41/1999

INHALT

Leitartikel

Ein Impuls für die "Mini"Pastoral

von Matthias Müller

 

Als «Markstein in der Geschichte der DAMP» bezeichnet Roland Häfliger, Präsident der Deutschschweizerischen Arbeitsgruppe für Ministranten-/Ministrantinnenpastoral DAMP, das Minifest 99 vom vergangenen 5. September in Bern. Im abschliessenden Ausblick in der von ihm verfassten Broschüre «15 Jahre DAMP 1984­1999» fährt er fort: «Wer hätte vor einem Jahr, als die Idee des Mini-Festes geboren wurde, gedacht, dass unser Angebot eine derart grosse Resonanz erfährt?»
Die Idee für ein deutschschweizerisches Minifest entstand im Zusammenhang mit der Auswertung einer Umfrage, mit deren Hilfe die DAMP die Bedürfnisse im Bereich der Ministranten-/Ministrantinnenpastoral in verschiedenen Pfarreien sondierte. Das der Umfrage zugrunde liegende Grundsatzpapier wurde auch in der SKZ veröffentlicht (SKZ 5/1998). Die Rückmeldungen der Umfrage zeichneten ein sehr heterogenes Bild: Während einerseits in manchen Pfarreien und Regionen die Ministranten-/Ministrantinnenpastoral sehr gut abgedeckt und betreut wird, besteht andernorts ein ausgesprochenes Bedürfnis nach iniziierenden, pfarreiüberschreitenden Anlässen. Mit der Idee eines deutschschweizerischen Minifestes wollte die DAMP vor allem diese zweite Gruppe ansprechen.
Da es bis zu diesem Zeitpunkt noch keine vergleichbaren Anlässe gegeben hatte und die DAMP sich in der Organisation auch nicht auf bestehende Strukturen abstützen konnte, wie etwa die eines Verbandes, war es schwierig, die zu erwartende Grösse des Festes abzuschätzen. Schliesslich setzte die DAMP im August 1998 eine Spurgruppe ein mit dem Auftrag, ein Treffen in Bern mit Zentrum Dreifaltigkeitspfarrei zu konzipieren. Gerechnet wurde mit etwa 500 bis 1000 Teilnehmenden.
385 Tage später waren es 4200 Ministrantinnen und Ministranten, die das grosse Gelände vom Bundesplatz über die Bundesterrasse und die kleine Schanze bis zur Dreifaltigkeitskirche in einen grossen Festplatz verwandelten. Verschiedene Berichte und Bilder in Pfarrblättern, Zeitschriften, Zeitungen und eine Sonderausgabe der Kinderzeitschrift «tut» vermitteln Einblicke in den stimmungsvollen Tag, der unvergessliche Momente hinterlassen hat, nicht nur bei den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sondern auch bei den Mitgliedern des Organisationskomitees (OK).
Der Erfolg ist für das OK mehr als eine Genugtuung für die äusserst intensive Vorbereitungszeit. Vor allem während der letzten Wochen vor dem Fest bedeutete die Mitarbeit im OK für einige Mitglieder eine zusätzliche, ehrenamtliche Arbeitsbelastung, die über das eigentlich Zumutbare hinausging. Wie die KIPA-Woche 36/99 zutreffend kommentierte, war das Minifest 99 nur möglich «dank einiger Ðblauäugigerð kirchlicher Mitarbeiter, die ehrenamtlich und mit Begeisterung ans Werk gingen».
Das zeitliche und inhaltliche Grundkonzept des Festes war bis zur Ausschreibung im Januar 1999 ausgearbeitet. Von der Frist Mitte März für eine Voranmeldung mit vergünstigten Festbeiträgen erwartete das OK erste Anhaltspunkte für die zu erwartende Teilnehmer-/Teilnehmerinnenzahl. Als nach Ostern bereits über 2000 Anmeldungen eingegangen waren, musste die Planung definitiv den neuen Dimensionen angepasst werden. Zu diesem Zeitpunkt war es aber nicht mehr möglich, eine neue Infrastruktur zu organisieren, die auch bei schlechtem Wetter optimale Verhältnisse bieten konnte. Zudem verhinderten auf den bereits organisierten (öffentlichen) Plätzen sowohl örtliche Auflagen als auch das Festbugdet die Umsetzung kurzfristiger Ideen.
Auch auf anderen Gebieten prägte die «rollende Planung» die Arbeit im OK: Das Grundkonzept musste laufend angepasst und ergänzt werden. Nachdem der Gottesdienst-Ort schon bald von der Dreifaltigkeitskirche auf die Grosse Schanze verlegt worden war, musste erneut ein neuer Ort gefunden werden: Zum einen traten statische Probleme am Ort auf, zum anderen hätte das OK im Falle von schlechtem Wetter den Landschaden nicht bezahlen können.
Die Idee eines Fest-T-Shirts als Eintrittsbillett stammte ebenfalls aus dem Grundkonzept, das auf viel weniger Teilnehmern und Teilnehmerinnen aufbaute. Niemand rechnete damit, dass wir schliesslich fast 900 kg T-Shirts an über 180 Pfarrämter zu verschicken hätten.
Zu einer weiteren logistischen Herausforderung entwickelte sich die An- und Rückreise der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Hier waren wir froh, auf die flexible Zusammenarbeit mit den SBB zählen zu können. Aus den kurzfristigen Umtrieben im Zusammenhang mit den Reservationen für die Extrazüge hat nicht nur das OK, sondern auch die SBB bereits Lehren gezogen.
Bei einigen Ministranten-Verantwortlichen in den Pfarreien stiess der Anmeldeschluss auf Unverständnis, der vom OK bereits auf Ende Juni festgelegt wurde. Bis in die Woche vor dem Fest mussten wir Anfragen abweisen. Der Grund lag hier in den Grenzen der «rollenden Planung» und in den administrativen Kapazitäten des OKs. Mit über 4000 Teilnehmenden sahen wir die Grenze der bereitstehenden Infrastruktur erreicht. Ausserdem mussten die T-Shirts und Spezial-Billette rechtzeitig bestellt und verschickt werden. Hätten wir alle Interessierten berücksichtigt, hätten über 5000 Ministranten und Ministrantinnen das Festgelände bevölkert.
Das OK wird die gemachten Erfahrungen in die Planung des nächsten Minifestes einfliessen lassen und auch dank den Rückmeldungen aus den Pfarreien Bewährtes weiterentwickeln und Schwachpunkte verbessern können.

Die Grenzen der Ehrenamtlichkeit erreicht

Für die DAMP stand bereits zwei Wochen vor dem «Minifest 99» fest, dass diesem ersten deutschschweizerischen Treffen ein weiteres folgen muss. Entsprechend der Möglichkeiten der Arbeitsgruppe hat sie beschlossen, das nächste «Minifest» auf den 1. September 2002 festzulegen. Wenn die Minis auf der Illustration von Gregor Müller zum Minifest 99 in der KIPA-Woche (36/99) «in einem Jahr wieder!» oder «jedes Jahr wieder!» fordern, so freut dies die DAMP ausserordentlich. Die Durchführung eines solchen Grossanlasses fordert jedoch einen zu grossen Aufwand, als dass er von einem ehrenamtlichen Gremium in einem so schnellen Rhythmus geleistet werden könnte. Neben ihrer Kurs- und Ausbildungsarbeit, welche die DAMP im gewohnten Rahmen weiterführen wird, wird sie ausserdem die Schweizer Teilnahme an der Internationalen Ministranten-/Ministrantinnen-Wallfahrt nach Rom 2001 organisieren. In Anbetracht dieser Projekte wirft Roland Häfliger in seinem bereits eingangs erwähnten Ausblick die Frage auf, «wo die Grenze des ehrenamtlichen Engagements liegt und wo Wege gefunden werden müssten, Leute für diese wichtige Sparte der Jugendpastoral freizustellen». Eine Frage freilich, die «die Arbeitsgruppe während ihrer 15-jährigen Geschichte mehrmals beschäftigt» hat.
Die DAMP hat diesbezüglich bereits erste Schritte in die Wege geleitet. Es geht ihr dabei vor allem darum, die Dynamik der Arbeitsgruppe gezielt in einigen Punkten zu unterstützen, damit sie auf diese Weise ihre Optionen gemäss dem Grundlagenpapier weiterentwickeln kann.
Die Auswertung des Minifestes 99 ist im Detail noch nicht abgeschlossen. Trotzdem sind die vielen positiven Rückmeldungen für die DAMP ein Zeichen, dass sie mit ihrer Ministranten-/Ministrantinnenpastoral auf dem richtigen Weg ist.<1>

 

Matthias Müller ist Theologe und Journalist, Mitglied «OK Minifest 99» und Leiter des DAMP-Sekretariats.


Anmerkung

1 Die DAMP wird im Januar 2000 in der SKZ über ihre Angebote im neuen Jahr informieren. Weitere Informationen liegen den Bistumsversänden bei oder können ab spätestens Januar auch über das Internet abgerufen werden.

Bistums-Vertreter in der DAMP:
Basel (und Präsident): Roland Häfliger, Pfarrer, Mühlebühlstrasse 5, 5737 Menziken Telefon 062-7654800.
Chur: Simon Peng, Pastoralassistent, Pfarramt Liebfrauen, Weinbergstrasse 34, 8006 Zürich, Telefon 01-2527474.
St. Gallen: Michael Pfiffner, Vikar, Bahnhofstrasse 124, 9244 Niederuzwil, Telefon 071-9559973.
Sekretariat: Matthias Müller, Theologe, Rappenhalde 23, 8307 Effretikon, Telefon 052-3436204, E-Mail: matthias.mueller@freesurf.ch


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999