16/1999 | |
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Ida Friederike Görres, Thérèse von Lisieux. Ein Lebensbild. Herausgegeben und eingeleitet von Hanna Barbara Gerl-Falkovitz. Neuausgabe einer gekürzten Fassung der im Verlag Herder unter dem Titel «Das verborgene Antlitz» erschienen Originalausgabe, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1998, 291 Seiten.
Dieses Lebensbild der heiligen Thérèse von Lisieux ist ein Klassiker, und man kann die Neuauflage aus Anlass der Erhebung der kleinen Thérèse zur Kirchenlehrerin nur begrüssen. Als das Buch 1944 unter dem Titel «Das verborgene Antlitz» erschien, war das in Kreisen gebildeter Katholiken eine echte Sensation. Ida Friederike Görres beleuchtet die Voraussetzungen für die singuläre Berufung der Thérèse Martin aus einem Elternhaus mit einer speziell religiös sentimentalen Familienkultur und ihre persönliche Gefährdung durch eine neurotisch gefärbte Veranlagung. Es war das Verdienst Ida Friederike Görres', die Autobiographie «Geschichte einer Seele» kritisch, direkt detektivisch hinterfragt zu haben. Die Seelengeschichte der Thérèse Martin war von ihrer Priorin und leiblichen Schwester Pauline überarbeitet und purgiert worden. Diese immerhin etwa 7000 Korrekturen entsprechen dem Geschmack der Zeit und kamen den Vorstellungen einer domestizierten Frömmigkeit entgegen. Ida Friederike Görres bringt das «verborgene» und maskenhaft entstellte «Antlitz» wieder ans Tageslicht. Nun ist die Thérèse Martin nicht mehr ein erbauliches Frömmigkeitspüppchen, sondern eine Mystikerin, welche die dunkelsten Nächte der Seele verkosten musste. Den Kelch der Glaubensprüfungen trank sie bis zur Neige. Die Beschäftigung mit der Thérèse vom Kinde Jesu auf diesem Niveau ist auch heute noch eine Bereicherung. Als Ergänzung sei auf den anderen Klassiker über Thérèse verwiesen: Hans Urs von Balthasar: «Thérèse von Lisieux. Geschichte einer Seele» (1950), Etwas einfacher zu lesen, aber nicht weniger aufschlussreich wäre die aus dem Französischen übersetzte Biographie Jean François Six': «Theresia von Lisieux. Ihr Leben, wie es wirklich war» (Freiburg 1976).