6/1999 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Alois Schifferle (Hrsg.), Pfarrei in der Postmoderne? Gemeindebildung in nachchristlicher Zeit, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1997, 446 Seiten.
Das Buch ist eine Festgabe zum 60. Geburtstag des bekannten Pastoraltheologen
an der Universität Freiburg, Leo Karrer. Die Festschrift ehrt seine
bahnbrechende Arbeit im Dienst der Laientheologen. Der vorliegende Band
enthält 37 Beiträge von Kolleginnen und Kollegen, die damit ihre
Dankbarkeit und ihre Anerkennung für die theologische Arbeit Karrers
ehren wollen.
Unter verschiedenen Stichworten gebündelt, enthält das Buch umfangreichere
systematisch-theologische Reflexionen, gesellschaftliche und zeitanalytische
Überlegungen, bibeltheologische Arbeiten und immer wieder auch interessante
Einblicke in einzelne Problemfelder im Umfeld pfarreilicher Arbeit.
Die Themenkreise, unter denen die verschiedenen Arbeiten zusammengefasst
sind, lauten: Pfarrei als Gemeinde, biblische Aspekte, Recht und aktuelle
Fragen, Dienst und Partizipation, religionspädagogische Aspekte, ökumenische
Annäherung, Gedankenstriche, und zum Ausklang eine schöne postmoderne
Meditation und ein Epilog, beides unter dem Titel: «Der grosse Atem
des Lebens.»
Die verschiedenen Autorinnen und Autoren, die hier nicht im Einzelnen genannt
sein sollen, garantieren Qualität und dürften für den theologisch
versierten Leser und die theologisch versierte Leserin meist keine unbekannten
Namen sein.
Das Buch ist ein Gewinn für alle, die gerne bunte Kost lieben und einen
bunten Blumenstrauss einem Werk aus einem Guss vorziehen. Leider beeinträchtigt
der kleine Druck ein wenig das Lesevergnügen.
Gerald Drews (Hrsg.), Der grosse Klosterführer, Verlag Pattloch, Augsburg 1998, 360 Seiten.
Der grosse Klosterführer für den deutschsprachigen Raum präsentiert sich als ein stattlicher Band mit gefälliger Aufmachung. Über jedes Kloster gibt es einen informativen, gut redigierten Aufsatz und ein oder zwei Farbaufnahmen. Auch ein gutes Kartenmaterial steht zur Verfügung nebst Wegskizzen und Reisetips und Informationen. Umfangreichere Aufsätze (mit Stichwort betitelt) orientieren über viel Wissenswertes zu materieller und geistlicher Klosterkultur. Rund 800 Adressen von Klöstern und Ordenshäusern sind vorhanden. Das sind leider lange nicht alle. Das rührt daher, dass viele, auch sehr bekannte Konvente, die Anfrage des Herausgebers unbeantwortet liegen liessen.
Gerhard Lohfink, Braucht Gott die Kirche? Zur Theologie des Volkes Gottes, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1998, 432 Seiten.
Gerhard Lohfink war Professor für neutestamentliche Exegese in Tübingen. 1986 gab er diesen Lehrstuhl auf, um als Theologe und Seelsorger in der katholischen Integrierten Gemeinde und ihrer Priestergemeinschaft zu arbeiten. Das vorliegende Buch ist eine Synthese von theologischer Forschung und praktischer Seelsorge. Er knüpft an sein 1982 erschienenes Buch an «Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?» Er hatte darin systematisch dargelegt, wie der Glaube auf Gemeinschaft angelegt ist. Aus der Glaubensgemeinschaft entstehe dann ganz konsequent die Gemeinde. Die Erfahrung in der Seelsorge hat ihm nun gezeigt, dass da nicht alles nach Schema F vor sich geht. Schon die Geschichte des Gottesvolkes zeigt seit Abraham, dass sich der Geist Gottes nicht in ein Schema einzwängen lässt. Es sind vielmehr bis heute neue und völlig überraschende Aufbrüche möglich. Gott bringt seine Kirche auf andere Weise voran, als wir uns das vorstellen. Schon der Beginn mit der Jüngerberufung verläuft für Systematiker völlig atypisch. Es ist eine unglaubliche Geschichte. Das Buch gibt überzeugend davon Zeugnis, dass Gott auch heute noch an seinem Volk handelt und Neues zu schaffen vermag. Der aufmerksame Beobachter kann das nur staunend zur Kenntnis nehmen. Das Werk mit ausgeprägt bekenntnishaftem Charakter ist Anlass zu neuem Mut, für und in der Kirche Gottes zu wirken und die Hoffnung nicht auf menschliche Organisationen zu setzen.
Régine Pernoud, Frauenbilder im Mittelalter. Aus dem Französischen übersetzt von Michael Lauble, Echter Verlag und Zodiaque, Würzburg und La Pierre-qui-Vire 1998, 257 Seiten.
Das Mittelalter ist eine Zeit hoher kultureller Blüte und grosser
künstlerischer Leistungen. In der mittelalterlichen Gesellschaft spielten
Frauen eine bedeutendere Rolle als in der klassischen Antike. Während
die Frau der Antike rechtlos war, hatte sie im tausendjährigen Mittelalter
einen einflussreichen, vielfach bezeugten Platz in der Gesellschaft. Seit
dem 16. Jahrhundert aber beginnt die Rückbindung der Frau in die rechtlosen
Ghettos des mühsamen Haushalts. Diese Tendenz lässt sich sehr
gut in Frankreich verfolgen, wo sie über die Revolution hinausgeht.
Erst im 20. Jahrhundert beginnt eine neue zielorientierte Emanzipation der
Frau.
Régine Pernoud, die Grande Dame der Mediävistik Frankreichs,
veranschaulicht die Stellung der Frau in historischen Frauengestalten (Chlothilde,
Genoveva, Agnes, Fides von Conques, Hildegard von Bingen usw.). Aus dem
reichen Schatz von Handschriften und Glasgemälden französischer
Kathedralen interpretiert die Autorin auch viele Frauengestalten der Heiligen
Schrift. «Frauenbilder im Mittelalter» ist Régine Pernouds
letztes Buch ein sympathisches Abschiedsgeschenk der genialen Mediävistin
und zugleich ein Vermächtnis!
Régine Pernoud, Frauen zur Zeit der Kreuzzüge. Aus dem Französischen von Liselotte Lüdike, Herder/Spektrum 4375, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1995, 305 Seiten.
Wenn die bahnbrechende französische Mediävistin Geschichte erzählt, dann ist es immer ein Genuss. Régine Pernoud kennt das französische Mittelalter bis in alle Ecken und Winkel. So sind die Damen dieses Buches nicht nur französische Königinnen. In ihrem Gefolge gibt es auch Pilgerinnen aus dem einfachen Volke und orientalische Sklavinnen. Die Herkunft der von Régine Pernoud vorgestellten Frauen umfasst den ganzen Mittelmeerraum mit seinen bunten kulturellen Kontrasten in den vier Jahrhunderten des Kreuzzugsunternehmens. Diese «Kreuzzugsfrauen» werden nicht einfach registriert. Sie stehen alle in der kontrastreichen Farbgebung ihres Herkunftsmilieus. Diese Kreuzzugsgeschichte zeigt nicht nur Frauen und auch nicht nur Kriege. Sie ist ein Zeitgemälde, wie es bunter und doch authentischer nicht sein könnte.
Bischof Viktor Josef Dammertz OSB, Christus folgen. Von Gottes Wort geführt, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 1997, 424 Seiten.
Seit 1993 ist der ehemalige Abt-Primas der Benediktiner und Mönch der Erzabtei St. Ottilien Bischof von Augsburg. Das vierzigste Priesterjubiläum des Bischofs gibt den Anlass, eine Sammlung von Predigten und Ansprachen aus seiner Amtszeit in Augsburg zu veröffentlichen. Das sind zuerst Predigten zu den Hochfesten des Kirchenjahres im Dom des heiligen Ulrich in Augsburg. Maria, die Muttergottes, und eine Anzahl heiliger Menschen, die mit der Diözese Augsburg und dem süddeutschen Raum spezielle Beziehungen haben, gaben Anlass für festliche Betrachtungen. Dazu kommen Amtseinführungen in verschiedene seelsorgliche Dienstämter und grundsätzliche Überlegungen zum Weg der Kirche in der Gegenwart. Bischof Viktor Dammertz verleugnet seine monastische Herkunft und die benediktinische Spiritualität, die ihn entscheidend geprägt hat, nicht. Er weist den ihm Anvertrauten die Wege des Evangeliums und spornt sie an, «Christus zu folgen».
Henri J. M. Nouwen, Adam und ich. Eine ungewöhnliche Freundschaft. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Franz und Irene Johna, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1998, 141 Seiten.
Henri J. M. Nouwen lebte in den letzten Jahren vor seinem frühen
Tod in der Arche-Gemeinschaft «Daybreak» in Richmond Hill. Dafür
hatte er seine Professur für Spiritualität an der Harvard-Universität
aufgegeben. Die von Jean Vanier auch ein Aussteiger aus einer akademischen
Stellung! gegründete Arche-Gemeinschaft bedeutet das Zusammenleben
mit Schwer- und Schwerstbehinderten.
Henri Nouwen erzählt in diesem Buch von seiner Freundschaft mit Adam,
einem jungen Mann, der weder sprechen, schreiben noch allein einen Schritt
machen konnte. Trotz allem gab Adam verständige und sympathische Reaktionen.
So ist eine tiefe spirituelle Freundschaft zwischen diesen so verschiedenen
Partnern entstanden. Nouwen hat darüber ein beeindruckendes Buch geschrieben
das unvermeidlich zur Sinnfrage des Lebens führt.
Georg Braulik, Zivilisation der Liebe. Biblische Betrachtungen, Münsterschwarzacher Kleinschriften 110, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 1998, 126 Seiten.
P. Georg Braulik ist Mitglied der Benediktinerabtei zu den Schotten in
Wien und Professor für Exegese des Alten Testaments. Die Beiträge
dieses Bändchens enthalten einige Homilien des Bibelwissenschaftlers
am Österreichischen Rundfunk und vor einer Gemeinschaft von Theologiestudenten.
Braulik hat für diese Publikation Predigten ausgewählt, die bibeltheologisch
grundlegend sind. Der Titel «Zivilisation der Liebe» weist auf
die aktuelle, praxisbezogene Aussage dieser Ansprachen hin.