39/1999 | |
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Berichte |
Die Delegiertenversammlung der Pfarrhaushälterinnen der deutschsprachigen
Schweiz findet alle zwei Jahre statt. Am 26. August 1999 trafen sich rund
30 Delegierte, um den Bericht der Präsidentin und der Kassierin zu
verabschieden. Ein eindrückliches Erlebnis der letzten zwei Jahre war
das Begegnungsfest, das im Mai 1998 in Zurzach durchgeführt wurde;
die heilige Verena von Zurzach ist uns Vorbild in unserer anspruchsvollen
Tätigkeit. Ein weiteres Traktandum war die Wahl des Vorstandes; dieser
wurde einstimmig wieder gewählt. Verabschiedet und geehrt für
ihr verdienstvolles Wirken wurde das langjährige Vorstandsmitglied
Agnes Stalder, Domdidier. Als fachkompetente Frau hat sie die französischsprachige
Schweiz an unseren Versammlungen vertreten. Vor 25 Jahren war Agnes Stalder
Mitbegründerin der Internationalen Föderation (IF) der Pfarrhaushälterinnen
am Gründungsort in Einsiedeln. Die 13 Mitgliederländer der IF
treffen sich alle fünf Jahre zur Vollversammlung. Eines der Ziele ist
die Solidarität, kirchliche Anerkennung unseres Berufes usw.
Fragen, die uns Pfarrhaushälterinnen nach wie vor beschäftigen:
Warum gibt es Pfarrhäuser ohne Pfarrhaushälterinnnen? Eine mögliche
Antwort gibt uns Msgr. Gerhard Ott mit folgendem Zitat: «Richtig ist
jedoch, dass der katholischen Kirche zurzeit die Dimension der Anima fehlt,
dass die Pfarrhäuser mehr und mehr durch eine reine Männerwirtschaft
geprägt sind. Männer sind zwar manchmal Starköche, jedoch
das Charisma des Haushälters haben sie nur selten.»
Eine weitere Frage: Wie sieht eine sinnvolle Vorsorge für eine Pfarrhaushälterin
beim plötzlichen Tod des Priesters aus? Der Pfarrhaushälterin
wird dadurch die Aufgabe, die Heimat (die Wohnung, das Umfeld), oft sogar
die finanzielle Existenz genommen. Wir möchten die Priester bitten,
sich in einem stillen Moment einmal darüber Gedanken zu machen.
«ÐKochbuchð der Liturgie mit allen Sinnen entdecken»
war das Thema des Fortbildungskurses, der alle zwei Jahre stattfindet. Unter
den 21 Teilnehmerinnen, die sich vom Kurs begeistern liessen, befanden sich
die amtierende Präsidentin, die Sekretärin und die vormalige Präsidentin
der IF. Zu Beginn durften wir mit der gewandten Seidenmalerin Susy Chavanne
ein Seidentuch malen. Tipps und Anregungen, um elegant und phantasievoll
den Seidenschal zu tragen, zeigte uns Margrit Hutz. In die Bedeutung der
Farben und Kirchenfenster von Marc Chagall führte uns Magdalena Bless
ein und eröffnete uns wieder neue Dimensionen. Die vielseitige Anwendung
des neuen KG erläuterten uns Paul Schwaller und Hansruedi von Arx.
Die Klänge der Hoforgel in Luzern, vorgeführt von Wolfgang Sieber,
waren ein weiterer Höhepunkt. Präses Markus Büchel ging auf
unsere (oben angesprochenen) brennenden Fragen ein und ermunterte, dass
jedes seine persönlichen Farben zum Leuchten bringe und sich von Gott
durchströmen lasse. Das Miteinander in unserer Berufsgemeinschaft erlebten
wird vor allem auch in den Stunden zwischendurch sowie beim gemeinsamen
Beten und Gottesdienst Feiern.
Der Fortbildungskurs wird vom 17. bis 20. Januar 2000 im Bildungszentrum
in Einsiedeln wiederholt.
Rita Budmiger ist Zentralpräsidentin der Vereinigung der Pfarrhaushälterinnen der deutschsprachigen Schweiz.
In einer durch Orgelvorträge festlich umrahmten Feier in der Peterskirche
in Basel ehrte die Vereinigung des katholischen Buchhandels der Schweiz
(VKB) den in Basel und von Basel aus wirkenden Buchautor Xaver Pfister mit
dem zum zweiten Mal verliehenen Preis des religiösen Buches. In der
Begrüssung bezeichnete der Präsident der VKB, Hans Thomas, diese
Preisverleihung in einer für den Markt des religiösen Buches schwierigen
Zeit als Ausdruck des Vertrauens in die Zukunft des guten religiösen
Buches; so sei der Preis nicht nur retrospektiv eine Würdigung geschriebener
Bücher, sondern zugleich prospektiv eine Ermutigung für alle,
die sich für das religiöse Buch einsetzen wollen.
In seiner Laudatio beschrieb der emeritierte Theologieprofessor Dietrich
Wiederkehr, wie bei Xaver Pfister die Bücher aus dem Gespräch
entstehen und wieder zum Gespräch führen also «Bücher
zwischen Gespräch und Gespräch», Protokolle vorausgehender
und Skizzenbücher für weiterführende Gespräche sind.
So waren die meisten Themen der Bücher zunächst Themen der Erwachsenenbildungsarbeit,
die Gesprächsarbeit auch mit reformierten und jüdischen Partnern,
mit städtischen und regionalen Kulturinstitutionen ist. Mit der Verortung
im Gespräch hat für Dietrich Wiederkehr sodann zu tun, dass der
zünftige Theologe Xaver Pfister in seinen religiösen Büchern
nicht steile Antworten, sondern ein- und durchsteigende Fragen und Zugänge
anbietet. Weil Xaver Pfister für einen Glauben einsteht, der die Suche
annimmt und die Not ernst nimmt, muss er sich von «den ach so kundigen
und wissenden Christen» auch manches gefallen lassen.
Am Buch «Folge mir nach: Wege zu einem geglückten Leben»
gefällt Dietrich Wiederkehr, wie Xaver Pfister von der Peripherie zur
Mitte und umgekehrt vorgeht, indem er bei der Kirchenthematik
von «nüchternen und traurigen Enttäuschungen mit der real-existierenden
Kirche ausgeht» und von dort aus zur Mitte vorstösst, zu Jesus
und seiner Botschaft und seinem Handeln. Dabei stehe er nicht nur für
den Vorrang Christi ein, sondern zugleich für den damit «deutlich
heruntergestuften und tiefergehängten Nachrang der kirchlichen und
gesellschaftlichen Ordnungen und Massnahmen». Und schliesslich habe
Xaver Pfister für die Laienspiritualität einen eigenen Ort gesucht,
angenommen, ausgehalten und eröffnet: «Gott zwischen Teddybär
und Bügelbrett» (Freiburg i.Br. 1999). Die «küchenkompatible
Spiritualität des Vaters Xaver Pfister» expliziere und artikuliere
behutsam die verborgene und implizite religiöse Dimension der alltäglichen
Erfahrungen, und sie lade ein, zu finden, «um dorthin zurückzukehren
und zurückzuführen, wovon er ausging».
Dietrich Wiederkehr zeigte sich überzeugt, dass die Vereinigung der
katholischen Buchhändler diese Entstehung der Bücher und diesen
Lebens- und Lernprozess mitbelohnen und mitauszeichnen wollte. Diese Weise,
Theologie zu treiben, hätten Xaver Pfisters Bücher vielen anderen
theologischen, pastoralen und auch spirituellen Büchern voraus, und
das verbinde sie mit den renommierten Glaubensprotokollen der Befreiungstheologie
und der Basisgemeinden.
Nach der Preisverleihung brachte der Gastgeber, der Kirchenratspräsident
der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, Georg Vischer, als Grusswort
«den Gruss des Auferstandenen: Der Friede sei mit euch!» Er
erinnerte Xaver Pfister an seinen Segenswunsch anlässlich seiner Amtsübernahme,
den Wunsch zur nötigen nüchternen Visionskraft, eine Kraft, die
Xaver Pfister selber trägt und weiterhin tragen möge. Diesem Wunsch
schliessen auch wir uns gerne an.
In diesem Jahr sind von Xaver Pfister zwei neue Bücher erschienen,
die die stattliche Reihe seiner mit dem Buchpreis ausgezeichneten religiösen
Bücher fortsetzen.
In dem einen geht er der Frage nach, aus welchen Grundhaltungen heraus der
Mensch das Leben bestehen und gestalten soll, soll es denn ein sittlich
gutes, ein glückliches, ein sinnvolles und ein solidarisches Leben
werden. Solche Grundhaltungen aufzulisten ist nicht neu, die antike Ethik
und unter ihrem Einfluss schon das frühe Christentum nannten solche
Grundhaltungen Tugenden und stellten sie in Tugendkatalogen zusammen. Das
macht Xaver Pfister auch, wobei er aus der Beschäftigung mit den Herausforderungen
der Gegenwart heraus die klassische Tugendlehre aktualisiert: Einerseits
legt er unter dem Titel der theologischen Tugenden dar, was
dem Menschen all seinem Tun voraus bereitgestellt ist; anderseits bedenkt
er unter dem Titel der ethischen Tugenden in einer Ausfaltung
der Kardinaltugenden heute und morgen wichtige Grundhaltungen und stellt
damit so etwas wie ein Programm der Persönlichkeitsbildung bereit.<1>
Während Xaver Pfister in diesem Buch seine Erfahrungen auch als Mann
reflektiert weshalb er auch die Männlichkeit als eine Grundhaltung
bedenkt , sind in dem anderen Buch die Erfahrungen des Lebens in der
Familie der Hintergrund, vor dem er das Evangelium bedenkt mit der Frage:
Welche Hilfen das Evangelium bietet, um als konkrete Familie leben zu können.<2> Dabei will Xaver Pfister vor allem Eltern
ansprechen, die Mühe haben, einen Zugang zur Religion zu finden; sein
«Buch setzt nicht ausdrücklich religiöse Menschen als Leserinnen
und Leser voraus. Im Gegenteil, es möchte gerade jene ansprechen, die
meinen, keinen Zugang zur Religion zu finden. Es möchte helfen, dass
sich Eltern nicht um Gott betrügen. Es will zeigen, wie im Familienalltag
Gott unerkannt gegenwärtig ist.»
1 Xaver Pfister, Im Zeitbogen leben. Tugenden für das dritte Jahrtausend, Paulusverlag, Freiburg Schweiz 1999, 79 Seiten.
2 Xaver Pfister, Gott zwischen Teddybär und Bügelbrett. Erfahrungen in Familie und Partnerschaft, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1999, 190 Seiten.