40/1999

INHALT

Wortmeldung

Gemeinde ­ Eucharistie ­ Priester

Ich kann der Argumentation des Verfassers R. Bärenz (in SKZ 39/1999) gut folgen und teile sie weitgehend. Dass der «Pfarrer» (Gemeindeleiter) Priester sein soll, leuchtet mir ein. Dass aber jeder Priester auch «Pfarrer» sein soll, scheint weniger zwingend: neben dem Dienst- gibt es vielleicht auch das Mittler-Priestertum (sacerdoce ministériel und médiatorial), wie es Abbé Hubelin (Seelenführer von Charles de Foucauld) einmal formulierte.
Wichtiger ist aber eine andere Folgerung: wenn «in der Feier der Eucharistie der intensivste Wesensvollzug der Kirche» geschieht, dann bedarf diese der äussersten Sorgfalt in Gesinnung und Ausführung. Das hat nicht nur theologische Gründe, sondern auch anthropologische. Im Zusammenhang mit einer französischen Studie zum katholischen Ritual wird gesagt, dass ein Ritual (also zentral etwa die Eucharistiefeier) nicht beliebig manipuliert werden darf. Nicht weil es in sich sakral wäre, sondern weil es mit ausdrücklichen oder impliziten Bedeutungen beladen ist nach all den Generationen, die es praktiziert haben. Es trägt in sich einen Anteil lebendiger Dunkelheit, die zu rationalisieren sehr gefährlich wäre. Die Rituale (hier: der eucharistische Vollzug) sprechen: versuchen wir nicht, an ihrer Stelle oder an ihnen vorbei zu reden und sie mit unserem Wortschwall zu überschütten! Die äussere Form der Eucharistiefeier wurde am Konzil mit guten Gründen erneuert (ob gelungen in jedem Detail, bleibe dahingestellt), doch ist sie jetzt nicht dem Belieben des geweihten oder ungeweihten «Vorsitzenden», «Leiters» usw. anheimgestellt. Ich persönlich orte hier den Grund der gegenwärtigen Kirchenkrise. Die Priester/Pfarrer müssten sich mancherorts mehr zurücknehmen, um Christus den Vortritt zu lassen, im Sakrament des Wortes wie des Brotes und Weines.

Iso Baumer


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999