50/1999 | |
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Leitartikel |
Vor 25 Jahren gründeten der Seelsorgerat und die Römisch-katholische
Zentralkommission des Kantons Zürich mit der Schweizerischen Katholischen
Filmkommission (der Filmkommission des Schweizerischen Katholischen Volksvereins
[SKVV]), die es heute nicht mehr gibt, eine kantonale kirchliche Verleihstelle
für audiovisuelle Medien (AV-Medien), die beim Katholischen Filmbüro
untergebracht wurde. Der Aufgabenbereich dieser AV-Medienstelle war ein
zweifacher: sie musste AV-Medien zur Verfügung stellen und für
deren Einsatz didaktische Begleitung anbieten. Obwohl mit Zürcherischen
Kirchensteuermitteln finanziert, durfte sie von Anfang an einen Viertel
ihrer Arbeit gesamtschweizerischen Aufgaben widmen. 1976 kaufte die Zürcher
AV-Medienstelle vom deutschschweizerischen Bildungswerk TKL/KGK (Theologische
Kurse für Laien/Katholischer Glaubenskurs) die bis dahin von ihm ausgeliehenen
AV-Medien mit der Verpflichtung ab, weiterhin für die ganze Schweiz
AV-Medien zu kaufen, aufzuarbeiten, zu lagern, zu verleihen und zu betreuen.
Damit wurde der ausserkantonale Arbeitsanteil vorübergehend mehr als
verdoppelt; inzwischen hat er sich auf den anfänglichen Umfang zurückgebildet.
Im Gefolge der Jahrestagung der Schweizerischen Katholischen Filmkommission
(SKFK) von 1977 begannen sich die AV-Medienstellen und an AV-Medien interessierte
Personen und Institutionen vermehrt abzusprechen, was zu ihrer Organisation
als «Arbeitsgemeinschaft Gruppenmedien+Kirche (AGK)» führte.
Die Geschäftsführung dieser Arbeitsgemeinschaft wird seit ihrer
Gründung von der Zürcher AV-Medienstelle mit René Däschler-Rada
als Leiter wahrgenommen. Der AGK kommt das grosse Verdienst zu, für
eine regelmässige schweizerische Produktion von AV-Mitteln für
Katechese und Seelsorge besorgt gewesen zu sein. Diese AGK-Eigen- und -Koproduktion
ist unter anderem deshalb immer wichtiger geworden, weil in den letzten
zwanzig Jahren rund 15 von 20 Verlagen aus Kostengründen die Produktion
von AV-Medien eingestellt haben. Die Kosten der AGK-Produktionen werden
von einem eigentlichen Produktionsnetz mitgetragen: die Mitglieder beteiligen
sich im Rahmen ihrer Arbeitsaufträge an AGK-Projekten und die Trägerschaften
der AV-Stellen, mehrheitlich Kantonalkirchen, und weitere Institutionen
leisten namhafte Produktionsbeiträge.
In den letzten Jahren hat die Römisch-katholische Zentralkommission
des Kantons Zürich abklären lassen, wie der Bereich Jugendseelsorge
und Katechese weiterentwickelt werden könnte, und dazu einen Bericht
zur Jugendpastoral erarbeiten lassen. In diesem Zusammenhang wurde auch
nach dem künftigen Ort der AV-Medienstelle gefragt.
Als erste Möglichkeit wurde eine Zusammenlegung mit der ebenfalls vor
25 Jahren gegründeten Katechetischen Arbeitsstelle und der ihr seit
1990 angegliederten Katechetischen Dokumentationsstelle erwogen. Mit dieser
Lösung wäre ein didaktisches Zentrum entstanden. Aus verschiedenen
Gründen wurde für den Bereich Verleih dann aber das deutschschweizerische
und ökumenische Umfeld mit einbezogen und der Katholische Mediendienst
(KM) mit der Erarbeitung eines mit dem Evangelischen Mediendienst (EM) abgesprochenen
Vorschlags beauftragt.<1> Dieser Vorschlag
beinhaltet im Wesentlichen: unter dem Namen «ZOOM Multimedia»
wird eine ökumenische Infrastruktur für Publikation, Beratung,
Produktion und Distribution für den Kanton Zürich sowie auf sprachregionaler
Ebene aufgebaut; die katholische Seite bringt die Zürcher AV-Medienstelle
in die Kooperation ein, die reformierte Seite die Stelle Bild+Ton; zudem
werden ZOOM Verleih (16 mm und Video) und ZOOM Beratung in das medienübergreifende
Projekt integriert. So sollte für Audiovision und Multimedia für
Kirche und Schule ein deutschschweizerisches Kompetenz- und Dienstleistungszentrum
entstehen können.
Von seiten der Zürcher AV-Medienstelle wie der AGK wurden gegen diese
Integration der katholischen Audiovision in die ökumenische Multimedia
Bedenken laut, die der Katholische Mediendienst bei der Konkretisierung
der von ihm erarbeiteten Lösung wird berücksichtigen müssen.
So sind die beiden konfessionellen Verleihstellen vom Bedarf her insofern
asymmetrisch, als auf katholischer Seite Medien auch für die Unter-
und Mittelstufe und besonders für die Sakramentenkatechese gebraucht
werden. Dafür ist im Vorschlag eines ökumenisch geführten
Verleihs insofern vorgesorgt, als ein katholischer Bereichsleiter vorgesehen
ist; entscheidend wird die Besetzung dieser Stelle sein. Diskutiert wird
ferner die Einrichtung eines Fachrates, dem eine Aufsichtsfunktion im Abnehmerbereich
zukäme; hier könnte, neben der IKK (Interdiözesane Katechetische
Kommission) und IKADS (Interessengemeinschaft der Katechetischen Arbeitsstellen
der Schweiz), die AGK ihre Kompetenz einbringen. Überhaupt muss die
Arbeitsteilung zwischen der sprachregionalen und der kantonalen Ebene, müssen
noch Modelle und Formen der Zusammenarbeit gesucht und gefunden werden.
Die Beratung vor Ort, die Beratung nicht zuletzt nebenamtlicher Katechetinnen,
ist eine Stärke der kantonalen Stellen, wobei diese Beratung auch bezüglich
Medien von einer Katechetischen Stelle wahrgenommen werden kann. Die Produktion
dürfte wie bisher überwiegend sprachregional erfolgen, wobei auch
in diesem Bereich auf die Fachkompetenz der AGK nicht verzichtet werden
kann.
Zunehmend sprachregional dürfte sich wohl der Verleih entwickeln, wobei
ein Entwicklung hin zum Verkauf nicht unterschätzt werden darf. Zu
tun hat dies mit der technischen Entwicklung, insbesondere dem Internet
und den neuen Speichertechniken. Mit der DVD (Digital Versatile Disc) kommt
ein Universalmedium auf den Markt, das Daten, Ton und Bild mit riesiger
Kapazität und in verlustfreier Qualität zur Verfügung stellt.
Auf diesem Träger könnten künftig AV-Medien, weil digitalisiert,
über das Internet nahezu verzögerungsfrei geholt (downloaded)
werden.
Wie lange es geht, bis diese Entwicklung auch in Kirche und Schule Einzug
hält, darüber kann allerdings nur gemutmasst werden. Heute schon
könnte eine Multimediastelle hingegen ein katechetisches Engagement
im Internet unterstützen, «Katechese im Internet» nicht
nur als Plattform für Katechetinnen und Katecheten, sondern auch «Verkündigung
online» für die Zielgruppe Eltern und Kinder, für Eltern
und Erwachsene mit Anregungen für den Einbezug der Kinder, für
Kinder und Jugendliche mit Anregungen für den Einbezug von Erwachsenen.
1 Zur Kooperation von KM und EM im Bereich Radio
vgl. Rolf Weibel, Medienarbeit für morgen, in: SKZ 167 (1999) Nr. 42,
S. 573f.