20-21/1999

INHALT

Neue Bücher

Henri Nouwen

Jurjen Beumer, Henri Nouwen. Sein Leben ­ sein Glaube, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1998, 235 S.

Am 21. September 1996 ist der geistliche Erfolgsautor Henri Nouwen (geboren 1932) in seiner niederländischen Heimat gestorben. Jurjen Beumer, Pfarrer in Haarlem, schreibt über seinen Freund und geistlichen Begleiter eine erste Biographie. Sie erfüllt, wenn sie auch nach so kurzer Distanz noch nicht ein abschliessendes Porträt sein kann, die Aufgabe der Orientierung über einen geistlichen Schriftsteller, dessen Bibliographie an die 40 Titel mit zum Teil hohen Auflagen in vielen Übersetzungen umfasst.
Während der erste biographische Teil über die Odyssee von Nouwens Leben, die schliesslich in der «Arche» des Jean Vanier ihre Beruhigung findet, berichtet, setzt sich Jurjen Beumer darauf mit Henri Nouwens Spiritualität und Theologie auseinander. Der biographische Autor bringt dazu gute Voraussetzungen als intimer und profunder Kenner von Nouwens Schrifttum.

Leo Ettlin


Johannes international ausgelegt

Johannes Beutler, Studien zu johanneischen Schriften (Stuttgarter Biblische Aufsatzbände, 25), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1998, 336 Seiten.

Die gesammelten Aufsätze des an der Hochschule St. Georgen, Frankfurt am Main, lehrenden Jesuiten sind bedeutsam als Wende in der modernen Johannesinterpretation. Bis anhin stand die deutsche Johannesforschung fast ganz im Banne der Exegese Rudolf Bultmanns. Nach diesem Konzept sah man in den johanneischen Schriften den Zusammenhang mit der frühen Gnosis. Die in diesem Band gesammelten 20 Aufsätze lösen sich von Rudolf Bultmann und deuten das Johannesevangelium und die Briefe auf dem Hintergrund des Alten Testamentes und des frühen Judentums. Unter den Aufsätzen sind eine ganze Reihe zuerst in fremdsprachiger Literatur erschienen. Im Sammelband sind sie ins Deutsche übersetzt. Die erneuerte Sicht des Johannesevangeliums ist aus intensivem Dialog mit Exegeten in England, Frankreich, den Vereinigten Staaten und Südamerika entstanden. Die Ergebnisse dieses internationalen Dialogs sind bemerkenswert und verdienen aufmerksame Beachtung.

Leo Ettlin


Im Zwielicht

Hansjakob Stehle, Graue Eminenzen ­ Dunkle Existenzen. Geheimgeschichten aus vatikanischen und anderen Hinterhöfen, Patmos Verlag, Düsseldorf 1998, 195 Seiten.

Das Buch handelt von Menschen (Männern und Frauen), die Geschichte (oder wenigstens Geschichten) machten im Halbdunkel zwischen Licht und Schatten auf verborgenen und verschlungenen, zwielichtigen Pfaden. Berechnung und Zufall prägen die obskuren Ereignisse. Der versierte Autor war einst kritischer Beobachter vatikanischer Ostpolitik, wo naive Dilettanten an der Nase herumgeführt wurden. Es sind Begegnungen von Agenten für das Gute und Böse: Spione und Gegenspione, Abenteurer und Verschwörer, Heuchler und Helden prägen diese Storys, die Hansjakob Stehle genüsslich ausbreitet. Der Autor liebt es, wie ein Detektiv Spuren und verschlungene Pfade aufzustöbern und auszuleuchten und gleichzeitig, das Verwirrspiel weiterführend, neue Verstecke einzurichten. Er schreibt ein Buch, das vordergründig Unterhaltungswert hat, und aus der Zauberkiste immer neue Spannungen und Verwicklungen produziert.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999