23/1999 | |
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Liebe Brüder und Schwestern!
1. Das Jubiläum, dem wir nun mit grossen Schritten entgegengehen, ist für alle eine ausserordentliche Zeit der Gnade und Versöhnung. Auf ganz besondere Art und Weise betrifft es auch die Welt der Migranten, deren Realität in vieler Hinsicht der der Gläubigen entspricht: «Das ganze christliche Leben», schrieb ich in meinem Apostolischen Schreiben Tertio millennio adveniente, «ist wie eine grosse Pilgerschaft zum Haus des Vaters» (Nr. 49). An diesem Welttag für die Migranten im dritten Vorbereitungsjahr auf das grosse Jubiläum möchte ich im Licht dieser Erkenntnis einige Gedanken entwickeln, um auch auf diese Weise dazu beizutragen, «den Horizont des Gläubigen gemäss der Sichtweite Christi selbst zu erweitern: der Sichtweite des ÐVaters im Himmelð, von dem er gesandt worden und zu dem er zurückgekehrt ist» (ebd.).
2. «...das Land gehört mir, und ihr seid nur Fremde und Halbbürger bei mir» (Lev 25,23). Dieses Wort des Herrn aus dem Buch Levitikus enthält die grundlegende Motivation für das biblische Jubeljahr, entsprechend dem Bewusstsein unter den Nachkommen Abrahams, Gäste und Pilger im Gelobten Land zu sein.
Das Neue Testament überträgt diese Überzeugung auf jeden
Jünger Christi, der als Hausgenosse Gottes und Mitbürger der Heiligen
(vgl. Eph 2,19), keine ständige Bleibe auf Erden hat und wie ein Fremder
und Gast (vgl. Petr 2,11) lebt, stets auf der Suche nach dem endgültigen
Ziel.
In dem von starken Migrationsbewegungen und wachsendem ethnischen und kulturellen
Pluralismus stark gekennzeichneten aktuellen geschichtlichen Umfeld erhalten
diese biblischen Kategorien erneut Bedeutung. Ferner heben sie hervor, dass
die unter jedem Himmel gegenwärtige Kirche sich mit keiner Volksgruppe
und keiner Kultur identifiziert, denn so heisst es in dem Brief an
Diognet die Christen «bewohnen das eigene Vaterland, aber wie
Beisassen. Sie nehmen an allem teil wie Bürger, und alles ertragen
sie wie Fremde. Jede Fremde ist ihr Vaterland, und jedes Vaterland eine
Fremde [...]
Auf Erden weilen sie, im Himmel sind sie Bürger» (Schrift an
Diognet 5,1; in Schriften des Urchristentums, 2. Bd., hrsg. von K. Wengst,
Darmstadt 1984, S. 321.).
Ihrer Natur entsprechend ist die Kirche solidarisch mit der Welt der Migranten,
die sie durch die Vielfalt ihrer Sprachen, Rassen, Kulturen und Sitten daran
erinnern, dass auch sie ein Pilgervolk ist, überall in der Welt auf
dem Weg zur endgültigen Heimat. Diese Aussicht hilft den Christen,
jede nationalistische Denkweise aufzugeben und sich engstirnigen ideologischen
Schematisierungen zu entziehen. Sie erinnert sie daran, dass das Evangelium
im Leben Gestalt annehmen muss, damit es von ihm durchsäuert und beseelt
werde, um es auch durch stetes Bemühen von jenen, den inneren
Dynamismus hemmenden, kulturellen Verkrustungen zu befreien.
3. Im Alten Testament zeigt sich Gott als derjenige, der für den Fremden eintritt, nämlich für das in ägyptischer Knechtschaft lebende Volk Israel. Im Neuen Gesetz offenbart er sich in Jesus, der in einem Stall am Rande der Stadt zur Welt kommt, «weil in der Herberge kein Platz für sie war» (Lk 2,7), und der keinen Ort hat, wo er sein Haupt hinlegen kann (vgl. Mt 8,20; Lk 9,58). Das Kreuz ist als Zentrum der christlichen Offenbarung schliesslich der Höhepunkt dieser radikalen Lage eines Fremden: Christus stirbt, von seinem Volk verleugnet, «ausserhalb des Tores» (Hebr 13,12). Doch der Evangelist Johannes erinnert an die prophetischen Worte Jesu: «Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen» (12,32), und unterstreicht, dass er durch seinen Tod beginnen wird, «die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln» (Joh 11,52). Dem Beispiel des Meisters folgend, lebt auch die Kirche ihre Gegenwart in der Welt als Pilgerin, stets als Stifterin von Gemeinschaft bemüht und bestrebt, jenes gastfreundliche Haus zu sein, in dem jeder Mensch, der ihm vom Schöpfer verliehenen Würde wegen, entsprechend anerkannt ist.
4. Die in der Kirche vorhandenen ethnischen und kulturellen Unterschiede
könnten zu Spaltungen oder Zerstreuungen führen, wenn es in ihr
nicht die einigende Kraft der Liebe gäbe, jene Tugend, die alle Christen
insbesondere in diesem letzten Jahr der unmittelbaren Vorbereitung auf das
Jubiläum leben sollten. In meinem Apostolischen Schreiben Tertio millennio
adveniente schrieb ich: «Man wird daher, eingedenk der zusammenfassenden
Feststellung des ersten Johnnesbriefes: ÐGott ist die Liebeð (4,8.16),
die theologische Tugend der Liebe hervorheben müssen. Die Liebe mit
ihrem doppelten Gesicht als Liebe zu Gott und zu den Schwestern und Brüdern
ist die Synthese des sittlichen Lebens des Glaubenden. Sie hat in Gott ihren
Ursprung und ihre Vollendung» (Nr. 50).
«Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst» (Lev
19,18). Im Buch Levitikus finden wir diese Formulierung als Bestandteil
einer Reihe von Vorschriften zur Vermeidung von Ungerechtigkeiten. Eine
davon ermahnt: «Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt
ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält,
soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich
selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der
Herr, euer Gott» (19,3334).
Die Motivation: «denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen»,
die stets das Gebot, den Fremden zu achten und zu lieben, begleitet, soll
das auserwählte Volk nicht nur an seine vergangene Situation erinnern,
sondern seine Aufmerksamkeit auch auf die Haltung Gottes lenken, der mit
grosszügiger Geste sein Volk aus der Fronknechtschaft befreit und ihm
ein neues Land geschenkt hat. «Du warst Sklave, und Gott hat dich
befreit; somit hast du gesehen, wie sich Gott dem Fremden gegenüber
verhält; folge seinem Beispiel»: das ist die Reflexion, die dem
Gebot zugrunde liegt.
5. Im Neuen Testament fallen alle Unterschiede zwischen den Menschen
mit der von Christus erwirkten Beseitigung der Trennmauer zwischen dem auserwählten
Volk und den Heiden. Der hl. Paulus schreibt: «...Er ist unser Friede.
Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Blut
die trennende Wand der Feindschaft» (Eph 2,14). Durch das Pascha-Mysterium
Christi gibt es nicht mehr Nahestehende und Ferne, Juden und Heiden, Anerkannte
und Ausgeschlossene.
Für den Christen ist jeder Mensch der «Nächste», den
er lieben soll. Er fragt sich nicht, wen er lieben muss, denn schon sich
die Frage zu stellen: «wer ist mein Nächster?» bedeutet
Grenzen ziehen und Bedingungen stellen. Eines Tages wurde diese Frage an
Jesus gerichtet, und er antwortete, indem er sie umkehrte: Nicht «wer
ist mein Nächster?», sondern «wem muss ich der Nächste
sein?», ist die gültige Frage. Und die Antwort ist: «Jeder,
der in Not ist, auch der, den ich nicht kenne, ist für mich der Nächste,
dem ich helfen muss.» Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl.
Lk 10,3037) fordert jeden auf, in unentgeltlicher und unendlicher Liebe
über die Grenzen der Gerechtigkeit hinauszugehen.
Auch Barmherzigkeit ist für den Gläubigen ein Geschenk Gottes,
ein Charisma, das, wie Glaube und Hoffnung, durch den Heiligen Geist in
uns ausgegossen wird (vgl. Röm 5,5): als Geschenk Gottes ist sie keine
Utopie, sondern Wirklichkeit: Frohbotschaft, Evangelium.
6. Die Präsenz von Migranten ist eine Herausforderung an
die Verantwortung der Gläubigen, an den einzelnen Menschen wie an die
Gemeinschaft. Beste Ausdrucksform der Gemeinschaft ist übrigens die
Pfarrgemeinde, die, wie das II. Vatikanische Konzil betont, «ein augenscheinliches
Beispiel für das gemeinschaftliche Apostolat bietet; was immer sie
in ihrem Raum an menschlichen Unterschiedlichkeiten vorfindet, schliesst
sie zusammen und fügt es dem Ganzen der Kirche ein» (vgl. Apostolicam
actuositatem, 10). Die Pfarrei ist ein Ort der Begegnung und der Integration
aller Glieder der Gemeinschaft. In ihr wird der Plan Gottes sichtbar und
soziologisch gestaltet, ausschliesslich und ausnahmslos alle Menschen in
den in Christus bestätigten Bund zu berufen.
Die Pfarrei, etymologisch gesehen eine Wohnstatt, in der sich der Gast wohl
fühlt, nimmt jeden auf und diskriminiert niemanden, denn keiner ist
ihr fremd. Sie verbindet die Ansässigkeit und Sicherheit jener, die
ein eigenes Zuhause haben, mit der Bewegung und der Ungewissheit derer,
die auf Wanderschaft sind. Wo der Geist der Pfarrgemeinde lebendig ist,
verblassen oder schwinden die Unterschiede zwischen Einheimischen und Fremden,
denn vorherrschend ist das Bewusstsein der gemeinsamen Zugehörigkeit
zu Gott, dem einen Vater.
Die jeder Pfarrgemeinde eigene Sendung und ihre Bedeutung in der Gesellschaft
verdeutlichen die wesentliche Rolle der Pfarrei für die Aufnahme von
Fremden, die Integrierung von Getauften verschiedener Kulturen und den Dialog
mit den Gläubigen anderer Religionen. Für die Pfarrgemeinde ist
das keine freigestellte Aushilfstätigkeit, sondern eine auf ihrer institutionellen
Aufgabe begründete Verpflichtung.
Katholizität kommt nicht nur in der brüderlichen Gemeinschaft
der Getauften zum Ausdruck, sondern zeigt sich auch in der gastfreundlichen
Aufnahme von Fremden, ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit, in der
Ablehnung jeder rassebedingten Ausschliessung oder Diskriminierung, und
in der Anerkennung der persönlichen Würde jedes Einzelnen sowie
dem sich daraus ergebenden Einsatz zur Förderung der unveräusserlichen
Rechte.
Eine wesentliche Rolle spielen in diesem Umfeld die in der Pfarrgemeinde
als Diener der Einheit berufenen Priester. «Ihnen wird von Gott die
Gnade verliehen, Diener Jesu Christi unter den Völkern zu sein, die
das heilige Amt des Evangeliums verwalten, damit die Völker eine wohlgefällige
und im Heiligen Geist geheiligte Opfergabe werden» (vgl. Presbyterorum
Ordinis, 2).
Bei ihrer Begegnung im täglichen Messopfer mit dem Mysterium Jesu Christi,
der sein Leben für die Vereinigung der verstreuten Kinder hingegeben
hat, sind sie aufgefordert, mit stets neuem Eifer der Einheit aller Kinder
des einen himmlischen Vaters zu dienen und sich für die Aufnahme jedes
Einzelnen in die brüderliche Gemeinschaft zu verwenden.
7. «Muss man eingedenk dessen, dass Jesus gekommen ist,
um Ðden Armen das Evangelium zu verkündenð (Mt 11,5; Lk 7,22),
die Vorzugsoption der Kirche für die Armen und die Randgruppen nicht
entschiedener betonen?» (vgl. Tertio millennio adveniente, 51). Diese
an jede christliche Gemeinde gerichtete Frage hebt den lobenswerten Einsatz
vieler Pfarrgemeinden in jenen Vierteln hervor, in denen Phänomene
wie Arbeitslosigkeit, Konzentration auf engstem Lebensraum von Männern
und Frauen unterschiedlicher Herkunft, mit Armut verbundener Vernachlässigung,
Mangel an Hilfseinrichtungen und Unsicherheit vorherrschend sind. Die Pfarrgemeinden
sind hier sichtbare Anhaltspunkte, leicht erkennbar und zugänglich;
nicht selten sind sie ein Zeichen der Hoffnung und der Brüderlichkeit
inmitten von tiefer sozialer Zerrissenheit, von Spannungen und Ausbrüchen
von Gewalttätigkeit. Das Hören des gleichen Gotteswortes, die
Feier der gleichen Liturgie, das Teilen der gleichen religiösen Feste
und Traditionen helfen den einheimischen wie auch den neu hinzugekommenen
Christen, sich alle als Mitglieder des gleichen Volkes zu fühlen.
In einer durch Anonymität angepassten und gleich gemachten Umgebung
bildet die Pfarrei einen Ort der Anteilnahme, des Zusammenlebens und der
gegenseitigen Anerkennung. In einer von Unsicherheit gekennzeichneten Umgebung
bietet sie einen Raum des Vertrauens, in dem man lernt, die eigene Angst
zu überwinden; bei Fehlen von Bezugsspunkten, die Klarheit bringen
und zum gemeinschaftlichen Leben anregen könnten, ist sie, vom Evangelium
Christi ausgehend, ein Weg der Brüderlichkeit und der Versöhnung.
Im Mittelpunkt einer von Unsicherheit gekennzeichneten Realität kann
die Pfarrgemeinde ein wahres Zeichen der Hoffnung werden. Die besten Kräfte
des Viertels leitend, hilft sie der Bevölkerung, von einer fatalistischen
Vision der Armut zu aktivem Einsatz überzugehen, mit dem Ziel, gemeinsam
für die Veränderung der Lebensbedingungen zu arbeiten.
Zahlreiche Pfarrgemeindemitglieder sind auch aktiv in Gliederungen und Verbänden
tätig, die sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der
Bevölkerung verwenden. In tiefer Hochachtung für solch wesentliche
Initiativen, bestärke ich die Pfarrgemeinden, die begonnene Arbeit
zur Unterstützung von Migranten mutig fortzusetzen und zu helfen, um
in ihrem Bereich eine Lebensqualität zu fordern, die des Menschen und
seiner geistliche Berufung noch würdiger ist.
8. Wenn wir von Migranten sprechen, müssen wir auch die soziale Situation ihrer Heimatländer berücksichtigen. Es handelt sich um Nationen, die weitgehend von grosser Armut betroffen sind, die durch hohe Auslandsverschuldung weiter verschärft wird. In meinem Apostolischen Schreiben Tertio millennio adveniente habe ich daran erinnert dass «sich die Christen im Geist des Buches Levitikus (15,828) zur Stimme aller Armen der Welt machen müssen, indem sie das Jubeljahr als eine passende Zeit hinstellen, um unter anderem an eine Überprüfung, wenn nicht überhaupt an einen erheblichen Erlass der internationalen Schulden zu denken, die auf dem Geschick vieler Nationen lasten» (vgl. Nr. 51). Das ist einer der Aspekte, die die Migrationen auf unmittelbare Weise mit dem Jubeljahr verbinden, und zwar nicht nur, weil der stärkste Auswandererstrom aus diesen Ländern kommt, sondern vor allem, weil das Jubiläum, indem es den ausschliesslichen Besitz irdischer Güter verurteilt (vgl. Lev 25,23), den Gläubigen zu einem Sich-Öffnen für Arme und Fremde anregt.
In der Vergangenheit erforderte die steigende Diskrepanz zwischen Arm
und Reich, die ein gesellschaftliches Zusammenleben unmöglich machte,
periodische Massnahmen zur Nivellierung, um eine geregelte Wiederaufnahme
des sozialen Lebens zu ermöglichen. So konnte durch die Aufhebung der
Hypothek, mit der die aufgrund ihrer Schulden zur Knechtschaft verurteilten
Menschen belastet waren, eine neue Form von Gleichheit hergestellt werden.
Die Vorschriften des biblischen Jubeljahres sind eine von zahlreichen Massnahmen
zur Wiederherstellung des gestörten sozialen Gleichgewichts, ausgelöst
durch jene widerwärtige Spirale, in die alle geraten, die gezwungen
sind, sich zu verschulden, um überleben zu können. Dieses Phänomen,
das früher die Beziehungen der Bevölkerung ein und derselben Nation
betraf, hat heute durch die Globalisierung von Wirtschaft und Handel, welche
die Beziehungen zwischen den Staaten und Regionen der Welt betrifft, weitaus
dramatischere Ausmasse angenommen. Damit das Ungleichgewicht zwischen reichen
und armen Völkern keine irreversible Realität mit tragischen Folgen
für die gesamte Menschheit wird, müssen auch heute die biblischen
Anweisungen in konkrete und wirksame Massnahmen umgesetzt werden, die eine
angemessene Überprüfung der Verschuldung armer Länder den
reichen gegenüber erlauben.
Den allgemeinen Wünschen entsprechend hoffe auch ich, dass uns das
nun bevorstehende Jubeljahr Gelegenheit geben wird, angemessene Lösungen
zu finden und den ärmeren Ländern neue Bedingungen in Würde
und eine geregelte Entwicklung zu bieten.
9. «Das Jubeljahr wird auch Gelegenheit dazu bieten können,
über andere...Herausforderungen nachzudenken, wie z.B. die Schwierigkeiten
des Dialogs zwischen verschiedenen Kulturen» (TMA, 51).
Der Christ ist aufgerufen, das Evangelium zu verkünden, die Menschen
überall dort zu erreichen, wo sie sich befinden, ihnen mit Wohlwollen
und Liebe zu begegnen, sich ihrer Probleme anzunehmen, ihre Kultur kennen-
und schätzen zu lernen, ihnen zu helfen, Vorurteile zu überwinden.
Diese konkrete Form der Unterstützung zahlreicher hilfsbedürftiger
Brüder wird sie auf die Begegnung mit dem Licht des Evangeliums vorbereiten
und, Bande aufrichtiger Achtung und Freundschaft schaffend, führt sie
dazu, die Frage zu stellen: «Herr, wir möchten Jesus sehen»
(Joh 12,21). Der Dialog ist lebenswichtig für ein friedvolles und fruchtbares
Zusammenleben.
Angesichts der stets dringlicheren Herausforderungen des Indifferentismus
und der Säkularisierung erfordert das Jubiläum eine Intensivierung
dieses Dialogs. Durch tägliche Beziehungen sind die Gläubigen
aufgerufen, das Wesen einer Kirche darzustellen, die für alle offen
ist und aufmerksam die soziale Situation und all das verfolgt, was der menschlichen
Person erlaubt, ihrer Würde Ausdruck zu geben. Im Bewusstsein der Liebe
des himmlischen Vaters werden die Christen vor allem nicht versäumen,
den Migranten stets grössere Aufmerksamkeit entgegenzubringen, zur
Förderung eines dem Aufbau der «Kultur der Liebe» dienenden,
aufrichtigen und achtungsvollen Dialogs.
Möge Maria, «die mit mütterlicher Liebe der Kirche beisteht
und sie schützt auf ihrem Weg in die himmlische Heimat bis zum Tag
der Verherrlichung des Herrn» (vgl. Römisches Messbuch, III.
Präfation der heiligen Jungfrau Maria) die Gläubigen bei der Erfüllung
ihrer zahlreichen Aufgaben stets unterstützen!
Mit diesen Wünschen erteile ich allen von ganzem Herzen meinen Segen.