43/1999

INHALT

Wortmeldung

Ist Priester sein Pfarrer sein?

Auf den Artikel «Priester sein ist Pfarrer sein» von Prof. R. Bärenz (in SKZ 39/1999) hatte ich eine Wortmeldung für die SKZ verfasst. In Absprache mit Prof. Bärenz habe ich auf deren Veröffentlichung verzichtet, um zuerst in einen gründlicheren Dialog mit ihm einzutreten und die Ergebnisse dann später vielleicht einmal in ausgereifterer Form vortragen zu können.
Ich möchte an dieser Stelle nur feststellen, dass dem Artikel von Prof. Bärenz von Ordensseite her ­ das heisst von mir her ­ schwere Bedenken entgegenzubringen sind: Das Wesen eines Ordenspriesters liegt nicht im Pfarrer sein! Ich sehe auch keinerlei theologische Gründe, die Existenz von Ordenspriestern für theologisch fragwürdig zu halten. Eine solche Sicht kommt wohl von einer einseitigen Fixierung auf die Territorialpfarrei her, die oftmals als der zentrale, wenn nicht gar der einzige Ort des Kircheseins betrachtet wird. Eine solche Fixierung ist nicht durch theologische und schon gar nicht durch historische Argumente begründbar.
Von meiner Seite her wird sich der theologische Dialog auf den von Prof. Bärenz (S. 529) zitierten Satz des Jesuitenpaters Karl Rahner konzentrieren: «Die Aufgabe (und darum das Wesen) des Priesters ist: Pfarrer sein.» Wesen und Aufgabe des Priesters sind nicht deckungsgleich. Dies würde dazu führen, dass Priester blosse Gemeindeleitungs-Manager und Sakramentenspende-Automaten wären, was bedeuten würde, dass sie sich nicht gleichzeitig selber von Christus leiten lassen müssen und die Sakramente nicht auch zum eigenen Wohl feiern und empfangen. Das Wesen eines Priesters erschöpft sich nicht in seiner Funktion, sondern er ist auch ganz einfach Priester, ein «Mann des Gebetes», wie es in der Liturgie der Diakonenweihe heisst. Der Wille und der Ruf zu einem geistlichen Leben in der Nachfolge Christi ist ein Wesensmerkmal des Priestertums, nicht nur eine kirchlich änderbare Bestimmung. Der tiefere Grund dafür liegt in der Christologie: Das Wesen Jesu Christi liegt nicht in seinem Tun für die Menschen (Pro-Existenz als Erlöser), sondern in seinem Sein (trinitarische Existenz als Sohn Gottes), dessen Ausdruck und Konsequenz sein Tun ist. In Jesus Christus sind Sein und Tun weder einfach deckungsgleich, noch stehen sie in Konkurrenz zueinander. Jesus tat also nicht nur, sondern lebte auch einfach in der nutzlosen Verschwendung der göttlichen Liebe. Und dieses Sein vor Gott gehört zum Wesen seiner Sendung. So muss auch ein Priester als Priester nicht nur tun und funktionieren, sondern darf (und soll) seine Zeit als Priester auch einfach mit Gott verschwenden. Warum sollen also Ordenspriester (und andere Priester) nicht viel öfters als Priester vor Gottes Liebe sein dürfen als sie den Menschen als Priester in der Verkündigung der Liebe Gottes dienen?
Ich bin gespannt auf ein weiteres fruchtbares Ringen um diese wesentlichen Fragen und will im Übrigen keineswegs behaupten, dass Prof. Bärenz meine eben dargelegte Auffassung nicht teilen würde. Ein weiterer Dialog wird klärend sein.

Paul Zahner


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999