4/1999 | |
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Kirche in der Schweiz |
Zu ihrer ersten Jahreskonferenz in der neuen Amtsperiode (1999 bis 2003) haben sich die Dekane, Dekanatsleiterinnen und Dekanatsleiter des Bistums Basel vom 12. bis 14. Januar im Haus Bethanien in St. Niklausen getroffen. Fast die Hälfte der Konferenzmitglieder ist in den vergangenen Monaten neu ernannt worden. Die Dekanenkonferenz hat sich nicht nur verjüngt; auch der Anteil der Frauen hat sich vergrössert.<1>
In einem ersten spirituellen Impuls zu Beginn der Konferenz sprach Bischof
Kurt Koch über «Mit Ihm sein». Er wies darauf hin, dass
die Wahrnehmung des seelsorgerlichen Dienstes immer eine personale Christusbeziehung
voraussetze. In der Tradition stehe die Wahrheit und das Gutsein Gottes
im Vordergrund. Die Bibel lade dazu ein, Gott «sinnlich zu erfahren»,
wie es heute noch in der Liturgie geschehe. Wenn Jesus Christus als das
Sakrament des Heils für die Menschen und die ganze Welt ernst genommen
werde, «dann muss von selbst dem christlichen Gottesdienst im Sinne
einer speziellen liturgischen Institution der Kirche ein fundamentaler Stellenwert
im kirchlichen Leben eingeräumt werden». Die Feier des Gottesdienstes
sei der erste und grundlegende Akt des christlichen und kirchlichen Lebens
überhaupt.
Über die Apostolische Sendung in der heutigen Welt sprach der Bischof
im zweiten Impuls «Mit Ihm in die Welt gesandt». Dabei machte
er auf den unlösbaren Lebenszusammenhang von Gottesdienst und Menschendienst
aufmerksam, wie er vor allem auch im Johannesevangelium im Bild der Fusswaschung
deutlich werde. Christliche Spiritualität dränge zur Diakonie
und umgekehrt auch die Diakonie zur Spiritualität, weil das «heilende
Tun der Diakonie immer wieder auf jene fundamentale Heilung des Menschen
durchsichtig werden soll, die nur in der Gottesbeziehung möglich wird».
Der Anspruch des heutigen Menschen auf freiheitliche Selbstbestimmung gehe
oft einher mit einem Mangel an Solidarität. Solidarität jedoch
sei die Frucht der Verkündigung einer den Menschen entängstigenden
Botschaft. «Entängstigung statt Appell» sei die Kernmitte
der christlichen Osterbotschaft, die den elementarsten Beitrag zur solidarischen
Humanisierung und zur Befriedung der Welt leiste.
Einzeln oder auch in Gruppen befassten sich die Mitglieder der Konferenz
dann mit diesen Impulsen, wobei die wichtigsten Gedanken in anschliessenden
Gesprächen im Plenum zusammengefasst wurden. «Verkündigung
ist schon diakonischer Dienst am modernen Menschen», wurde hier nachgedoppelt.
Es sei darum zu bedauern, wenn die Sozialarbeit der Kirche von diesem Auftrag
abgekoppelt werde. Bei der Aussprache ging es auch darum, wie das «Tun
des Reiches Gottes» ganz konkret, beispielsweise auf Dekanatsebene,
verwirklicht werden könnte. Vorgeschlagen wurde auch eine Erklärung
zum Schutz für das Leben.
Ein wichtiger Diskussionspunkt während der Tagung wurde mit dem Begriff
«Aufbruch des Bistums Basel ins 3. Jahrtausend» umschrieben.
Bischof Koch sieht für die Zukunft eine Kirche, die mystischer, geschwisterlicher
und diakonischer werden muss. Wertvolle Aufbrüche haben sich bereits
bei den Dekanatsbesuchen in den letzten Jahren an verschiedenen Orten gezeigt;
dazu kommen weitere Initiativen wie beispielsweise die Ökumenische
Konsultation, Tagsatzung, Begegnungen des Bischofs mit Spezialseelsorgern
im Jahre 1999.
Um einen solch komplexen Themenkreis angehen zu können, muss dieser
aber beschränkt werden. Darum hat der Bischofsrat erwogen, zu einem
Prozess der Glaubensverkündigung und -vertiefung einzuladen. Die Erfahrung
hat nämlich gezeigt, dass Menschen in entscheidenden Situationen ihres
Lebens (Eheschliessung, Geburt eines Kindes) zur Besinnung auf ihren Glauben
bereit sind. Dieser Prozess soll helfen, bei Einzelpersonen, Familien und
Gruppen den Glauben zu verkünden und zu vertiefen. Gleichzeitig soll
er das Leben in den Pfarreien fördern. Daraus ergeben sich Anregungen
für Solidarität als einen Wert, den die Kirche pflegt und in die
Gesellschaft einbringt. Dabei ist es denkbar, dass ein solcher Prozess in
einer diözesanen Versammlung in welcher Form auch immer
einmünden kann.
Im Rahmen der Jubiläumsfeiern für das Jahr 2000 wurde über
geplante Veranstaltungen informiert. Fest geplant ist bis jetzt, dass im
Bistum der Dreifaltigkeitssonntag gemeinsam begangen wird.
Während der Informationsrunden am ersten und letzten Tag wurde unter anderem auch über die Einsatzmöglichkeiten älterer Seelsorgerinnen und Seelsorger gesprochen. Die Bistumsleitung hält es für wünschenswert, wenn diese frühzeitig ihre Demission einreichen. Dann kann mit den Betroffenen geklärt werden, in welcher Form sie weiterhin ihren Dienst im Bistum Basel leisten können.
Brigitte Muth-Oelschner ist Informationsbeauftragte des Bistums Basel.
1 Insgesamt ist die Dekanenkonferenz deutlich jünger geworden,
so dass man von einem Generationenwechsel sprechen kann. Der jüngste
der insgesamt 27 neuen Dekane, Dekanatsleiter und Dekanatsleiterinnen sowie
Co-Dekane, Co-Dekanatsleiterinnen und Co-Dekanatsleiter ist 33 Jahre alt;
das Durchschnittsalter beträgt gut 49 Jahre. In verschiedenen Dekanaten
wurde das Amt der Dekanatsleitung auf zwei oder drei Personen aufgeteilt
und Diakone, Laientheologinnen und Laientheologen als «Co-Leitung»
bestellt.
Frauen, die in diese Leitungsfunktion gewählt wurden, sind einmal Sr.
Hildegard Schallenberg als Dekanatsleiterin in Olten-Niederamt sowie als
Co-Dekantsleiterinnen Heidi Gränicher in Bern-Stadt, Eugenie Lang in
Langenthal-Burgdorf-Seeland-Biel sowie Gudula Metzel Vitallowitz im Buchsgau.