32-33/1999 | |
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Pastoral |
Die Immigration ist auch in Zukunft Teil der Gesellschaft und der Kirche. Von dieser Feststellung ausgehend betonte Nationaldirektor Dr. Urs Köppel, Luzern, an der diesjährigen Jahresversammlung der Schweizerischen Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Ausländerfragen (SKAF) in Bern, dass die Integration der bei uns lebenden fremdsprachigen Ausländer nach wie vor von Bedeutung ist. Dies werde zwar kaum bestritten. «Unklar und ungewiss sind hingegen die Formen und Erwartungen sowohl an die Gesellschaft wie an die Immigranten.»
Die Rahmenbedingungen für die Ausländerseelsorge werden fortwährend
schwieriger. Gegenwärtig leben rund 800000 fremdsprachige Katholiken
in der Schweiz. Für sie stehen jedoch nur noch um die 150 Priester
zur Verfügung, die ihre Sprache reden. Vor 20 Jahren gab es in der
Schweiz für eine kleinere Zahl Ausländer etwas über 200 Spezialseelsorger.
Damals war zudem die Vielfalt noch nicht so gross; es waren vor allem Italiener,
Spanier, Portugiesen, später Kroaten und Slowenen seelsorgerlich zu
betreuen. Heute gehören die fremdsprachigen Mitchristen rund zwei Dutzend
Sprachgruppen an.
Pater Roland-Bernhard Trauffer, der anstelle des an der Teilnahme verhinderten
Bischofs Norbert Brunner die Grüsse der Bischofskonferenz überbrachte
und ihren Dank für den unentwegten Einsatz übermittelte, erinnerte
an die wachsenden Emotionen bei der einheimischen Bevölkerung im Zusammenhang
mit der Volksabstimmung vom 13. Juni und auch im Hinblick auf die nationalen
Wahlen im Herbst. Umso wichtiger werde die Aufgabe der SKAF; sie dürfe
nicht aufhören, mit sachlichen Argumenten in die Diskussion einzugreifen.
Allerdings müssten auch die ausländischen Mitchristen mithelfen
und immer wieder um Verständnis werben.
Urs Köppel griff in seinem Jahresbericht auch die heikle Frage der Finanzen auf. Er bedauerte, dass einzelne Kantonalkirchen bei der Ausländerseelsorge sparen wollen, ja, dass einzelne Kirchgemeinden von den Benützern kirchlicher Räumlichkeiten, wenn es sich um Ausländer handelt, Mieten verlangten, ungeachtet der Tatsache, dass auch sie über die Kirchensteuern ihren Beitrag leisten. In diesem Zusammenhang rief Köppel zum nötigen Verständnis für die Belange der Ausländer auf, sowohl bei den Pfarreiseelsorgern wie bei den Kirchenpflegen.
Unter der Leitung von Lucrezia Meier-Schatz, St. Peterzell, Vorsitzende
der SKAF-Sozialkommission, sprach im öffentlichen Teil der Jahresversammlung
Kommunikationsberater Alfons Croci, Zug, über «Öffentlich
ist, was öffentlich gemacht wird». Er nahm eine Analyse der heutigen
Mediensituation vor, in welcher die Medien einen Markt bilden, wo Emotionen,
Gefühle, die Personalisierung eine wichtige Rolle spielen. Croci rief
dazu auf, die Nähe zu den Menschen in den Vordergrund zu stellen, neben
der Qualität einer Information vor allem ihre Verkaufbarkeit zu erwägen
und alles daran zu setzen, dass das zu vermittelnde Gedankengut ankommt
und verstanden wird. Dabei gelte es, stets glaubwürdig zu bleiben,
denn Schlagzeilen allein verfangen selten, sicher nicht auf die Länge.
Ergänzend dazu wies Michael Salamolard, Saint-Maurice, auf die Bedeutung
der Pfarrblätter für die Ausländerseelsorge hin. Auch sie
müssten über dieses Medium zu erreichen versucht werden. Die anschliessende
Diskussion erbrachte wertvolle ergänzende Feststellungen, wobei, wie
ein Grossstadtseelsorger sagte, sich immer wieder das Problem stelle, wie
im Konzept einer lebendigen Pfarrei die fremdsprachigen Gläubigen erreicht
und echt hineingenommen werden können.
Die Jahresversammlung der SKAF in Bern stand erstmals unter dem Vorsitz
des seit Neujahr im Amt stehenden Fulvio Caccia, Lugano, welcher die Nachfolge
von Walter Gut, Hildisrieden, angetreten hat.
Arnold B. Stampfli, war von 1979 bis 1996 Informationsbeauftragter des Bistums St. Gallen und arbeitet im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für die SKAF.
Am 18./19. Mai 1999 versammelten sich die Mitglieder der Pastoralplanungskommission (PPK) der Schweizer Bischofskonferenz zu ihrer 67. Plenarversammlung im Bildungshaus Stella Matutina in Hertenstein. Die Beratungen der Kommission drehten sich diesmal um zwei Schwerpunkte: Zum einen galt es, aus der Studie des SPI (Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut, St. Gallen) über die «Zusammenarbeit in Seelsorgeverbänden»<1> pastorale Schlussfolgerungen zu ziehen, zum anderen überlegt sich die PPK, was eine von der Bischofskonferenz gewünschte «Handreichung zum Kirchenaustritt» als pastorale Hilfe für die Seelsorger/Seelsorgerinnen und Kirchenverwaltungsräte beinhalten sollte.
Schon an ihrer 66. Plenarversammlung liess sich die PPK vom SPI-Mitarbeiter
Thomas Englberger die Ergebnisse seiner beiden Teilstudien in der deutschsprachigen
Schweiz und in der Romandie erläutern. Schon damals zeigten sich zwei
grundsätzlich verschiedene Strategien, wie Seelsorgeverbände gebildet
werden. In den deutschsprachigen Diözesen (untersucht wurden St. Gallen
und Basel) lässt man sich erst auf die Bildung von Pfarr- oder Seelsorgeverbänden
ein, wenn Priester fehlen und man notgedrungen Pfarreien zusammenschliessen
muss. Die Strategie ist also, aus der Not eine Tugend zu machen. Anders
geht man in der Westschweiz vor. Die Pastoralverantwortlichen handeln nicht
erst, wenn aus personellen Gründen die gewohnte oder notwendige Seelsorgearbeit
nicht mehr sinnvoll geleistet werden kann, sondern aus planerischen Motiven:
Zusammenarbeit, Arbeitsteilung, Spezialisierung bringen Erleichterung, Entlastung
und mehr Effizienz, und das wiederum fördert den Teamgeist und die
Solidarität. Besonders angetan waren die Mitglieder der PPK darum vom
Beispiel des «Jura pastoral», den Seelsorgeverbänden in
der Bistumsregion Jura, welche den Zusammenschluss in «secteurs pastoraux»
(Gebiete) oder «équipes pastorales» (Seelsorger) aus
solch planerischen Überlegungen verwirklicht hat.
Aus der Untersuchung lagen der PPK zehn Thesen oder Empfehlungen zur Beratung
vor, was bei der Bildung von Seelsorgeverbänden von den Beteiligten
beachtet werden sollte:
Die Bischofskonferenz hat in ihrer Sommersitzung in Einsiedeln beschlossen, dass die PPK ihre Empfehlungen den Pastoralverantwortlichen in den Ordinariaten als Planungs-, Überlegungs- und Entscheidungshilfe zukommen lassen soll.
Das zweite Schwerpunktthema war die Frage, wie Seelsorger/Seelsorgerinnen,
Kirchenverwaltungsräte und Pfarreiangehörige mit der zunehmenden
Zahl von Kirchenaustritten umgehen sollen. Das Phänomen der Kirchenaustritte
mit ihren Folgen stellt sich in jeder Diözese anders und je verschieden
in der Deutschschweiz, in der Romandie oder im Tessin.
Die Schweizer Bischofskonferenz hat der PPK den Auftrag gegeben, eine Arbeitsgruppe
«Kirchenaustritt» zu bilden, welche die Vielschichtigkeit des
Problems studiert und aus ihren Erkenntnissen und ihrer pastoralen Einfühlsamkeit
eine Handreichung für die Seelsorger/Seelsorgerinnen erarbeitet.
Was schon das Buch «Jenseits der Kirchen» (Hrsg. vom SPI 1998)
an schwierig lösbaren Gegensätzen aufzeigte, zeigte sich auch
in der Projektskizze, welche die PPK der Bischofskonferenz unterbreitete
und an der Plenarversammlung diskutierte, um der Arbeitsgruppe «Kirchenaustritt»
ihren Auftrag zurechtzuschneidern. Dabei gilt es unter anderem folgende
Fragen zu beantworten oder nachstehende Probleme zu lösen:
Die PPK wird ihre neue Arbeitsgruppe mit einem schwierigen Auftrag an die Arbeit schicken.
Nebst diesen beiden Themen diskutierte die PPK den Entwurf ihrer Stellungnahme
zur «Ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen
Zukunft der Schweiz». Weil wahrscheinlich später ja alle Eingaben
einmal ab CD-ROM in extenso zu lesen sein werden, sollen hier nur zwei,
drei Grundgedanken wiedergegeben werden.
In ihrer Eingabe bezweifelt die PPK, dass wie das die Diskussionsgrundlage
der Konsultation anstrebt in unserer pluralistischen Gesellschaft
jemals geteilte Werte und Grundüberzeugungen als gemeinsame Basis für
die Zukunft aller in einem «neuen Gesellschaftsvertrag» festgeschrieben
werden können. Wenn aber doch für eine gemeinsame soziale und
wirtschaftliche Zukunft der Schweiz etwas getan werden soll, müssen
die Chancen genutzt werden, die sich den Kirchen als gesellschaftlichen
Akteuren (vor allem im Bereich ihrer diakonischen Aufgabe) bieten (advokatorisches
Engagement der Kirche, Eintreten für eine prosoziale Lebenskultur,
Wahrung der politischen, sozialen und ökonomischen Grundrechte, u.a.).
Dann sind sie auch ernst zu nehmende Partner in der Gestaltung unserer schweizerischen
Gesellschaft und werden mit ihren ethischen Appellen zu Gerechtigkeit, Solidarität
und verantworteter Freiheit auch gehört werden.
Die PPK bereinigte auch die beiden, demnächst erscheinenden Berufsbilder
«Kirchliche Sozialarbeit» und «Kirchliche Jugendarbeit».
Für die letzte Plenarversammlung der PPK-Amtsperiode 19961999
steht der PPK die Wahl von prioritären pastoralen Leitthemen bevor.
Die von der PPK durchgeführte Evaluation der Arbeit der Stabskommissionen
der Schweizer Bischofskonferenz, welche vor allem den Informationsfluss,
die Koordination und die Kommunikation zwischen den Kommissionen selber
und gegenüber der SBK bzw. dem Sekretariat der SBK als ungenügend
und optimierbar beurteilte, hatte zunächst einmal zum Ergebnis, dass
alle Beteiligten gewillt sind, ihre Arbeit in Zukunft stärker auf einige
für alle gemeinsam wichtige, zentrale und prioritäre Leitthemen
auszurichten. Die PPK soll dabei im Einvernehmen mit der SBK eine führende
Koordinationsrolle haben.
Der promovierte Theologe Robert Lendi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI), St. Gallen.
1 Die Studie «Zusammenarbeit in Seelsorgeverbänden», hrsg. vom SPI, 90 S., broschiert, Fr. 10., ist ab sofort erhältlich bei: Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut (SPI), Postfach 1926, 9001 St. Gallen, Telefon 071-2232389, Fax 071-2232287.