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Bernd Ruhe, Dialektik der Erbsünde. Das Problem von Freiheit und Natur in der neueren Diskussion um die katholische Erbsündenlehre, Universitätsverlag, Freiburg/Schweiz 1997, 294 Seiten.
«Die traditionelle katholische Erbsünde wird auch von den
Gläubigen unserer Zeit nur noch mühsam geglaubt», hatte
1970 Karl-Heinz Weger geschrieben (Theologie der Erbsünde, S. 9). Dass
dieses Thema dennoch in den letzten 25 Jahren in der theologischen Forschung
diskutiert wurde, zeigt die Dissertation von Bernd Ruhe an der Theologischen
Fakultät der Universität Freiburg/Schweiz.
Dem Verfasser geht es darum, «die Berechtigung der Rede von der Erbsünde
auf der Basis der Dialektik von Individual- und Gattungsgeschichte der Menschheit
nachzuweisen» (S. 14). Zunächst zeigt er dies an den Arbeiten
von Piet Schoonenberg und Urs Baumann auf, zwei «Klassikern der neueren
Erbsündentheologie» (S. 19). Für Ruhe stellt sich die Frage,
ob Schoonenberg «die Synthese von Person und Natur vollständig
durchreflektiert und in der gegenseitigen Informiertheit beide Aspekte vollständig
rekonstruiert hat» (S. 46). Baumann hat nach Ruhe unter anderem den
Nachweis nicht erbracht, «ob das Anliegen der traditionellen Erbsündenlehre,
ihre ursprüngliche Funktion, die Universalität der Sünde
zu begründen, auch innerhalb eines existentialistischen Ansatzes zu
leisten ist» (S. 64). Eugen Drewermanns Ansatz besteht darin, «die
jahwistische Urgeschichte tiefenpsychologisch und existentialphilosophisch
zu interpretieren», wofür Bernd Ruhe persönlich «keinen
begründeten Anhaltspunkt» sieht (S. 9396). «Vom Standpunkt
eines transzendentalen Freiheitsbegriffs» (S. 100) gehen Peter Hünermann
und Helmut Hoping aus. Ihnen gegenüber wendet Ruhe ein, dass sie «das
dem erbsündlichen Menschheitszusammenhang zugrundeliegende Freiheitsgeschehen
anhand eines Freiheitsbegriffs bestimmen, der einseitig am Dasein des Einzelnen
orientiert und entwickelt ist» (S. 126).
Ausgiebig setzt sich Bernd Ruhe mit der Erbsündenlehre von Karl Rahner
auseinander (S. 127160): «Bei der Bestimmung von Freiheit, Sünde
und Erbsünde greift Rahner darum nicht auf eine letzte voraussetzungslose
Ursprünglichkeit menschlicher Freiheit zurück, sondern diese wird
ebenso wie menschliche Schuld als eine immer schon geschichtlich und materiell
vermittelte begriffen» (S. 160). Von diesem Ansatz Karl Rahners her
sucht Ruhe «zumindest auf der Ebene des geschichtlich-gesellschaftlichen
Phänomens, Erbsünde in ihrer Dialektik von konkret vermittelter
Freiheit und Naturnotwendigkeit materialistisch zu rekonstruieren»
(S. 160). Zu diesem Zweck setzt er sich mit den Schriften von Karl Marx
und dessen Interpreten, etwa Louis Althusser, auseinander. Er kommt zu dem
Ergebnis, dass «Produktionsweise und Produktionsverhältnisse
bei Marx» jenen Rahmen bilden, in welchem «sich der Mensch als
empirisches, geschichtliches Wesen immer schon vorfindet». In diesem
Rahmen würde dann «der Mensch seine Umwelt als seinen universellen
Leib stofflich sich aneignen». Zugleich stelle dieser Rahmen «die
notwendige materiell vorgegebene Vermittlung und Konkretisierung menschlicher
Freiheit in Raum und Zeit dar» (S. 262). Freilich sind «das
materialistische Verständnis der Geschichte und eines aus diesem gewonnenen
Subjektbegriffs nicht aus sich heraus in der Lage, die Bestimmung der Geschichte
als eines radikalen Schuldzusammenhangs zu begründen» (S. 277).
Bernd Ruhe hat damit die bisherige Diskussion über «Erbsünde»
mit Bezug auf den philosophischen Materialismus erweitert. Dabei stellt
der philosophische Sprachduktus hohe Anforderungen. Einen Bezug seines Themas
auf die Gegenwart sieht Ruhe in den «unverminderten Gewaltpotentialen
und der Bereitschaft, diese einzusetzen» (S. 14).
Ruhes Arbeit widerspiegelt den heutigen Stand der Erbsündendiskussion.
Das Thema an sich ist zu allen Zeiten diskutiert worden. Nicht immer wurde
etwa zwischen «Erbsünde» und «Ursünde»
unterschieden. Oft genug wurde auf Nebenplätzen gekämpft, angefangen
von einem «paläontologischen Monogenismus» (so Otto Hermann
Pesch, Frei sein aus Gnade, S. 132f.) bis zur Thematik von Eva bzw. der
Frau. Diese sollte sich nach Tertullian in «Busskleidungen jeder Art»
hüllen, damit «umso vollständiger gesühnt werde, was
Eva verschuldet hat, ich meine den schmählichen Sündenfall und
den trostlosen Untergang der Menschen» (BKV, Tertullian I, München
1912, S. 176f.). Nichts von all dem bei Bernd Ruhe. Seine Arbeit schliesst
mit einer zusammenfassenden Begriffsbestimmung (als Beiblatt ins Buch eingelegt):
«Dass aber Schuld und Verantwortung nicht nur vom isolierten Individuum
her zu verstehen sind, sondern jeder Mensch mit seiner Schuld und der seiner
Mitmenschen immer schon in einem gesamtmenschheitlichen Zusammenhang steht,
welcher selbst wiederum die konkrete Freiheit grundlegend prägt, scheint
mir der weiterhin gültige Beitrag der traditionellen Erbsündenlehre
zu sein.»
Eleonore Beck (Hrsg.), Gebete meines Lebens, Schwabenverlag, Ostfildern 1999, 192 Seiten.
Die «Gebete meines Lebens» hat die bekannte Autorin von 34 engagierten Frauen und Männern erbeten. So entstand diese Sammlung mit Texten, die bezeugen, wie Menschen von heute, zweitausend Jahre nach Christi Geburt beten; wie sie in Situationen der Krise, jenseits aller Kompromisse und Ausflüchte, den Alltag des Lebens und den Ernstfall des Glaubens in eins bringen. Das Bändchen will mehr sein als eine Dokumentation modern empfundener Andacht. Es gibt auch Anregungen zum eigenen, zeitgemässen und ehrlichen Sprechen mit Gott.