5/1999

INHALT

Wortmeldung

KG-Einführung für ältere Priester

Peider Ruepp hat unter diesem Titel das Angebot gemacht, sich älteren Priestern für eine persönliche Beratung/Einführung und Anwendung des neuen KG zur Verfügung zu stellen (SKZ 50/1998, S. 743). Zu einer Formulierung dieses Angebotes möchte ich ein paar Gedanken äussern.
Ich bin selber ein älterer Priester und freue mich, mit einer Gottesdienstgemeinde Eucharistie zu feiern, die mit ganzem Herzen dabei ist. Dass es auch Gottesdienstteilnehmer gibt, die nebst der aktiven Teilnahme sich auch noch kritischen Beobachtungen widmen und dabei besonders den Priester ins Visier nehmen, gehört einfach dazu. Nun machen sich, nicht etwa erst mit Peider Ruepp, auch andere Gottesdienstteilnehmer bemerkbar: ob das neue KG nun wirklich und überhaupt benutzt werde; ob eventuell nur «protestantische» Lieder gesungen werden; ob das römisch-katholische Liedgut auch zur Geltung komme oder dann einseitig bevorzugt werde; ob man die alten schönen Lieder auch noch singe, oder ob man nur die modernen, rhythmischen, verstandesmässigen und funktionalen Gesänge verwende.
Es ist mir nicht bekannt, mit welcher Kompetenz Herr Ruepp die Beurteilung jenes Gottesdienstes vom 8. November in einer Landkirche des Kantons Luzern vornimmt. Ich persönlich bete insgeheim, dass nie ein zünftiger Liturgiker oder Kirchenmusiker meine Gottesdienste besucht. Ich müsste mir, obwohl ich mir alle Mühe gebe, vermutlich zu viel an die Brust klopfen.
Ich möchte aber besonders auf die Wortwahl zu sprechen kommen. Peider Ruepp schreibt, dass ein «betagter Ersatzpriester» den abwesenden Pfarrer ersetzte. Diese kategoriale Sprechweise scheint vorauszusetzen, dass es neben den Richtigen und Eigentlichen auch die Ersatze gibt. Ob diese Sprechweise in das Umfeld einiger Tendenzen in unseren Diözesen passt, wo versucht wird, Personalprobleme auf eine gewisse mathematische und flächendeckende Weise zu lösen, als könnten strukturelle Probleme, sprich: Gemeindeaufbau, mit dem «Pro-Anzahl-Seelen-Muster» gelöst werden, bei welchem Management auch «Ersatze» anfallen können? Nicht auszudenken, wie sich diese Sprachregelung auswirken würde, wenn solch kategoriale «Zuwendungen» alle hierarchischen Stufen erreichen würden, zum Beispiel betagte «Ersatzkatechet(inn)en». Dieser betagte Priester ist wohl auf Anordnung des abwesenden Pfarrers der Eucharistie vorgestanden, aber nicht als «Ersatz». Jeder Priester wirkt aus dem Auftrag, aus der Weihe und Sendung, die er selbst erhalten hat. Es ist sein Auftrag, seine Sendung. Der Priester handelt nicht als Ersatz eines andern. Das gilt übrigens nicht nur für den Priester.
Die Formulierung in jenem Angebot muss als Bezeichnung einer Kategorie gewertet werden. So werden Chiffren und «Images» gedankenlos ausgesprochen und angehängt. Glücklicherweise darf ich anerkennen, dass solche Bezeichnungen nicht der Spiritualität des neuen KG entsprechen. Ich habe mich sehr intensiv hineingearbeitet und kenne mich darum einigermassen aus. Ich glaube sogar, dass ich manchem «unbetagten» Priester noch einiges offerieren könnte an Einführung und Anwendung. Aber es liegt mir fern, eine Konkurrenzberatung zu eröffnen!

Anton Hüppi


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999