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Neue Bücher |
Zeremoniale für die Bischöfe in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes. Hrsg. im Auftrag der Bischofskonferenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie der (Erz-)Bischöfe von Bozen-Brixen, Lüttich, Luxemburg und Strassburg, Solothurn u.a. 1998, 375 Seiten.
Der Gottesdienst der Kirche, nach Auffassung des Zweiten Vatikanischen
Konzils Quelle und Höhepunkt des ganzen kirchlichen Lebens und ebenso
des individuellen Christseins, befindet sich in unserem Umfeld unübersehbar
in einer Krise. Der Konsens über das, was kirchliche Liturgie von ihrem
Wesen her ist und mehr noch wie sie konkret gefeiert wird, ist
vielerorts zerbrochen. Direkt oder indirekt wirken gesellschaftliche und
bestimmte kirchliche Entwicklungen und Probleme auf die Liturgie ein (z.B.
Individualisierung, Konsumorientierung, Freizeitgesellschaft; innerkirchliche
Konflikte, schleichender Verlust christlicher Glaubenspraxis, ekklesiologische
Fragen, Kontroversen um das kirchliche Amt); teilweise ist das eine Folge
unzureichender liturgischer Bildung sowie eines defizitären Sensoriums
für das, was Romano Guardini als den «Geist der Liturgie»
bezeichnete. In der Deutschschweiz wird vielfach erhofft, dass das neue
«Katholische Gesangbuch» ein wesentliches Instrument zu einem
Neuaufbruch, zu einer theologisch-spirituellen Vertiefung der Liturgie und
zu einer neuen «Gottesdienstkultur» wird.
Auf ganz andere Weise kann das Ende 1998 erschienene «Zeremoniale
für die Bischöfe» zu diesem Anliegen beitragen. Worum handelt
es sich bei diesem Werk (das leider einen wenig glücklichen Titel trägt)?
Nach weitgehendem Abschluss der ersten Revision der liturgischen Bücher
im Geist des Konzils erschien 1984 das lateinische «Caeremoniale Episcoporum»,
das nach seiner Übertragung jetzt auch als offizielles liturgisches
Buch für das deutsche Sprachgebiet herausgegeben wurde. (Eine entsprechende
französische Ausgabe ist ebenfalls kürzlich erschienen.) Von seinem
Anspruch her ist es zunächst ein Handbuch der bischöflichen Liturgie
zur vorgängigen Information der Bischöfe selber, für die
Hand ihrer Zeremoniare und anderen Verantwortlichen für den Bischofsgottesdienst
in seinen unterschiedlichsten Formen. Ausgehend von der konziliaren Sicht
des bischöflichen Dienstes wird die theologische Bedeutung der bischöflichen
Liturgie skizziert, ehe die einzelnen Feierformen näher beschrieben
werden: Eucharistiefeier, Stundengebet und Wortgottesdienste, besondere
Feiern im Laufe des Kirchenjahres, andere Sakramentenfeiern und Sakramentalien
(Segnungen von Personen und Sachen) sowie Gottesdienste zu weiteren besonderen
Anlässen. Dabei bleibt das Buch, mit Ausnahme weniger Änderungen,
auf der Linie der übrigen seit 1968 schrittweise veröffentlichten
liturgischen Bücher, beschreibt die Feiern aber jeweils unter dem Aspekt
des Bischofs als Vorsteher. In der Tradition des Buchtyps Caeremoniale regelt
es auch zahlreiche «zeremonielle» Details, die für die
Vorbereitung und Feier der bischöflichen Liturgie als grundlegendes
Rüstzeug zu beachten sind, soll die Liturgie die für rituelles
Handeln unverzichtbare Form wahren und auf der Wort- und Zeichenebene niveauvoll
gestaltet sein; gleichwohl möchte das Buch nicht zu einem neuen Rubrizismus
führen. Die deutsche Ausgabe ist keine getreue Übersetzung der
lateinischen Vorlage, sondern passt sie an die Gegebenheiten des deutschen
Sprachgebietes an und nimmt einzelne Fortschreibungen vor.
Als eine Art Kompendium der Liturgie in der katholischen Kirche interessiert
das «Zeremoniale» jedoch über den primären Verwendungszweck
und Adressatenkreis hinaus. Denn die bischöfliche Liturgie soll in
der Diözese Modellcharakter haben; viele Inhalte des «Zeremoniale»
lassen sich leicht auf andere Kontexte, speziell den Gottesdienst in Klöstern
und Pfarreien, übertragen. Nützlich für den gottesdienstlichen
Vollzug allgemein sind vor allem die vielen Hinweise im 1. Kapitel. Beispielsweise
wird das konziliare Konzept der liturgischen Dienste, hinter dem viele Pfarreien
immer noch hinterherhinken (etwa die Notwendigkeit mehrerer Lektoren und
Sprecher in einer Feier, bei den kirchenmusikalischen Diensten z.B. der
Kantor als regelmässiger Dienst, der Chor im Dienst der Liturgie und
nicht die Liturgie als Kulisse des Chores...), selbstverständlich vorausgesetzt;
ebenso eine primär von den Anforderungen der Liturgie ausgehende Gestaltung
des Kirchenraumes; die Bedeutung und der Umgang mit liturgischen Gewändern,
die nicht nur Schmuck sind, sondern differenziert Kirche darstellen; die
Begründung, die Arten und die Ausführung liturgischer Haltungen
und Gesten, deren Wert man am meisten dort bemerkt, wo nicht mehr auf sie
geachtet wird oder sie gar völlig verkommen; ebenso Details wie die
Beräucherung, der Friedensgruss, der Gebrauch des Weihwassers und der
liturgischen Bücher. Zweifellos gehören viele der genannten Punkte
nicht zu den Kernfragen, wenn wir heute nach dem Gottesdienst der Kirche
fragen; aber die faktische Hilflosigkeit vieler Liturgieverantwortlicher
auf diesem Feld zeigt, wie nötig eine neue Formung auch in diesem Bereich
ist. Und all die vielen Bücher über Ritus und Ritual, die in den
letzten Jahren erschienen sind, die, auch wenn sie teilweise aus der Feder
von Theologen stammen, interessanterweise kaum bemerken, dass in der Liturgie
ein tragfähiges, durch Generationen hindurch gewachsenes, menschengerechtes
«Ritual» vorliegt, belegen auf ihre Weise eindrücklich,
welch grosse Bedeutung rituelle Details haben.
Auch die anderen Kapitel können auf liturgische Defizite aufmerksam
machen und Hilfe zur mancherorts wünschenswerten Neuorientierung sein,
zum Beispiel in der Eucharistiefeier beim Sonntäglichen Taufgedächtnis,
bei der Ausführung von Lesungen, Antwortpsalm und Halleluja, der Form
der Gabenbereitung, sodann hinsichtlich des Stundengebetes als Gemeindeliturgie
(mit der expliziten Aufgabe des Bischofs, das Stundengebet in den Pfarreien
zu fördern; vgl. Nr. 190), der angemessenen Feier der besonderen Feste
und Zeiten des Kirchenjahres, vor allem des Österlichen Triduums, um
nur einige Punkte zu nennen. Ein umfangreiches Sachregister (S. 339375)
erleichtert die Benutzung.
Für die Vorbereitung der bischöflichen wie auch der klösterlichen
Gottesdienstfeiern stellt das «Zeremoniale» fortan ein unverzichtbares
Hilfsmittel dar; es ist zu wünschen, dass, trotz der Grenzen die dieser
Buchtyp notwendigerweise hat, ebenso das theologische und gestalterische
Niveau des Pfarreigottesdienstes hieraus neue Impulse erhält.
Anselm Bilgri und Bernhard Kirchgessner (Hrsg.), Liturgia semper reformanda. Festschrift für Karl Schlemmer, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1997, 303 Seiten.
Karl Schlemmer, der Geehrte, ist Ordinarius für Liturgik und Homiletik
an der Katholischen-Theologischen Fakultät der Universität Passau.
Zu seinem 60. Geburtstag haben seine ehemaligen Schüler P. Anselm Bilgri
OSB, Prior im Kloster Andechs, und Bernhard Kirchgessner, Schlemmers wissenschaftlicher
Assistent in Passau, diese umfangreiche Festschrift organisiert. Dabei ist
zu bemerken, dass Karl Schlemmer nicht nur als akademischer Lehrer Verdienste
gesammelt hat. Er redigiert umsichtig und mutig den «Anzeiger für
die Seelsorge», der unter seiner Schriftleitung ein hohes Niveau erreicht
hat und dabei doch dem eigentlichen Ziel, Orientierung und Anregung für
die seelsorgerliche Praxis zu bieten, immer im Auge behält. Schlemmer
hat in seinem Anzeiger das berühmt gewordene Interview mit dem Churer
Weihbischof Paul Vollmar durchgeführt und veröffentlicht.
Der Titel der Festschrift «Liturgia semper reformanda» könnte
als Wahlspruch des Professors gedeutet werden; doch einen Wahlspruch zu
führen, ist bischöfliches Reservat. Schlemmers akademisches Anliegen
ist die Förderung und Umsetzung der Liturgiekonstitution des Vaticanums
II in die Praxis. Dieser Devise wird auch die Festschrift voll und ganz
gerecht. Sie bietet Impulse für eine zeitgenössische Liturgie
aus Geschichte, Gesellschaft, heutiger Gottesdienstpraxis und Glaubenssituation.
Auch der Seelsorger an der Front kann ohne Scheu zu diesem liturgiewissenschaftlichen
Buch greifen. Unter den Mitarbeitern für diese Festschrift finden sich
unter anderen der Erzbischof von Bamberg Karl Braun, Wolfgang Beinert, Eugen
Bieser, Walbert Bühlmann, Heinrich Fries, Bernhard Kirchgessner, Odilo
Lechner, der Abt von St. Bonifaz, München und Andechs, Klemens Richter,
Arno Schilson.
Adolf Karlinger, 77u vergeben. Wege der Versöhnung, Tyrolia Verlag, Innsbruck 1997, 95 Seiten.
Dieses in der Gemeindepraxis (Predigten, Katechesen, Braut-, Tauf- und
Erstkommuniongespräche) entstandene Büchlein behandelt Wege der
Versöhnung. Der Autor beschäftigt sich eingehend mit der Misere
der heutigen Beichtpraxis, aber nicht jammernd, lamentierend und schon gar
nicht die Adaptierung des Konzils anklagend. Es geht darum, das Evangelium,
das nicht mehr als Frohbotschaft, sondern eher als Drohbotschaft wahrgenommen
wird, von diesen schmutzigen Hüllen zu befreien, damit es neu sein
menschenfreundliches Ziel erreiche. Dabei ist der Autor aber kein Laxist.
Er verschiebt die Akzente mit seriösem Ernst.
Das Buch ist aus der Praxis entstanden. Der Autor tritt als väterlicher
Erzähler auf, episch breit, aber für alle zugänglich und
verständlich. So führt das kleine Büchlein überzeugend
auf den Weg einer befreienden Versöhnungskultur im Alltag und auch
zu einer zeitgemäss gestalteten Bussliturgie.