4/1999

INHALT

Neue Bücher

Für die Arbeit mit Ministranten

Anneliese Hück befasst sich als Autorin schon über zehn Jahre mit der Ministrantenpastoral. Mit ihrem neuesten Buch<1> liefert sie eine gute Hilfe für Ministrantenstunden oder gesellige Anlässe wie zum Beispiel St.-Niklaus-Feiern. Vielfältig sind die Rätsel und Fragen rund um Liturgie und Kirchenjahr. Die Geschichten, die den Rahmen für Lückentexte bilden, finde ich wirklich aus dem heutigen Leben genommen. Sie zeigen nämlich auf, wie auch Kinder sich für ihr Mittun in der Glaubensgemeinschaft entscheiden müssen. Das Buch ist auch verwendbar im Religionsunterricht. Es lädt zudem ein, in Stunden der Musse ganz allein die originellen Rätsel zu lösen Die grafische Gestaltung des Buches spricht an.
Als Geschenk für ältere Ministranten eignet sich ein Buch, das als Comic gestaltet ist.<2> Mit einer Leichtigkeit wird da die Schwierigkeit, aber auch das Beglückende des Gebetes angegangen, wie sie nur einem begabten und einfallsreichen Comiczeichner geschenkt ist. Bruno Rabourdin, der als Comiczeichner, Journalist und Illustrator in Paris lebt, war für Comics bei der französischen Jugendzeitschrift «Tintin Reporter» verantwortlich. Es gelingt ihm, tiefe Theologie und wichtige Anmerkungen zur Spiritualität äusserst angenehm und einsichtig zu präsentieren. Biblische Aussagen werden da mit Fantasie und liebenswürdiger Überzeugungskraft als das «eine Notwendige» dargestellt. Eine verspielte Mädchenfigur ­ im Buch nennt sie sich «Gotteskäferchen» ­ moderiert als «Hostess des lieben Gottes» das Programm. Sie schaut darauf, dass die schlummernden guten Antworten der Beteiligten auch wirklich ausgesprochen werden.

Jakob Bernet


Anmerkungen

1 Anneliese Hück, Da raucht nicht nur das Weihrauchfass. Rätsel und Quizfragen für Ministrantinnen, Ministranten und andere helle Köpfe, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1998, 136 S.

2 Bruno Rabourdin, Gott online. Keine Zeit zum Beten!? Aus dem Französischen übersetzt von Elisabeth Flury, Don Bosco Verlag, München 1998, 85 S.


Religionen in Israels Umwelt

Herbert Niehr, Religionen in Israels Umwelt. Einführung in die nordwestsemitischen Religionen Syrien-Palästinas. Die Neue Echter Bibel. Ergänzungsband 5 zum Alten Testament, Echter Verlag, Würzburg 1998, 255 S.

Religion steht in einer wechselseitigen Beziehung zur Gesellschaft, zu «Staatsformen» und zur Kultur allgemein. Sie ist deshalb nie unabhängig von der Umwelt, von der sie mitgeprägt wird und die sie selber prägt. Sie kann somit auch nicht statisch sein, sondern geht den Weg des Menschen mit.
Es ist ein gewagtes Unterfangen, die religiösen Vorstellungen während des Zeitraums von 1500 v.Chr. bis nach der Zeitenwende im nordwestsemitischen Raum in einem Buch darzustellen. Dazu bedürfte es wohl eines mehrbändigen Werkes. Der Ergänzungsband 5 der Neuen Echter Bibel wird denn auch zu Recht als eine «Einführung» überschrieben. Herbert Niehr, der das Wagnis auf sich nimmt, gelingt es, die grossen Linien der Religionen von Ugarit bis Israel/Juda aufzuzeigen und die Zusammenhänge und Entwicklungen deutlich zu machen. Der kritische Forschungsbericht ist die Zusammenfassung neuer Erkenntnisse aus verschiedenen Wissensgebieten (Archäologie, Religionswissenschaft, Orientalisitik usw.) und gibt einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung, welche sich mit den Lokalausprägungen des Phänomens «Religionen in Syrien-Palästina» zu einer bestimmten Zeit befassen. Die Kenntnis dieser Religionen ist bedeutsam für das Verständnis der Religion in Israel/Juda, die sich in den Grundzügen nicht von den Religionen seiner Umwelt unterscheidet.
Der «Ausblick» (S. 237ff.) zeigt kurz gefasst diesen Zusammenhang auf. Die Folgerung des Autors ist die Forderung, dass die Religionsgeschichte in Israel/Juda von aussen betrachtet und neu geschrieben werden muss (S. 239) im Rahmen einer umfassenden Religionswissenschaft und dass ein neues Verständnis für die Religion in Israel/Juda gefordert ist. Mit analytischen Methoden und neuen Fragestellungen «ist eine kontinuierliche Erweiterung unseres Horizonts der antiken vor-derasiatischen Religionen und damit auch der Religionsgeschichte Israels und Judas zu erwarten» (S. 240).
Mit diesem Vorgehen ist auch der Aufbau des Buches vorgegeben, einerseits durch die Einteilung der Zeiträume (1500­1100 v. Chr. / 1100 v. Chr.­4. Jh. n. Chr.), anderseits durch die beschriebenen Regionen (Nordwestsyrien/Westsyrien/Palästina). Die technische Darstellung mit Verweisen auf neue und vertiefende Literatur ist unumgänglich, erschwert zwar die Lektüre, weckt aber Interesse, den Thesen und Fragen, die sich stellen, weiter nachzugehen.

Urs Köppel


Lebenskultur

Wunibald Müller, Manfred Scheuer, Anneliese Herzig, Frei zum Leben. Die Weisheit der evangelischen Räte, Echter Verlag, Würzburg 1996, 130 Seiten.

Die evangelischen Räte tragen den Makel an sich, antik, unzeitgemäss und ziemlich verstaubt zu sein. Die drei Autoren: Wunibald Müller, Leiter des Bildungshauses der Benediktiner von Münsterschwarzach, Anneliese Herzig, Ordensfrau und Erwachsenenbildnerin, Manfred Scheuer, Spiritual am Priesterseminar in Linz, stellen die drei Räte aus der dunklen Ecke wieder ans helle Licht. Sie zeigen den Bezug der Räte zu den menschlichen Grundtrieben und Grundängsten, Basiswünschen und Ursehnsüchten auf. So zeigen sie einen Weg zur Selbstwerdung des Menschen. Armut steht im Zusammenhang mit der menschlichen Solidarität. Sie lehrt das Teilen und ist so ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden. Gehorsam meint das Horchen aufeinander und das gemeinsame Hinhören auf Gott. Keuschheit ist das Gespür für das Richtige und Dezente. Sie hat viel mit gegenseitiger Achtung und Ehrfurcht zu tun. So gesehen, sind die evangelischen Räte ein Beitrag zu einer Lebenskultur, deren Grundtöne Freiheit, Achtung und Liebe sind.

Leo Ettlin


Der Weihrauch

Michael Pfeifer, Der Weihrauch. Geschichte, Bedeutung und Verwendung, Verlag Pustet, Regensburg 1997, 220 Seiten.

«Wiederkehr des Weihrauchs» ­ könnte man das Anliegen des vorliegenden Bandes nennen. Der Weihrauch war nach der Liturgiereform aus vielen Kirchen verschwunden. Gleichzeitig haben aber wohlriechende Düfte im privaten und therapeutischen Bereich vermehrt Interesse gefunden. Und so kehrt vielerorts nach einer Zeit der «Duftabstinenz» der Weihrauch auch wieder in die Kirchen zurück. Die vorliegende Publikation ist keine Propagandaschrift sondern ein objektives Sachbuch und bietet alles Wissenswerte über die Herkunft, die Chemie und die Anwendung des Weihrauchs. Speziell wird die Liturgiegeschichte des Weihrauchs behandelt, also die Geschichte der Anwendung in der Messe, beim Stundengebet, beim Begräbnis, im Totenkult überhaupt. Von besonderem Interesse sind dann die pastoralliturgischen Überlegungen. Sie bieten auch Vorschläge zu einem zeitgemässen Umgang mit dem Weihrauch.

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999