46/1999 | |
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Theologie |
Die Schweizerischen Hochschulen befinden sich seit einigen Jahren in einem Wandlungsprozess. Die Politik des Bundesrates wie auch diejenige der Kantone drängen darauf, die bereits eingeleiteten Restrukturierungen zu beschleunigen und zu vertiefen. Von den universitären Bildungsinstitutionen und ihren Fakultäten wird ganz generell erwartet, dass sie 1. internationaler, 2. offener gegenüber den Problemen der Gesellschaft, 3. vernetzter zwischen den Bildungsstätten und 4. direkter den Konkurrenzmechanismen unterstellt werden, von denen die Ressourcen abhängen. In dieses Koordinatensystem der neuen bildungspolitischen Massnahmen ist ebenfalls die Theologische Fakultät der Universität Freiburg eingebunden. Wie alle Theologischen Fakultäten an staatlichen Einrichtungen hat sie demnach ihren Auftrag und ihr Leitbild nicht nur entlang der Erwartungen der Schweizer Kirche und der immanenten Zielsetzung der Theologie zu formulieren, sondern auch entlang der Erwartungen an die Universität «von morgen». Dies verlangt ein kluges und umsichtiges Vorgehen in Veränderung und Anpassung. Einige konkrete Massnahmen, von denen nachfolgend auch die Rede sein wird, sind an der Theologischen Fakultät bereits eingeleitet worden.
Die Theologische Fakultät hat die ihr bis anhin aufgezwungenen Sparübungen
gut überstanden. Die anfänglichen Befürchtungen, dass es
in den nächsten Jahren einen erheblichen Abbau von Professorenstellen
oder im Bereich des Mittelbaues geben würde, haben sich glücklicherweise
nicht erfüllt. Dies ist einerseits zurückzuführen auf die
insgesamt recht fruchtbare Integration der Fakultät in die Gesamtuniversität,
wie auch auf das hohe wissenschaftliche Prestige, das die Fakultät
innerhalb der Universität geniesst. Die externe Evaluation unserer
Universität, die in den Jahren 1995/1996 durchgeführt wurde, belegt
es deutlich, indem schliesslich von einer «faculté de far»
gesprochen wird. Auf politischer und universitärer Ebene gibt es keine
ernst zu nehmenden Stimmen, welche die Existenz einer Katholisch-Theologischen
Fakultät in Frage stellen. Die Konsolidierung des Fakultätsbudgets
bis ins Jahr 2003, die gute Integration und das relativ hohe Prestige der
Fakultät dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen,
dass es neuerdings Herausforderungen gibt, die diese Errungenschaften zu
einem erheblichen Teil relativieren könnten. Die neuen Herausforderungen
entstehen nicht so sehr auf universitär-kantonaler Ebene, sondern vielmehr
auf national-eidgenössischer Ebene.
Mitte der 90er Jahre hat die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
im Auftrag des Schweizerischen Wissenschaftsrates eine Experten-Evaluation
des schweizerischen Hochschulwesens durchgeführt, unter anderem auch
der Theologischen Fakultäten. Daraus ist eine Stellungnahme mit entsprechenden
Empfehlungen an den Bundesrat erwachsen. Die künftige schweizerische
Universitätspolitik sieht eine Reihe von Massnahmen vor, die auch für
die Theologischen Fakultäten nicht unerheblich sind. Die Mittelzuteilung
des Bundes, die für die Universität Freiburg mehr als einen Drittel
ausmacht, soll von einer Reihe von Kriterien abhängig gemacht werden:
von der Studierendenzahl, von der Zusammenarbeit mit andern, Theologischen
wie Nicht-Theologischen Fakultäten, von Forschungsprojekten, von der
Drittmittelbeschaffung usw.<1> Daraus erwachsen
für die Theologischen Fakultäten, evangelische wie katholische,
einige konkrete Forderungen:
In diesem Kontext genügt eine universitäre-kantonale Integration einer Theologischen Fakultät nicht mehr, es ist eine nationale Politik bzw. eine gegenseitige Abstimmung zwischen den Fakultäten erforderlich. Auch wenn eine Theologische Fakultät innerhalb einer Universität gut integriert ist, so ist mittel- und längerfristig ihr Bestand nur gesichert über nationale Kooperationen und zwar über die Konfessionen hinweg. Gewiss gibt es eine Reihe gut funktionierender Kooperationen zwischen den Fakultäten, auch über die Sprachgrenzen hinweg. Die staatliche Rahmengesetzgebung fördert beispielsweise die Zusammenarbeit der drei Universitäten (Bern, Neuenburg, Freiburg) in der so genannten BENEFRI-Konvention. Die Theologischen Fakultäten dieser drei Universitäten beteiligen sich ebenfalls daran (zurzeit: Bibelwissenschaften, Kirchengeschichte und Patristik). Der dritte Zyklus (post-grad-Studium) mit Lausanne, Genf und Neuenburg existiert bereits seit mehreren Jahren und stellt eine eigentliche Bereicherung dar für Lehrende und Studierende. Ein weiterer Ausbau der Kooperationen im Bereiche der Departemente ist mit der Theologischen Fakultät Bern vorgesehen. Insgesamt wird die Fakultät doch wohl gezwungen sein, in unmittelbarer Zukunft mit den umliegenden Fakultäten eine noch intensivere Zusammenarbeit anzustreben, wie auch mit den nicht akademischen Ausbildungsstätten auf dem Platze Freiburg (z.B. Ecole de la Foi). Im Übrigen bestehen mit nicht schweizerischen Theologischen Fakultäten etwa 15 bilaterale Verträge, die vor allem den Studierendenaustausch begünstigen; einen Dozentenaustausch gibt es mit Nijmegen und Tübingen. Allerdings zeigt sich bereits jetzt, dass nicht eine beliebige Anzahl von Kooperationen eingegangen werden kann, denn dies bedeutet meistens Mehrbelastung, einen erhöhten Aufwand an Organisation und Fragmentierung der eigenen Lehr- und Forschungszeit. Summa summarum gibt es auf zahlreichen Ebenen nationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit, und zwar nicht bloss auf dem Papier, sondern ausgesprochen produktiv und effizient. Die eidgenössische Universitätspolitik drängt alle Theologischen Fakultäten jedoch eindeutig zu einem Gesamtprojekt nationaler Politik. Die Schweizer Kirchen werden nicht umhinkommen dies gilt für die katholische wie für die evangelische mit den Fakultäten zusammen eine gemeinsame Politik zu artikulieren.
Die Zusammenarbeit der Theologischen Fakultät innerhalb der Universität mit anderen Fakultäten und die Zusammenarbeit der Theologischen Fakultäten untereinander im Bereich von Lehre und Forschung muss so die Auflage des Bundes intensiviert und ausgebaut werden. Die Stellung der Theologischen Fakultäten wird inskünftig vornehmlich dadurch bestimmt werden, inwiefern diese Kooperation gelingt. Wenn die Vielfalt der Theologischen Landschaft in der Schweiz gewahrt werden will, ist dies nur möglich in einer gezielten Vernetzung: nicht in einem Gegeneinander, sondern nur in einem Miteinander. Die neu errichtete Dekanenkonferenz der vier Katholisch-Theologischen Fakultäten unter dem Vorsitz der Delegation «Sapientia christiana» der Schweizer Bischofskonferenz wird sich diesen grundsätzlichen Fragen widmen.
Im Umfeld des nationalen Evaluationsprozesses musste man zum Teil die Erfahrung machen, dass die Theologie nicht mehr unbedingt mit einem positiven Kredit rechnen kann. Es werden ihr gegenüber mehr oder weniger offen grosse Vorbehalte entgegengebracht, auch wenn dies zum Teil altbekannte Vorurteile sind (z.B. Theologie sei der verlängerte Arm der Amtskirche; Lehre und Forschung sei ausschliesslich von amtskirchlichen Direktiven abhängig). Vor allen Dingen wird ihre so genannte Wissenschaftlichkeit bezweifelt. Dass eine dauernde diesbezügliche Aufklärung zum Theologietreiben gehört, versteht sich von selbst. Aber dennoch gibt es eine in den letzten Jahren zusehends gewachsene kritische Einstellung gegenüber den Geisteswissenschaften insgesamt, aber doch wohl im Besonderen gegenüber der Theologie. Dies wird dazu führen, dass die Theologischen Fakultäten nicht bloss am Ausbildungsprogramm gemessen werden, sondern an den «Forschungsleistungen», die als eine Art Ausweis für Wissenschaftlichkeit genommen wird. Insofern geht die nationale Universitätspolitik nicht mehr vom Bild einer Theologischen Fakultät aus, die fast ausschliesslich Ausbildungsstätte künftiger Gemeindeleiter und kirchlicher Angestellten ist, sondern auch Ort wissenschaftlichen Forschens, das erstens gesamtgesellschaftliche Probleme reflektiert und sich zweitens in seinem Niveau mit den anderen Wissenschaften messen lassen muss. Man kann hier durchaus mit einem gewissen Stolz darauf hinweisen, dass die Freiburger Fakultät diese Herausforderung überdurchschnittlich erfolgreich wahrnimmt. Eine Zusammenstellung der Forschungsprojekte, die allein durch den Schweizerischen Nationalfonds finanziert werden, ergibt für das Jahr 1998 deren 16 mit einer Gesamtsumme von Fr. 880000.. Im Übrigen erfolgte über diese Projekte bis anhin weitgehend die Nachwuchsförderung. Im Vergleich zu andern Fakultäten ist der Anteil an Forschungsprojekten sehr hoch. In diesem Zusammenhang kann auch darauf hinwiesen werden, dass 1998 allein im Universitätsverlag von der Theologischen Fakultät über 30 Bücher herausgegeben wurden. Dies alles ist selbstverständlich kein Grund, auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern muss vielmehr Ansporn sein, dieses Niveau zu wahren.
Im Zuge der Neustrukturierung der Universität wird die Theologische
Fakultät im nächsten Jahr eine Neugruppierung der Fächer
in Departemente vornehmen. Ziel ist eine grössere Zusammenarbeit zwischen
den «verwandten» Lehrstühlen. Dadurch werden grössere
administrative Einheiten geschaffen, die eine gewisse Eigenständigkeit
mit sich bringen, aber auch grössere Lehr- und Forschungseinheiten.
Die Fakultät wird voraussichtlich in fünf Departemente eingeteilt
werden: Bibelwissenschaften, Historische Theologie, Systematische Theologie
(Dogmatik, Fundamentaltheologie, Philosophie, Religionswissenschaft), Theologische
Ethik, Praktische Theologie (Pastoraltheologie, Liturgiewissenschaft, Kirchenrecht).
Dadurch werden einige existierende Institute in Departemente umgewandelt,
andere werden mit veränderter Zielsetzung bestehen bleiben. Soweit
an der Fakultät Institute bestehen bleiben, müssen sie sich interdisziplinär
bzw. interfakultär ausrichten und sich auf spezifische Aufgabenstellungen
und Forschungsschwerpunkte wie auch auf die Post-grad-Ausbildung konzentrieren.
(z.B. Institut für Missiologie und Religionswissenschaft, Institut
für ökumenische Studien).
Im Sommersemester 1998 wurde eine neue Prüfungsordnung verabschiedet,
die den Besonderheiten der Zweisprachigkeit der Fakultät besser Rechnung
trägt. Inskünftig kann die Theologische Fakultät ein «Zweisprachiges
Lizentiat» verleihen. Die Prüfungsordnung liegt derzeit zur Approbation
bei der Bildungskongregation in Rom. In einem nächsten Schritt wird
die Studienordnung an die teilweise geänderten Bedingungen angepasst.
Es sollen Nebenfachstudienprogramme und Programme für Spezialisierungszeugnisse
(sog. Post-grad-Diplome) ausgearbeitet werden. Letzteres wird nicht bloss
von der Universitätsleitung empfohlen, sondern erweist sich angesichts
der hohen Nachfrage von Studierenden, die ihr Basisstudium abgeschlossen
haben, als eine Notwendigkeit. Nicht unwichtig zu erwähnen ist die
Verabschiedung und Approbation eines Studienreglements, welches den Zugang
zum nicht akademischen Theologiestudium an unserer Fakultät ermöglicht.
Dies ist unter anderem die Voraussetzung, die uns beispielsweise die Integration
der Ecole de la Foi eine Bildungsinstitution mit 100 Studierenden
erlaubt.
Das Rektorat führt neuerdings eine kontrollierte Evaluation der Lehre
unter Beiziehung externer Experten durch. In einem Dreijahresrhythmus haben
sich die Dozierenden einer solchen Evaluation zu unterziehen. Jährlich
wird eine Selbstevaluation verlangt. Das Rektorat erhofft sich damit eine
Qualitätssteigerung der Lehre und eine Anpassung an zeitgemässe
Unterrichtsmethoden.
Die Fakultät bietet ein diversifiziertes Programm an: Volltheologie,
Theologie im Hauptfach, Theologie im Nebenfach und Gymnasiallehrer-Diplom.
Das Studium «Volltheologie» entspricht in etwa der «ratio
studiorum», wie sie den deutschen Theologischen Fakultäten vorgegeben
ist (100 Jahreswochenstunden). Das Studium der Theologie im Hauptfach bietet
den Studierenden die Möglichkeit, nicht theologische Fächer an
den anderen Fakultäten zu wählen (z.B. Sozialarbeit, Familienberatung,
Journalistik, Pädagogik). Theologie im Nebenfach kann von Studierenden
von anderen Fakultäten gewählt werden (z.B. Religionswissenschaft,
Sekundarlehrerausbildung, Umweltwissenschaften).
Der Trend unter den deutschsprachigen Studierenden besteht in der Bevorzugung
des Studiums der Theologie im Hauptfach. In gewissen Fächerkombinationen
besteht die Gefahr, dass die Theologische Ausbildung (z.B. durch Fächerüberschneidung)
zu kurz kommt, auch wenn insgesamt festgestellt werden muss, dass die Hauptfach-Theologen
und -Theologinnen im allgemeinen mit ebenso guten Noten abschliessen wie
die Volltheologinnen und -theologen. Dies bedeutet auch, dass die im Hauptfach
Abschliessenden in der Regel nicht unbedingt eine direkte kirchliche Anstellung
anstreben, sondern sich in Nischenberufen ansiedeln wollen (Sozialarbeit,
Beratung, Journalismus, Religionsunterricht). Dementsprechend ist es schwierig,
für diesen Abschluss ein verbindliches (Berufs-)Leitbild zu formulieren.
Im Studienjahr 1998/1999 belegten 592 Studierende die Studienrichtung
«Theologie», wobei davon 463 Studierende an der Theologischen
Fakultät eingeschrieben waren, die restlichen 129 studierten Theologie
im Nebenfach. (Die endgültigen Zahlen für dieses akademische Jahr
liegen noch nicht vor). Die Gesamtzahl der Studierenden bewegt sich nach
wie vor auf einem Höchststand, auch wenn sich innerhalb der Gesamtzahl
Verschiebungen festststellen lassen. Mit 54% ist der Anteil der Studierenden
aus dem Ausland gleich bleibend hoch. Die Studierenden verteilen sich ungefähr
gleichgewichtig auf beide Abteilungen. Im WS 98/99 verzeichnete die Fakultät
67 Neueinschreibungen, wobei 19 auf die deutschsprachige Abteilung und 48
auf die französischsprachige Abteilung entfielen. Hierbei ist allerdings
zu berücksichtigen, dass 19 davon so genannte regelmässige Hörer
an eben dieser Abteilung sind. Die Zahl derjenigen, die mit dem Theologiestudium
beginnen, ist in den letzten zwei Jahren an der deutschsprachigen Abteilung
leicht zurückgegangen man hat mit neun Studierenden gar von einem
Einbruch gesprochen; doch scheint sich dieser Trend in diesem Jahr nicht
zu bestätigen, da sich voraussichtlich die Anzahl der Erstsemestrigen
wieder verdoppeln wird. Weiterhin ist zu beachten, dass die Zahl der Studierenden
mit Theologie im Nebenfach steigt (religionswissenschaftliches Interesse).
Dies hängt aber zum Teil von der Fakultät selbst ab, inwiefern
es ihr gelingen wird, ihr Angebot unter jungen Menschen «schmackhaft»
zu machen, und zum andern Teil von der kirchlichen Leitung, inwiefern sie
das Theologiestudium in Freiburg als empfehlenswert erachtet.
Mit 460 Studierenden ist die Theologische Fakultät von Freiburg die
grösste Fakultät der Schweiz. Im Vergleich dazu die Zahlen der
grössten evangelischen Fakultät: In Zürich waren im Sommersemester
1998 177 Theologiestudierende immatrikuliert, davon 6 Studienanfänger
und 11 Freisemester. An der Fakultät in Freiburg ist weiterhin die
hohe Zahl von etwa 145 Studierenden mit dem Ziel des Doktorates auffällig.
Die Möglichkeit der Schwerpunktsetzung, die guten Arbeitsbedingungen
und das günstige Betreuungsverhältnis ProfessorenStudierende
und nicht zuletzt die Chancen einer zweisprachigen Fakultät wirken
sich hier positiv aus.
Auch wenn man davon ausgehen kann, dass es keine grundsätzliche Infragestellung der Theologischen Fakultät an der staatlichen Universität gibt, so erwartet man doch von ihr, dass sie sich auf die neue universitäre Politik einlässt (Mobilität, Interdisziplinarität, Forschungsintensivierung usw.). Entscheidend wird aber inskünftig sein, inwiefern die Fakultät eine angemessene Anzahl von Studierenden aufweisen wird und inwiefern die Fakultät ihren internationalen Charakter wird bewahren können. In den nächsten zehn Jahren muss mehr als ein Drittel der Professorenschaft ersetzt werden. Nicht unerheblich wird sein, ob dafür entsprechend qualifiziertes Personal gefunden werden kann. Da der Lehrkörper international zusammengesetzt ist (z.B. mit dem Dominikanerorden), ist es schwierig, die diesbezüglichen Entwicklungen auf dem internationalen theologischen Parkett vorauszusagen wie auch ein Bedarfsprofil für den akademischen Nachwuchs aus der Sicht der Schweizer Kirche zu entwickeln.
Adrian Holderegger, ordentlicher Professor für Moraltheologie, ist Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg.
1 Vgl. Verordnung zum Universitätsförderungsgesetz vom 8. Oktober 1999.
Auf den 1. August 1999 wurde Dr. Franz Mali vom Staatsrat als assoziierter
Professor für Patristik und alte Kirchengschichte (deutsch und französisch)
mit dem Schwerpunkt altorientalische Sprachen ernannt. Er trat die Nachfolge
des vor drei Jahren verstorbenen Dirk Van Damme an. Auf den 1. September
1999 wurde Frau Dr. Brigitte Fuchs als assoziierte Professorin für
Religionspädagogik ernannt. Sie trat die Nachfolge von Josef Sayer
an, der an der deutschsprachigen Abteilung lehrte, dann aber zum Leiter
von Misereor berufen wurde. Am 1. September 1999 trat P. Xavier de La Soujeole
OP ebenfalls als assoziierter Professor die Nachfolge von P. Liam Walsh
an, der nach Beendigung seines Vizerektorates in den Ruhestand getreten
ist. De La Soujeole vertritt das Fach Dogmatik mit Schwerpunkt Ökumenik
an der französischen Abteilung. Damit ist der Lehrkörper der Fakultät
mit 19 ordentlichen Professoren und 7 assoziierten Professoren wieder fast
vollständig. An der französischen Abteilung ist noch der Lehrstuhl
für Pastoraltheologie neu zu besetzen, nachdem Marc Donzé wiederum
in den pastoralen Dienst zurückgekehrt ist.
Mit dem Ende des akademischen Jahres 1998/1999 konnte die Theologische Fakultät
die über mehrere Jahre dauernde Studienreform abschliessen. Das Prüfungsreglement
wie auch die Studienprogramme liegen in definitiver, von den universitären
Instanzen approbierten Form vor die kirchliche Genehmigung steht noch
aus; ebenfalls konnten die Schwerpunktprogramme der Schwerpunktbereiche
(z.B. Biblische Theologie, Systematische Theologie, Praktische Theologie)
verabschiedet werden. Im Rahmen des BENEFRI-Abkommens können nun neu
auch Spezialisierungszeugnisse in «Griechischer Patristik» und
«Lateinischer Patristik in nachkonstantinischer Zeit» erworben
werden.
Im Dezember 1998 hat sich der gesamte Fakultätsrat in Lausanne mit
der dortigen Partnerfakultät und einigen Abgeordneten der anderen frankophonen
Fakultäten getroffen. Sachthema dieses Treffens war der Evaluations-Bericht
des Schweizerischen Wissenschaftsrates «Zielvorstellungen für
die Entwicklung der Schweizerischen Hochschulen». Mit zwei Vertretern
des Schweizerischen Wissenschaftsrates wurde auf der Grundlage dieses Berichtes
über die Zukunft der Theologischen Fakultäten an den Universitäten
beraten. Diese Diskussion wird inzwischen auf der Ebene der Schweizerischen
Dekanenkonferenz aller Theologischen Fakultäten einer neu errichteten
Institution weiter geführt. Ziel ist eine gegenseitige Verständigung
im Hinblick auf eine gemeinsame, abgestimmte Fakultätenpolitik.
Am 15. Januar 1999 fand ein Treffen des Fakultätsrates mit einer Vertretung
der Schweizer Bischofskonferenz statt, bei dem namentlich das Thema «Theologische
Fakultäten ihre Stellung und ihre Zukunft» nochmals aufgegriffen
und diskutiert wurde.
Am Dies academicus, 15. November 1998, hat die Theologische Fakultät
das Ehrendoktorat an Gustavo Gutiérrez, den Begründer der Befreiungstheologie,
verliehen. Die Fakultät wollte damit einen Theologen ehren, der die
theologische Entwicklung der letzten dreissig Jahre weltweit nachhaltig
beeinflusst hat. Diese Ehrung ist auf ein ungewöhnlich grosses Interesse
der Medien gestossen. Vom 14.16. April 1999 hat die Theologische Fakultät
in Zusammenarbeit mit Caritas und Fastenopfer ein wissenschaftliches, internationales
Kolloquium («Gott vor uns Dieu devant nous») in Anwesenheit
von G. Gutiérrez veranstaltet. Dies war eine Gelegenheit, Anstösse
und Ansätze der Theologie der Befreiung zu vertiefen.
Im Mittelpunkt des voraussichtlich letzten Dies Academicus der Universitären Hochschule Luzern nächstes Jahr wird sie, so ist zu hoffen, diese Feier als Universität begehen können stand die Universität: die Gestalt der neuen Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Luzern, das gesellschaftswissenschaftliche Profil dieser erweiterten Hochschule und schliesslich das durch die Lehr- und Lernforschung herausgeforderte Hochschulstudium.
Dem Festakt voraus ging der Festgottesdienst, zu dem die Theologische
Fakultät eingeladen hatte und der ihr Magnus Cancellarius, Bischof
Kurt Koch, vorstand. In seiner Predigt betonte er die Verpflichtung der
Theologie zur Wahrheitssuche, weil Gott die Wahrheit ist und infolgedessen
die Theologie, würde sie auf die Wahrheitssuche verzichten, gegenstandslos
würde. Mit der alttestamentlichen Weisheitsliteratur sei die Theologie
zuerst in der Gestalt der Weisheit zu lernen; in einer neutestamentlichen
Sicht habe sie sodann zu Glaube, Hoffnung und Liebe hinzuführen und
also Praxis der Liebe zu sein.
Mit literarischen Reminiszenzen warnte Bischof Kurt Koch am Fest des Kirchenlehrers
Leo d. Gr. die Theologie vor der modernen Versuchung, sich mit der historischen
Interpretation von Glaubenstexten zu begnügen und nicht mehr nach ihrer
Wahrheit zu fragen. Letztlich gehe es um ihr «Sein der Wahrheit»
und nicht um ihr «historisches design». Werde auf dieser Linie
nicht mehr nach dem allen Menschen Gemeinsamen gefragt, stehe auch die universale
Geltung der Menschenrechte zur Disposition, was zu einem neuen Nationalismus
führe. Die Theologie an der Universität sei in besonderer Weise
herausgefordert, dem Suchen den Mut zur Wahrheit zurückzugeben.
Der Glaube sei aber auch mehr als Erfahrung, er sei gleichsam eine Erfahrung
mit der Erfahrung so wie der dankbare Samariter im Evangelium (Lk
17,1119) mit der Erfahrung seiner Heilung die Erfahrung einer Gottesbegegnung
gemacht habe. Der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann habe auf eine Entwicklung
in der Theologie aufmerksam gemacht: zuerst sei Theologie Rede mit Gott
gewesen, dann Rede von Gott und Rede über Gott, und schliesslich sei
sie Rede über die Rede von Gott geworden. Gegen diese Entwicklung wünschte
der Magnus Cancellarius den Lehrenden und Lernenden im neuen Studienjahr
weitere Schritte auf dem Weg der Wahrheitsfindung.
Im anschliessenden Festakt lenkte Prof. Walter Kirchschläger als
Rektor der Universitären Hochschule Luzern seine und seiner Zuhörerinnen
und Zuhörer Aufmerksamkeit ganz auf die kommende Universität Luzern.
Denn das neue Universitätsgesetz, das die vorberatende Kommission des
Grossen Rates einstimmig unterstützt, kann und, so ist zu hoffen, wird
nächstes Jahr die zur Disposition gestellte Universitäre Hochschule
zu einer Universität voranbringen. Dieses Gesetz enthält die Rechtsgrundlage
für die künftige Universität und wird diese Hochschule zugleich
mit einer neuen Leitungs- und Verantwortungsstruktur ausstatten. Dieses
Strukturmodell entspreche den Erkenntnissen des «New University Management»,
die bereits in den anderen Universitätskantonen bei den Revisionen
der Universitätsgesetze zum Tragen gekommen seien. Zugleich errichtet
dieses Gesetz die Fakultät für Rechtswissenschaft. Dies entspreche
den kontinuierlich geäusserten bildungspolitischen Absichten im Kanton
Luzern, eine zusätzliche Rechtswissenschaftliche Fakultät helfe
mit, die wachsende Zahl von Studierenden an den Schweizer Universitäten
aufnehmen zu können in den nächsten Jahren rechnet man mit
zusätzlich 3400 Studierenden der Rechtswissenschaft, und schliesslich
fügt sich der Fachbereich Rechtswissenschaft bestens in das gesellschaftspolitische
Profil der Universität Luzern ein.
Denn «die Ausrichtung auf die Fragen- und Problembereiche der Gesellschaft
des kommenden Jahrhunderts wird das Markenzeichen der Universität Luzern
sein», erklärte Rektor Kirchschläger entschieden. Alle drei
Fakultäten würden, wenn auch in unterschiedlicher Weise, die Grundlagen
und die Grundfragen unserer Gesellschaft erforschen können. Aufgrund
ihrer Wissenschaftsbereiche werde die Universität Luzern Generalistinnen
und Generalisten ausbilden, «die mit ihrer breiten Palette an Fachkompetenz
in verschiedenen Sektoren der Gesellschaft gefragt sind und eingesetzt werden
können». Die dabei unabdingbare interdisziplinäre Zusammenarbeit
werde sich nicht auf die Universität beschränken, sondern die
Fachhochschule und andere Institutionen insbesondere auf der tertiären
Bildungsstufe einbeziehen.
Ein entscheidendes Segment in diesem gesellschaftswissenschaftlich ausgerichteten
Profil der Universität werde die Rechtswissenschaftliche Fakultät
abdecken, fuhr Rektor Kirchschläger fort. Und er nannte drei Erkennungszeichen,
die eine besondere Anziehungskraft ausüben dürften. Erstens sei
es eine Chance, an einer neuen Institution mit neuen Lern- und Lehrformen
zu lernen und zu lehren; ein weiterer Kennwert sei die persönliche
Überschaubarkeit, und schliesslich kämen in der inhaltlichen Gestaltung
des Curriculums als wichtige Perspektiven zum Tragen einerseits die Auseinandersetzung
mit der heutigen Gesellschaft und anderseits die Verortung in der Region
Luzern.
Diese Universität werde eine kostengünstige Universität sein,
allerdings nicht zum Nulltarif zu haben sein, beschloss Rektor Kirchschläger
seine Ausführungen. Mit konkreten Zahlen rechnete er vor, dass die
im Vergleich zu heute grössere Belastung der Staatsrechnung des Kantons
Luzern eine Investition in die Zukunft ist, dass die Staatsrechnung im Rahmen
der Interkantonalen Universitätsvereinbarung aber auch entlastet wird
ganz abgesehen vom volkswirtschaftlichen Nutzen, und dass weiterhin
mit Drittmitteln gerechnet werden kann. Dazu gehören nicht nur Beiträge
der Universitätsstiftung, sondern auch Forschungsbeiträge anderer
Stiftungen. Als jüngstes Beispiel nannte Rektor Kirchschläger
den Beitrag der Gebert-Rüf-Stiftung an das Forschungsprojekt von Andréa
Belliger und David Krieger über «Kunst, Religion und Wissenschaft
Kulturcode und sozialer Wandel» in der Höhe von Fr. 420000..
Ideelle Unterstützung erfährt die Universität Luzern vom
Universitätsverein mit gegenwärtig über 1700 Mitgliedern.
Welche Art von Hochschulunterricht ist heute nachweislich lernwirksam?
Auf diese Frage antwortete im Festvortrag mit dem Titel «Universitätsstudium
Anforderungen aus der Sicht der Lehr- und Lernforschung» Prof.
Rolf Dubs von der Universität St. Gallen. Nicht erst heute klagen Studierende,
dass es an der Universität ausgewiesene Forscherpersönlichkeiten
gibt, die schlechte Lehrer sind. Prof. Dubs stellt aber fest, dass Studierende
wohl gute Lehrkräfte schätzen, nach dem Studienabschluss dann
aber Kontakt zu den guten Forschern suchen. Gegen diese Feststellung setzte
der Referent die Antithese: Die Universität bildet eine Elite aus,
und für diese Elite ist die universitäre Lehre auf das forschende
Lernen auszurichten. Da die Universität aber eine Massenuniversität
geworden ist, muss nach ihrer vernünftigen Pädagogisierung gefragt
werden; hierbei sollen Erkenntnisse aus der Lehr- und Lernforschung wegleitend
sein.
So fragte Prof. Dubs zunächst nach dem Wahrheitsgehalt der neuen Lehr-
und Lerntheorien, die sich durch einen Gegensatz auszeichnen. Auf der einen
Seite vertreten die Objektivisten die Auffassung, ein gegebener Kenntnisstand,
der richtig oder gesichert ist, lasse sich durch guten Unterricht weitergeben.
Auf der anderen Seite halten die Subjektivisten auch Konstruktivisten
genannt dafür, dass jeder Mensch Kenntnisse auf seine Art erwerbe
und das Wissen nur verstehe, wenn er es selbst aufgebaut, konstruiert hat.
Mit dem Ziel des konstruktiven Lernens werden aus Lehrenden Lernberater
bzw. Lernberaterinnen.
Aus dieser Debatte kommt die Forderung einer Entschulung des Lernens und
Lehrens, was einerseits zu einer themen- oder problemorientierten Unterrichtsgestaltung
und anderseits zu einem autonomen, selbstbestimmten und selbstgesteuerten
Lernen führt. Als weitere Forderungen nannte Prof. Dubs das veränderte
Rollenverständnis für Lehrkräfte und die De-Individualisierung
des Lernens, das heisst das interaktive, kollektive Lernen.
Diese Forderungen seien zwar empirisch breit, aber nicht abschliessend und
unwidersprochen abgestützt; vor allem in den grösseren Zusammenhang
gestellt und in ihren langfristigen Auswirkungen betrachtet, würden
sich die einzelnen Erkenntnisse relativieren. So warnte er eindringlich
vor ihrer Popularisierung, die zu gefährlichen Übergeneralisierungen
führe. Anderseits führten diese Erkenntnisse aber doch zu gesicherten
Anregungen für die Verbesserung der Schule und auch des Studienbetriebes
an der Universität. Vor allem dem Lernen der Lernenden sei bei allen
Bildungsprozessen viel mehr Beachtung zu schenken, was Prof. Dubs als «paradigmatischen
Wandel» einschätzt. So müssten auch beim Universitätsstudium
den Lernprozessen mehr Beachtung geschenkt werden: vor allem strukturiertes
Grundlagenwissen sei zu erarbeiten, mehr Beachtung müsse auch der Lernberatung
und dem Theorie-Praxis-Problem geschenkt werden, namentlich im Kontext der
Massenuniversität. So bleibe zum Beispiel die Vorlesung nach wie vor
bedeutsam, müsse und könne aber verbessert werden, etwa mit ergänzenden
Elementen selbstgesteuerten Lernens.
In ihrer Kurzansprache hielt sich die Studierendenvertreterin Salome
Schöll an Hugo von Hofmannsthals Gedicht «Für mich».
Von den Zeilen «Das längst Gewohnte, das alltäglich Gleiche,/
mein Auge adelts mir zum Zauberreiche.» schlug sie einen Bogen zum
Alltäglichen des Studienbetriebes; und der Gedanke an die bevorstehenden
Entscheid über die Universität Luzern führte sie zu den Zeilen
zurück: «Zum Traume sag ich: ÐBleib bei mir, sei wahr!ð/
Und zu der Wirklichkeit: ÐSei Traum, entweiche!ð».
In seinem Schlusswort betonte Regierungsrat Ulrich Fässler als Vorsteher
des Luzerner Erziehungs- und Kulturdepartementes mit allem Nachdruck, dass
es harter Knochenarbeit bedürfe, bis der Traum wahr werden könne.
Damit in der voraussichtlich am 21. Mai 2000 stattfindenden Volksabstimmung
das Universitätsgesetz angenommen werde, brauche es das überzeugende
Gespräch aller Überzeugten zumal mit den noch Unentschiedenen.
Zu den Überzeugten gehört zur Freude von Regierungsrat Fässler
inzwischen nicht nur die gesamte Regierung, sondern auch die vorberatende
Grossratskommission.
Eine festliche Note verliehen dem Festakt zwei Studierende der Musikhochschule
Luzern mit Ludwig van Beethoven, und einen festlichen Akzent setzte die
Geisteswissenschaftliche Fakultät mit der Ehrenpromotion des Historikers
und ehemaligen Luzerner Staatsarchivars Fritz Glauser. Sie würdigte
damit nicht nur seine Forschungen, sondern auch seinen Beitrag zur Wissenschaftsorganisation
und Forschungsförderung.