36/1999 | |
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Kirchengesangbuch |
In der Liturgie feiert die Gemeinde ihre Gemeinschaft mit dem dreieinen Gott. So besteht das neue Buch aus drei Funktionen: Das KG als Rollenbuch der Gemeinde, Cantionale und Orgelbuch. Die betende und singende Gemeinschaft ist liturgisches Subjekt des Tuns. Die Liturgie ist ein Spiel, das dialogisch strukturiert und dessen theologische Legitimation in dem allgemeinen Priestertum aller Getauften begründet ist.
Die Liturgie wie deren Gestaltung muss immer ihre dialogale Grundstruktur bewahren. Dabei geht es nicht um Inhalte oder thematische Bezüge, die allesamt auf der verbalen Ebene liegen, sondern um das Erleben und Mit-Erleben eines Geschehens. Um den Prozesscharakter der Liturgie (mit-)erlebbar zu machen, bedarf es verschiedener Rollenträger. Das KG nennt zum Beispiel als Rollenträger im liturgischen Tun: I/II = zwei Gruppen, A = Alle/Antwort, L = Lektor/Lektorin, V = Vorsteher/Vorsteherin, Z = Zelebrant (= Bischof, Presbyter, Diakon). Communio wie Rollenspiel schlagen sich in hymnologischer und kirchenmusikalischer Hinsicht ebenfalls im Gesang nieder: Hier nennt das KG neun Formen (S. 940): Antwortgesang, Cantica, nicht-liedmässiger Gesang (= Rufe, Akklamationen, Singsprechen, Doxologie, Invitatorien, Litaneien), Gregorianik, Kanon, Kyrie-Litanei, Lied, Leitvers, Psalmlied. Diese Anreicherung der Gattung «Lied» ist nicht als Folge kirchenmusikalischer Ambitionen zu sehen, sondern logische Konsequenz der dialogischen Struktur der Liturgie. So finden sich im kirchenmusikalischen Teil häufiger als in früheren Büchern Begriffe und Kürzel wie Kehrvers (KV), Refrain (Ref), V (Vorsänger/Vorsängerin), E (Einzelne) und A (Alle). Dieser Anordnung/Empfehlung liegt nicht nur eine psychodynamische Komponente zugrunde, denn dadurch wird das Singen spannender, lebendiger, dynamischer, sondern es ist zugleich Ausdruck der dialogischen Struktur, der Communio der Feiernden. In diesem Zusammenhang ist auch an die Rolle des Kirchenchores zu erinnern. Das neue KG ist stark geprägt vom dialogischen Austausch als Formprinzip; es bleibt zu hoffen, dass dies aufgegriffen wird und nicht (wieder) formalistischer Erstarrung zum Opfer zu fallen droht.
In jedem Gesangbuch ist traditionellerweise das Liedgut von grosser Bedeutung (der Gesang gab den Ausschlag für die Entstehung dieser Gattung). Der Gesang spielt für das Erleben der Liturgie eine unschätzbare Rolle. Er bewirkt die Verinnerlichung und Verlebendigung des Glaubens und des Gottesdienstes. Vom dialogalen Formprinzip her erhalten Kehrvers, Kanon, Akklamation, Antwortpsalm eine wichtige Aufgabe. Kehrverse haben eine gemeindebildende Funktion, sie sprechen emotional an. Als Quellen des Liedgutes waren neben den Liedern des KGB und der Tradition auch moderne Liederbücher wie Kumbaya, Hallelu usw. sowie darüber hinaus ebenso die Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut, der Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs für Deutschland, Österreich und Elsass-Lothringen, das neue Liedbuch der Heilsarmee, Fasz. 94, das ökumenische Liederbuch «unisono». In der Auswahl der Lieder sollten verschiedene Gattungen und Stile berücksichtigt werden. Das KG ist unter dieser Perspektive kein einheitlich konzipiertes Buch! Für das Liedgut galt als Grundsatz, dass alle Lieder mit Noten versehen werden, damit ein Mitsingen jederzeit möglich ist.
Bevor auf die ökumenische Ausrichtung des KG die Rede kommen soll, noch einige Bemerkungen zu spezifisch katholischen Fragestellungen:
a) Im Blick auf die Ämter und Dienste, der Frage der Vorsteherschaft einer Liturgie, geht das KG den Weg der postkonziliaren Situation in der Schweiz, wobei die Stellung der klassischen Ämter gewahrt bleibt. Hier zeigt sich ebenfalls die Umbruchsituation, aus der heraus das Buch entstanden ist. Die vorliegende Form ist Ausdruck der gelebten Communio, der Communio der Ortskirche Schweiz mit den anderen Ortskirchen des deutschen Sprachraumes und der universalen Kirche.
b) Im Blick auf die Marienlieder galt es, eine schwierige Situation zu bewerkstelligen. Einerseits gehören Marienlieder zum klassischen Bestand katholischer Gesangbücher, andererseits werden heute im Gottesdienst weniger Marienlieder gesungen. In dieser Frage treffen sich wiederum die drei Stränge. «Marienlieder sollten in einer theologisch verantwortbaren Sprache verfasst und ökumenisch vertretbar sein. Das Gemüt darf sicher angesprochen werden, aber trotzdem sollte auch die Melodie ihre musikalische Qualität haben.»<8> Da Marienlieder oft auf Wallfahrten gesungen werden, sollten jene Melodien den Vorrang haben, die die Pilger des gesamten deutschen Sprachraums kennen. Neben verschiedenen Liedern zum Magnifikat (Nr. 746, Text von Silja Walter; Nr. 760, Text von M. L. Thurmair) sind Magnificat, Salve Regina, Regina Coeli in lateinischer Fassung sowie in singbaren deutschen Texten wiedergegeben. Andere Marienlieder (z.B. «Alle Tage sing und sage» KGB 836; «O Königin voll Herrlichkeit» KGB 848; «Wunderschön Prächtige» KGB 851) entfielen. Das Marienlied («Gottes Lob wandert», Nr. 762) will Menschen ansprechen, die sich der traditionellen Marienfrömmigkeit entfremdet haben. Diese Magnifikatvertonung verbindet durch ihren tonus peregrinus gleichzeitig mit einer langen Tradition.
c) Liturgische Gedanken zu Herz-Jesu-Fest, Fronleichnam, Christkönigssonntag und Bitt- und Quartembertagen sind nach ähnlichen Kriterien behandelt worden.
d) Ebenso nimmt das KG lateinische Gesänge für die Messe auf. (Nr. 158173).
Ein herausragendes Kriterium des KG ist dessen ökumenische Ausrichtung. Hierfür spielen mehrere Faktoren zusammen, die kurz bedacht werden sollen. Die ökumenische Situation in der Schweiz ist aufgrund der Kleinheit des Landes sehr stark ausgeprägt. Das ökumenische Liedgut wurde bereits besprochen. So hat das Konzept des reformierten Gesangbuches unter Hauptpunkt C vermerkt: «Ökumenischer Bezug/ökumenische Fassung haben Priorität.»<9> Die DOK schrieb in ihrem Auftrag für das neue KG: «Dem ökumenischen Liedgut ist breiter Raum zu gewähren. Wo ökumenische Varianten vereinbart sind, erhalten sie Vorrang.»<10> Diesem Umstand einer fast parallelen Erarbeitung der Gesangbuchkonzepte kam deshalb eine wichtige Funktion zu. Die jeweilige Gesangbuchkommission gewährte je einem Mitglied der anderen Konfession Gastrecht. Auf verschiedenen Ebenen wurde intensiv zusammengearbeitet. Als Resultat dieser Arbeit finden sich in den jeweiligen Büchern folgende Kürzeln: ö und +. «ö» bezeichnet eine ökumenische Liedvariante, während das Schweizerkreuz (+) auf eine Gestaltung hinweist, die identisch ist mit der in den Gesangbüchern der reformierten und christkatholischen Kirche. Das KG enthält 256 Gesänge, die die ökumenische Zielrichtung dokumentieren (vgl. dafür z.B. das mit Schweizerkreuz versehene Glaubenslied Nr. 95). Jedes Buch hat sein eigenes theologisches Profil. Es gibt aber teilweise grosse Übereinstimmung in folgenden Kapiteln: Verantwortung für Gottes Schöpfung, Kirche in weltweiter Gemeinschaft, Lob und Dank, Anbetung, Vertrauen, Bitte, Lieder/Gebete aus den Psalmen. Ausgehend von unterschiedlichen Traditionen, wird dieselbe Sache mit verschiedenen Begriffen bezeichnet, zum Beispiel Jahreskreis meint im katholischen Sprachgebrauch die Kirchenjahreszeit, im reformierten Gottesdienst wird damit der gesamte Jahreslauf mit allen festlich geprägten Stationen zusammengenommen. Die katholische Tradition bezeichent als «Tagzeitenliturgie» (Laudes, Vesper, Komplet), was das RG «Gottesdienst im Tageskreis» (Morgengebet, Abendgebet, Nachtgebet) nennt. Nach wie vor bestehen konfessionsspezifische Akzente; diese werden zur Kenntnis genommen und das Anderssein wird akzeptiert. H.-J. Stefan spricht von der «versöhnten Verschiedenheit»<11>. Die Ökumene des KG manifestiert sich unter anderem auch darin, dass fünf Bilder von dem jüdischen Künstler Marc Chagall das Buch unterteilen. Die Texte zu diesen Bildern stammen von Dietrich Wiederkehr, Luzern. Die Bilder hat das RG nicht übernommen.
Ein sensibler Punkt ist die Suche nach einer zeitgemässen Sprache des Glaubens. Hier sind folgende Aspekte zu bedenken:
a) Mundartlieder: Das KG nimmt eine Anzahl von Liedern in Mundart auf. Bei den persönlichen Gebeten (z.B. Nr. 569, 16 [Vertrauen und Bitte], Nr. 712 [Beten in der Familie], Nr. 713 [Beten im Lebenslauf]) fällt auf, dass keine Gebete in Mundart vorkommen.
b) Eine Sprache, die möglicherweise auf Menschen positiv wirkt, die bekunden, dass ihnen die herkömmliche Sprache in Religion und Theologie Mühe bereitet, findet im KG ebenfalls Eingang, zum Beispiel Lied Nr. 708 mit Texten von Lothar Zenetti «Wir kommen und gehen». Nicht alle Benutzer des Buches sollen sich mit jedem Gesang oder Text identifizieren können. Es sollen Verständnis für Andersdenkende und Sinn für andere Bedürfnisse erhalten bleiben.
c) In der Sprache schlägt sich das Anliegen der Frauen nieder. Das neue Liedgut wurde bezüglich der «inklusiven Sprache» überprüft und verändert. So heisst es zum Beispiel nicht mehr «Lasst uns loben, Brüder loben» (KGB 664), sondern «Lasst uns loben, freudig loben» (KG 504). Oder statt: «denn Gott will uns nur als Bruder, helfend stets einander nah» (KGB 049, Strophe 2), heisst es jetzt «denn als Schwestern und als Brüder sind wir stets einander nah» (KG 86, Strophe 2). Problematisch ist diesbezüglich der Umgang mit klassischen Texten im Liedgut. Hierzu schreibt W. Wiesli, der Hauptredakteur des neuen KGs: «Abgesehen von der Problematik, Dichter wie Paul Gerhardt oder Johannes Scheffler verbessern zu wollen, erreichen solche Eingriffe ihr Ziel kaum. Die patriarchalische barocke Welt lässt sich nicht mit ein paar Ðinklusiven Wörternð austreiben.»<12>
d) Einigen Kommissionsmitgliedern zufolge hätte die Sprache der sakramentalen Feiern anders ausfallen und Abweichungen vom offiziellen Text vorgenommen werden sollen. Da es sich aber um die offiziellen Texte der rituellen Feiern handelt, wurde die Hochdeutsche Form beibehalten.
e) Landessprachen: Im Anschluss an das Lied «Nun danket alle Gott» (Nr. 236, ö +) sind entsprechende trinitätstheologische Lieder in den weiteren Landessprachen abgedruckt (frz., ital., rätoromanisch, Nr. 237239). Analoges gilt für das Lied «Grosser Gott, wir loben dich» (Nr. 175178).
Der lebenstheologische Ansatz impliziert die Betrachtung der verschiedenen Generationen. Hier gibt es grosse Mentalitätsunterschiede, die das KG aufnehmen möchte. Das KG geht dabei von zweierlei Zielen aus: a) Zur Förderung eines Gottesdienstes mit heterogenem Publikum beizutragen, b) die Forderung, die Feier verschiedener Generationen miteinander zu untersützten, als Beispiel sei das Sanctuslied vorgestellt: Nr. 110 ist das «Schubert Sanctus» in Textform von G. Thurmair, das sich emotional verstärkt an die ältere Generation richtet, die die «Schubert Messe» kennt. Nr. 118/119 bieten lateinischen Sanctustext als Kanon für drei Stimmen. Nr. 104 ist ein klassischer Gesang, der aus dem Jahr 1807 stammt: «Heilig, heilig, heilig, unaussprechlich heilig...». Nr. 156 bietet ein Sanctus in Mundart, das in der «Messfeier für Kinder» aufgeführt ist. Das Sanctus unter Nr. 117 ist eher modern; der Text stammt von H. Kahlefeld mit der Melodie von H. Rohr (1964). Bei den Sanctusliedern lässt der Rhythmus ebenfalls auf die verschiedenen Altersgruppen und Ansprüche schliessen. Allerdings will das KG weder ein Kinder- noch ein Jugendgesangbuch ersetzen. Die Redaktion des KG versuchte, einen Konsens zwischen klassischen Gebetststexten/Liedgut sowie modernem Liedgut/klassischem Liedgut zu finden. Es versteht sich von selbst, dass ein «Grossunternehmen» wie das neue KG hier auf Konsens angelegt ist.
Zum Abschluss soll das Paradigma «lebenstheologischer Ansatz»
des KG an einem Beispiel illustriert werden. Dies geschieht durch eine Interpretation
des Liedes «Ich steh vor dir mit leeren Händen» (Nr. 544;
ö +). Dieses neue geistliche Lied «Ich steh vor dir mit leeren
Händen» des niederländischen Theologen Huub Oosterhuis,
der Text entstand 1964, will die allgemein menschliche Erfahrung des Todes
in einem Lied religiös artikulieren und verarbeiten. Die pastoraltheologische
Situation der Menschen heute ist nicht mehr geprägt von der sicheren
und absoluten Geborgenheit bis in den Tod. An die Stelle des sicheren Wissens
tritt die Erfahrung des Nichts, der Dunkelheit; dieser Erfahrung steht aber
die Sinnfrage entgegen. V. 1 thematisiert klar die Kommunikationsstruktur:
der Mensch steht vor Gott; sieht man von dem religionskritischen Einwand
einmal ab, dass dies Stehen reine Fiktion sei, dann sieht man den Menschen
vor Gott als Beter. Die Beziehung MenschGott erscheint als Einbahnstrasse,
der Beter steht in Strophe 1 distanziert zu Gott; er erfährt nur den
Tod. Das Glaubenkönnen wird nur als Wunsch thematisiert. Strophe 2
beginnt gleichfalls mit einer Schilderung der Lage des Betenden vor Gott:
Zweifel, Unvermögen. Der Betende fühlt sich in dieser Situation
gefangen und ohnmächtig. Nochmals wird die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit
artikuliert. Die Bilder und Symbole, die dafür benutzt werden, nennt
man in der Theologensprache abstrakt «eschatologische Verheissungen».
In der 3. Strophe ist eine Veränderung feststellbar. Der Betende fordert
jetzt ein, was er zuvor in Frageform kleidete. Er fordert Rede und Handeln
Gottes. Es folgt das Aussprechen erlösender Worte, die zum Frieden
in Gott führen. Zwischen der 2. und 3. Strophe gibt es eine Zäsur,
die sich aus der Strophe 3 ergibt, in der es heisst: «Du bist mein
Atem, wenn ich zu dir bete». Gott selbst schafft die Voraussetzung,
dass wir beten können. Das Gebet artikuliert eine neuzeitliche Gotteserfahrung,
aus dem Zweifel heraus zum Glauben zu kommen. Die Spannung zwischen Klage,
Frage und hoffendem Vertrauen bleibt bestehen. Ausgesagt wird nicht ein
trotziges, euphorisches Gottvertrauen, sondern ein Hoffen, dass aus dem
Ringen des Menschen mit Gott Verheissung entsteht. Die meisten sprachlichen
Wendungen sind biblischen Redeweisen entnommen (Strophe 1: «Wie unergründlich
ist Gottes Tun», vgl. Röm 11,33; Hiob 14,1; Ps 39; 40: Es werden
Tod und Vergänglichkeit beklagt. Die Hiobdichtung kennt generell den
verzweifelten Menschen. Strophe 2: «Von allen Seiten sind wir in die
Enge getrieben», vgl. 2 Kor 4,8. Die Ohnmacht des Menschen als Grund
der Klage thematisiert zum Beispiel Hiob 7; 9,14ff. Vertrauen auf Gott drücken
zum Beispiel Jes 49,16, Offb 21,1 aus. Strophe 3: Frieden ist im AT eine
eschatologische Verheissung [Jes 65,16ff.], im NT ist damit eine Gabe Christi
gemeint [Joh 14,27; Eph 2,15]. Dtn 8,3; 1 Kor 10,16 wird das Wort Gottes
als Brot des Menschen bezeichnet.)
Die theologische Deutung sei ebenfalls in einigen Punkten kurz skizziert:
1. Die Theologie weiss um die Legitimität der menschlichen (An-)Klage
Gott gegenüber. 2. Gottesferne und die Frage nach der Relevanz christlichen
Glaubens gehen miteinander einher. 3. Gottessuche kann in Fragen münden.
4.Das Lied lebt von der Spannung zwischen menschlicher Frage und göttlicher
Antwort. Darin ist das Strukturprinzip zu erkennen, das P. Tillich und K.
Rahner für eine anthropologisch gewendete Theologie einforderten. M.a.W.:
Das Wort Gottes muss in Beziehung gebracht werden mit der Frage des Menschen.
Dem entspricht das theologische Programm des KG, das Lebenstheologie betreiben
möchte. In diesem Lied verbinden sich die drei weiter oben skizzierten
Stränge: kirchenmusikalischer, pastoraltheologischer und systematisch-liturgischer
Strang.
Der Aufbau des KG ist stringent nach dem Prinzip der Lebenstheologie
strukturiert. Die Wertung dieses neuen Gesang- und Gebetbuches wird von
der Rezeption in den Gemeinden abhängen, das heisst es wird darauf
ankommen, inwieweit die liturgischen Elemente umgesetzt werden. Bezüglich
einer Wertung des lebenstheologischen Ansatzes gilt es zu bedenken, dass
dieser von einer Prämisse lebt: Gott, das unsagbare Geheimnis, wird
als bekannte und jedem von vornherein zugängliche Grösse vorausgesetzt.
Genau an diesem Punkt wird sich meines Erachtens die Fruchtbarkeit dieses
theologischen Ansatzes zeigen müssen: an der Möglichkeit einer
unmittelbaren Erfahrung Gottes als des alles umgreifenden und bergenden
Geheimnisses. Bleibt dieser Zugang möglich, wird dieser Ansatz seine
ganze Kraft entfalten können.<13>
Ein sicherer Zugewinn dieses KGs ist der Beitrag zum ökumenischen Liedgut,
den die Gemeinden in ihrem Gesang hoffentlich rezipieren werden.
Wolfgang W. Müller ist Privatdozent und nimmt die Lehrstuhlvertretung Sakramententheologie und Liturgiewissenschaft an der Universitären Hochschule Luzern wahr.
8 Th. Egloff, Marienlieder, in: SKZ 155 (1987) 749750, 749.
9 Musik und Gottesdienst 3/86, S. 115f., zit. nach: H.-J. Stefan, Einstimmen in das gemeinsame Lied, in: ders./W. Wiesli (Hrsg.), Vielfalt der Formen. Arbeitshilfen zum Katholischen, Reformierten und Christkatholischen Gesangbuch der Schweiz, Gossau, Basel, Zürich 1998, 724, 7.
10 DOK am 2.12.1985, zit. in: ebd.
11 Ebd. S. 15.
12 W. Wiesli, Kirchengesangbuch im Umbruch, in: SKZ 165 (1997) 478479, 480.
13 Diese Anfrage wird im Anschluss an W. Kaspers Wertung der transzendentalen Christologie K. Rahners formuliert, vgl. W. Kasper, Christologie im Präsens. Kritische Sichtung neuer Entwürfe, Freiburg i.Br./Basel/Wien 1974, 89.