20-21/1999

INHALT

Wortmeldung

«Metapherntheologie»

Der Dialog über theologische Themen scheint besonders anfällig zu sein für Missverständnisse. Ich habe mit meiner «Wortmeldung» auf mehrere Osterartikel hin nur auf zwei Denk-Richtungen aufmerksam machen wollen: soll innerhalb der Theologie von den Glaubensfakten aus die Lebenswirklichkeit erleuchtet werden (theo-zentrisch oder besser theo-genetisch, von Gott aus entspringend), oder soll die Lebenswirklichkeit zum Ausgangspunkt genommen werden (anthropo-zentrisch oder anthropo-genetisch), wobei die Glaubensfakten dann als Folie zur Erhellung dienen. Es geht mir nicht um Entweder-Oder, auch nicht um Huhn oder Ei. Dass religions-pädagogisch der Ansatz im Leben angezeigt sei, habe ich nicht bestritten. Die von mir diagnostizierte Kehrtwendung in der Denkbewegung führt meines Erachtens zu einer Verflüchtigung des inhaltsbezogenen Glaubens, es bleibt dann noch etwas übrig an Glaubens-Simmungen und Glaubens-Bildern (Metaphern). Vom «Prokrustes-Bett einer traditionellen Dogmatik», von der «Rechtfertigung» meines «eigenen theologischen Denkgebäudes» zu sprechen, scheint mir nicht angemessen. Ich rede von Denk«bewegungen», in Erinnerung an ein Buch, das ich vor langer Zeit las: Benkt-Erik Benktson, Dogma als Drama (Stuttgart, Calwer 1976), eine Darstellung aufgrund des damals viel beschumpfenen und viel gelobten «Holländischen Katechismus» und der Existenzphilosophie des französischen Philosophen Gabriel Marcel. Glaube, Glaubensdenken, Glaubenshandeln ist für mich dynamisch, nicht statisch. Wer Näheres darüber erfahren will, mag mein dickes Buch in die Hand nehmen: Begegnungen. Gesammelte Aufsätze 1949­1999, 356 S., Universitätsverlag Freiburg 1999 (= Ökumenische Beihefte 36). Schon der Titel ist dynamisch.

Iso Baumer


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999