51-52/1999 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Jedes Jahr werden wir in den letzten Wochen vor dem ersten Adventssonntag
mit Neuerscheinungen aus den katholischen Verlagen überschüttet:
Liturgie- und Predigthilfen für das neue Kirchenjahr.
Der Professor für Philosophische Grundfragen an der Theologischen Fakultät
der Universität Münster bringt eine Reihe von Predigten für
Advent und Weihnachten (für alle drei Lesejahre) heraus. Er denkt an
Menschen, die in den Tagen von Advent und Weihnachten mehr als sonst den
Weg in die Kirche finden. Ihnen will er besonders gerecht werden nicht
polternd, aber auch nicht sentimental und gefühlvoll. «Gott»,
so die Grundaussage Klaus Müllers, «solidarisiert sich radikal
mit den Menschen, für die sich Jesus total verausgabt hat.» Müller
spricht in einer lebendig-frischen Sprache, direkt essayistisch. Auf diese
Weise überwindet er den kirchlich-frommen Jargon, der diesen seltenen
Kirchgängern so auf die Nerven geht. Der Autor holt den Leser mit Literatur
oder Anekdote ab und führt ihn zu einer verständlichen Weihnachtstheologie
im besten Sinne.<1>
Josef Ernst ist aktiver Pfarrer und zugleich Religionslehrer an einem Gymnasium.
Bekannter ist er durch seine Arbeiten am Rundfunk (SWF1 und SWF3). Sein
Bändchen «Frieden auf Erden» die sechste Publikation
in dieser Art enthält zwar keine Predigten, sondern markante
Auszüge aus Advents- und Weihnachtsbetrachtungen und Weihnachtspredigten
bekannter Autoren Bischöfe zuvor. Diese ausgewählten Abschnitte
können Anregungen für Ansprachen in Vereinen, Kurzpredigten und
Weihnachtsbetrachtungen im Pfarrblatt werden. Sie geben Gewähr, dass
die Leute aufhorchen, weil auch der Pfarrer noch etwas zu sagen hat.<2>
Man mag zur Jahrtausendwende stehen, wie man will, die Gläubigen
erwarten, dass der Gottesdienst und die Predigt ihnen dazu etwas zu sagen
haben, selbst wenn man sich mit der Feststellung ziert, dass der Millenniumswechsel
erst am Ende des Jahres 2000 fällig ist oder dass Jesus von Nazareth
schon ein paar Jahre vor der Zeitrechnung geboren wurde. Die Publikation
«Sein ist die Zeit. Biblische Impulse und liturgische Feiern zur Jahrtausendwende»
ist ein Sonderband der Reihe «Gottes Volk Bibel und Liturgie
in der Gemeinde» (Katholisches Bibelwerk, Stuttgart). Er bringt zuerst
Stimmen aus der Politik und Öffentlichkeit, darunter Norbert Blüm
mit dem Beitrag «Die Würde des Menschen Verantwortete Freiheit».
Im Abschnitt «Stimmen der Bibel» zeichnet Daniel Kosch für
einen fingierten Brief an Kohelet. Er legt dar, wie Gott ein Gott der Freude
ist, und setzt sich mit dem «Windhauch, alles ist Windhauch»
auseinander. Er stellt demgegenüber die Devise: «Sich des Lebens
freuen». Der Herausgeber und Direktor des Katholischen Bibelwerkes,
Franz-Josef Ortkemper, stellt christliche Hoffnung apokalyptischen Ängsten
gegenüber. Michael Bär deutet Psalm 90 «Unsere Jahre fliegen
dahin». Zahlreich sind die Beiträge im dritten Teil «Gottesdienstfeiern/Predigten».
Hier sind auch Ausführungen zu finden, die nicht nur für den Jahreswechsel,
sondern auch für das ganze Heilige Jahr 2000 verwendbar sind.<3>
Das Predigtwerk «Gottes Wort im Kirchenjahr» ist für viele
Seelsorger im liturgischen Dienst ein unentbehrlicher Lehrmeister geworden,
dem sie sich anvertrauen können. Die Redaktion arbeitet ständig
mit Exegeten und Pastoraltheologen zusammen und beweist so die Seriosität
der Publikation. Die Zeitschrift verfügt über einen beachtenswerten
Stab ständiger Mitarbeiter, deren Beiträge sich in der Praxis
bewährt haben. Das Buch bietet keine Schreibtischpredigten. Der Benutzer
kann jeden Sonntag aus zwei Hauptpredigten auswählen. Dazu bringt der
Anhang auch noch originelle Kurzpredigten. Die Kinderpredigten sind nicht
einfach trockene Monologe (Frontalunterricht). Sie bieten, dem Kind angepasst,
sehr oft Ansätze zu Symbolpredigten oder bieten das Evangelium in szenischer
Darbietung. Der Anhang bietet immer auch eine Reihe von Kasualpredigten
und dazu thematische Reihen, wie Fast- und Marienpredigten. Das Werk erscheint
jedes Jahr in drei Bänden.<4>
Der Münsteraner Professor für Praktische Theologie, Dieter
Emeis, hat 1997 einen Predigtband für alle Sonn- und Festtage des Lesejahres
C begonnen und die Reihe im Lesejahr A fortgesetzt. Der neue Band für
das Lesejahr B schliesst diese Reihe ab. Der abschliessende Band beweist,
dass Dieter Emeis das Konzept des ersten Bandes durchgehalten hat und damit
sein Versprechen einlöst: «Alle Predigten sollen wirklich Sonntagspredigt
sein, indem sie gleichzeitig eucharistische Tischreden sind und zugleich
die Versammelten als eine Gemeinschaft zusammenführen», wie es
der Titel der Reihe sagt: Gottes Nähe feiern. Zwei Elemente werden
da ganz bewusst jeden Sonntag berücksichtigt: die vorgegebene Botschaft
der Heiligen Schrift und die feiernde Gemeinde. Emeis präsentiert nicht
exegetische Abhandlungen (Minivorlesungen). Sein Anliegen heisst: Wie kann
ich aus den dargebotenen Schrifttexten die Christen einer aktuellen Gemeinde
zu einer geschwisterlichen liturgischen Gemeinschaft führen, damit
Sonntagsgottesdienst in den Wochenalltag hineinwirken kann. Meistens ist
das Evangelium Vorlage zu einer die Gemeinde aktivierenden Homilie, manchmal
(selten) setzt er bei der alttestamentlichen Lesung an und führt dann
so zur Evangelienperikope. An Festtagen (Weihnachten, Neujahr z.B.) leistet
er sich auch die Freiheit einer thematischen Predigt. Die Predigtvorlagen
sind wirklichkeitsnah, aber ohne jeden Anflug von Banalität, Sentimentalität
oder Moralisiererei. Es sind Bände, zu denen man gern greift, wenn
man um die Erwartungshaltung einer Gemeinde weiss.<5>
Unter dem Titel «Jesus» (mit entsprechenden Untertiteln) hat
der Echter Verlag Predigten von Michael Wolff für die drei Lesejahre
herausgegeben. Diese Reihe ist im letzten Jahr ausgelaufen. Die Predigten
des Psychiatrieseelsorgers aus Köln waren originell. Es steckte psychiatrische
Erfahrung und viel Lokalkolorit der rheinischen Grossstadt dahinter. Man
muss die Wolffsche Originalität in alpenländische Kulissen übertragen,
um sie den Hörern schmackhaft zu machen. Das war durchaus möglich,
wenn man die Arbeit nicht scheute.
Nun hat Echter einen neuen Autor gefunden, den Leiter für pastorale
Fortbildung und Erwachsenenbildung, Ulrich Nölle. Ähnlich wie
Dieter Emeis behandelt dieser Predigtautor mit seinem Buch «Die Kraft
Gottes» die Schriftlesungen als immer noch lebendiges Wort Gottes.
Ulrich Nölle setzt sich ernsthaft mit den Perikopen auseinander. Man
nimmt ihm ab, dass er betend mit dem Wort Gottes umgeht, und ahnt einen
subtilen Umgang mit der Heiligen Schrift. Ulrich Nölle liebt es, auf
die beiden ersten Lesungen (Altes Testament, Apostelgeschichte und Apostelbriefe)
einzugehen und mit ihnen zur Kernaussage des Evangeliums hinzuführen.
Die Predigten sind leicht verständlich abgefasst, so dass der Hörer
ihnen mühelos folgen kann.<6>
Der Matthias-Grünewald-Verlag in Mainz hat im Lesejahr A ebenfalls
eine vollständige A-B-C-Trilogie gestartet: Peter Hinsen, Vom Wort
Gottes leben. Der deutsche Pallotiner ist Dozent am Pastoraltheologischen
Institut der Pallotiner in Friedberg bei Augsburg und redigiert die Zeitschrift
«Katholisches Apostolat». Peter Hinsen ist ein kontaktfreudiger
Mann des Wortes. Die Einführungen zu seinen Ansprachen sind gekonnt
und perfekt. Da wird der Leser sogleich die Ohren spitzen. Der Praktiker
Hinsen geht dann zielstrebig auf die Frage zu: «Wie kann dieses Schriftwort
heute Frohe Botschaft sein?» Der Weg zur Offenbarung dieser Antwort
ist klar abgesteckt, ohne Umschweife, alles ist gut markiert. Die Distanz
zum Amen ist minutensicher eingestellt. Im Service inbegriffen sind Fürbitte-Texte
ungeziert und unverschnörkelt.<7>
Die Spruchpredigten aus dem Verlag Friedrich Pustet in Regensburg machen
nun Umwege aber solche, die auch zum Ziel führen. Als Verantwortlicher
für «besinnliche Wanderungen im Umfeld» zeichnet der Domprediger
von Regensburg Werner Schrüfer. Er ist an der Universität Regensburg
Lehrbeauftragter für Homiletik und Prediger an Rundfunk und Fernsehen.
Seine Sammlung von «49 Spruchpredigten» wurde angeregt von der
Materialiensammlung des Berufspredigers, der bemerkenswerte Sentenzen, originelle
Sprüche, Anekdoten und Geschichten notiert. Die Spruchpredigten sind
eine Sammlung von Arbeiten aus seinem Homiletikseminar. Werner Schrüfer
geht nicht den deduktiven Weg der Exegeten; er führt durch Sprüche
und religiöse Erfahrungen zum Ziel. Diese praxisbezogenen Predigten
sind durchaus berechtigt. Ein Register der Themen erleichtert die Arbeit
mit diesem originellen Predigtbuch wesentlich.<8>
Auch für Gottesdienste ohne Priester erscheinen immer mehr Hilfsmittel
und das ist gut so. Immer mehr Gemeinden werden ohne regelmässige
eucharistische Sonntagsliturgie auskommen müssen. Die ausschliessliche
Einstellung auf die Messfeier nach dem Konzil hatte auch zur Folge, dass
die Volksliturgie mit Andachten, Bittgängen, Rosenkranz verkümmerte.
Der Band des Liturgiedozenten Guido Fuchs (Hildesheim und Würzburg)
mit dem provozierenden Titel «Es muss nicht immer Messe sein»
verdient Beachtung. Das Problem hat der Liturgiewissenschaftler Manfred
Probst treffend formuliert: «Der Reichtum der verschiedenen Gottesdienstformen
der christlichen Tradition muss erhalten bleiben. So sehr die Eucharistiefeier
Zentrum aller Liturgie ist, so kann sich doch der Christ nicht immer im
Zentrum aufhalten.» Das Buch bietet Überlegungen, Anleitungen
und Vorlagen zu verschiedenen Feiern im Kirchenjahr: Laudes, Vesper und
Komplet in neuer Überarbeitung und als spezielle Anregungen für
eine neue Form, die noch auf der Suche der Gestaltung und Vertiefung ist:
die Frühschicht. Alte Gottesdienstformen bekommen, wenn man sich ihrer
annimmt, wieder eine neue Chance: Kreuzwegandacht, Pfingstnovene, Maiandacht.
Das ideenreiche Buch enthält 24 verschiedene Modelle, an denen man
arbeiten und variieren kann.<9>
Hilfsmittel für gottesdienstliche Feiern ohne Priester bietet auch
das Materialienbuch von Josef Griesbeck: «ankommen. Neue Themen, Texte
und Meditationen für gottesdienstliche Feiern.»<10>
Hier werden nicht fertige Vorlagen, sondern Materialien geboten. Es wird
nun Aufgabe des Gottesdienstleiters sein, für seine Gemeinde das herauszunehmen,
was ihm für angemessen erscheint. Die Last, selber kreativ zu sein,
ist ihm kaum erspart aber gerade darin liegt ja eine Quelle der Freude.
1 Klaus Müller, Gott am Rande. Ansprachen zu Advent und Weihnachten, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999, 188 Seiten.
2 Josef Ernst, Und Friede auf Erden? Wort zu Advent und Weihnachten, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999, 78 Seiten.
3 Franz-Josef Ortkemper (Hrsg.), Sein ist die Zeit. Biblische Impulse und liturgische Feiern zur Jahrtausendwende, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1999, 130 Seiten.
4 Rainer Rack OMI (Hrsg.), Gottes Wort im Kirchenjahr 2000. Lesejahr B. Advent bis 9. Sonntag, Echter Verlag, Würzburg 1999, 240 Seiten.
5 Dieter Emeis, Gottes Nähe feiern. Predigten für die Sonntage im Lesejahr B, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 236 Seiten.
6 Ulrich Nölle, Die Kraft Gottes, Echter Verlag, Würzburg 1999, 184 Seiten.
7 Peter Hinsen, Vom Wort Gottes leben. Predigten und Fürbitten zu den Sonntagen und Hochfesten im Lesejahr B, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1999, 196 Seiten.
8 Werner Schrüfer (Hrsg.), 49 Spruchpredigten, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999, 200 Seiten.
9 Guido Fuchs, Es muss nicht immer «Messe» sein. Gottesdienstformen im Kirchenjahr, Reihe Konkrete Liturgie, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999, 150 Seiten.
10 Josef Griesbeck, ankommen. Neue Themen, Texte und Meditationen für gottesdienstliche Feiern, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 148 Seiten.
Walter Achermann, Augenblicke für das Unsichtbare. Mit einem Geleitwort von Hubertus Halbfas, NZN Buchverlag, Zürich 1999, 160 Seiten.
Der Leiter der Katechetischen Arbeitsstelle der Katholischen Kirche im Kanton Zürich schreibt regelmässig für das Pfarrblatt dieser Kirche, das «forum», unter dem Titel «Augenblicke für das Bild» theologisch-spirituelle Bildbetrachtungen, indem er jeweils an einem schönen Bild aufzeigt, wie es eine Botschaft vermittelt, die das Ästhetische übersteigt. Eine grosse Auswahl dieser Betrachtungen, mit den entsprechenden und zum Teil von ihm selbst fotografierten Farbbildern, und einige noch nicht veröffentlichte hat er zu diesem schönen Buch zusammengestellt.