5/1999 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Auch für die dritte, völlig neu bearbeitete Auflage des bewährten römisch-katholischen theologischen Nachschlagewerks in deutscher Sprache des Lexikons für Theologie und Kirche (LThK) ist eine Fülle von Wissen zusammengetragen worden, das sich erst im «täglichen» Gebrauch erschliesst. Im Vergleich zur zweiten ist in der dritten Auflage die Grundstruktur erhalten geblieben. Die Informationen sind in zahlreichen Artikeln von grösstenteils lexikalischer Kürze aufbereitet; so finden sich im 6. Band rund 2600 Artikel.<1> Selbstverständlich wurden alle Artikel neu geschrieben. Einige Stichwörter, die in der letzten Auflage noch vorkamen, finden sich in der vorliegenden nicht mehr; anderseits finden sich zahlreiche erstmals im LThK. Dazu gehören Artikel im Zusammenhang mit kulturellen und philosophischen, mit religiösen und kirchlichen, mit gesellschaftlichen und zivilisatorischen Entwicklungen.
Bei den Artikeln zu kulturellen Themen fällt auf, dass nicht nur
neue Daten ein Grund zur Aufnahme von neuen Artikeln waren, sondern auch
neue Einschätzungen. So findet sich im vorliegenden Band beispielsweise
erstmals ein Artikel zum 1916 bei Verdun gefallenen deutschen Maler Franz
Marc. Die philosophische Debatte in den Jahren seit der Planung der zweiten
Auflage des LThK hat der Neubearbeitung neue Stichwörter wie: Kommunitarismus
und Kontrastgesellschaft eingebracht. Die kirchliche Entwicklung mit dem
ökumenischen Aufbruch und Engagement im Gefolge des Zweiten Vatikanischen
Konzils lässt sich im neuen LThK beispielsweise am (neu hinzugekommenen)
Artikel zum konziliaren Prozess, zum ökumenischen Prozess für
Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (GFS) ablesen.
Ein Hinweis auf den Wandel der religiösen Landschaft auch in
der Schweiz ist die Erweiterung des Artikels Krishna: In der letzten
Auflage ist er (noch «Krischna» geschrieben) auf die hinduistische
Religionsgeschichte beschränkt, in der neuen Auflage ist nun auch die
neureligiöse Hare-Krishna-Bewegung behandelt. Zivilisatorische Entwicklungen
seit der letzten Auflage zeigen sich nicht zuletzt in ethischen Artikeln
zu neuen technischen Möglichkeiten; dazu gehört im vorliegenden
Band die Leihmutterschaft.
Eine in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil teils entstandene,
teils erst zu Tage getretene Wirklichkeit ist die Pluralisierung in der
Kirche und in der Theologie. Im Vorwort zur Neuausgabe des LThK haben die
Herausgeber dies auch herausgestellt. Sie versprachen aber auch, sich einerseits
um eine Kirchlichkeit im Sinne eines synchronen wie diachronen Kommunkationsgeschehens
und anderseits um Wissenschaftlichkeit im Sinne von Objektivität und
Fairness in der Darstellung der unterschiedlichen Positionen zu bemühen.
Von verschiedenen Kritikern wurden die Herausgeber an dieses Versprechen
erinnert mit dem Vorwurf, in den systematischen Artikeln herrsche die Sicht
der deutschen akademischen Theologie vor, andere kulturelle Kontexte würden
zu wenig berücksichtigt, kämen nur beiläufig oder in den
Literaturhinweisen vor.
Wenn man die systematischen Artikel des 6. Bandes unter dieser Rücksicht
durchsieht, fällt keine einschneidende Kurskorrektur auf. So wird etwa
im Artikel Leib, Leiblichkeit das Thema philosophisch, biblisch-theologisch,
systematisch-theologisch, theologisch-ethisch, feministisch-theologisch
und praktisch-theologisch behandelt. Die klassischen systematischen Teile
hat Volker Eid auf gleichsam klassische Weise verfasst; ergänzt wird
diese klassische Darlegung mit einer Darstellung des feministisch-theologischen
Diskurses zur Sache. Wäre eine Ergänzung um beispielsweise eine
afrikanische Sicht nicht auch interessant, oder würden solche Erweiterungen
das Konzept eines ganz anderen LThK voraussetzen?
Etwas Ähnliches fällt beim umfangreichen Artikel Liturgien auf.
Im Vergleich zur letzten Auflage werden nicht nur die klassischen Liturgiefamilien
und -typen eingehender zum Beispiel mit ihren Abhängigkeiten
und Einflüssen dargestellt, sondern es werden auch Entwicklungen
über den «tridentinischen» Ritus hinaus berücksichtigt.
So sind den reformatorischen Liturgien und den Frauen-Liturgien eigene Abschnitte
gewidmet. Erwartet hätte ich einen eigenen Abschnitt auch zu Liturgien
in nicht-östlichen und nicht-westlichen Kontexten. Statt dessen kommt
beispielsweise der Zairische Ritus nur in einem in Klammern gesetzten Hinweis
unter der römischen Liturgie vor: Der römische Ritus existiere
in den einzelnen Sprachgebieten in mehr oder weniger stark von den lateinischen
römischen Modellausgaben abweichenden volkssprachlichen Varianten
«(vgl. bes. Missale für Zaire)».
Das scheint mir gar karg, zumal der Umfang für das lexikalische Wortfeld
Liturgie erheblich erweitert wurde. Diese «Vermisstmeldungen»
sind nicht kleinliche Kritik, sondern letztlich hohes Lob: Die Erwartungen
an das LThK sind hoch und sie werden auch grösstenteils erfüllt,
so dass für mich eine theologische Handbibliothek heute ohne die Neuauflage
des LThK nicht vorstellbar ist.
1 Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Herausgegeben von Walter Kasper mit Konrad Baumgartner, Horst Bürkle, Klaus Ganzer, Karl Kertelge, Wilhelm Korff, Peter Walter. Sechster Band: Kirchengeschichte bis Maximianus, Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1997, 1508 Spalten.
Stefan Burri, Methodische Aspekte der Armutsforschung, Haupt Verlag, Bern 1998, 268 Seiten.
Im Band 85 der «Berner Beiträge zur Nationalökonomie»
setzt sich Stefan Burri, der zusammen mit Robert Leu und Tom Priester bereits
die nationale Armutsstudie «Lebensqualität und Armut in der Schweiz»
(Haupt Verlag, Bern 1997) durchgeführt hat, mit Problemen der Armutsforschung
auseinander.
Armut in der Schweiz ist in jüngster Zeit wieder zu einem sozialpolitisch
bedeutsamen Thema geworden. Die öffentliche Konjunktur des Begriffs
lässt dabei leicht vergessen, dass es auf die Frage, wann hierzulande
von Armut zu sprechen ist und woran sich festmachen lässt, ob ein Mensch
arm ist, keine wissenschaftlich einmütige, geschweige allgemein akzeptierte
Antwort gibt. Der Verfasser klärt daher zunächst die theoretischen
Grundlagen und diskutiert mehrere Armutskonzepte, um dann anhand eines für
die Schweiz repräsentativen Datensatzes die Lebensbedingungen der (über)
60-jährigen Bevölkerung im Jahr 1992 zu untersuchen.
Neben der Darstellung schweizerischer Verhältnisse geht es dem Verfasser
immer auch um grundsätzliche Fragen der Bestimmung von Armut mittels
verschiedener Problemindikatoren. Lesern/Leserinnen ohne volkswirtschaftlichen
Hintergrund oder Kenntnisse in empirischer Sozialforschung dürfte die
Lektüre über weite Strecken nicht leicht fallen. Ein allfälliger
Transfer der Ergebnisse in den kirchlich-diakonischen Bereich ist selbst
zu leisten. Wer aus christlichem Engagement dem Thema Armut nachgeht, sei
gewarnt. Volkswirtschaft, nicht katholische Soziallehre ist Burris Fach.
Wer jedoch die Mühe nicht scheut und sich jenseits der Tagespolitik
grundsätzlich mit Armutsforschung auseinandersetzen möchte, ist
mit dem Buch gut beraten.
Paul M. Zulehner (Hrsg.), Müssen Männer Helden sein? Neue Wege der Selbstentwicklung. Mit Beiträgen von Walter Hollstein, Johannes Kaup, Michael Overmann, Christian Reichart, Paul M. Zulehner, Tyrolia Verlag, Innsbruck 1998, 194 Seiten.
Das traditionelle Männerbild ist in Bewegung geraten und viele, vorab der älteren Generation, könnten verunsichert sein. Doch andere lassen sich bereits jetzt ihr Selbstbild nicht mehr von Umfeld, Gesellschaft und tradierten Entwürfen vorschreiben. Der Mythos vom «starken Mann» beginnt zu zerbröckeln. Der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner analysiert den gesellschaftlichen Wandel in der Stellung von Mann und Frau. Er plädiert für den Abschied von einem archaischen Männerbild und legt eine religiöse Vertiefung der Männerrolle nahe. Der Berliner Soziologe Walter Hollstein zeigt den Weg zu einer sicheren Festigung in der Männerrolle, dem der Loslösungsprozess von der Mutter gelungen ist. Er zeigt zugleich die Gefahren einer vaterlosen Gesellschaft auf. Der katholische Theologe und diplomierte Psychologe Johannes Kaup ist aus der Jugendarbeit herausgewachsen und hat viele junge Männer zu authentischer Männlichkeit geführt. Er verweist auf die Probleme von Adoleszenten, die in einer Familie leben, wo der Vaterplatz verwaist ist, und geht zugleich auch auf die maskuline Midlife Crisis ein. Der Salvatorianer Michael Overmann ist Pfarrer für den deutschen Bundesgrenzschutz. Er skizziert an sieben biblischen Persönlichkeiten das Männerbild des Alten Testamentes. Der Theologe Christian Reichart ist Bundessekretär der katholischen Männerbewegung Österreichs. Er geht das Problem von der Praxis her an und macht Vorschläge zu persönlichen Überlegungen und Gruppenarbeiten. Alle Autoren dieses Buches wollen Mut machen, das tradierte Männerbild zu überdenken und die Rolle des Mannes neu zu definieren. Es zeigt aber nicht nur Sackgassen und Defizite, sondern auch Modelle und Beispiele gut gelungener Auseinandersetzung mit Rollenklischees. Es bietet auch wohl überlegte Ansätze zur Förderung echt männlicher Spiritualität.
Elke Fahrner, Des Priesters Kleider und ein Blick darunter, Druck- und Verlagshaus Thaur, Thaur 1998, 176 Seiten.
Die Theologin hat für diese breit angelegte und gründliche mentalitätsgeschichtliche Studie ein weit zerstreutes Material zu einem ansprechenden und interessanten Ganzen zusammengetragen. Elke Fahrner referiert nicht einfach über den Wandel der Mode bei geistlichen Personen in Domen, Pfarrkirchen und Klöstern. Sie stellt diese Vorgänge in zeitgeschichtliche Zusammenhänge und in den Wandel von Geschmack und Anschauungen. Dabei kommen auch aktuelle Auseinandersetzungen zur Sprache wie Zölibat, Amtsverständnis in der katholischen Kirche, Frauenordination. Spezielle Erwähnung verdienen die hilfreichen Illustrationen, die mit ihren Legenden das Verständnis ungewohnter Begriffe erleichtern.
Elfriede Prskawetz, Abendgespräche mit dem lieben Gott. Mit Bildern von Alena Schulz, Tyrolia Verlag, Innsbruck 1997, 55 Seiten.
Die Religionslehrerin und Pädagogin Elfriede Prskawetz hat hier ein vorbildliches Kindergebetbuch geschaffen. Die Gebete der kleinen, achtjährigen Julia sind mit epischen Passagen gekoppelt. Die kindlichen Erzählungen sind Anlass zu Gesprächen mit Gott. Erlebnisse und Gebetstexte sind dem kindlichen Empfinden angepasst so wie ein Kind mit acht Jahren lebt, sich freut und leidet.
Christoph Keller, Worauf wir bauen können. Das Credo als Grundriss des Glaubens, Schwabenverlag, Ostfildern 1998, 120 Seiten.
Das Buch des emeritierten Pfarrers von Tübingen befasst sich mit dem Credo als Fundament des Glaubens. Mit einer anschaulichen, lebhaften Diktion begleitet der von der seelsorglichen Praxis geprägte Autor die einzelnen Artikel des Glaubensbekenntnisses. Jedes Kapitel des Buches bildet ein abgeschlossenes Ganzes. Mit diesen Kapiteln versucht Christoph Keller den Glauben zeitnah und griffig darzustellen.