9/1999 | |
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Pastoral |
Dass in diesem Bereich mehr geschehen muss, liegt auf der Hand. Aber
wie und auf welchen Ebenen, das kristallisierte sich als die eigentliche
Frage heraus. Die SKAF (Schweizerische Katholische Arbeitsgemeinschaft für
Ausländerfragen), die seit Jahren über eine Arbeitsgruppe «Muslime»
verfügt, welche für Interessenten jede Art von Informationen bereithält
und sich auch für Beratungen zur Verfügung stellt, beantragte
der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) die «Errichtung einer Beratungsstelle
für christlich-islamische Partnerschaften». Primäre Aufgaben
einer solchen Beratungsstelle wären «individuelle Beratung von
christlich-islamischen Ehepartnern und deren Angehörigen, Beratung
von Seelsorgerinnen und Seelsorgern, Bildungsanlässe, Tagungen und
Ehevorbereitungskurse sowie Öffentlichkeitsarbeit».
Die vielfältige Arbeit der einzelnen Mitglieder der SKAF-Arbeitsgruppe,<1> die Tatsache, dass aus zeitlicher Überforderung
gar nicht alle Anfragen berücksichtigt werden konnten und die grundsätzliche
Wichtigkeit dieses pastoralen Auftrags der Kirchen sind der Hintergrund
für den Antrag an die Bischofskonferenz, eine «Beratungsstelle
für christlich-islamische Partnerschaften» zu errichten.
Für den Zusammenhang erinnern wir uns: Das Zweite Vatikanische Konzil
sprach sich in der «Erklärung über das Verhältnis der
Kirche zu den nichtchristlichen Religionen» für die Notwendigkeit
eines intensiven Dialogs zwischen den Religionsgemeinschaften aus. Und in
den Lineamenta zur Vorbereitung der X. Ordentlichen Vollversammlung der
Bischofssynode wird zum interreligiösen Dialog gesagt: «Als Lehrer
des Glaubens müssen die Bischöfe auch dem interreligiösen
Dialog grosse Aufmerksamkeit schenken. Denn es ist allen klar, dass er unter
den derzeitigen geschichtlichen Bedingungen eine neue, unmittelbare Dringlichkeit
erlangt hat... Der interreligiöse Dialog ist... Teil des Evangelisierungsauftrages
der Kirche und gehört zu den Ausblicken des Jubiläumsjahres 2000.»
Allerdings beschäftigen unsere Kirchen weniger Probleme auf der Ebene
des interreligiösen Dialogs als vielmehr die pastoral praktischen Beziehungen
in gemischtreligiösen Partnerschaften und Familien und verschiedenartige
Probleme und Konflikte im schulischen, im erzieherischen und allgemein im
gesellschaftlichen Bereich. Letzteres ist vor allem der Problem- und Erfahrungshintergrund
des Antrages der SKAF-Arbeitsgruppe «Muslime» zur Errichtung
einer Beratungsstelle.
Weil eine solche Arbeitsstelle aber nur über die gesamtschweizerische
Mitfinanzierung möglich würde (durch den Inlandteil des Fastenopfers
und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz [RKZ; Zusammenschluss
der Landeskirchen], gelangten die Bischöfe mit der Bitte um eine Stellungnahme
an die Arbeitsgruppe 3 «Mitfinanzierung» der PPK (Pastoralplanungskommission
der Bischofskonferenz). Alfred Dubach, Leiter des SPI und Sekretär
der PPK, erarbeitete in der Folge eine Studie als Grundlage für eine
Empfehlung der AG 3 an die Gemischte Expertenkommission FO/RKZ. Aufgrund
von zahlreichen Recherchen, Informationen und Nachfragen konnte er darin
viele Fakten und Informationen zusammentragen, die für viele kirchliche
Kreise von grossem Interesse sein dürften.
Im Bericht des Tagesanzeigers vom 19. Januar 1999 «2000 Muslime
beteten in Kloten» ist unter anderem zu lesen, dass «nach den
Katholiken und Reformierten... die Muslime mit geschätzten 200000 Mitgliedern
die drittgrösste Glaubensgemeinschaft in der Schweiz» sei. Um
die Tragweite bzw. Häufigkeit möglicher positiver interreligiöser
Beziehungen auf zwischenmenschlicher Ebene wie in Ehe, Familie, Schule und
Arbeitswelt, aber auch um das Potential möglicher Probleme und Konflikte
in interreligiösen und multikulturellen Begegnungen und Beziehungen
(oder besser Reibungsflächen?) auszuloten, seien dem einige konkrete
Zahlen aus dem Bericht von A. Dubach beigefügt.
In der Volkszählung 1990 bekannten sich 152217 Personen zum islamischen
Glauben, 2,2% der Bevölkerung. 29175 Personen gehörten anderen
nicht-christlichen und nicht-jüdischen Religionsgemeinschaften an.
94,5% der Muslime sind Ausländerinnen und Ausländer. 81,2% leben
in der Deutschschweiz, 16,9% in der Westschweiz, 72,6% in städtischen
Agglomerationen. Über 10000 Muslime zählen die Kantone Zürich,
Bern, St. Gallen und Aargau.
11,6% der Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz sind Muslime
(1990). Bis 1996 stieg die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer
in der Schweiz um 12,4%. Schätzungsweise muss heute mit rund 170000
bis 180000 Muslimen in der Schweiz gerechnet werden.
Heirateten 1950 396 Mitglieder der katholischen und protestantischen Kirche
mit Personen nicht-christlicher und nicht-jüdischer Religion, waren
es 1996 6763.
Mit Personen islamischen Glaubens lebten 1990 7250 protestantische und katholische
Männer und Frauen zusammen. In 83,6% der Fälle handelt es sich
um Frauen.
Im Vordergrund des Antrags der SKAF-Arbeitsgruppe «Muslime»
stand die Ermöglichung pastoraler (persönlich-seelsorgerlicher)
Beratung für christlich-islamische Partner und deren Angehörigen.
Dazu sollte eine solche Beratungs- oder (wie es die SBK eher wünschte)
Informationsstelle vor allem auch Informationen, Beratung und Hilfestellungen
bieten können, wo immer Fragen, Probleme und Informationslücken
auftreten: in ehelichen und familiären Beziehungen, beim schulischen
Lernen und Zusammenleben, im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag,
im amtlichen Umgang, im Spital, im Strafvollzug usw.
Welche Massnahmen zur Förderung des interkulturellen und interreligiösen
Dialoges in der Schweiz ins Auge zu fassen wären, lassen sich nur auf
dem Hintergrund bereits bestehender Angebote, Initiativen und Unternehmungen
abschätzen. Sollen unnötige Doppelspurigkeiten vermieden werden,
ist eine zumindest rudimentäre Bestandesaufnahme unabdingbar. Als Grundsatz
gilt: Bestehendes unterstützen und pflegen statt Neues schaffen.
Ausbildung für interkulturelle Animation (AikA): Dialog zwischen
den Religionen setzt interkulturelle Kompetenz voraus. Der Umgang mit anderen
Kulturen kann im Kurs der AikA erlernt und eingeübt werden. Er umfasst
12 Tage und wird vom Romero-Haus in Luzern in Zusammenarbeit mit der Caritas
Kanton Luzern, der Ausländerberatungsstelle Luzern, der Caritas Schweiz
und dem HEKS angeboten.
Multikulturalität in der kirchlichen Arbeit: Das Institut für
Fort- und Weiterbildung der Katechetinnen und Katecheten (IFOK) bietet in
Zusammenarbeit mit dem Romero-Haus ein Fortbildungsangebot im August 1999
bis Juni 2000 für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die
zum Ziel hat, im persönlichen und beruflichen Leben den interreligiösen
Dialog leben und lehren zu lernen. Geplant sind zwei Module mit unterschiedlicher
Zielsetzung. Im ersten Modul geht es um Grundhaltungen der Offenheit gegenüber
Fremden und fremden Kulturen, im anderen, Kenntnisse und Fähigkeiten
für die eigene Praxis zu erwerben, um Aspekte interkultureller Pädagogik.
Multikulti: Das Angebot richtet sich speziell an Jugendarbeitende und Katecheten/Katechetinnen,
geleitet vom Romero-Haus, der Werkstatt offene Welt, der Bethlehem Mission
Immensee und der Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit.
Der Kurs findet erstmals im Februar/März 1999 statt.
Zurzeit stellt das Katechetische Institut Luzern (KIL) Überlegungen
an, wie in der Katechetenausbildung den Anforderungen der interkulturellen
Pädagogik besser entsprochen werden könnte.
Ein breites Angebot von Weiterbildungsveranstaltungen steht interessierten
Lehrerinnen und Lehrern offen. So offeriert zum Beispiel die Lehrer- und
Lehrerinnenausbildung des Kantons Zug in ihrem Kursprogramm regelmässig
praxisorientierte Kursangebote zu Themen wie: Ausländische Jugendliche;
Situation und Problematik in der Schule; tamilische Kinder in der Schule;
Lern- und Leistungsstörungen von Migrationskindern.
Die Schule in der multikulturellen Gesellschaft thematisiert auch die Weiterbildungszentrale
Luzern (WBZ). «Die multireligiöse Gesellschaft als Herausforderung
an den gymnasialen Unterricht» heisst ein Kursangebot für 1999.
Eine erste Forumstagung mit dem Thema «Gesellschaft Religion
Bildung: Aufgaben und Ausrichtung religiöser Bildung in einer
multikulturellen Gesellschaft» bot für Ende Januar 1999 das Gymnasium
Muristalden, Bern, in Zusammenarbeit mit anderen im Bereich Bildung und
Religionspädagogik tätigen Arbeitsstellen für Lehrerinnen
und Lehrer der Sekundarstufe I an.
1998 veröffentlichte die «Eidgenössische Ausländerkommission»
eine Broschüre: Kinder islamischen Glaubens an Schweizer Schulen. Orientierungshilfen
und praktische Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer.
Etliche Kantone verfügen über eigene Fachstellen für interkulturelle
Erziehung. Das Angebot reicht von Beratung und Information von Lehrpersonen
und Behörden im Zusammenhang mit dem Unterricht in multikulturellen
Klassen bis hin zur Konfliktvermittlung vor Ort. Fragen zum Unterricht mit
Kindern aus verschiedenen Ländern können besprochen und Lehrmittel
zur interkulturellen Pädagogik kennen gelernt werden.
Die Fachstelle interkulturelle Schule erarbeitete im Auftrag der Erziehungsdirektorenkonferenz
für Lehrerinnen und Lehrer einen Kalender über die Feiertage der
wichtigsten Religionsgemeinschaften in der Schweiz.
«Interreligiöse Bildung und Begleitung» heisst eine
Reihe von Bildungsveranstaltungen an der Theologischen Fakultät Luzern
für Katechetinnen und Katecheten, Theologinnen und Theologen, Lehrerinnen
und Lehrer.
An der Universitären Hochschule Luzern wirkt David Krieger als Privatdozent
für Religionswissenschaften mit Lehrangeboten an der Theologischen
Fakultät. Er arbeitet gleichzeitig mit am «Institut für
Kommunikationsforschung» in Meggen, das sich mit zahlreichen Forschungsarbeiten
im Bereich Interkulturalität einen Namen geschaffen hat. Hingewiesen
sei auf die Arbeitspapiere zur interreligiösen Umweltethik und auf
die Reihe «Interreligiöse Texte».
An der Universität Freiburg lehrt Richard Friedli «Vergleichende
Religionswissenschaften». Im Programm 1998/99 des «Institut
Missiologie et sciences des religions» finden sich Vorlesungen, Seminare
und Kolloquien über den Buddhismus, Hinduismus, Islam, das Judentum
und über chinesische Religion.
Grosse Verdienste erwarb sich im jüdisch-christlichen Dialog das Institut
für jüdisch-christliche Forschung (IJCF) an der Theologischen
Fakultät der Universitären Hochschule Luzern.
Die Schweizerische Akademie für Entwicklung (SAD) mit Sitz in Solothurn
führte eine breit angelegte Untersuchung über die «Muslime
in der schweizerischen Gesellschaft. Möglichkeiten und Grenzen der
Multikulturalität» (1998) durch. Empirische Erhebungen zur Multikulturalität
in der Schweiz liegen auch von Seiten des Soziologischen Institutes der
Universität Zürich vor, zu interkulturellen Konflikten im Unternehmen
von Seiten des Gottlieb Duttweiler Institutes in Rüschlikon.
1997 wurde das «Zürcher Forum der Religionen» gegründet.
Es setzt sich aus offziellen Vertretern der Landeskirchen, der grössten
religiösen Gemeinschaften sowie der Koordinationsstelle für Ausländerfragen
zusammen. Es nimmt Stellung zu politischen Fragen im religiös-kulturellen
Bereich, führt interreligiöse Gespräche durch und interreligiöse
Gebetsfeiern am Bettag.
Basel kennt seit Jahren vielfältige interreligiöse Gruppen und
Bewegungen. Diese sollen im «Interreligiösen Forum» untereinander
bekannt und vernetzt werden. Am Bettag findet regelmässig ein interreligiöses
Bittgebet in der Offenen Kirche Elisabethen statt. Dem Forum gehörten
auch die katholische und evangelische Landeskirche an.
In Basel besteht eine Vereinigung Information Religion (Inforel). In Bearbeitung
ist ein «Führer durch das religiöse Basel». Gedacht
ist er für Lehrer und Lehrerinnen sowie Schulen, für Spitalverantwortliche,
für Pflegende, für Seelsorgerinnen und Seelsorger. Soeben erschienen
ist eine Übersicht über die Moscheen islamischen und alewitischer
Vereinen (Vereinigungen) in der Region Basel.<2>
In Bern besteht ein «Runder Tisch der Religionen».
Unterstützung, Material, Ideen und Kontakte für interreligiöse
Begegnungen bietet die regionale Caritasstelle St. Gallen an. An manchen
Orten im Bistum entstanden bereits runde Tische mit Teilnehmenden aus verschiedenen
Ethnien für Begegnungen zwischen den Religionen auf der Ebene von Pfarreien.
Ein weiteres Beispiel: In Dietikon im Kanton Zürich besteht eine Arbeitsgruppe
der KAB «Dialog Islam-Christentum». Sie hat 1998 zum Beispiel
zwei Begegnungs- und Informationsabende durchgeführt mit Vertretern
der Stiftung islamischer Glaubensgemeinschaften und Vertretern/Vertreterinnen
der Behörden.
Im Kanton Aargau besteht ein «Aargauer interreligiöser Arbeitskreis»
(AIRAK).
Zum ersten Mal in der Schweiz konnte 1998 im Kanton Uri ein interreligiöser
Begegnungsort an einer Autobahnraststätte eingeweiht werden.
Im September 1999 lanciert der Migros-Genossenschaftsbund die «conTAKT
99». Durch Feste und gemeinsames Schaffen sollen sich verschiedene
Kulturen näherkommen. Aus Fremden sollen Mitmenschen werden. An sechs
Orten in der Schweiz werden «conTAKT»-Veranstaltungen stattfinden,
wird interkulturelle Begegnung gelebt. Auch die Kirchen sind eingeladen
mitzumachen. Das Kulturprozent Migros bietet Projektbeiträge, Projektbegleitung,
Kommunikationsunterstützung und ein Startgeld.
Als Beispiel seien die Abendveranstaltungen im Kanton Zug über die
Weltreligionen genannt, veranstaltet von der Missionskommission der evangelisch-reformierten
Kirchgemeinde des Kantons Zug und von den Delegierten des Kantons Zug in
der katholischen Missionskommission des Bistums Basel.
1998 fand an drei Abenden eine «Einführung in den Buddhismus»
statt.
Alle, die an Begegnung zwischen den Religionen interessiert sind und sich
beim Einüben einer Dialogkultur engagieren möchten, finden zahlreiche
Möglichkeiten dazu in den evangelisch-reformierten und katholischen
Bildungshäusern. So führte zum Beispiel die Paulus-Akademie eine
Vortrags- und Diskussionsreihe zum Thema «Welten des Islam»
durch. An einer Tagung führte sie Frauen verschiedener Herkunft zusammen:
Migrantinnen und einheimische Frauen Zusammenarbeit und Vernetzung.
Oder ein Mitarbeiter des Centre St-François in Delémont referiert
in Volkshochschulen zum Thema: Regard sur l'Islam.
Mit dem «Institut für spirituelle Bewusstseinsbildung in Politik
und Wirtschaft (ISPW)» will das Lasalle-Haus Bad Schönbrunn dem
Anliegen einer interreligiösen Spiritualität grösseren Raum
geben. Speziell angesprochen werden Führungskräfte in Politik
und Wirtschaft. Tagungen zu interreligiösen Themen stehen für
alle Interessierten offen. Gelegenheiten, aus erster Hand etwas über
gelebte islamische Religion und das Zusammenleben von Muslimen und Christen
in der Schweiz zu erfahren, bietet das Katholische Akademikerhaus den Studenten
auf dem Platz Zürich. Mit Jüdischem im europäischen Denken
der Gegenwart befasste sich in mehreren Vorträgen Weihbischof Dr. Peter
Henrici.
Die für 1999 geplante Vortragsreihe «Judentum in unserer Welt»,
veranstaltet vom Katechetischen Institut der Theologischen Fakultät
Luzern und vom IFOK, will einen Einblick in die religiöse und kulturelle
Vielfalt jüdischen Denkens und Lebens geben.
Die Thematik des Zusammenlebens von verschiedenen Religionsgemeinschaften
wird auch von diözesanen Seelsorgeräten aufgegriffen. So widmete
sich der Seelsorgerat des Bistums St. Gallen 1998 der Frage, wo die Pfarreien
in dieser Frage (in diesem Bereich) besonders gefordert sind.
Der Bildungsdienst der Bethlehem Mission Immensee gibt Informationen und
Anregungen zu interkultureller Kommunikation und Integrationsarbeit für
Mitarbeitende in Gemeinden, Pfarreien, Schulen und im Pflegebereich. Die
Missionsgesellschaft verfügt über grosse Erfahrungen im Umgang
mit fremden Kulturen. Das Bildungsteam kommt zu Abendveranstaltungen in
Pfarreien, gestaltet Wochenenden und begleitet ein- oder mehrtägige
Veranstaltungen.
Die ständige Ausstellung in Immensee «Treff Punkt Welt»
gibt Raum, sich auf Menschen aus fremden Kulturen einzulassen. Erlebnisorientiert
können Jugendgruppen, Klassen, Pfarreiräte, Firmlinge, usw. sich
anderen Lebenserfahrungen öffnen.
«Brennpunkt Welt» ist eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft
für interkulturelle Bildungsarbeit in Schulen, Gemeinden und Organisationen.
Sie wird getragen von der Missionskonferenz (DRL) und der Kooperation Evangelischer
Kirchen und Missionen (KEM). Ihre Mitarbeiter beraten Lehrkräfte und
Seelsorger bei der Konzeption von Projektwochen, Themen, Kursen, Blockunterricht
und stehen für Studientage oder -wochen, Workshops, Tagungen und Mitarbeit
in Fachgruppen zur Verfügung. Gearbeitet wird mit vielfältigen
Methoden, die den Bedürfnissen, der Umwelt und dem Zeitbudget der Interessierten
angepasst sind.
Nicht unerwähnt bleiben darf die Bildungsarbeit des Fastenopfers und
von Brot für alle, der Missio mit ihren Unterlagen zum Missionssonntag,
des Schweizerischen Missionsrates, der SKAF mit der Durchführung des
Ausländersonntages, der vielen Betreuungsgruppen für Flüchtlinge,
der Abteilung Migration der Schweizer Caritas und von Zeitschriften wie
dem «Wendekreis». Sie alle tragen auf ihre Weise zu einem besseren
Verständnis zwischen den Kulturen und Religionen in der Schweiz bei.
«Vom Reden über den Dialog zur betroffenen Begegnung...»
führen möchte eine Arbeitsmappe der Missionskonferenz (DRL) und
der Kooperation Evangelische Kirche und Missionen, eine Art Handbuch für
den interreligiösen Alltag. Verschiedene in der Schweiz lebende Religionsgemeinschaften
kommen mit ihren Alltagserfahrungen und ihren Bedürfnissen zu Wort.
Eine Fundgrube für jeden, dem die Begegnung zwischen den Religionen
ein Anliegen ist.
Die katechetischen Arbeits- und Medienstellen verfügen nach eigener
Einschätzung heute über ein reichhaltiges Angebot von Arbeitswerkstätten
und Unterrichtsmaterialien, die auch mit Gewinn bei Jugendlichen und Erwachsenen
eingesetzt werden können. Empfohlen werden immer wieder die Tonbildreihen,
Materialkoffer, Folienpakete und Arbeitsunterlagen des Manava-Verlages,
Basel.
Die Landeskirchen sehen sich heute zusehends mit der Frage des Religionsunterrichtes
in der zukünftig multireligiösen Schule konfrontiert. Es geht
dabei auch um schulpolitische Fragen im Blick auf die religiösen Bildungsinhalte:
Mensch und Umwelt, Individuum und Gesellschaft.
Gemeinschaft von Christen und Muslimen in der Schweiz: Die Gemeinschaft
entstand aus einer Initiative von evangelischen und katholischen Seelsorgerinnen
und Seelsorgern im Raum Bern. Sie bezweckt, das Verständnis für
den Islam in der Schweizer Bevölkerung zu fördern, das Verständnis
für das Christentum unter den muslimischen Mitmenschen in der Schweiz
zu fördern und den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu ermöglichen
und zu fördern. Erreicht werden soll dieses Ziel durch die Vermittlung
und Förderung von Kontakten, durch die Organisation von Veranstaltungen,
durch Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung unter den Medienschaffenden.
Sie hat bis heute drei Faltprospekte herausgegeben zu den Themen: eine Familie
zwei Religionen, Muslime im Spital, muslimische Kinder in Schweizer
Schulen und Kindergärten.<3> Im Zentrum
ihres Wirkens steht das alltägliche Zusammenleben von Christen und
Muslimen. Das Sekretariat betreut die evangelisch-reformierte Arbeitsstelle
für Ökumene und Entwicklung in Bern.
Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz (IRAS):
Vorrangiges Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist, kulturellen Minderheiten die
Wahrnehmung ihrer religiösen Anliegen zu ermöglichen. In ihrem
Engagement für die religiösen Minderheiten leistet sie einen konkreten
Beitrag an den religiösen und gesellschaftlichen Frieden in unserem
Lande und schafft die erforderlichen Voraussetzungen für den interreligiösen
Dialog im Sinne des Päpstlichen Rates für den interreligiösen
Dialog. Im Osservatore Romano (deutsche Ausgabe) vom 24. August 1994 heisst
es: «Zu ihm (dem Dialog) gehören Aufmerksamkeit, Achtung und
Aufgeschlossenheit dem anderen gegenüber, dem man Raum lässt für
seine persönliche Identität, seine Ausdrucksformen und Werte.»
Die IRAS setzt sich aktiv für die Förderung der interreligiösen
Begegnung auf allen Ebenen ein. In ihrer Zeitschrift «Panorama»
thematisiert sie Anliegen und Probleme des Zusammenlebens der verschiedenen
Religionen in der Schweiz und berichtet über ihre Aktivitäten.
Im Vorstand wie im Patronatskomitee wirken Persönlichkeiten der evangelischen
und katholischen Kirche mit. Das Sekretariat besorgt Heidi Rudolf vom St.
Katharinen-Werk.
An erster Stelle wäre hier das Maison du dialogue l'Arzillier in
Lausanne zu nennen und die «Plate-Forme interreligieuse» in
der Stadt Genf. Das Arzillier führt regelmässig interkulturelle
und interreligiöse Bildungsveranstaltungen und Begegnungen durch. Träger
des Hauses ist die reformierte Kirche Waadt. Im Vorstand wirkt die katholische
Kirche mit.
Die reformierte wie die katholische Kirche haben je eine Person teilzeitlich
für den interreligiösen Dialog in der Westschweiz freigestellt.
Ein Überblick über praktische Leitfäden, Orientierungshilfen,
Handreichungen für Begegnungen und den Dialog mit anderen Religion
kann hier nicht gegeben werden. Alltagshilfen und anspruchsvollere Literatur
finden Interessierte in reicher Auswahl.
Eine zentrale Informations- und Dokumentationsstelle oder kommentierte Übersichten
über die aktuellen Angebote scheint es nicht zu geben. Wer sich allerdings
umhört, erhält von allen Seiten Hinweise und gute Tipps. Es kann
sich dabei zum Beispiel um eine Orientierungshilfe des Schweizerischen Evangelischen
Kirchenbundes (SEK) zum «Interreligiösen Gebet» handeln
(1998) oder um eine Dokumentation des Schweizerischen Roten Kreuzes «Muslime
in der Schweiz» (1998). Zu der gern benutzten Orientierungshilfe gehört
auch die Schrift «Ehen zwischen Katholiken und Muslimen in der Schweiz»
(1986), die von der SKAF neu überarbeitet wird.
Bei aller Beachtung der langen Liste über Gelegenheiten zum christlich-islamischen
Dialog bzw. Verbesserung konkreter alltäglicher Beziehungen und Probleme
bleibt die Frage nach der Notwendigkeit pastoraler Hilfe und Beratung in
spezifischem Sinn, welche das SKAF-Begehren eigentlich anvisierte. Auch
hier zeigten die Recherchen einen recht klaren Befund: Schwierigkeiten und
Konflikte in christlich-islamischen Partnerschaften und Familien sind selten
rein religiöser Natur, sondern sind auf allgemein menschliche Ursachen
und kulturelle Unterschiede zurückzuführen. Und für diesen
Bereich gibt es unzählige konfessionelle, ökumenische und religiös
neutrale Ehe- und Familienberatungsstellen, spezifische Beratungsstellen
für Personen mit ausländischem (Ehe-)Partner oder Beratungsstellen
für ausländische Frauen und gemischt-religiöse und -kulturelle
Familien. Kirchliche Beratungsstellen gaben zumeist an, mit solchen Problem-
und Konfliktfällen äusserst selten konfrontiert zu werden und
wenn schon, dann in gleichem Sinn wie bei den üblichen Ehe- und Familienschwierigkeiten.
Der Bericht von A. Dubach und die Beratung in der PPK-AG 3 tendieren eher
darauf, die bestehenden Informations-, Beratungs- und Begegnungsmöglichkeiten
zu nutzen und gezielt finanziell mitzutragen, als dass die Arbeitsgruppe
«Muslime» innerhalb der SKAF zu einer «Informations- und
Beratungsstelle für christlich-islamische Partnerschaften» ausgebaut
würde.
Die obige Zusammenstellung der Gruppierungen, Arbeitsstellen, Institutionen,
Vereine und Ähnliches, die sich auf recht verschiedene Art mit christlich-islamischen
Beziehungen befassen, dürfte für viele Leser informativ und hilfreich
sein. Das SPI bittet aber alle, die noch weitere Gruppierungen, Vereine,
Institutionen usw. kennen, die in der obigen Liste nicht aufscheinen, ihm
diese mitzuteilen zur Ergänzung der Liste. Das SPI dankt Ihnen schon
im Voraus bestens.<4>
Der promovierte Theologe Robert Lendi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) St. Gallen.
1 Zur Tätigkeit und Zielsetzung der SKAF-Arbeitsgruppe «Muslime»
zitieren wir aus dem Jahresbericht 1997:
«Die Arbeitsgruppe ÐMuslimeð bereitet durch Bildungsarbeit
und Information die kirchliche Öffentlichkeit auf das Zusammenleben
mit Muslimen in unserem Land vor.» Dem Jahresbericht ist ferner zu
entnehmen, dass die Mitglieder der Arbeitsgruppe «Bildungsveranstaltungen
in Pfarreien, Schulen und bei Institutionen» durchführen und
«dass sie nicht allen Anfragen entsprechen können, zumal die
einzelnen Mitglieder auch persönlich von Ratsuchenden kontaktiert werden».
Die Arbeitsgruppe arbeitet auch an der «Überarbeitung der Broschüre
über die christlich-islamischen Partnerschaften. Die Arbeitsgruppe
hatte 1986 die pastorale Handreichung ÐEhen zwischen Katholiken und
Muslimen in der Schweizð herausgegeben, die heute in einzelnen Teilen
überholt oder nicht mehr aktuell ist». «Die Arbeitsgruppe
verfasste (ferner) einen Bericht zu den ÐJournées d'Arras 1997ð
(regelmässiges jährliches Treffen der kirchlichen Islambeauftragten),
die das Thema der religiösen Bildung von Muslimen in der Emigration
behandelte... Im weitern erarbeitete sie ein Faltblatt mit Anregungen für
ein multikulturelles Kinderfest zum Tag der Völker. Verschiedene Sanitätsdepartemente
und Justizdirektionen haben die Mitglieder eingeladen zu Informationsveranstaltungen
für das Pflegepersonal in Spitälern oder für das Personal
im Strafvollzug.» Dafür hat die Arbeitsgruppe auch verschiedene
kurzgefasste Handreichungen mit wichtigen Informatio-nen in Form von Faltblättern
erarbeitet und publiziert.
2 «Islam in Basel-Stadt und Basel-Land» ist ein Vorabdruck des Projektes «Führer durch das religiöse Basel» und zum Preis von Fr. 15.70 zu beziehen über den Buchhandel oder Inforel, Winkelriedplatz 6, 4053 Basel.
3 Zu beziehen bei der Gemeinschaft von Christen und Muslimen in der Schweiz, Postfach 6243, 3001 Bern, Telefon 031-371 63 27.
4 SPI, Postfach 1926, Telefon 071-2232389, Fax 071-2232287, E-Mail spippk@kath.ch