezeichnet wurde, machte der Bischof
darauf aufmerksam, dass der Papst selber bedauert habe, dass es zu Missverständnissen
gekommen sei. Er versicherte: «Das Herz des Papstes schlägt für
die Ökumene.»
Der Bischof sprach davon, wie die römischen Soldaten die Kleider Christi
zerteilt, den Leibrock aber ungeteilt gelassen hätten. Geradezu leidenschaftlich
sagte er: «Wir Christen haben den Leibrock Christi zerfetzt. Darum
gebe ich mich mit der jetzigen Situation der Ökumene nicht zufrieden.»
Denn es gehe heute nicht darum, sich in der Ökumene zu arrangieren:
«Wir brauchen keine ökumenischen Tranquilizer sondern ökumenische
Beunruhigungspillen.» Wenn die Trennung der Kirche Jesu Christi wieder
neu beunruhige, «dann können wir von glücklicher Schuld
reden».
Während des Treffens wurde auch das Kommunikationsproblem angesprochen.
Der Bischof räumte ein, dass die Kommunikation so unglücklich
verlaufen sei, dass sie sich zur verkehrten Botschaft verdichtet habe: «Nur
Katholiken kommen in den Himmel.» Bemängelt wurde auch, dass
die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) das Anliegen nicht besser transportiert
habe; dass eine Sprache gesprochen werde, die übersetzt werden müsste.
Und in seinem Schlusswort sagte der Bischof: «Ökumene ist Gemeinschaft
in versöhnter Verschiedenheit.» Dazu sei zwar schon ein Meilenstein
erreicht, nicht aber schon das Ziel des Weges.
Bischof Amédée Grab ernannte:
Hans Cantoni, Pfarrer von St. Anton, Zürich, zum nichtresidierenden
Domherrn des Kathedralkapitels von Chur;
Viktor Hürlimann, bisher Pfarradministrator in Spiringen (UR), zum
Pfarrer dieser Pfarrei;
Hans Mathis, bisher Pfarrer in Regensdorf (ZH), und Josef Kohler zu Pfarrern
in solidum für den Seelsorgeraum Glarner Hinterland-Sernftal, umfassend
die Pfarreien Schwanden, Linthal und Luchsingen.
Bischof Amédée Grab erteilte die bischöfliche Missio
canonica:
Reto Häfliger als Pastoralassistent des Pfarradministrators der Pfarrei
Dietlikon (ZH) mit der Aufgabe der Gemeindeleitung.
Die erste zweitägige Sitzung in der neuen Amtsdauer des Seelsorgerates,
geleitet von Franz Hediger, galt dem gegenseitigen Sichkennenlernen, denn
mehr als die Hälfte der 38 Mitglieder ist neu. Das Büro hatte
inzwischen Alex Hautle zum Vizepräsidenten gewählt. Vom Priesterrat
delegiert wurden Kanonikus und Dekan Jakob Fuchs, Heerbrugg; Guardian Josef
Hollenstein, Rapperswil; Pfarrer Josef Manser, Speicher; Pfarrer Josef Manser,
Uznach; Pfarrer Niklaus Popp, Gossau. Die Delegierten des Rates der hauptamtlichen
Laienseelsorger/Laienseelsorgerinnen sind: Michel Corminboeuf, Appenzell;
Knut Fiedler, Widnau; Jan Vosse, Uznach; Hanspeter Wagner, Rheineck. Vom
Bischof berufen wurden Sr. Mirjam Falk, Kloster Wurmsbach, und Arnold B.
Stampfli, Rieden.
Die Tagung galt aber auch der Information über die Struktur des Bistums
sowie über einzelne überregionale Fachkommissionen oder Arbeitsgruppen,
in denen Mitglieder der diözesanen Seelsorgeräte vertreten sein
müssen. Willy Pfister bleibt auf seinen Wunsch auch als ehemaliger
Seelsorgerat im Aktionsrat des Fastenopfers. Vorläufig konnte erst
die Spurgruppe, eine Gruppe innerhalb des Seelsorgerates, zusammengestellt
werden. Mitglieder sind: Martin Bieder, Au; Ruth Hautle, Wattwil; Monika
Seitz, St. Margrethen, und Christa Züllig, Steinach.
Intensiv wurden mögliche Themen für die Arbeit im Seelsorgerat
diskutiert. Ohne sich auf das eine oder andere festzulegen, wurde deutlich,
dass der Seelsorgerat offen und bereit sein muss für aktuelle Fragen.
Vordringlich ist, dass sich die Mitglieder die Meinungen und Ängste
zur skizzierten Seelsorge-Einheit anhören und im Rat einbringen.
Den Mitgliedern wurde auch bewusst, wie wichtig die Vernetzung von Seelsorgerat,
Dekanatsrat und Priesterrat/Rat der hauptamtlichen Seelsorger/Seelsorgerinnen
ist. Die gegenseitige Information muss spielen, damit die Arbeit hier wie
dort fruchtbar wird.
Die nächste Sitzung des Seelsorgerates findet am Samstag, 27. Januar,
in Appenzell statt.
«Wenn Ihr wüsstet, wie gross meine Freude ist, es würde
euch gerade anders», sagte Bischof Ivo Fürer am Samstagabend
vor dem 1. Adventssonntag in der Kathedrale zu 2000 Menschen jeglichen Alters.
Die katholische und evangelische Kirche hatte im Sinne gelebter Ökumene
gemeinsam zur zweiten «Nacht der Lichter» eingeladen.
Für einmal war es der Bub, der den Vater bat, mit an die Feier im Geiste
der Brüder von Taizé zu kommen. Viele Jugendliche waren in Gruppen
aus den verschiedenen Ecken des Bistums nach St. Gallen gefahren. Auffallend
viele junge Familien sangen und beteten in der mit Tausenden von Kerzen
erleuchteten Kirche, zu denen später das Licht der Kerzen kam, die
alle Teilnehmenden in Händen hielten.
Was vor zwei Jahren zum Abschluss des Bistumsjubiläums mit damals bereits
1500 Teilnehmenden seinen Anfang genommen hat, dürfte zu einem traditionellen
besinnlichen Einstieg in den Advent werden. Die immer wieder vorgetragene
Bitte nach Wiederholung war nicht zu überhören in der bischöflichen
Wohnung und in den Gängen des Klosterflügels, wo bei einer feinen
Minestrone, bei Ghacktem und Hörnli und den verschiedensten Getränken
müde Geister wieder wach wurden.
Bischof Ivo Fürer und Kirchenratspräsident Dölf Weder schüttelten
unzählige Hände und nahmen bis gegen Mitternacht den Dank entgegen
für das eindrückliche, die Generationen und Konfessionen verbindende
Erlebnis. Die jungen Leute haben es nicht ausgesprochen, aber sie dürften
es als positiv erfahren haben, nicht allein glaubend unterwegs zu sein,
sondern mitgetragen zu werden von vielen, die in dieser immer schneller
werdenden Welt ebenfalls auf der Suche sind nach dem Licht, nach tiefer
Spiritualität.
«Wir werden viel singen und wenig sprechen» war auf dem abgegebenen
Liederblatt zum Mitsingen nachzulesen. «Das ist eben Taizé»,
sagte ein junger Mann zu seiner Begleiterin, die sich wunderte über
die häufige meditative Wiederholung der Lieder, die von einem ad hoc
gebildeten Chor zuvor einstudiert worden waren. «Nichts führt
in innigere Gemeinschaft mit Gott als meditatives gemeinsames Gebet mit
nicht endenden Gesängen, die in der Stille des Herzens weiterklingen,
wenn man wieder allein ist», heisst es in einem Liederheft von Taizé.
Die Universalität der Kirche wurde dadurch ausgedrückt, dass das
Evangelium in verschiedenen Sprachen gelesen wurde.
Die fünfminütige Stille ein Wesensmerkmal von Taizé
und ein gegenseitiges Geschenk in dieser lauten Welt wurde von der
grossen Gemeinschaft mit wenigen Ausnahmen zuhinterst im Raum eindrücklich
respektiert. Sie mündete in die Fürbitten, die mit Weihrauch zum
Himmel stiegen. Nach dem gesungenen Vaterunser und dem Dank an alle, die
die Feier ermöglicht hatten, bat Kirchenratspräsident Dölf
Weder um den Segen Gottes. Um das Taizé-Kreuz blieben auch nach Abschluss
des Abendgebetes Menschen im Gebet vertieft.
Hauptamtlich in der katholischen und evangelischen Jugendarbeit tätige
Männer und Frauen (Daju und AJD) haben den Anlass organisiert, haben
auf weitere hauptberuflich in den Kirchen tätige Leute zählen
dürfen, aber ohne das Heer von ehrenamtlich mitwirkenden Frauen und
Männer hätte die «Nacht der Lichter» nicht so hell
erstrahlen können.
Louis Pittet, Marsens
Geboren am 3. März 1918, Priesterweihe 1945, Vikar in Montet, Orbe
und Gillarens. Pfarrer von Crésuz 19511965. Seit 1965 Spiritual
in der psychiatrischen Klinik von Marsens. Gestorben in Riaz am 2. Dezember
2000.