45/1999

INHALT

Neue Bücher

Ein gutes Buch zur richtigen Zeit

Brigitte Schäfer, Daniel Kosch, Vom Ende her leben. Eine Auseinandersetzung mit der Offenbarung des Johannes in einer Zeit des Übergangs, Berg am Irchel 1999.

Der religiöse Büchermarkt wird heutzutage von Publikationen zur Johannesoffenbarung geradezu überschwemmt. Das ist auch recht so. Das letzte Buch der Bibel ruft immer wieder und jetzt in der «Zeit des Übergangs» drängender denn je nach seriöser Beschäftigung mit ihm. Da die Voraussetzungen sowohl der Autorinnen wie auch der Leser je ganz unterschiedlich sind, sind die unterschiedlichen Beitragserscheinungen grundsätzlich zu begrüssen. Wohl kein Buch zur Johannesoffenbarung wird für sich in Anspruch nehmen wollen, alles in dieser zum Teil recht dunklen Schrift aufhellen zu können.
Brigitte Schäfer (Theologin und Sozialwissenschaftlerin) und Daniel Kosch (Theologe und Leiter der Bibelpastoralen Arbeitsstelle) gehen in der Auseinandersetzung mit der Johannesoffenbarung erfrischend neue und viel versprechende Wege. Ihre Gedanken zur Offenbarung des Johannes und ihre Erfahrungen mit ihm tauschen sie auf dem Korrespondenzweg aus. Ihr Briefwechsel, der sich über zwei Monate hinzieht, besteht nicht einfach durch sich abwechselnde Traktate zu einer schwierigen Materie. Beide lassen bei der Lektüre des biblischen Textes auch ihre heutigen politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Erfahrungen mit einfliessen, was sowohl dem biblischen Text wie auch den konkreten Erfahrungen überraschend neue Einblicke abgewinnen lässt. Da begegnen wir dem Krieg im Kosova und «Dolly», dem geklonten Schaf, wir begegnen dem Massenselbstmord bei Endzeitsekten und dem Segen und dem Fluch unserer Spitzentechnologie, wir begegnen ganzen Feldern von Krokussen am Ufer des Zürichsees, der Nato und dem Millennium-Baby, und zusammen mit all dem begegnen wir den vier apokalyptischen Reitern, der Gemeinde von Laodizea, der mit der Sonne bekleideten schwangeren Frau, dem feuerroten Drachen mit den sieben Köpfen und den zehn Hörnern, dem neuen Himmel und der neuen Erde..., nicht um aus all dem ein Potpourri oder einen ungeniessbaren Einheitsbrei zu machen, sondern um das eine vom anderen her zu beleuchten.
Mag sein, dass in der «gesammelten Korrespondenz», wie sie jetzt auf 83 Seiten vorliegt, für die eine oder den anderen noch zu viel Traktathaftes entgegentritt, sicher ist, dass Brigitte Schäfer und Daniel Kosch ein bedeutender Versuch gelungen ist, der die Einsicht bestätigt: Je besser wir die Augen offen halten für unsere politischen und sozialen Probleme und je grösser unser Engagement, desto verständlicher wird auch die Sprache der Bibel ­ selbst die der Offenbarung des Johannes.

Hermann-Josef Venetz


Gott, unser Vater

Max Huber, Was für ein Gott, Wortgottesdienste und Predigten zum Jahr Gottes des Vaters, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 202 Seiten.

Das Buch ist ein Begleiter für das Jahr 1999 im Sinne der Hinführung auf das Heilige Jahr 2000, dem Johannes Paul II. die Thematik «Leben als Pilgerschaft zum Haus des Vaters» vorgegeben hat. Die zwanzig Gottesdienstmodelle dieses Bandes bringen Gott, unseren Vater, und den Vater unseres Herrn Jesus Christus stärker in Erinnerung. Die Gottesdienstmodelle können sowohl in Messfeiern wie in Wortgottesdiensten Verwendung finden. Das gilt besonders für die Predigtmodelle, die ein spezielles Lob verdienen. Der aktive Seelsorger wird sie als echten Dienst am Wort verstehen und sie noch über das Jahr 1999 hinaus zu Rate ziehen.

Leo Ettlin


Theologie des NT

Joachim Gnilka, Theologie des Neuen Testamentes, Reihe Akzente, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1999, 470 Seiten.

Der emeritierte Neutestamentler der Universität München, Joachim Gnilka, geniesst für seine zahlreichen Publikationen, besonders in der Reihe «Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament», hohes Ansehen. Die vorliegende Neuausgabe von Gnilkas «Theologie des Neuen Testamentes» war zuerst als Supplementband zu Herders theologischem Kommentar erschienen.
Umsichtig und klar führt Joachim Gnilka in diesem Band durch die 27 Bücher des Neuen Testaments. Er zeigt die Rahmenbedingungen, unter denen die jeweiligen biblischen Autoren ihr theologisches Bekenntnis entwickelten. So gelingt dem Autor eine einzigartige Zusammenfassung der vielfältigen theologischen Konzeptionen.

Leo Ettlin


Grenzerfahrungen

Basilius Doppelfeld OSB, Lassen, (Münsterschwarzacher Kleinschriften, 101), Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 1996, 90 S.

Das Modalverb «lassen» hat, wenn man es mit andern Elementen zusammensetzt, eine weitschichtige und bedeutungsreiche Verwendbarkeit. Diese verschiedenartigen Kombinationen regen zum Nachdenken an. Der Autor wählt aus der Fülle der variablen Möglichkeiten die Begriffe «loslassen» und «verlassen» mit ihren Wortfeldern aus. Diese Überlegungen führen unweigerlich zu Grenzerfahrungen des Lebens, die das eigentliche Thema dieser sehr anregenden Meditationen sind.

Leo Ettlin


Freiheit

Anselm Grün OSB, Wege zur Freiheit. Geistliches Leben als Einübung in die innere Freiheit, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 1996, 110 Seiten.

«Freiheit» ist ein Sehnsuchtswort, das die Menschen seit jeher bewegt. Auch in der Bibel ist «Freiheit» ein zentrales Thema. Das Bändchen beschränkt sich auf die Botschaft der Freiheit im Neuen Testament und auf die Deutung dieser Botschaft bei einigen Kirchenvätern und im Mönchtum. Dabei geht es um die spirituelle Dimension der Freiheit und nicht etwa um theologische Systematik. Der spirituelle Weg ist ein Weg in die Freiheit von Abhängigkeit und Zwängen. Der vorgezeichnete Weg zur Freiheit soll zeigen, dass er heute noch gangbar und befreiend ist.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999