15/1999

INHALT

Kirchliche Berufe

Der Dienst der Katechetinnen und Katecheten

von Helga Kohler-Spiegel

 

Die deutschsprachige Schweiz kennt verschiedene Ausbildungsgänge, um vollamtlich oder nebenamtlich als katholische Katechetin und Katechet tätig zu sein.<1>

1. Ausbildungswege für Katechetinnen und Katecheten

Als einzige Institution für die Deutschschweiz werden am Katechetischen Institut der Theologischen Fakultät der Universitären Hochschule Luzern (KIL) in einem siebensemestrigen Vollzeitstudium hauptamtliche Katechetinnen und Katecheten ausgebildet, sie schliessen mit dem staatlichen Diplom ab. Beauftragt von der Interdiözesanen Katechetischen Kommission (IKK) hat (nach einem theologischen Vorprogramm) im Sommer 1998 ein Ausbildungsgang für nebenamtliche Katechetinnen und Katecheten begonnen, die bereits im Hauptamt tätig sind und mit dieser Ausbildung den vollamtlichen kirchlichen Abschluss erwerben. Getragen ist dieser Ausbildungsgang vom Katechetischen Institut Luzern (KIL) und dem Institut für Fort- und Weiterbildung der Katechetinnen und Katecheten (IFOK). Nebenamtliche Katechetinnen und Katecheten werden nach bzw. neben theologischen Kursen an den Kantonalen Katechetischen Arbeitsstellen für den Religionsunterricht auf einer bestimmten Schulstufe ausgebildet. Zwei Berufsverbände vertreten die Interessen und Anliegen der Katechetinnen und Katecheten, die Schweizer Katecheten-Vereinigung (SKV) und die Vereinigung der deutschsprechenden Laienkatecheten und -katechetinnen der Schweiz (VLS).

2. Katechet/Katechetin sein ­ Ein Beruf mit vielen Herausforderungen

Die Erklärung der IKK zum Berufsbild des Katecheten vom 14. Juni 1985 beginnt mit dem Satz: «Das Berufsbild des Katecheten hat sich in den letzten Jahren beachtlich verändert.» Das Thema ist also nicht neu. Während früher Katechetinnen und Katecheten vor allem den Religionsunterricht auf den verschiedenen Schulstufen erteilten, haben sich zwischenzeitlich die Arbeitsfelder verlagert bzw. sind neue Aufgaben hinzugekommen, meist ausgelöst durch die Erfordernisse in den Pfarreien. Die Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz bestätigte diese Entwicklung 1994 im neuen Berufsbild: «In den letzten Jahren hat sich dieser Beruf mehr und mehr zu einem allgemeinen pastoralen Beruf entwickelt. Nebst dem Religionsunterricht in Schule und Pfarrei sowie der Gemeindekatechese gehören dazu auch Aufgaben in den Bereichen der Kinder- und Jugendpastoral, der Elternbildung und der Liturgiegestaltung.»<2> Schulische und gemeindekatechetische Tätigkeiten, seelsorgliche und pastorale Aufgaben werden für Katechetinnen und Katecheten ausdrücklich genannt. Auch regelmässiger Predigtdienst, Kranken- oder Betagtenseelsorge und Sozialdienst können den Katechetinnen und Katecheten ausdrücklich «(bei entsprechender Begabung) nach einer Zusatzausbildung übertragen werden».<3> Diese Entwicklung ist seit 1994 weiter fortgeschritten.
Seit dem Sommersemester 1995 sind diese neuen Aufgabenfelder verstärkt in der Ausbildung für hauptamtliche Katechetinnen und Katecheten berücksichtigt, neben theologischen, religionspädagogisch-katechetischen und didaktischen Fächern sind besonders Jugendarbeit, Eltern- und Erwachsenenkatechese in Theorie und Praxis sowie Spiritualität und persönlichkeitsbildende Fächer wichtig. Bei weiteren Ausbildungsentwicklungen werden die Anforderungen im beruflichen Alltag ebenso Beachtung finden wie die mögliche Anerkennung des Abschlussdiploms bei vergleichbaren Institutionen im tertiären Bildungsbereich. Die Spannung, dass Katechetinnen und Katecheten weder Priester und Pastoralassistierende noch Lehrpersonen sind, sondern dass ihre besondere Aufgabe in Katechese und Pastoral, in Schule und Gemeinde liegt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass zu überlegen ist, wie die Berufsbezeichnung in Zukunft verändert werden kann, damit auch die Bezeichnung den gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben gerecht wird.<4>
Katechetinnen und Katecheten sind Teil des pastoralen Teams am jeweiligen Ort, im Dekanat und Bistum. Katechetin/Katechet ist ein kirchenamtlicher Beruf. «Sie nehmen am Verkündigungsauftrag der Kirche teil. Deshalb bedürfen sie für die Übernahme dieses Dienstes der kirchlichen Beauftragung/Sendung (Missio canonica) durch den Ortsbischof.»<5> Sie brauchen neben fachlichen Kenntnissen, intellektuellen, religionspädagogischen und didaktischen Fähigkeiten vor allem Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit, Stabilität und Offenheit sowie spirituelle Kompetenz. Gegenseitige, oft hohe Erwartungen im Pfarreiteam können zum gemeinsamen Tun führen, aber auch zu schweren Enttäuschungen. Immer wieder beschreiben Katechetinnen und Katecheten, wenig Unterstützung zu erfahren und allein gelassen zu sein. Klare Aufgabenbeschreibungen und Pflichtenhefte können helfen, Erwartungen realistisch und Ansprüche evaluierbar zu halten, so dass auch eine «Erfolgsbilanz» möglich ist. Der Austausch mit den Teamkolleginnen und -kollegen kann ein Ort für neue Ideen werden, gegen die Resignation, gegen das «Verkommen» im Alltag. Es kann auch dem Einzelkämpfertum entgegenwirken. Umgekehrt können unklare Aufgabenverteilungen oder Bewertungen im Team (z.B. aufgrund unterschiedlicher Ausbildungsgänge), Konkurrenzen und (unausgesprochene) Einfluss- und Machtfragen zwischen einzelnen Teammitgliedern die Zusammenarbeit sehr erschweren.
Katechese geschieht in einem Netz von Beziehungen. Katechetinnen und Katecheten sind oft wichtige Bezugspersonen für religiöse Anliegen und Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Weit entfernte Vorbilder machen sprachlos; von nahen Menschen können wir Christsein lernen. Die Arbeit führt zum Kontakt mit den Eltern, ihrem Lebens- und Erziehungsstil sowie ihrer Religiosität, das familiäre Umfeld beeinflusst das Glauben-Lernen massiv. Katechetinnen und Katecheten haben häufig aufgrund ihres erlernten Erstberufes Zugang zu unterschiedlichen Personengruppen in der Pfarrei. Im schulischen Bereich kommen Lehrerkolleginnen und -kollegen dazu, es bedarf der Zeit und Energie, im Schulkollegium Kontakt zu finden und Fuss zu fassen, so dass ­ im Idealfall ­ Kollegen zu Kooperationspartnerinnen und -partnern werden. Vernetzung ist unverzichtbar.

3. Veränderungen in einzelnen Aufgabenfeldern

3.1 Religionsunterricht

Im Religionsunterricht kommen mehrere Aufgaben zusammen. Da ist sowohl die Einführung in die Glaubensüberzeugungen und in die religiöse Praxis der eigenen Konfession als auch die Orientierung in religiösen Fragen, zum Beispiel was Menschen von Gott denken, was Menschen glauben im Angesicht des Todes, wie Leben gelingen kann und wie es gestaltet werden soll, was Hoffnung gibt und wie Beziehung zum Göttlichen überhaupt möglich ist. So eröffnet der Religionsunterricht ein Verstehen gegenwärtiger Religiosität und religiöser Strömungen, dies erfordert auch Wissen. Doch es kann kein umfassendes Wissen vermittelt werden, keine «vollständige Lehre», sondern einzelne Themen müssen exemplarisch behandelt werden, indem Schülerinnen und Schüler in den Weg des Nach-Denkens und Theologisierens hineingenommen werden. Diese Denkwege sind nicht an kirchlich tradierter Theologie zu messen. Vom Religionsunterricht wird ausserdem oft erwartet, dass er die Kinder zu «guten Menschen» erzieht, die sich an soziale Regeln halten. Christlicher Glaube wird in diesem Zusammenhang als Eingliederung in die Gesellschaft verstanden; die prophetisch-kritische Dimension des jüdisch-christlichen Glaubens wird dabei vergessen. In der Vielfalt dieser Aufgaben liegt auch die eventuelle Überforderung der einzelnen Lehrperson.
In den gegenwärtigen Entwicklungen der «Neuen Schule», der «Schule mit Profil» und Ähnliches ist es für Katechetinnen und Katecheten unverzichtbar, in den Lehrkörper einer Schule integriert zu sein, die fachbezogenen religiösen Anliegen einzubringen, an den Veranstaltungen in der Schule teilzunehmen, bei Klassenabenden und auf Schulfahrten dabei zu sein. Die Aufgaben werden dadurch nicht nur vielfältiger im Blick auf Schülerinnen und Schüler, Lehrerkolleginnen und -kollegen und Eltern, sondern auch zeitintensiver. Das Rollenbild und das Selbstverständnis der Katechetinnen und Katecheten wird verändert, das Engagement in der Schule muss von der Pfarrgemeinde mitgetragen und mitunterstützt werden.

3.2 Gemeindekatechese und pastorale Aufgaben

Die Begleitung von Kindern und Jugendlichen in den Pfarreien ist verbunden mit der Erwachsenenarbeit. Wir nehmen häufig Probleme bei Jugendlichen schärfer wahr, die auch andere Alters- und Personengruppen betreffen, zum Beispiel geringer Gottesdienstbesuch, Orientierung an Konsum und Markennamen. Die fehlende Option für die Jugend innerhalb der Kirche wird oft den Katechetinnen und Katechten bewusst, die mit diesen Jugendlichen arbeiten. Wenn Erwachsene in dem, was sie den Jugendlichen als fürs Leben bedeutsam weitergeben, nicht ehrlich sind, haben die Jugendlichen Recht, wenn sie den Erwachsenen nicht glauben. Die Auseinandersetzung und das Gespräch zwischen den Generationen ist ein zentrales Aufgabenfeld katechetisch-pastoraler Arbeit.
Katecheten und Katechetinnen decken einen eigenständigen Bereich in der Pfarrgemeinde ab, in der Jugendarbeit und in der Arbeit mit Erwachsenen, in der Kinder- und Jugendpastoral, im liturgischen Bereich und in der Sakramentenvorbereitung, manchmal auch in der diakonisch-sozialen Arbeit. Ihre praktischen Erfahrungen und ihre Kompetenz in katechetisch-religionspädagogischen Fragen ist in den Gemeinden wichtig bei den Überlegungen, wieso der Firmweg mit 17 sinnvoller sei als mit 12, welches Konzept von Jugendarbeit oder Sakramentenvorbereitung praktiziert werden solle usw. Ihr Berufsbild muss in der gesellschaftlichen und kirchlichen Öffentlichkeit immer wieder verdeutlicht werden.
Dass Katechese schwieriger wurde, ist nicht zu leugnen; die Wege der Verkündigung sind vielfältiger, bunter geworden. Glaubenswege von Menschen sind Entwicklungswege, religiöse Fragen stellen sich in jedem Lebensabschnitt auf neue, oft unvermutete Art. Religiös-kirchliche Riten haben an bestimmten Punkten des Lebens eine besondere Bedeutung; der Kontakt zur Kirchgemeinde ist für zahlreiche Christinnen und Christen auf bestimmte Zeiten und Anlässe beschränkt. Persönliche Glaubensüberzeugungen stehen oft in Spannung zu gesamtkirchlichen Formulierungen, über die keine Auseinandersetzung mehr stattfindet. Zentral aber ist: Stellt sich die (in unserem Fall katholische) Kirche als kompetente Gesprächspartnerin für Menschen mit religiösen Fragen zur Verfügung, wird den kirchlich tätigen Personen Kompetenz in religiösen Fragen zugetraut?

4. Zur Spiritualität des katechetischen Berufes

Im Schulbereich ist klar: «Lehren heisst zeigen, dass man etwas liebt; zumindest heisst es zeigen, dass man etwas schön und menschenwürdig findet. Lehrer sein heisst also, sich vor jungen Menschen kenntlich machen. Es setzt Stolz auf die eigene Sache voraus.»<6> Dies gilt über die Schule hinaus.
Es ist die Mühsal der Erwachsenen, vor allem der pastoral und katechetisch tätigen Personen, eine verstehbare Sprache zu finden, so konkret wie das Leben selbst, so ehrlich wie wir uns selbst gegenüber sein können ­ auch und gerade wenn wir von Religiösem, von Gott, vom Glauben sprechen. Die Individualisierung und Privatisierung von Religion führte zur Verbannung der religiösen Sprache aus dem Alltag und damit aus unserem Wortschatz. Damit wird am Kern des Wesens und der Bedeutung von Sprache, nämlich auf Verständigung, auf Kommunikation hin angelegt zu sein, gerüttelt. Aus den Familien, aus den kleinen Gruppen heraus muss ­ entgegen der Privatisierung von Religion ­ in einer grösseren Öffentlichkeit gemeinsame Sprache für Religiöses entwickelt werden, eine «Kompetenz zu religiöser Kommunikation», wie Hubertus Halbfas betont. Katechetinnen und Katechetin ringen nicht um religiöse Sprache, sondern um eine Sprache für Religiöses, eine erfahrungsoffene, teilnehmende Sprache. Mit dem Akt des Sprechens sage ich «Ich», ich setzte mich aus, ich gebe ein Stück von mir preis, ich mache mich verletzbar.
Von Gott zu reden heisst, die religiösen Deutungen von Menschen vor unserer Zeit und die Veränderungen in unserer Zeit ernst zu nehmen, die Brüche, die Begrenztheit und auch das Scheitern religiösen Suchens. Religionspädagogische Begleitung verlangt die Verwurzelung nicht von den Kindern und Jugendlichen, (diese brauchen eine «verlässliche» Welt), sondern fördert ein suchendes Sich-Verwurzeln. Sie gibt kein Bekenntnis vor, sondern kann helfen, zu einem Bekenntnis zu finden. Damit ist verdeutlicht: Religionspädagogisch-katechetische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kann nicht einfach «(Glaubens-)Vermittlung» sein, es sind Lernangebote und Erfahrungsangebote. Früher konnte kirchlicherseits vielleicht die körperliche Anwesenheit leichter eingefordert werden, die innere Aufnahmebereitschaft oder gar «Glaube» konnte nie erzwungen oder überprüft werden. Katechese geschieht nicht «vor» den Menschen, auch nicht «für» sie im Sinne aufopfernden Helfens, sondern «mit» ihnen. Denn der konkrete katechetisch-religionspädagogische Ort, ob Schule oder Jugendarbeit usw., ist ein «theologischer Ort», an ihm wird nicht einfach Glaube vorbereitet oder «gelernt», sondern es ereignet sich Glaube.
Glaube kommt oft unerwartet und uns fremd zur Sprache. Hinhören und Kinder bzw. Jugendliche als Gesprächspartner und -partnerinnen ernst nehmen, verändert unser eigenes Reden von Gott. Lernen geschieht auch im Religiösen in Wechselwirkung, Kinder können Erwachsenen Gott sichtbar machen und umgekehrt. Oft aber fehlt der Raum zum Verweilen, zum Verarbeiten, zum Darüber-Reden und Langsam-Denken. Auch die Frage nach dem eigenen Glauben muss wieder Platz finden: Was beinhaltet es, in Gemeinschaft mit anderen «ich glaube» sagen zu können?
Neben diesem Nachdenken, dem «Theologisieren mit Kindern» (und Erwachsenen) ist gemeinsames, erfahrungseröffnendes Tun wichtig. Miteinander diskutieren und lernen, meditieren, tanzen und singen, miteinander in eine Kirche gehen, an einen stillen Ort im Wald oder auf einen Berg, miteinander essen und trinken, miteinander streiten und aufräumen... Als Katechetin und Katechet bringe ich mich in den Lernprozess ein, ich bin als Person greifbar, auch angreifbar. Was auf den ersten Blick für manche nicht «religiös» aussieht, hat zentrale Bedeutung: Nur wo wirklich gelebt wird, kann Glaube mit dem Leben verbunden sein. Nur wo gemeinsame Erfahrungen unverzweckt möglich sind, kann Verkündigung geschehen. Sonst wird ­ zu Recht ­ jedes Tun mit Kindern und Jugendlichen ebenso wie mit Erwachsenen erlebt als verzweckte, nur auf Religion und Glaubensvermittlung ausgerichtete Aktion. Gegenüber dem Versuch der Vereinnahmung besteht grosses Misstrauen.
Lebendiges Handeln im Glauben, aus der Beziehung mit Gott, ist die Basis für das Reden von Gott. Sprachfähig darf nicht mit wortgewandt verwechselt werden, so kann zum Beispiel ein Mensch wortkarg und unbeholfen sein, wenn er oder sie, innig verliebt, dies dem Freund oder der Freundin auszudrücken versucht. Religiöse Worte ohne die Anbindung an die Beziehung zu Gott werden leer und verkommen zu Worthülsen, zu Floskeln, deren Inhalt sinnlos zu glauben ist. Die lange Zeit einer religiösen Erziehung, die in erster Linie das Nachsagen von Worten und weniger die Entwicklung einer eigenen Sprache für die religiösen Erfahrungen und das Nachdenken über Gott gefördert hat, rächt sich nun.

5. Schluss

«Der Mensch, der Gott beim Stallmisten nicht hat, hat ihn auch nicht beim Chorgebet» (Meister Eckhart). In ihrer Tätigkeit müssen Katechetinnen und Katecheten genau diese Spannung leben: Gott im alltäglichen Handeln und in den ausdrücklich religiös-katechetischen Bereichen entdecken. So sind Katechetinnen und Katecheten auch für die Gemeinden und für die Kirche eine wichtige Herausforderung: Im Kontakt mit den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen werden sie Gemeinde und Kirche immer wieder daran erinnern, dass Katechese sich verändert, weil sich Menschen verändern und weil sich mit ihnen unser Glaube und unsere Kirche verändern.
Katechetinnen und Katecheten brauchen engagierte Geduld und einen langen Atem; manchmal erfahren sie Jahre später von den Früchten ihres Tuns. Und: In der katechetisch-religionspädagogischen Tätigkeit wird ­ manchmal schmerzlich ­ bewusst, dass wir als Erwachsene den Jüngeren nicht vorgeben können, wie sie von Religiösem, wie sie von Gott reden und ihren Glauben ausdrücken sollen. Wir können ihnen ­ glaubwürdig ­ unsere Überzeugungen und unseren Glauben vorleben und weitergeben, indem wir uns dort auf das Gespräch und die Auseinandersetzung einlassen, wo diese möglich und gewollt sind. Die Jugendlichen werden davon aufnehmen, was sie brauchen können und was zu übernehmen ihnen wert scheint. Wir aber werden das Vertrauen zu ihnen haben müssen, ihnen die Welt zu überlassen. Da sie die Jüngeren sind, wird es ihre Welt werden.

 

Dr. Helga Kohler-Spiegel ist Professorin für Religionspädagogik/Katechetik an der Theologischen Fakultät der Universitären Hochschule Luzern und Leiterin des Katechetischen Instituts Luzern.


Anmerkungen

1 Ich werde mich im Folgenden vor allem auf vollamtliche katholische Katechetinnen und Katecheten beschränken. «Kirche» meint somit primär die römisch-katholische Kirche. Das schliesst aber nicht aus, manche der dargestellten Aspekte auch auf andere Berufsgruppen im gemeindekirchlichen Dienst zu beziehen.

2 Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz (Hrsg.), Von Beruf Katechetin/Katechet. Berufsbild und Richtlinien, o.O. 1994, 4.

3 Ebd.

4 Dabei ist zu erwähnen, dass seit Jahren bereits nach einer neuen Berufsbezeichnung gesucht wird.

5 Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz (Hrsg.), Von Beruf Katechetin/Katechet. Berufsbild und Richtlinien, o.O. 1994, 9.

6 Steffensky, Fulbert, Die Gewissheit im Eigenen und die Wahrnehmung des Fremden, in: RU 27 (1997), Heft 1, 3­5, 4.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999