12/1999 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Erich Camenzind, Der Frohbotschaft verpflichtet. Die Kanisiusschwestern und ihr Gründer Johann Evangelist Kleiser, Kanisius Verlag, Freiburg 1998, 182 Seiten.
Das Kanisiuswerk Freiburg und die Gemeinschaft der Kanisiusschwestern
feierten 1998 ihren 100. Geburtstag.
Erich Camenzind, durch viele Jahre Generalsekretär des Schweizerischen
katholischen Missionsrates und Chefredaktor der «Freiburger Nachrichten»,
heute Pfarrer der Pfarrei der deutschsprachigen Katholiken im Kanton Waadt,
schreibt in diesem Jubiläumsband die Geschichte der sympathischen Schwesterngemeinschaft.
Diese Geschichte ist exemplarisch für den Weg der Schweizer Katholiken
aus dem durch den Kulturkampf bedingten Ghetto in den Aufbruch des Zweiten
Vatikanischen Konzils, dem aber durch den Rückgang der Ordensberufungen
und eine umfassende Säkularisierung des privaten Lebens eine neue Problemsituation
folgte. Die Anfänge des Kanisiuswerkes sind geprägt durch die
starke Gründerpersönlichkeit Johann Evangelist Kleiser. Sein apologetischer
Eifer wuchs aus der Defensivstellung eines kampfbereiten Glaubensstreiters.
Diese Einstellung Kleisers übertrug er auf die von ihm gegründete
und von ihm sehr autoritär geleitete Schwesterngemeinschaft vom heiligen
Petrus Kanisius. Dieser Geist charakterisierte auch durch Jahrzehnte ihr
volkstümliches Schrifttum mit den einst berühmten Kleinschriften,
die hinten in der Kirche die Schriftenstände füllten. Der Aufbruch
des Konzils brachte für die Kanisiusschwestern das Engagement in der
Dritten Welt (Brasilien und Simbabwe). Besonders in Brasilien bekommen die
europäischen Schwestern eine neue Hoffnung, dass sie sinnreich und
verdienstvoll überleben können.
Das fleissig recherchierte und flüssig geschriebene Jubiläumsbuch
bekommt über den festlichen Anlass hinaus Bedeutung durch die exemplarische
Untersuchung einer Schwesterngemeinschaft, der es gelungen ist, aus dem
Ghetto des Kulturkampfes in den «Aggiornamento» Johannes' XXIII.
aufzubrechen.