18/1999 | |
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Pastoral |
Am 7. Sonntag der Osterzeit begehen wir den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel.
Diese sind aus unserem privaten wie öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken.
Sie erfüllen zweifellos dann ihre schönste Aufgabe, wenn sie das
verwirklichen, was ihr Name verspricht, dass sie nämlich der sozialen
Kommunikation unter den Menschen dienen. Deshalb ist auch die Kirche gut
beraten, wenn sie für die Verkündigung der guten Nachricht Gottes
diese Medien in Anspruch nimmt. Denn das Geheimnis Gottes ist ein öffentliches
Geheimnis, das alle Menschen angeht.
Die Aufgabe der Medien besteht ferner darin, die öffentlichen Ereignisse
und Auseinandersetzungen kritisch zu begleiten und diejenigen, die Macht
ausüben, zu kontrollieren. Deshalb garantiert der moderne demokratische
Rechtsstaat die Medienfreiheit und verbietet jede Zensur. Wie jede Freiheit
kann freilich auch diese missbraucht werden. Dies ist leider heute gar nicht
so selten der Fall, beispielsweise dann, wenn in Medien die Wirklichkeit
durch eine subjektive Brille äusserst verzerrt wiedergegeben wird oder
wenn die Medien die Ereignisse, über die sie berichten, so selektiv
auswählen, dass man beinahe von einer Zensur reden muss.
Aufgrund solcher Erscheinungen pflegt man heute die Medien als vierte Macht
im Staat zu bezeichnen. Ich halte dies für eine gefährliche Verharmlosung.
Die Medien haben sich vielmehr schon längst zur ersten Macht im Staat
emporschwingen können, die denn auch faktisch die Politik oft mehr
steuern, als es die Politiker selbst zu tun vermögen. Unlängst
hat ein Fachmann festgestellt, dass sich die politische Kultur im Nationalrat
massgeblich gewandelt habe, seit in den parlamentarischen Debatten die Redner
vom Fernsehen aufgenommen und auf Diskette gespeichert werden. Denn seither
würden Politiker ihre Aussagen von vornherein so vorzensurieren, dass
sie mediengerecht daherkommen.
Das Hauptproblem der Medien liegt freilich nicht darin, dass sie die erste
Macht in Staat, Gesellschaft und Kirche geworden sind, sondern dass sie
die einzige Macht sind, die weithin unkontrolliert funktionieren kann. Und
wenn sich diese Kontrolllosigkeit mit dem Unfehlbarkeitsanspruch eines Journalisten
oder Redaktors hinsichtlich seiner eigenen Urteile verbindet, droht die
Öffentlichkeit völlig entmündigt zu werden.
Die einzig wirksame Kontrolle besteht in der Hoffnung auf das Funktionieren
eines ausbalancierenden Wettbewerbs zwischen den verschiedenen Medien. Es
stellt sich aber immer deutlicher die Frage, ob die herkömmliche Beschwörung
der freien Konkurrenz wirklich ausreicht oder ob nicht Wege gesucht werden
müssen, um auch die Medien besser kontrollieren zu können. Natürlich
gibt es zur Lösung dieses Problems kein Patentrezept. Doch jede Lösung
eines Problems beginnt damit, dass es nicht tabuisiert bleibt, sondern ausgesprochen
wird.
Wirksamer als staatliche Gesetze sind freilich eine gute Medienerziehung
und die Bildung eines kritischen Urteilsvermögens gegenüber den
Medien. Ich hoffe, dass auch der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel
uns zu einer willkommenen Gelegenheit wird, über die Chancen, aber
auch die Risiken der Medien nachzudenken.
Mit herzlichem Dank an alle Medien, die das, «was mich bewegt», zu Ihnen ins Haus bringen, verbleibe ich mit freundlichen Grüssen als Ihr