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45/1999
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Priester sein
Paul Zahner erwartet in seiner Wortmeldung (43/1999, S. 601) einen weiteren
Dialog. Er lässt erkennen, wie tief er sein Priestersein als Ordensmann
versteht und lebt. Dazu hätte er auch auf die Bestellung der Sieben
Apg 6,4 hinweisen können. Die Apostel wollen sich für das Gebet
in dieser Folge und den Dienst des Wortes freihalten. In der
Linie des konziliaren Verständnisses gedacht Bischöfe als
Nachfolger der Apostel, Priester als Teilhaber an ihrem Auftrag kann
sich so ein Priester als Ordensmann ohne Pfarreidienst als Fortsetzer der
erstgenannten Aufgabe verstehen. Die gegenübergestellte Karikatur der
Aufgabe der Gemeindeleitung und Funktion als Sakramentenspender, als «Gemeindeleiter-Manager
und Sakramentenspender-Automat» darf jedoch nicht stehen bleiben.
Es geht dabei um den Dienst am Wort und um die Auferbauung der Gemeinden
Gottes, um die «Sorge für die Gemeinden» (vgl. 2 Kor 11,28)
als Organe Jesu Christi, durch die Er wirkt. Das Konzil hat betont: «Die
Priester gelangen auf ihnen eigene Weise zur Heiligkeit, nämlich durch
aufrichtige und unermüdliche Ausübung ihrer Ämter im Geiste
Christi» (Priesterdekret, Nr. 13), auch im guten Management (Charisma,
d.h. Gabe und Auftrag der kybernesis, 1 Kor 12,28). Gerade darin leben sie
ihre Nächsten- und Gottesliebe und dienen sie der Verherrlichung Gottes,
durch ihr Wirken und durch ihre lebendige Gemeinde nicht daneben.
Der Priester genauer: der Presbyter ist wesentlich ein von Christus
durch seine Kirche und für sie zum Dienst in Beschlag genommener, ermächtigter
Christ: zum Dienst des Wortes, des Brotbrechens und Lossprechens... Dazu
gehört auch der Dienst des stellvertretenden, anbetenden und fürbittenden
Gebetes. Das ist ja der Sinn des priesterlichen Stundengebetes. Das Priestertum
bzw. der Presbyterat darum geht es in der Diskussion ist wesentlich
Dienstcharisma. Meines Erachtens verschwinden manche Probleme dadurch, dass
man den eigentlichen Ausdruck für das Sakrament «Presbyterat» verwendet,
wie es der lateinische Text des Konzils tut: «De Presbyterorum ministerio
et vita» sowie das Neue Testament (presbyteros, nicht: hiereus). So
versteht sich auch die Rede vom «nicht graduellen», sondern
so genannten «wesentlichen» Unterschied gegenüber dem Wesen
und Gehalt des Initiations- bzw. Grundsakraments der Taufe zusammen mit
der Firmung. Das Umgreifende ist das Christsein. Wieder etwas anderes ist
das Charisma des Religiosen. Der Presbyter, der auch Ordensmann ist, kann,
soll und wird entsprechend seinem eigenen Charisma als Religiose besondere
Akzente setzen, wie es der Franziskaner Paul Zahner benediktinisch
zeigt.
Georg Schelbert
© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999