12/1999 | |
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Festschrift |
Die Französische Revolution hat die politischen und kirchlichen
Verhältnisse in unserem Land grundlegend verändert. Mit dem Zusammenbruch
der Alten Eidgenossenschaft 1798 zwangen die französischen Besatzer
der Schweiz eine stark zentralistische Verfassung auf. Die Helvetische Regierung
in Bern, gedrängt von den katholischen Ratsmitgliedern und den Diplomaten
der katholischen Mächte, beschloss die Anstellung eines ständigen
katholischen Priesters. Am 9. Juni 1799 konnte der Franziskaner Pater Girard
im Chor des Berner Münsters den ersten offiziellen katholischen Gottesdienst
feiern. Er war Pfarrer für die Mitglieder der Regierung und für
die Angestellten der Zentralverwaltung. Daneben betreute er als Seelsorger
die helvetischen und französischen Soldaten sowie die Gefangenen. In
besonderer Weise setzte er sich für die Betreuung der Kinder aus den
Urkantonen ein, die als Folge des Überfalls französischer Truppen
auf die Urschweiz in bernischen Familien untergebracht waren. Mit dem Verschwinden
der Helvetik 1803 verliess P. Girard sein Wirkungsfeld und zog sich nach
Freiburg i.Ü. zurück.
In der Mediationszeit wurde der Gottesdienst in die Predigerkirche (Französische
Kirche) verlegt. 60 Jahre dauerte dort das Gastrecht. 1831 kam Antoine Baud
als junger Seelsorger nach Bern. Er leitete die Pfarrei mit Klugheit und
Takt bis zu seinem Tod 1867. Gross war sein Einsatz für den Bau einer
eigenen Kirche, die 1864 auf den Namen der Apostel Peter und Paul eingeweiht
wurde. Im Kulturkampf, der besonders im Berner Jura tobte, ging die Kirche
in der Bundesstadt an die Altkatholiken verloren, die 1873 in der ersten
Kirchgemeindeversammlung die Mehrheit erhalten hatten.
Ersatz wurde im Gasthaus Krone an der Gerechtigkeitsgasse gefunden, wo eine
Notkapelle eingerichtet wurde. Ab 1876 übernahm Pfarrer Jakob Stammler
die Pfarrei, die er neu aufbauen musste. Dank grosser Hilfe aus dem In-
und Ausland gelang es dem rührigen Seelsorger, 1899 die Dreifaltigkeitskirche
zu erstellen. 1906 erfolgte die Wahl Stammlers zum Bischof von Basel und
Lugano. Unter seinem Nachfolger Joseph Emil Nünlist erfolgte der innere
Aufbau. Die Region Bern wies im Verlaufe des 20. Jahrhunderts eine Reihe
bekannter Seelsorger auf wie Ernst Simonett, Johann Stalder und andere,
die in enger Zusammenarbeit mit Laien wie Franz von Ernst, Hilde Vérène
Borsinger, Elisabeth Binz-Winiger usw. die Seelsorge in Katholisch-Bern
aufbauten.
Die Umbruchszeit nach dem 2. Vatikanum erfasste auch die Kirchgemeinde Bern.
Im Rahmen der «Progressio 71», einer alternativen Form der Volksmission,
warfen neue Gottesdienstformen und ein Vortrag von Prof. Pfürtner hohe
Wellen und sorgten für ein gesamtschweizerisches Echo. Neue Strukturen
im Dekanat Bern blieben nicht unbestritten, so etwa die Tendenz der Ausweitung
von Kompetenzen an Laientheologen im sakramentalen Bereich. Das bischöfliche
Ordinariat sah darin zu Recht die Stellung des geweihten Priesters gefährdet.
Die Sozialarbeit wurde im Dekanat Bern schon früh intensiv betrieben.
Zuerst erfolgte die Diakonie in den Pfarrvereinen, später übernahmen
Ingenbohler Schwestern das Sanatorium Viktoria, und die St.-Anna-Schwestern
aus Luzern engagierten sich in der Hauskrankenpflege. Das Seraphische Liebeswerk
Solothurn nahm ab 1937 die Arbeit in Bern auf. Mit der Zeit bildetet sich
ein dichtes Geflecht verschiedener sozialer Bestrebungen. In den neunziger
Jahren traten neue Probleme wie Flüchtlingshilfe, Gassenarbeit usw.
auf. In der «Prairie» versucht die Kirchgemeinde, Hilfe in moderner
Form anzubieten.
Die vorliegende Festschrift<1> gibt in
ansprechender Form Rechenschaft über das 200-jährige, reichhaltige
und vielfältige Wirken der Berner Katholiken.
Alois Steiner ist promovierter Historiker und seit der Pensionierung freiberuflich tätig.
1 Katholisch-Bern von 1799 bis 1999. Ein Zwischenhalt. Im Auftrag der Römisch-katholischen Gesamtkirchgemeinde Bern und Umgebung und des Dekanates Bern-Stadt herausgegeben. Bern 1999, 161 Seiten, mit vielen Illustrationen.