37/1999 | |
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Neue Bücher |
Carlo M. Martini, Seht, welch ein Mensch. Texte für alle Tage der Fasten- und Osterzeit. Herausgegeben von Franz Johna, Verlag Herder, Freiburg, Basel, Wien 1999, 176 Seiten.
Für jeden Wochentag in der Fastenzeit bietet der spirituelle Autor zuerst als Motto zwei, drei Sätze aus der Heiligen Schrift, danach folgen praktische spirituelle Überlegungen, zum Abschluss formuliert Martini einen Gebetstext, der die vorausgehenden Überlegungen zusammenfasst. Die einzelnen Tagestexte sind geschickt ausgewählte Exzerpte aus dem umfangreichen exegetischen und geistlichen Schrifttum des Kardinals.
Hanspeter Oschwald, Bibel, Mystik und Politik. Die Gemeinschaft von Sant' Egidio, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1998, 140 Seiten.
1968 hat in einem römischen Gymnasium eine Gruppe von Schülern einen andern Weg zur gesellschaftlichen Veränderung gesucht als die studentische Linke. Die religiös orientierte und sozial engagierte Gruppe junger Menschen entwickelte sich zu einer Bewegung. 1970 konnten sie sich in Trastevere in einem leer stehenden ehemaligen Karmelitinnenkloster einrichten. Der Name des Klosters Sant' Egidio ging auf die Bewegung über. In den ersten Jahren genoss die Gemeinschaft die prägende Begleitung von Professor Carlo Maria Martini, dem späteren Erzbischof von Mailand. Bald wuchs die Bewegung über Rom, wo sie besonders in den Elendsquartieren der Vorstädte arbeitete, hinaus und engagierte sich in verschiedenen Entwicklungsgebieten. Schliesslich engagierte sie sich für internationale Friedensaktionen. Sant' Egidio führte die Bürgerkriegsparteien Mozambiks in geduldigen Verhandlungen zur Versöhnung. Die Idee und die Organisation des Welt-Friedens-Gebets von Assisi 1986 ging von Sant' Egidio aus. Schon zweimal stand die Bewegung auf der Kandidatenliste für den Friedensnobelpreis. Hanspeter Oschwald, Auslands-Chef beim Nachrichtenmagazin FOCUS, porträtiert Entwicklung und Gegenwart dieser ökumenischen Gemeinschaft, die als ein überzeugendes Modell von Kirche für heute und morgen gelten kann.
Mechtild Pörnbacher, Vita Sancti Fridolini. Leben und Wunder des heiligen Fridolin von Säckingen. Beschrieben von Balther von Säckingen, Bischof von Speyer. Texte Übersetzung Kommentar, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1997, 351 Seiten.
Der Bischof von Speyer (970987) Balther von Säckingen hat eine Vita und ein Offizium für den Heiligen seiner Heimat, Fridolin von Säckingen, verfasst. Diese Arbeiten des Bischofs, der aus Säckingen stammte, fand aber über die nähere Umgebung hinaus wenig Beachtung. Sie waren in erster Linie für den frommen Gebrauch der Chorfrauen des Fridolinstifts bestimmt. Dennoch gilt Bischof Balthers Werk als ein Juwel der oberrheinischen Literatur im 10. Jahrhundert. 1485 wurde es in einer Inkunabel gedruckt, um dann aber bald wieder in der Versenkung zu verschwinden. Das 16. Jahrhundert hatte andere Probleme als legendäre Heiligenviten. Erst Prof. Walter Berschin und Prof. Johannes Duft befassten sich wieder eingehend mit der Fridolin-Vita (W. Berschin, Frühe Kulturen in Säckingen, 1991, und W. Berschin und Johannes Duft, Balther von Säckingen, 1994). Angeregt durch diese Forschungen hat die Herausgeberin und Autorin dieses vorliegenden opulenten Bandes 1994 ihre Dissertation bei Prof. W. Berschin an der Universität Heidelberg eingereicht. Diese Dissertation ist Grundlage des vorliegenden Bandes. Hier stellt die Autorin zuerst den Autor der Vita und seine Zeit vor. Eine mit minutiöser Akribie gearbeitete Untersuchung des Werkes von Balther durchleuchtet und kommentiert das Werk mit umfassender wissenschaftlicher Gründlichkeit. Neu hinzu kommt eine Vorstellung und Untersuchung aller Quellen der Fridolin-Vita und des Fridolin-Kultes. Der Band ist reich und mit guten Legenden versehen illustriert.
Benedictus, Symbol abendländischer Kultur. Herausgegeben von Filips de Cloedt Pieter Batselier mit Beiträgen von Victor Dammertz, Maur Standaert, Jan Karel Steppe, Jean Décarreaux, Leo Moulin, Belser Verlag, Stuttgart 1997, 477 Seiten.
Das ist ein Folioband der Superlative, besonders imponierend durch eine
verschwenderische Fülle von Illustrationen! Auf bestem Papier gedruckt,
strahlen Farbdrucke von höchster Perfektion, abwechselnd mit Schwarzweissfotos
bester Qualität. Das Bildmaterial ist thematisch ausgewählt: die
Person Benedikts, verschiedene Aspekte des Benediktinertums und der Kulturtätigkeit
des Ordens (Buchmalerei, Architektur, Bildhauerei, Malkunst usw.). So bietet
der Band, wohl unbeabsichtigt, eine exemplarische Kunstgeschichte in Bildern.
Doch der Prachtband ist eine Reprise; neu ist nur der Verlag, früher
Mercatorfonds (Antwerpen), heute Belser (Stuttgart und Zürich). Der
Band war 1980 als Beitrag zur Feier des 1500. Geburtstages des heiligen
Benedikt erschienen.
1997 war der 1450. Todestag Anlass zu einer Neuauflage. Die Neuauflage ist
ein unveränderter Neudruck. Die spärliche Benedikt-Bibliographie
reicht nur bis 1978. Im Text (Bildlegenden und Aufsätze) sind die wenig
glücklichen Übersetzungen der Erstauflage stehen geblieben. Davon
als Kostproben: die offen geschlagene Bibel (aufgeschlagen), der Auftrag
vom Tempel (Darstellung im Tempel), der wohlgemutete Leser (wohlwollend).
Die Einsiedler Klosterfront ist wie schon 1980 nach Disentis transferiert.