12/1999 | |
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Kirche in der Schweiz |

Rund neun Monate nach der Ernennung von Amédée Grab, damals Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, zum Bischof von Chur, ernannte Papst Johannes Paul II. den Regens des Priesterseminars des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg zum neuen Bischof. Die Bischofsweihe wird ihm Bischof Amédée Grab zusammen mit den Weihbischöfen des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg Pierre Bürcher und Pierre Farine am Pfingstmontag in der Freiburger Kathedrale spenden. Sein Wahlspruch «Ma grâce te suffit Meine Gnade genügt dir» bringt das Vertrauen in die Berufung zum Ausdruck.
Geboren ist Bernard Genoud am 22. Februar 1942 in Châtel-St-Denis
als viertes von fünf Kindern. Er ist der ältere Bruder von Michel
Genoud, früher Bischofsvikar für den Kanton Neuenburg und heute
Pfarrer von Rolle. Die Sekundarschule und das Gymnasium besuchte Pierre
Genoud im Collège von St-Maurice; 1963 schloss er mit der Matura
des altsprachlichen Typus ab. Im gleichen Jahr erwarb er am Konservatorium
Lausanne ein Flötendiplom. Dann wandte er sich der Theologie zu und
trat ins Priesterseminar ein, wo er Schüler von Charles Journet, Pierre
Mamie und Gabriel Bullet war. Nach der Priesterweihe am 22. Juni 1968 wurde
er Vikar in Montreux. 1971 nahm er an der Universität Freiburg das
Studium wieder auf und schloss es 1975 mit dem Lizentiat in Philosophie
ab. Während dieser Zeit unterrichtete er am Lehrerseminar von Freiburg.
Seine berufliche Laufbahn führte ihn so in den Schulbereich. Er unterrichtete
am Collège Saint-Michel in Freiburg und 19761994 auch am Collège
du Sud in Bulle, wo er die Philosophieklasse eröffnete. Seit 1975 und
bis heute unterrichtet Bernard Genoud an der École de la Foi in Freiburg
Philosophie.
Seit 1976 leitet er die Kirchenchöre des Veveyse- und eines Teils des
Glânebezirks. Am kommenden Caecilientag wird er 450 Sängerinnen
und Sänger aus dreizehn Vereinen musikalisch leiten.
Von 19811994 hatte er für Lessoc die Pfarrverantwortung
«dreizehn glückliche Jahre» lang, wie er selber sagt. 1994
wurde er Regens des Priesterseminars und für das Berufsfindungsjahr
im Seminar von Givisiez Professor für Philosophie. Seit 1996 hat er
an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg einen Lehrauftrag.
Im Bistum ist er zudem Ausbildungsverantwortlicher für den ständigen
Diakonat und Präsident der Katechetischen Kommission für die Orientierungsstufe
des Kantons Freiburg.
Bernard Genoud ist Redaktor der Zeitschrift der Vereinigung der Freunde
von Kardinal Journet; seiner beruflichen Laufbahn entlang hat er auch eine
Reihe von Zeitschriftenbeiträgen namentlich zu Erziehungsfragen veröffentlicht;
vor einem Jahr erschien im Buch «Musique et humanisme» sein
Beitrag «Musique et spiritualité».
Von der Redaktorin von «Evangile et Mission» Michèle
Fringeli wird der neue Bischof als ein froher Mensch beschrieben, der gerne
lacht und andere zum Lachen bringt. «Er hat aber auch die intellektuelle
Strenge des Philosophieprofessors. Den Jugendlichen, mit denen er sein ganzes
Leben verbracht hat, sehr nahe, ist es ihm gelungen, seine Einfachheit und
seine ersten Leidenschaften zu vermitteln: die Liebe zur Wahrheit und zur
Schönheit.»
An der Pressekonferenz und in einem KIPA-Interview äusserte sich der
neu ernannte Bischof vorsichtig: gegen innen eher zurückhaltend, gegen
aussen eher offen, wobei er mehr auf die Spiritualität als auf die
akademische Theologie zu setzen scheint. Es spreche nichts dagegen, dass
verheiratete Männer Priester werden, und ein Konzil könne sogar
die Frage des Frauenpriestertums aufnehmen; er selber sehe allerdings die
Notwendigkeit zu einem Frauenpriestertum nicht und glaube auch nicht, dass
die Kirche die Frauen zum Priesteramt zulassen werde. Die eigentliche Herausforderung
für die Kirche in der Schweiz sei die Erleuchtung des täglichen
Lebens durch den Glauben und die Barmherzigkeit, wobei er mit dem täglichen
Leben die Wirtschaft meine, die Aufnahme der Fremden, der Respekt vor den
armen und einfachen Menschen. In der Gesellschaft müsse die Kirche
an die fundamentalen Werte erinnern wie zum Beispiel das geschwisterliche
Teilen.
Das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg ist ein grosses Bistum: Es erstreckt
sich über die Kantone Waadt (ausser dem Bezirk Aigle, das heisst, die
Pfarreien Aigle, Bex, Leysin, Roche, Villars-sur-Ollon und Lavey sind der
Jurisdiktion des Bischofs von Sitten unterstellt), Genf, Freiburg und Neuenburg.
In 260 Pfarreien, die in 20 Dekanate gruppiert sind, zählt das Bistum
671072 Katholiken und Katholikinnen. Von ihnen wohnen 35,75% im Kanton Waadt,
29,1% im Kanton Genf, 25,35% im Kanton Freiburg und 9,8% im Kanton Neuenburg.
Am 31. Dezember 1997 waren 563 Diözesan- und Ordenspriester in der
Seelsorge tätig; 329 gehören zum Bistumsklerus. 211 (37,4%) sind
Pfarrer oder Pfarrrektoren, 109 (19,36%) Vikare oder Hilfspriester. 6 sind
Präsides von Bewegungen, 45 Seelsorger in Spitälern und in Erziehungsinstitutionen,
12 unterrichten, 16 sind in der Bistumsleitung und 9 in verschiedenen Diensten
tätig. 8 haben ein reduziertes Pensum, 70 (12,43%) sind pensioniert
und 12 arbeiten ausserhalb des Bistums. Im Bistum sind 13 Diakone sowie
zahlreiche Laien in Katechese und Pastoralassistenz tätig
(ihre genaue Zahl findet sich in der Pressemappe nicht). Im Bistum niedergelassen
sind ferner 36 Männer- und 64 Frauenorden bzw. -kongregationen.
Für die administrativen Belange hat wie in der deutschen Schweiz jeder
Kanton seine eigene Regelung und Struktur, mit der Besonderheit allerdings,
dass in den Kantonen Genf und Neuenburg Kirche und Staat getrennt sind.
Die öffentlich- oder privatrechtlichen Körperschaften heissen
im Kanton Waadt: Fédération des paroisses catholiques du canton
de Vaud, im Kanton Genf: Association catholique romaine de Genève
(ACR), im Kanton Freiburg: Corporation ecclésiastique catholique
du canton de Fribourg, und im Kanton Neuenburg: Fédération
catholique romaine neuchâteloise.
Entstanden ist das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg 1821 aus den Schweizerischen
Gebieten der alten Bistümer Genf und Lausanne (beide Bistümer
gehen auf die Spätantike zurück, Lausanne entstand durch Verlegung
von Aventicum); 1828 und 1864 gingen seine Berner und Solothurner Gebiete
auf das Bistum Basel über, das ebenfalls auf ein altes Bistum zurückgeht,
als Fürstbistum dieses Jahr indes «erst» sein 1000jähriges
Jubiläum begehen kann.