40/1999

INHALT

Neue Bücher

Imponierende Frauen

von Christoph Möhl

 

Drei Frauen ­ Doris Brodbeck, Yvonne Domhardt, Judith Stofer ­ haben sich zusammengefunden, um in einem Sammelband «Aufbrüche von Frauen in Protestantismus, Katholizismus, Christkatholizismus und Judentum» darzustellen. Er schildert emanzipatorische Bemühungen von Frauen in ihren Kirchen, die beeindrucken und Respekt abnötigen.<1>
Fast zwanzig Frauen, die in den Kirchen der Schweiz etwas in Bewegung gebracht und auch für Unruhe gesorgt haben, begegnen uns in kurzen Beiträgen der Herausgeberinnen und zehn anderer Autorinnen. Die meisten von ihnen sind entweder in den 70er oder 90er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren und bereits verstorben, die andern konnten als etwa 70-Jährige noch interviewt werden oder schrieben die Beiträge selber.

Frauenbünde als Schmelztiegel

Die Tatsache, dass neben den frühen Vorkämpferinnen gewissermassen deren Enkelinnen zur Darstellung kommen, ist durchaus nicht nebensächlich. Dem Einsatz der Kämpferinnen der ersten Stunde ist nämlich die Entstehung der Frauenbünde zu verdanken, welche ihrerseits wieder zum Nährboden der Emanzipation wurden. Die Enkelinnen pflegten, was die Grossmütter gesät hatten ­ und heute wird die Ernte eingefahren.
So lesen sich denn die einzelnen Beiträge wie Abschnitte der spannenden Geschichte der Frauenbewegung in der Schweiz und ihren Kirchen. Hilde Vérène Borsinger und Lina Beck-Meyenberger, die an erster Stelle der Aufsätze über katholische «Aufbrüche» stehen, arbeiteten massgeblich mit an der Entwicklung des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes, SKF. Beck-Meyenberger war dessen Präsidentin von 1941 bis 1957, in einer Zeit also, in der das Frauenstimmrecht in der Schweiz diskutiert wurde. Die SKF-Präsidentin durfte nicht für dieses Grundrecht eintreten, denn der SKF stand unter der Aufsicht eines bischöflichen Protektors, Bischof Franzikus von Streng, eines ausgesprochenen Frauenstimmrechtsgegners. Dieser verbot 1945 sogar, dass ein Aufruf des Papstes an die Frauen in Italien, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen, im SKF-Blatt «Die Schweizerin» nachgedruckt wurde. (In der «Kirchenzeitung» war er bereits erschienen!)
Die Redaktorin Hilde Vérène Borsinger trat daraufhin zurück, doch «der Konflikt wurde intern vertuscht». Aber diese Kollegin und auch Konkurrentin von Hilde Beck-Meyenberger passte ohnehin «schlecht in die Teekränzchen-Atmosphäre. Mit Kurzhaarfrisur, Männerjacke und Krawatte liess sie sich in den 30er Jahren porträtieren». Sie hatte 1929 mit einer Arbeit über die «Rechtsstellung der Frau in der katholischen Kirche» doktoriert und konstatierte dabei «auf der ganzen Linie eine rückläufige Bewegung in Bezug auf die Frauenrechte, welche in diametralem Gegensatz steht zu den Fortschritten, die sich die Frau auf dem Gebiete des profanen Rechts erobert».
Fast zu eigenwillig waren Beck-Meyenberger und Borsinger, und «in der historischen Rückschau fielen sie zwischen Stuhl und Bank», wurden «nur gerade innerhalb des SKF selbst gewürdigt».

Ökumenischer Beginn

Auch auf evangelischer Seite hatten die Frauenverbände eine grosse Bedeutung für die emanzipatorischen Fortschritte. Dies zeigte sich an der SAFFA, der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit 1958 in Zürich mit dem «SAFFA-Kirchlein, das zum Geburtsort der ökumenischen Frauenbewegung der Schweiz wurde». Vier reformierte Theologinnen haben intensiv zu diesem Aufbruch beigetragen: Marga Bührig, Ruth Epting, Dorothee Hoch und Else Kähler.
«Im Vorraum traten sich manchmal mehr als tausend Personen pro Stunde auf die Füsse... Das ökumenische Mittagsgebet war Mittelpunkt des Tages. Es war neu, dass Frauen der drei Landeskirchen miteinander Gottesdienst feierten...» Marga Bührig hat es verstanden, diese Impulse aufzunehmen und weiterzutragen... «1971 wurde auch die von ihr redigierte Zeitschrift ÐDie evangelische Schweizerfrauð mit dem katholischen Pendant ÐDie Schweizerinð unter dem Namen Schritte ins Offene... umgestaltet.»
Die Kapitel über die SAFFA und über den SKF (oder eben Beck-Meyenberger und Borsinger) sind wohl die Schlüsseltexte dieses Buches, das sich über weite Strecken wie eine Rückschau auf die jüngste Geschichte der Schweiz liest. In ihren Zusammenhang gehören auch die Lebensbilder von Rosina Gschwind-Zeller, der ersten christkatholischen Pfarrfrau und Gründerin des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins, und von Emmi Bloch, der Pionierin für Sozialarbeit und Journalistin.

Eine Einzelkämpferin

Doch nicht nur Frauen, die in die Vereinsarbeit eingebunden waren, auch die Schicksale von Einzelkämpferinnen sind aufschlussreich und interessant. Zum Beispiel liest sich der Beitrag über Mary Daly humorvoll und betrübend zugleich: Die Plätze neben der Amerikanerin im Vorlesungssaal der Universität Freiburg blieben oft frei. «Ihre Kommilitonen befürchteten wahrscheinlich die Versuchung, die über sie kommen könnte...». Und als Mary Daly nach den Abschlussprüfungen noch den Antimodernisteneid leisten sollte und «damit hätte meineidig werden müssen», fand sich eine wunderliche Lösung: «Die Professoren einigten sich schlussendlich darauf, dass einer Frau nicht gestattet sein sollte, den Antimodernisten-Eid abzulegen, denn damit wäre sie berechtigt gewesen, an einer pontifikalen theologischen Fakultät zu lehren...»

Neues schaffen

Andere Lebensbilder rufen den Pazifismus in Erinnerung (Clara Ragaz-Nadig), die Judenverfolgung (Else Lasker-Schüler) oder die Frauenrechtsbewegung (Gertrud Heinzelmann). Alle geschilderten Lebensbilder standen unter der Verheissung «Siehe, ich schaffe Neues».
Man kann nur eindringlich raten, sich diesen aufschlussreichen Band zuzulegen und sich in ihn zu vertiefen. Weniges trübt die Lektüre, zum Beispiel einige Druckfehler (einmal findet sich gar einmahl...) oder der Eindruck, beim einen oder andern Beitrag wären redaktionelle Eingriffe angebracht gewesen (der Text von Gerda Altpeter ist fast etwas geschwätzig). Aber eben, das sind nur kleine Randbemerkungen zu einem insgesamt wichtigen Werk.


Anmerkung

1 Siehe, ich schaffe Neues, Aufbrüche von Frauen in Protestantismus, Katholizismus, Chritskatholizismus und Judentum, Herausgegeben von Doris Brodbeck, Yvonne Domhardt und Judith Stofer, eFeF-Verlag, Bern 1998, 260 Seiten.


Orientierungshilfe für Heiligland-Pilger

Aloys Butzkamm (Hrsg.), Wer glaubt was? Religionsgemeinschaften im Heiligen Land (Kontur 0215), Bonifatius, Paderborn 1998.

Wer hat sich nicht schon gewünscht, etwas Orientierungshilfe im Dickicht der Religionsgemeinschaften im Heiligen Land zu bekommen? Aloys Butzkamm, Vorsitzender des Deutschen Vereins vom Heiligen Land im Erzbistum Paderborn, hat eine Reihe Kenner der religiösen und historischen Situation von Israel und Palästina gesammelt, um kurz und knapp das für einen Pilger oder Touristen beim Besuch des Heiligen Landes Wissenswerte darzulegen. Man lernt etwa die Drusen kennen, die Bahai-Religion, weiss, warum die Franziskaner im Heiligen Land so oft zu sehen sind, wird in die Entstehung und die Theologie der verschiedenen christlichen Kirchen eingeführt, bekommt das Wichtigste über das Judentum und den Islam vorgesetzt. Besonders aufschlussreich sind die Beiträge von Niklaus Egender, der von 1979­1995 Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem war.

Nestor Werlen


Judentum

Dieter Vetter, Die Wurzel des Ölbaums. Das Judentum, (Kleine Bibliothek der Religionen. Herausgegeben von Adel Theodor Khoury, Band 5), Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1997, 208 Seiten.

In der Reihe «Kleine Bibliothek der Religionen» gibt Dieter Vetter eine umfassende, gründliche und doch leicht verständliche Einführung ins Judentum. Er behandelt das Judentum in der Geschichte, geht den Gründen und Auswirkungen der Judenfeindschaft nach und behandelt auch ausführlich die nationaljüdische Bewegung, ihre Entstehung und Ideologie. Vetter zeigt auch einleuchtend die Begründung des Judenstaates in seiner politischen und innerjüdischen Problematik auf. Doch es geht nicht nur um historische Daten und Fakten, ebenso aufschlussreich wird jüdisches Glaubens- und Gemeindeleben vorgestellt, sodass alle Aspekte des heutigen Judentums zur Sprache kommen und gedeutet werden.

Leo Ettlin


Kurzgeschichten Religion

(1) Heribert Haberhausen, Geschichtenbuch Religion, Band 1: Grundschule, Patmos Verlag, Düsseldorf 1999, 358 Seiten.

(2) Heribert Haberhausen, Geschichtenbuch Religion, Band 2: Sekundarstufe 1, Patmos Verlag, Düsseldorf 1999, 391 Seiten.

Für den Religionsunterricht sowie Gottesdienste oder Gottesdienstteile für Kinder sind stufengerechte Kurzgeschichten stets gefragt. Weil die Lebenswirklichkeit sich dauernd ändert, «verbrauchen» sich Geschichten. Neue Geschichten werden gesucht. Darum dürfen neue Bücher mit Interesse rechnen.
Heribert Haberhausen bietet zwei Bände mit Kurzgeschichten an. Der erste Band (1) steht für die Arbeit mit Kindern von sechs bis zehn Jahren zur Verfügung. Die Geschichten sind wirklich Kurzgeschichten: Sie kommen auf höchstens drei Buchseiten. Jede Geschichte verfügt über eine genaue Zusammenfassung, biblische Bezüge, Gesprächsanregungen und Angaben zu Themenkreisen und Vorlesealter. Das Stichwortregister hilft beim Auffinden einer passenden Geschichte. Die Geschichten unterstützen die Suche der Grundlagen unserer Existenz in einer sich rasant ändernden Lebenswirklichkeit. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis soll das belegen: «Überall zu finden: die Spuren Gottes. Was wirklich hilft: dein Glaube. Von den Kindern geliehen: unsere Erde. Lebenswichtig: Liebe, Licht und Regenbogen. Schuldig werden ­ hoffen dürfen. Sich suchen ­ sich finden. Anders sehen ­ die anderen sehen. Eins nicht verlieren: das Staunen. Über die Grenze: Sterben und Tod.»
Der zweite Band (2) zeichnet sich durch einen ganz grossen Realitätsbezug aus. Er steht zur Verfügung für die Arbeit mit Elf- bis Vierzehnjährigen. Die Geschichten sind ganz aus unseren Jahren. Das zeigt sich, wenn Auswirkungen des Balkankrieges für unsere Verhältnisse thematisiert werden. Das breite Spektrum der Geschichten soll durch die Angabe der Themenkreise illustriert werden: «Auf Gott bauen. Um den Glauben ringen. Die Schöpfung achten. In die Stille horchen. Den Horizont erweitern. Das Staunen nicht verlieren. Den Zeitgeist spüren. Das Leben wagen. Den Alltag ertragen. Im Dunkeln wandeln. Um den Frieden kämpfen. Den Bruder sehen. Freiräume gewähren. Sterben ­ um zu leben.»

Jakob Bernet


Erstkommunion

Angela M. T. Reinders, Erstkommunion. Mein Erinnerungsalbum. Illustriert mit Bildern von Marc Chagall, Pattloch Verlag im Weltbild Verlag, Augsburg 1999, 48 S.

Dieses überaus ansprechend gestaltete Erinnerungsbuch nimmt das Erstkommunionkind ernst in seiner Begeisterungsfähigkeit und in seinem Willen, die wesentlichen Inhalte der Vorbereitungszeit festzuhalten, das grosse Fest in Wort und Bild zu dokumentieren und die gewonnene Gemeinschaft mit Jesus Christus einmal in der Firmung unter Beweis zu stellen.
Das Erinnerungsalbum verdient die Prädikate «festlich» und «gediegen».
Der Text spricht das Kind unmittelbar an und arbeitet heutige Sakramenten- und Gemeindetheologie in einfachster Sprache auf.
Die Bilder von Marc Chagall sind sorgfältig ausgewählt und drucktechnisch gut wiedergegeben. Man merkt es, wie Marc Chagall durch die Bibel sich in seiner Kreativität berührt wusste. Die gewählten Farben und die Figuren helfen dem Kind, diese Kunstwerke vertraut zu erleben.
Gläubige Eltern und Pfarreien finden in diesem Buch eine gute Hilfe, die Kinder zur vollen Mitfeier der Eucharistie zu führen.

Jakob Bernet


Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux, Das Herz weit machen. Kontemplation und Weltverantwortung. Eingeleitet und herausgegeben von Manfred Baumotte. Übersetzt von Mönchen der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehererau. Aus der Reihe: Klassiker der Meditation, Band 1, Verlag Benziger, Zürich 1997, 174 Seiten.

Die Sammlung «Klassiker der Meditation» möchte wichtige Texte klassischer Denker der Spiritualität aus Ost und West zusammenfassen. In einer solchen Reihe darf Bernhard von Clairvaux nicht fehlen. Sein mystischer Ansatz, der die Selbstbesinnung an den Anfang christlicher Besinnung stellt, ist bahnbrechend. Die eigene Erfahrung kommt jetzt neu zum Zug. Es ist die Erfahrung einer immensen Ruhelosigkeit. Bei Bernhard findet man Ansätze zur Franziskanertheologie. Er inspiriert die Devotio Moderna und leuchtet den Brüdern vom Gemeinsamen Leben voran. Auch Heinrich Seuse steht ihm nahe sowie Martin Luther. Das Buch setzt sich aus thematisch geordneten Quellentexten zusammen, die der Gottsuche und Gottesbegegnung zugehören. Vor diesem Gott ordnet der Mensch sein Leben, und die Ordnung des Lebens führt zur Liebe des Nächsten.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999