42/1999

INHALT

Leitartikel

Medienarbeit für morgen

von Rolf Weibel

 

Gemäss der unlängst veröffentlichten Erhebung der Publica Data AG stieg bis zum Juli dieses Jahres der Marktanteil der gut 30 Privatradios in der deutschen Schweiz auf 39,7%. Bis 1983, als sich in der Schweiz die heutige Doppelstruktur des Rundfunksystems herauszubilden begonnen hatte, konnten sich die Kirchen über die gut gemachten religiösen Programme von Radio DRS in dieses System «problemlos und kostengünstig»<1> einbringen. Im Unterschied zum service public der SRG mussten die Kirchen für ihre Präsenz im Sektor Privatradio angemessene Formen der Zusammenarbeit erst entwickeln und dabei zunehmend Kosten tragen. Zunächst erfolgte die Zusammenarbeit über regionale ökumenische Radiogruppen, die vom Katholischen und Evangelischen Mediendienst begleitet wurden.
Die zunehmende Professionalisierung der Privatradios begann diese Gruppen in den neunziger Jahren indes zu überfordern. Die gemeinsame Antwort der Mediendienste war das Pilotprojekt «ZOOM Radio», das zwischen November 1996 und Januar 1999 Beiträge für die Privatradios produzierte. Die Auswertung dieser Pilotphase führte zu einer Neupositionierung dieser kirchlichen Dienstleistung: Die Privatradiohörer und -hörerinnen sollten die Programmelemente stärker als kirchliche Dienstleistungen identifizieren können; diese sollten deshalb redaktionell in die konfessionellen Medien- bzw. Radiodienste eingegliedert, aber weiterhin auf einer ökumenischen Plattform angeboten werden. Als neues Label für alle gemeinsamen Angebote der beiden Mediendienste wurde «kom-» gewählt ­ ökumenische, kirchliche Kommunikation; die gemeinsame Audio-Agentur des Katholischen und Evangelischen Mediendienstes heisst so «komRadio».
Die katholische Redaktion hat im vergangenen September die Produktion von Kurzbeiträgen über Gesellschaft, Religion und Kirchen aufgenommen, die komRadio den Privatradios kostenfrei zur Verfügung stellt. Dazu wurde in den Räumen des Katholischen Mediendienstes ein kleines professionelles Produktionsstudio eingerichtet. Zusammen mit der Einrichtung der im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz wahrgenommenen Dienstleistung «Katholische Kirche Schweiz Online (KKSO)» bildet dieses ein elektronisches Informationszentrum; offiziell eröffnet und vom Medienreferenten der Bischofskonferenz, Weihbischof Peter Henrici, eingeweiht wurde es am letzten 27. September.
Die Dienstleistung «Katholische Kirche Schweiz Online (KKSO)» begann 1997 mit einer zweijährigen Pilotphase und befindet sich zurzeit in der vierjährigen Einführungs- bzw. Aufbauphase (1999­2002). Mit KKSO hat der Katholische Mediendienst für den Bereich der Online-Kommunikation zum einen die Projektleitung für die deutsche Schweiz inne und zum andern nimmt er die Koordination für die ganze Schweiz wahr. Als offenes Netzwerk kirchlicher Kommunikation bietet KKSO einen thematischen und instituionellen Rahmen, an dem sich kirchliche Anbieter ­ Pfarreien, Bistümer, Fachstellen, Vereine usw. ­ mit Homepages und Webseiten in eigener redaktioneller Verantwortung beteiligen können. Durch die Nutzung der besonderen Möglichkeiten dieser neuen Technologie gewährleistet KKSO mit ihrer Webseite «kath.ch» dem Nutzer und der Nutzerin einen verlässlichen Einstieg in den Bereich Kirche, Religion und Gesellschaft.<2> Damit unterstützt KKSO zugleich eine offene und vielfältige Kommunikationskultur der katholischen Kirche und ihrer Institutionen und Organisationen.
Schon in der Pilotphase war auch die SKZ ein Kooperationspartner von KKSO. So sind die in der SKZ veröffentlichten Texte zum einen über die Internetadresse «kath.ch/skz» einzusehen, und anderseits können der Nutzer und die Nutzerin dank der technischen Möglichkeiten dieses neuen Mediums über verschiedene Rubriken und Unterrubriken von KKSO wie über Verbindungen (Links) anderer Webseiten Texte der SKZ auf den Bildschirm holen; so kann beispielsweise die Artikelreihe «Theologie in Luzern» auch von der Seite der Theologischen Fakultät Luzern her oder die Artikelreihe «Kirchliche Berufe» auch von der Seite der Information Kirchliche Berufe her geöffnet werden.
Der hier skizzierte Bereich der katholischen Medienarbeit wurde vom Katholischen Mediendienst als Fachstelle entwickelt. In dem von der Bischofskonferenz verabschiedeten «Pastoralplan für Kommunikation und Medien in der katholischen Kirche in der Schweiz» wird diese Entwicklung ausdrücklich gutgeheissen; den mit dieser Entwicklung gestiegenen Finanzbedarf musste und muss der Mediendienst indes selber aufbringen ­ beispielsweise mit vermehrten Eigenleistungen und Einsparungen, aber auch mit Spenden. Im Rahmen von KKSO bietet der Mediendienst deshalb entgeltliche Internet-Dienstleistungen an.<3> Ganz erheblich eingespart haben der Katholische wie der Evangelische Mediendienst aber bei der Filmarbeit. Die ökumenische Trägerschaft des publizistischen Leitmediums der kirchlichen Filmarbeit wurde durch eine Fusion mit der Stiftung Ciné-Communication aufgegeben. Die seit 1973 ökumenische Zeitschrift für Film ZOOM, der 59. Jahrgang des katholischen «Filmberaters» und der 51. Jahrgang des evangelisch-reformierten ZOOM, erschien im Juni/Juli 1999 zum letzten Mal. Seit August 1999 erscheint als ­ erklärtermassen filmkulturelle ­ Nachfolgezeitschrift «FILM. Die Schweizer Kinozeitschrift». Im Stiftungsrat bestimmen Vertreter der kirchlichen Mediendienste das publizistische Profil von FILM mit ­ «aus einer minoritären Position»<4> heraus.


Anmerkungen

1 Der Bischöfliche Radio- und Fernsehbeauftragte Willi Anderau im Jahresbericht 1998/1999 des Katholischen Mediendienstes (S. 30).

2 Als eine gute Einführung in die Nutzung der Möglichkeiten des Internet besonders für Theologen und Theologinnen ist zu empfehlen: Wolfgang Nethöfel, Paul Tiedemann, Internet für Theologen. Eine praxisorientierte Einführung, Primus Verlag, Darmstadt 1999, 152 Seiten.

3 Katholischer Mediendienst, Bederstrasse 76, 8027 Zürich, Telefon 01-2020131, Telefax 01-2024933, E-Mail: webmaster@ kath.ch

4 Die beiden Kopräsidenten von ZOOM, Matthias Loretan und Urs Meier, in der letzten Mitteilung des Herausgebers (ZOOM 6­7/1999, S. 2).


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999