38/1999

INHALT

Neue Bücher

Zeitgeschichte

Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern, Band 8. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1997, 333 Seiten.

Die deutsche Zeitgeschichte in Lebensbildern erscheint hier im achten Band. Das Werk hat sich nun einen festen Platz in der biographischen Literatur der Zeitgeschichte erworben. Theologen, Historiker und Sozialwissenschaftler dürfen sie nicht mehr links liegen lassen. Auch jeder an der Zeitgeschichte interessierte Leser findet hier eine solide, zuverlässige und willkommene Lektüre. Ihre Kurzbiographien sind sachlich und kritisch geschrieben. Aufdringliche Hagiographie liegt ihnen fern. Eine sorgfältig ausgewählte Bibliographie kann den interessierten Leser weiterführen.
In diesem achten Band haben die Kardinäle Josef Höffner, Köln, und Franz Hengsbach, Essen, einen Ehrenplatz. Interessant ist die Darstellung des Zentrumsprälaten und späteren Generalvikars von Freiburg i.Br. Ernst Föhr ­ eine starke Persönlichkeit im Herrschen und Ertragen. Von ihm sagten die Geistlichen der Erzdiözese: «Er hat s'Schäufele in der Hand» (Erzbischof Hermann Schäufele).
Unter den Laien ragen die Naziopfer Josef Wirmer, Ferdinand von Lüninck und Heinrich Imbusch heraus. Von den Nachkriegspolitikern seien Karl Theodor von und zu Guttenberg und Bruno Heck genannt. Von besonderem Interesse dürfte die ausgewogene Darstellung des politischen Publizisten Walter Dirks sein.
Die ganze Reihe von acht Bänden präsentiert exemplarisch Zeit- und Kirchengeschichte und ist für die Geschichte des deutschen Katholizismus im 19. und 20. Jahrhundert von unschätzbarer Bedeutung.

Leo Ettlin


Konziliengeschichte

Klaus Schatz, Allgemeine Konzilien ­ Brennpunkte der Kirchengeschichte, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1997, 360 Seiten.

Die «Kleine Konziliengeschichte» von Hubert Jedin erschien 1959 und stiess in der Vorbereitung und Begleitung des Zweiten Konzils auf grosses Interesse. Seither sind viele kirchliche Erfahrungen gemacht worden und auch die theologische und kirchenhistorische Forschung ist nicht stehen geblieben. Neue Fragestellungen sind inzwischen aufgetreten. Die Geschichte der Konzilien erscheint heute wesentlich komplizierter, verwirrender und konfliktreicher. Das vorliegende Buch aus der Reihe der Universitäts-Taschenbücher ist aus Vorlesungen an der Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt a.M. entstanden. Der Kirchenhistoriker von Frankfurt a.M., Klaus Schatz, hat diese Vorlesungen so anregend gestaltet, dass die Lektüre nie ermüdend wirkt, vielmehr geistig anregend in der Verknüpfung der Zusammenhänge und im Anleuchten der historischen Hintergründe.

Leo Ettlin


Befreiungstheologie

Burkhard Weber, IJOB in Lateinamerika. Deutung und Bewältigung von Leid in der Theologie der Befreiung. Mit einem Vorwort von Leonardo Boff, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1999, 384 S.

Das vorliegende Buch ist schon seiner Entstehung nach eigenartig und interessant. Burkhard Weber hat mit dieser Untersuchung an der theologischen Fakultät der Universität Basel doktoriert. Der Autor setzt sich da mit den verschiedenen Theorien der Theologie der Befreiung über das in Lateinamerika extrem vorhandene Leid auseinander. Er differenziert Unterschiede und stellt in fortschreitender Vertiefung und Objektivierung die befreiungstheologische Ansätze der einzelnen Autoren fest. Besonders ausführlich werden die Theologen Gustavo Guttiérrez, Joan Sobrino und Carlos Mesters behandelt. Dazu hat der protestantische Autor ein Jahr lang mit Strassenkindern in Buenos Aires verbracht. Daraus ergab sich die spezielle Thematik von Webers Forschung: Wie gehen die Befreiungstheologen und die Christen der Basisgemeinden mit dem Leid um und wie können sie angesichts dieser Nöte noch von Gott reden, in einem Umfeld von Hunger und Elend, von Gewalt, Folter und Mord. Diese Abhandlung kann als ein wichti-ger Beitrag zur lateinamerikanischen Befreiungstheologie angesehen werden.

Leo Ettlin


Mönchtum

Peter Hawel, Zwischen Wüste und Welt. Das Mönchtum im Abendland, Kösel Verlag, München 1997, 447 Seiten.

Diese Geschichte des Mönchtums reicht von den Anfängen mit der oberägyptischen Eremitenbewegung bis zu den nachreformatorischen Gründungen der Barockzeit (Jesuiten, Kapuziner, Ursulinen, Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul). Da ist eine Unsumme von Materialien und Informationen in einem Band zusammengestellt und didaktisch geschickt mit zum Verstehen dienenden Plänen, Schemata und repräsentativen Stichen begleitet. Das angenehm lesbare Buch setzt in der Auswahl Schwerpunkte und behandelt bestimmte Themen eingehender als andere (Benediktus-Regel: Entstehung und Bedeutung, Karolingische Kulturepoche, Cluny, Eremiten und Reklusen usw.). Die Darstellung beschränkt sich nicht auf die Vorstellung grosser Gründergestalten, das Alltagsleben der Mönche und Nonnen in der Klosterklausur; die Eigenart des Zusammenlebens im Klosterverband ist dem Autor ebenso wichtig.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999