16/1999

INHALT

Kirche in der Schweiz

Den Glauben zum Gesprächsthema gemacht

von Rosmarie Früh

 

Dass das Bistum St. Gallen 1998 schon früh im Jahr positiv nicht nur in die Schlagzeilen der Schweizer Medien geriet, verdankte es dem Besuch der amerikanischen Präsidentengattin Hillary Clinton am 1. Februar bei Bischof Ivo Fürer und in der Stiftsbibliothek. Personal-Nachrichten und Botschaften, die an Personen «aufgehängt» werden, sind es denn auch, die bevorzugt von den Medien berücksichtigt werden. Da es wieder diverse Wechsel im Ordinariat, im Offizialat und in der Bischöflichen Kanzlei zu melden gab, der Bischof sich im Hirtenschreiben «Berufen zum Dienst am Glauben» hinter die Arbeit der Laien stellte und auch das Bistumsprojekt «He! was glaubst Du?» in der Präsentation teilweise «personifiziert» worden ist, konnte sich das Bistum trotz Monopolisierung bei der Tagespresse nicht über mangelnde Medien-Präsenz beklagen. Hier wirkte sich positiv aus, dass Bischof Ivo Fürer zusammen mit Politikern schon früh das Gespräch mit den obersten Gremien beim «St. Galler Tagblatt» gesucht hatte. Der von ihm einberufene Arbeitslunch Ende August mit Chefredaktor F. Höpli, dem stv. Chefredaktor Silvan Lüchinger und Josef Osterwalder, Leiter des Stadtressorts, sowie mit Kirchenratspräsident Karl Graf und den Informationsbeauftragten beider Landeskirchen soll zu einer festen «Institution» im Sinne einer gegenseitigen Aussprache werden.

Wechsel bei verschiedenen Ämtern

Im Februar hat Josef Wick sein Amt als Regens angetreten. Die offizielle Amtseinsetzung erfolgte zusammen mit dem neuen Generalvikar Dr. Anton Thaler am 28. März anlässlich der Aufnahme ins Domkapitel. Anton Thaler führt als Nachfolger des am 8. August verstorbenen Pius Eigenmann das Personalamt und wird dabei von Fortbildungsleiter Paul Hutter (zuständig für die Pastoralassistenten/Pastoralassistentinnen) und Diözesankatechet Philipp Hautle (zuständig für Katecheten/Katechetinnen) unterstützt.
Kanzler Hans Jörg Widrig ist per Ende Juli in Pension gegangen. Im Rahmen eines Nachtessens in der bischöflichen Wohnung dankte ihm Bischof Ivo Fürer für seine Arbeit, die er während sieben Jahren geleistet hat. Er war der erste Laie in diesem Amt. Zur Nachfolgerin wurde Margreth Küng-Epper ernannt. Da sie als Kanzlerin das persönliche Sekretariat des Bischofs weiterführt, wurde die Arbeit der Kanzlei neu strukturiert. Die administrative Leitung hat seit Dezember Fridolin Eisenring, Lichtensteig, inne. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kanzlei sowie des Ordinariates besuchten im Juli/August an der Informatikschule der Migros-Klubschule einen EDV-Weiterbildungskurs «Word für Windows 97».
Während 44 Jahren wirkte Paul Strassmann als Diözesanrichter, davon zwölf Jahre als Offizial. In diesem Amt ist er am 1. November vom Kirchenrechtler Josef Kaufmann abgelöst worden. Paul Strassmann steht als Domkustos weiterhin der Dompfarrei zur Verfügung. Josef Kaufmann wird neben der Leitung des Kirchengerichtes verschiedene Aufgaben im Ordinariat wahrnehmen und in den Pfarreien Eggersriet und Grub als Pfarrer wirken. Als Delegierter des Bischofs ist er für die Frauenklöster zuständig.

Bistumsprojekt «He! Was glaubst Du?»

Das Bistumsprojekt «Glauben in Gemeinschaft ­ Bistum St. Gallen auf dem Weg in die Zukunft» wurde unter dem Motto «He! Was glaubst Du?» am 30. August in den Pfarreien gestartet, begleitet von einem Brief des Bischofs. Die Arbeitsgruppe (Präsident: Pfarrer Josef Manser, Speicher; Sekretär: Pastoralassistent Franz Kreissl, Ebnat-Kappel, Sekretär, zu 20 Prozent dafür freigestellt; vom Ordinariat: Bischofsvikar Markus Büchel; vom Seelsorgerat Lisbeth Ebneter, Appenzell; Damian Kaeser, St. Gallen, Leiter akj/Arbeitsstelle Kirchliche Jugendarbeit) hatte aufgrund der Gespräche in den diözesanen Räten eine Startunterlage erarbeitet. Die Reaktionen auf den Ordner ­ den Seelsorgerinnen und Seelsorgern von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe anfangs Mai persönlich überbracht ­ sowie auf die Einführungen in den Dekanats- und Pfarreiräten waren erfreulich positiv. Die Teilnehmenden erfuhren, dass es möglich ist, in guter Atmosphäre über den Glauben zu reden und dass dies eine bereichernde Erfahrung sein kann. Seit dem 30. August ist in vielen Pfarreien, Vereinen und neuen Gruppen die Frage «He! Was glaubst Du?» immer wieder zum Thema gemacht worden. Die Arbeitsgruppe ist daran, einen Kriterienkatalog aufzustellen für die zweite Phase des Projektes, das Urteilen.
Während das Bistumsprojekt als Frucht des Bistumsjubiläums noch voll «im Gange» ist, ist das Jubiläumsjahr selber am 1. Adventsssonntag mit dem ökumenischen Taizé-Jugendtreffen abgeschlossen worden. Zur «Nacht der Lichter» waren über tausend Jugendliche in die Kathedrale gekommen.
Die Ordinariatsmitglieder trafen sich mit Bischof Ivo Fürer zu 16 Sitzungen. Davon waren drei ganztätig und wurden im Seminar St. Georgen, im Gynasium Friedberg in Gossau und im Kurhaus Oberwaid durchgeführt. Am Einkehrtag im Dezember hielt Dr. P. Dietrich Wiederkehr OFMCap, Luzern, eine adventliche Bildmeditation.
Vom 28. bis 30. September tagte die Schweizerische Bischofskonferenz unter dem Vorsitz des neugewählten Bischofs von Chur, Amédée Grab, im Ordinariatssaal. Im Musiksaal begrüsste Bischof Ivo Fürer die Oberinnen der Frauenklöster in St. Gallen sowie die Visitatoren zu einer Tagung «Wo stehen wir? Wohin gehen wir?» Gefängnisseelsorger/Seelsorgerinnen aus der Schweiz, Österreich und Bayern, die im Juni von Pfarrer und Dekan Georg Schmucki, Präsident des Schweizerischen Vereins für Gefängnisseelsorge zur 45. Jahrestagung nach Rorschach gebeten worden waren, waren zum Abschluss Gast bei Bischof Ivo Fürer. Rita Kammerlander-Gribi, Wil, Mitglied der Diözesanen Missionskommission St. Gallen, hatte im April als Präsidentin zur Mitgliederversammlung der Missionskonferenz der deutschen und rätoromanischen Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein nach St. Gallen eingeladen. Am Gallustag hielt Abt Georg Holzherr die Festpredigt.
Bischof Ivo Fürer firmte in den Dekanaten Gossau und Appenzell. Die Pastoralgespräche stiessen auf reges Interesse. Im März nahm er in Rom am Weiterbildungskurs «Bischof sein heute» teil. Am 30. Oktober war er Vernissageredner im Seedamm-Center in Pfäffikon. Zur Ausstellung «AllerHeiligen» waren aus der Bischöflichen Sammlung wertvolle Werke beigesteuert worden. Als Ausdruck der Verbundenheit der Kirchen mit den Menschen, die ihre Heimat verlassen und fliehen mussten, aber auch als Zeichen dafür, dass sie hinter der gegenwärtigen Asylpolitik stehen, besuchten Bischof Ivo Fürer und Kirchenratspräsident Pfarrer Karl Graf zusammen mit der für das Flüchtlings- und Asylwesen zuständigen Regierungsrätin Kathrin Hilber am 4. Dezember die Asylbewerberzentren in Jona und Bütschwil.
Generalvikar Anton Thaler visitierte die Pfarreien im Dekanat Rorschach, Bischofsvikar Markus Büchel jene im Dekanat Altstätten. Die Dekane tagten am Aschermittwoch und am 8. September in St. Gallen, wobei die Mitarbeit der Dekane im Personalbereich im Mittelpunkt stand.
Männer und Frauen, die neu eine Stelle als Pfarrer oder Pfarreibeauftragte angetreten haben, sind von Fortbildungsleiter Paul Hutter im September und November in zwei dreitägigen Seminarien im Seminar St. Georgen mit ihrer neuen Führungsaufgabe vertraut gemacht worden.

Die Arbeit in den Räten und Kommissionen

Der Priesterrat und der Rat der hauptamtlichen Laienseelsorger/Laienseelsorgerinnen beschäftigte sich an der zweitägigen Tagung im Januar in St. Arbogast mit dem Bistumsprojekt «He! Was glaubst Du?» und dabei insbesondere mit den Startunterlagen. In der Sitzung vom 4. Juni in Mörschwil wurde die Arbeitsweise des Priester- und Laienrates diskutiert und ganztägige Sitzungen beschlossen. Im Weiteren fand eine Vernehmlassung statt zur Vereinbarung über die Anstellung des Pfarrers. In der Novembersitzung in Herisau beschäftigten sich die Räte mit den Berufsbildern und mit der Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien fruchtbarer gestaltet werden könnte. Als Beobachter war Gemeindeberater Paul Zemp, Solothorn, eingeladen worden.
Im Seelsorgerat wurde im Januar in Abtwil ebenfalls das Grundlagenpapier zum Bistumsprojekt diskutiert. An einer zusätzlich angesagten Sitzung in Wil vom März beschäftigten sich die Mitglieder mit der Arbeitsweise und Kompetenz der Spurgruppe für Abstimmunsvorlagen und im Besonderen mit der Gen-Schutz-Initiative. Die kirchliche Freiwilligen-Arbeit stand im Mittelpunkt der Mai-Sitzung in Oberegg. Die intensive Beschäftigung mit diesem Thema hatte sich aufgedrängt aufgrund der Gespräche am «Frauenfenster» (das übrigens weiterhin offen ist). Thomas Angehrn, Gemeindeleiter in Däniken und Mitglied der Arbeitsgruppe der SKAF für Muslime, war Referent an der Sitzung vom September in Wattwil mit dem Thema «Islam». An der Quartener Tagung im November beschäftigte sich der Rat mit dem weiteren Schritt beim Bistumsprojekt. Er stellte Überlegungen zu «Glaubenserfahrung ­ Gottesbild» an und trug Kriterien für «christliches Leben» zusammen.
In der Pastoralplanungskommission hatten sich drei Themen als Schwerpunkte aufgedrängt. Sie sind weiterhin ein Thema: Kirchliche Freiwilligenarbeit, Seelsorgeverbände im Bistum und kirchliche Erwachsenenbildung.
Die Kommission Politisch-wirtschaftlicher Bereich im Bistum St. Gallen traf sich zu drei Sitzungen. Die Mitglieder beschäftigten sich mit der «Ökumenischen Konsultation zur wirtschaftlichen und sozialen Zukunft der Schweiz», mit dem Festvortrag «Was ist mit der Kirche los?» von Bischof Karl Lehmann, Mainz, gehalten am Bistumsjubiläum, mit der Haltung der Kirche zum Problemkreis Aufnahme von Flüchtlingen sowie mit Vorschlägen für den Bettags-Hirtenbrief der SBK von 1999.

 

Rosmarie Früh ist Informationsbeauftragte des Bistums St.Gallen.


Priesterweihe

Zu Priestern geweiht worden sind am Sonntag, 16. August, in der Kathedrale: Armin Fässler (Seelsorgeverband Mosnang-Libingen-Mühlrüti), Beat Grögli (St. Otmar-St. Gallen) und Lukas Hidber (Wil).

Diakonenweihe

Am Christkönigsfest, 22. November, in der Kathedrale zu Ständigen Diakonen geweiht worden sind die Pastoralassistenten Thomas von der Linden-Möthrath, Heerbrugg, und Thomas Reschke-Bramlage, Lüchingen, der Katechet Albert Rusch-Bühler, Teufen, und der Pfarreibeauftragte Markus Zweifel-Barozzi, Wittenbach-Kronbühl. Thomas Thalmann, Ernetschwil, Pastoralpraktikant in St. Gallen-St.Otmar, wurde im Hinblick auf das Priesteramt zum Diakon geweiht.

 

Indienstnahme von Pastoralassistenten/Pastoralassistentin

Am 5. Juli sind in der Kathedrale von Bischof Ivo Fürer in den Dienst des Bistums St. Gallen aufgenommen worden: Volker Eschmann, Oberriet; Martina Gassert, St. Gallen-St.Otmar; Reinhard Knirsch, Montlingen; Ludwig Schäfer, Rapperswil; Armin Scheuter, Flums; Joachim Schwarz, Schänis, Jürg Wüst, Schmerikon.

Verstorbene Priester

Josef Dudli, Wil; Hermann Rohner, Weisstannen; Ludwig Vecsey, St. Gallen; Pius Sieber, Altishofen; Pius Eigenmann, Abtwil/St. Gallen; Josef Broger, Neu St. Johann; Albert Hasler, St. Gallen.

Altarweihen

«Pallotti-Huus» in Niederuzwil (22. Januar); Pfarrkirche Montlingen-Eichenwies (5. April); Kapelle im Pfarreiheim Bronschhofen (5. April) Pfarrkirche St. Sebastian, Kobelwald (13. September); Herz-Jesu-Kirche in Lienz (15. November); Pfarrkirche Engelburg (13. Dezember); Klosterkirche Grimmenstein (20. Dezember).


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999