30-31/1999

INHALT

Berichte

Der Förderverein SKVV

von Heidi Buchmann-Schaller

 

Seit der traditionsreiche Schweizerische Katholische Volksverein (SKVV) vom Dachverband zum Förderverein umstrukturiert worden ist, finden seine Generalversammlungen nur noch alle zwei Jahre statt; dafür befassen sie sich mit Themen, die für die Förderpolitik und ­praxis relevant sind. Im Blick auf sozialethisch bedeutsame bzw. gesellschaftspolitische Projekte ging dieses Jahr Hans Halter, Professor für Sozialethik an der Theologischen Fakultät der Universitären Hochschule Luzern, der Frage nach Legitimation und Kompetenz der Kirche in gesellschaftlichen Fragen nach; dabei richteten sich seine Argumente gegen den Einwurf: «Die Kirche soll sich aus der Politik heraushalten.»
Der geschäftliche Teil der Generalversammlung war durch Neuwahlen geprägt. Nach über 10jähriger Tätigkeit stellte Lothar Gehrig das Präsidium zur Verfügung; in umsichtiger Weise hat er in dieser Zeit den SKVV in den heutigen Förderverein überführt und seine finanziellen Grundlagen konsolidiert. Zum neuen Präsidenten des SKVV gewählt wurde Kurt Irniger, der, ähnlich wie sein Vorgänger, im verbandlichen wie im landeskirchlichen Bereich grosse Erfahrungen gesammelt hat.
In einer allgemeinen Aussprache wurde die bisherige Praxis der Förderbeiträge als richtig und gut bezeichnet.


Verschiedenheit als Chance

von Sr. Maria Crucis Doka

 

Vom 19. bis 22. April beherbergte das Franziskushaus in Dulliken die diesjährige Generalversammlung und die anschliessenden Studientage der VONOS, der Vereinigung der Ordensoberinnen der Nichtklausurierten Ordensgemeinschaften der Schweiz. Zum ersten Mal standen die Beratungen und Weiterbildungstage unter dem 1998 gewählten neuen Präsidium, Sr. Aquina Burger, Präsidentin, Generalpriorin der Ilanzer Dominikanerinnen, und Sr. Eugenia Jörger, Sekretärin, Generalassistentin. Die über 40 Mitglieder und zahlreichen Gäste, unter ihnen der für die Orden und geistlichen Gemeinschaften Beauftragte der Schweizerischen Bischofskonferenz, Weihbischof Martin Gächter, liessen sich zunächst anhand der Tätigkeitsberichte der Präsidentin und der VONOS-Vertreterinnen in den verschiedenen Gremien informieren. Das mag als eine alljährliche Pflichtübung gelten. Aber auch eine solche kann zur wertvollen Rundschau werden, wenn die Beiträge Einblick geben in Tätigkeiten, Projekte und Problemstellungen der jeweiligen Kommissionen. Dazu trugen auch die Berichte der eingeladenen Gäste bei: der Vertreterin der Vereinigung der Ordensfrauen der Westschweiz (USMSR), Sr. Franziska Kälin, der Delegierten der klausurierten Ordensfrauen der deutschen Schweiz (VOKOS), Sr. Anna Nerlich, der Informationsstelle für Kirchliche Berufe (IKB), Frau Amanda Ehrler, der abtretenden Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF), Frau Rösy Blöchliger, und andere. Karl Inauen, ­ er war langjähriger Schulungsleiter der VONOS ­, bietet auch heute noch Kurse für betagte Schwestern in den Ordenshäusern an, in denen es um die Hinführung zu einer fruchtbaren Gestaltung des Alterns und der Altersgemeinschaften geht. Die Vereinigung der Männerorden in der Schweiz (VOS/USM) war durch deren Sekretärin Sr. Susanna Baumann vertreten.
Die Pastoralkommission der KOVOSS/CORISS (Dachorganisation der weiblichen und männlichen Ordensvereinigungen) hat im Februar dieses Jahres eine Einladung zur Standortbestimmung «Ordensleben in der Schweiz» vorgelegt. Anhand entsprechender Fragen werden die Ordensgemeinschaften eingeladen, mit ihren Antworten einen Beitrag zur Klärung des Ist-Zustandes und zur zukünftigen Zielrichtung zu liefern. ­ Ein für März 2000 geplantes Seminar zum Thema «Europa und die Ordensleute», das von der Europäischen Union der Ordensobernkonferenzen (UCESM) durchgeführt wird, soll die gemeinsame Reflexion auf internationaler Ebene fördern in einer Zeit, wo gemeinsame Fragen und Probleme, aber auch Interessen mehr und mehr ins Blickfeld rücken.

Beratung und Begleitung

Das «Institut für Supervision, Organisationsentwicklung, Coaching und Lebensberatung» in Oberwil (ZG), das durch Br. Athanasius Burre (Mitglied der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf, in der Schweiz «Krankenbrüder» genannt) vorgestellt wurde, entstand aus der ursprünglichen Idee «Orden helfen Orden». Die Aufgaben des Instituts heute werden wie folgt umschrieben: «Träger, Verbände, Ordensgemeinschaften, Pfarreiteams, Verwaltungen und Einrichtungen in Fragen der Organisations- und Personalentwicklung zu beraten und zu begleiten.» Beratung können auch Einzelpersonen in Krisen- und Entscheidungssituationen anfordern. In einer immer komplexeren Gesellschaft ist es hilfreich, um solche Angebote zu wissen. Andererseits werden die spezifischen Angebote für Begleitung auf verschiedenen Ebenen immer zahlreicher. Dies war denn auch der Anlass für die Auflösung der Arbeitsgruppe «Spirituelle Begleitung», die aus der Kontaktgruppe Bistümer/Orden hervorgegangen war und während mehrerer Jahre wertvolle Dienste geleistet hatte.
Unter den Mitgliedern der GV tauchen immer wieder neue Gesichter auf, die an die Stelle bekannter und altbekannter treten. Dieses Jahr wurden zwei langjährige, engagierte Schwestern mit herzlichem Dank von der VONOS verabschiedet, weil sie als General- bzw. Provinzoberin in ihrer Gemeinschaft im Laufe des Jahres abgelöst werden: Sr. M. Martine Rosenberg, Generaloberin der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, Baldegg, und Sr. Christiane Jungo, Provinzoberin der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz, Ingenbohl. Während Jahren hatten beide Schwestern das Bild der VONOS entscheidend mitgeprägt: durch persönlichen Einsatz, reiche Erfahrung und manch anregende Impulse.

Austausch als Bereicherung

Der Administrations- und Informationsteil der Generalversammlung erfuhr noch eine zusätzliche Bereicherung durch die sogenante «Teilete», mit der man im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht hatte. Die Vertreterinnen der einzelnen Gemeinschaften berichteten über ein herausragendes Ereignis, das ihr Institut im vergangenen Jahr geprägt hatte. Man könnte die zwei Stunden des Austausches als eine Sammlung von «Such-Bewegungen» in einer für das Ordensleben schwierigen Zeit verstehen. Berichtet wurde von Initiativen, die vom Bemühen zeugen, Leben zu erhalten, Leben zu fördern, neues Leben zu entfachen. Es sind dies eine Art kleinerer und grösserer «Herdfeuer» innerhalb der Ordensfamilie; es sind dies aber auch bisweilen bescheidene «Höhenfeuer». Sie zeugen von einem neu entfachten Sendungsbewusstsein im Dienste orientierungsloser Menschen im Dickicht unserer Gesellschaft. Hier einige Kostproben dieses fruchtbaren Austausches: Da gibt es das Bemühen, das Spannungsfeld zwischen Spiritualität und moderner Technik zu bearbeiten mit dem Angebot eines internen Computer-Kurses auf verschiedenen Stufen. Andere Gemeinschaften erleben durch einen einschneidenden Neubau oder den Verkauf eines traditionsreichen Hauses oder den Verlust junger, hoffnungsvoller Mitglieder die verschiedenen Phasen des Abschiednehmens und Loslassens; es gibt kein Zurück, sondern nur ein Vorwärts, ein Sich-Verändern auf eine neue Zukunft hin. In der Zusammenarbeit mit Laien oder im Projekt einer erweiterten Mitgliedschaft werden neue Ansätze für ein sinnerfülltes Leben gewagt. Arbeiten am Leitbild der Gemeinschaft, an einer veränderten Führungsstruktur, an besseren Kommunikationsformen und vermehrten Möglichkeiten der Begleitung innerhalb und für die Gemeinschaften. Ein wichtiges Anliegen bleibt die ständige Weiterbildung der Mitglieder nicht nur beruflicher, sondern auch personbezogener Art für jedes Lebensalter.
Und dann gibt es die spezifischen Herausforderungen unserer Zeit: das Zusammenleben mit Menschen und Mitschwestern verschiedener Kulturen, dem sich einige Kommunitäten mutig stellen. Hier wird ein eigenes Haus freigestellt für Flüchtlingsfamilien, mit denen soweit möglich Kontakt gepflegt wird. Dort werden neue Methoden der Visitation angewendet, um auf dem «Terrain» die Bedürfnisse der Menschen besser kennen zu lernen und unter veränderten Bedingungen den Sendungsauftrag neu zu formulieren. Es gilt, die Blickrichtung auf eine Veränderung der Gesellschaft zu richten. Diesem Anliegen dient auch der Einsatz für Menschen am Rand, ein Projekt, an dem Schwestern aus verschiedenen Ordensgemeinschaften beteiligt sind. Wieder andere Schwestern teilen das Schicksal mit Menschen, die von Krieg und Naturkatastrophen heimgesucht werden: die Missionsfranziskanerinnen in Honduras, deren Haus vom Hurrikan Mitch mitgerissen wurde, oder jene, die vom Erdbeben in Kolumbien betroffen wurden. Besonders eindrücklich erlebte die Versammlung die Schilderung der Schicksale der Ingenbohler Schwestern in Jugoslawien: Konfiskation von Häusern, Vertreibungen, Ungewissheit, Ängste aller Art, Abgeschnittensein, gefährliche Fluchtwege; ein schweres, aber tapferes Teilhaben und Mittragen am Schicksal der Menschen in dieser Kriegssituation.
Auch wenn sich das Leben der meisten Anwesenden nicht in dieser äussersten Dramatik menschlicher Schicksale abspielt, so können doch auch kleinste, alltägliche Schritte zu mehr Frieden, Toleranz und Leben beitragen. Von lebendiger Dynamik zeugten jedenfalls auch die von verschiedenen Gemeinschaften gestalteten Gebetszeiten bis hin zum Schlussgottesdienst mit meditativen Tänzen.

Studientag «Versöhnte Verschiedenheit in Gemeinschaft»

Wie jedes Jahr fanden anschliessend an die Generalversammlung Studientage statt. Vom 20. bis 22. April hiess das Thema «Versöhnte Verschiedenheit in Gemeinschaft». Als Leiter der Bildungstage konnten Pater Klemens Schaupp SJ und Schwester Hildegard Tillmanns OSF, beide vom Institut der Orden in Mannheim, Deutschland, verpflichtet werden. P. Schaupp ist neuer Leiter des Instituts der Orden, früher bekannt unter dem Namen IMS (Institut für Missionarische Spiritualität und Seelsorge). Mit der neuen Leitung ist auch der Sitz von Frankfurt nach Mannheim verlegt worden. Das Ziel ist weiterhin die Fort- und Weiterbildung der Orden im deutschen Sprachraum. Zahlreich sind vor allem die Angebote für Leitungsverantwortliche.
Ausführungen zum Thema Charisma und Charismen bildeten Grundlage und Ausgangspunkt für die Reflexion über die Verschiedenheit und deren Umgang in den Gemeinschaften. Die Überlegungen befassten sich anschliessend mit der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit ­ beim einzelnen Menschen und in der Gemeinschaft; ferner mit den unterschiedlichen Bedürfnissen und mit Möglichkeiten, positiv damit umzugehen. Die versöhnte Verschiedenheit im eigenen Innern ist Voraussetzung für Versöhnung mit Verschiedenheiten in der Gemeinschaft. Verschiedenheiten müssen nicht notwendigerweise eine Belastung sein. Sie bergen in sich die Chance zur Veränderung und zum Wachstum.
Im Hinblick auf die heutige Situation des Ordenslebens und der Kirche waren vor allem die Ausführungen über die Entwicklung der Gesellschaft mit Schwerpunkt 19. und 20. Jahrhundert sehr hilfreich. Die Veränderungen im Zusammenhang mit dem Modernisierungs-Prozess wurden mit folgenden Begriffen umschrieben: Pluralisierung der Wertvorstellungen, Differenzierung ­ Bürokratisierung ­ Professionalisierung ­ Individualisierung. Aufgrund der langen Verweigerung der Auseinandersetzung mit der Modernisierung (Beginn im 17. Jahrhundert) sehen sich die Kirchen vor die Frage gestellt, wie sie sich heute den Herausforderungen der veränderten und sich ständig verändernden Gesellschaft stellen. Diese Auseinandersetzung bleibt auch den Ordensgemeinschaften nicht erspart. Heisst die Lösung des Problems: «Retraditionalisierung» oder «Anpassung an den heutigen Gesellschaftstypus» oder «Ausbildung von Basisgemeinden bzw. kleinen Kommunitäten» oder «Pluriformer Katholizismus»? Die heutigen Grundsatzdebatten jedenfalls ­ so unser Referent ­ lassen sich auf die genannten Lösungsversuche zurückführen ­ in der Kirche und in den Gemeinschaften.
Bei der Auswertung der Tagung wurde darauf hingewiesen, dass gerade die Reflexion über die gesellschaftlich-kulturelle Entwicklung sehr hilfreich ist. Erlebtes kann besser eingeordnet werden. Was Kontur und Gesicht bekommt, macht weniger Angst und hilft so, besser mit der heutigen Situation umzugehen. Gemeinsames Zusammenstehen in einer Zeit, wo man vielfach nicht sieht, wie es weitergehen soll, gibt Kraft und Mut zum Durchhalten. Die verschiedenen Zugänge, mit denen die Thematik der Studientage angegangen wurden, eröffneten Möglichkeiten für die Praxis und eine positivere Sicht für das, was man bisweilen als Belastung der Vielfalt erleben kann.
Schliesslich darf auf die sehr gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Mann und Frau in der Leitung dieser Bildungstage hingewiesen werden, eine Erfahrung, die hoffentlich auch in der Kirche mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit wird.

 

Sr. Maria Crucis Doka ist Informationsbeauftragte der Vereinigung der Ordensoberinnen der deutschsprachigen Schweiz und Liechtensteins (VONOS).


Interkulturelles Ordensleben

von Walter Ludin

 

Wo sich zu Beginn des Jahrhunderts kaiserliche Hoheiten amüsierten und nach dem Zweiten Weltkrieg der Europarat gegründet wurde, trafen sich am Tag des Sommeranfangs rund 30 Äbte und Provinziale. Die Vereinigung der Höhern Ordensobern der Schweiz (VOS) führte im Haus Stella Matutina ihre diesjährige Mitgliederversammlung durch.
Etwas vom Anregendsten des vom 21. bis 23. Juni dauernden Treffens war die in dem lockeren Rahmen der Cafeteria stattfindende Vorstellung von drei Gemeinschaften, die kurz zuvor nach einem Punktesystem ausgewählt worden waren. Zuerst erzählte Abt Pankraz Winiker von der bewegten Geschichte des Klosters Disentis. Um das Jahr 700 gegründet, wurde es mehrmals überfallen, so von den Sarazenen (um das Jahr 1000) und von Napoleons Truppen. Bis vor kurzem war die Zukunft des Klosters keineswegs gesichert, da es während 20 Jahren keinen Nachwuchs hatte. Es sei «merkwürdig» und «ein Trost für die andern Orden», so Abt Pankraz, dass seit 1991 einige junge Männer eingetreten sind.
Der Dominikaner Franz Müller erinnerte dann an die grosse Rolle, welche die Frauen in der dominikanischen Gemeinschaft von Anfang an gespielt haben. Dominikus habe zuerst eine weibliche Gemeinschaft gegründet, mit bekehrten Katharerinnen und ehemaligen Prostituierten. Später erhielt die Dominikanerin Katharina von Siena von einem Ordenskapitel offiziell den Auftrag, öffentlich zu predigen.
Als Josef Buholzer seine Gemeinschaft vorstellte, musste er zuerst eine Namensklärung vornehmen. Die Kongregation war lange unter dem Namen «Weisse Väter» bekannt, was zu Konfusionen führte, als auch Afrikaner beitraten, die zum Teil Brüder waren (Bruder schwarzer Weisser Vater!). So ging man auf den ursprünglichen Namen «Afrika-Missionare» zurück. Alle örtlichen Gemeinschaften sind international und vermehrt auch interkulturell zusammengestellt und geben damit ein Zeugnis des Zusammenlebens über sprachliche und kulturelle Schranken hinweg. Ein besonderes Zeugnis legt die Kongregation in Algerien ab, da sie auch nach dem Exodus fast aller Weissen ausharrt.
Aus den Verhandlungen des geschäftlichen Teils der VOS-GV unter dem Präsidium des Kapuziner-Provinzials Mauro Jöhri sei hier die Diskussion über Möglichkeiten stärkerer Zusammenarbeit hervorgehoben. Die VOS soll prüfen, wie weit neue Mitglieder verschiedener Gemeinschaften miteinander in «Inter-Noviziaten» ins Ordensleben eingeführt werden können. Vermehrte Kooperation ist auch am Ende des Lebens angesagt, da nicht alle Orden und Kongregationen genügend Platz und Personal haben, um ihre Pflegebedürftigen zu betreuen. Dass die Frauenorden bezüglich Kooperation Fortschritte gemacht haben, stellte Schwester Christiane Jungo, Präsidentin der Oberinnenvereinigung VONOS, als Gast fest: «Die Solidarität innerhalb unserer Gemeinschaften ist stark gewachsen. Das Kleiner- und Älterwerden führt zu einem Schulterschluss, den es in dieser Art noch nie gegeben hat. Spürbar grösser geworden ist auch das gegenseitige Vertrauen.»
Abt Pankraz Winiker, der nächstes Jahr von der Leitung des Benediktiner-Klosters Disentis zurücktreten wird, demissionierte als Vorstandsmitglied der VOS. Demissionieren musste auch der sehr schwer erkrankte Jesuiten-Provinzial Alois Baiker. Als neue Vorstandsmitglieder wählte die GV den Abt von Mariastein, Lukas Schenker, und den Pallottiner-Provinzial Erich Schädler, Gossau. Die Versammlung verabschiedete Franz Müller als Präsidenten der Pastoralkommission, die anfänglich im Auftrag der VOS arbeitete und jetzt für die KOVOSS (Konferenz der Vereinigungen der Orden und Säkularinstitute der Schweiz) tätig ist. Diese wurde anlässlich der ersten Tagsatzung der Orden im Jubiläumsjahr 1991 gegründet. Auch ihre neue Präsidentin, Sr. Francisca Kaelin, Freiburg, war als Gast in Hertenstein.<1>

 

Walter Ludin ist Redaktor der Missionszeitschrift ite der Schweizer Kapuziner und regelmässiger Mitarbeiter unserer Zeitschrift.


Anmerkung

1 Der Studientag stand unter dem Motto «Einen neuen Aufbruch wagen». Walter Wiesli SMB und sein welscher Ko-Referent Jean-Daniel Balet OP führten in das Neue KG ein. Der Tag wurde zu einem bereichernden interkulturellen Erlebnis.


Laientheologinnen und -theologen im Bistum St.Gallen

von Martina Gassert

 

Die Vereinigung der Laientheologinnen und -theologen des Bistums St. Gallen traf sich am 24. März 1999 in St. Gallen zur jährlichen Hauptversammlung.
Zunächst gab der Vorstand seinen Jahresbericht. Er hatte sich am 5. Juni 1998 in Zürich mit den Laientheolog(inn)envorständen der deutschsprachigen Schweiz getroffen und sich mit ihnen über die Themen «Personalmangel» und «Instruktio» ausgetauscht. Das Thema «Instruktio» stand dann auch beim Gespräch mit Bischof Ivo Fürer am 24. Juni 1998 zur Debatte. Des Weiteren wurde über die Schwierigkeiten der Pfarreileitung durch Pfarreibeauftragte gesprochen sowie darüber, dass in der heutigen Sakramentenpastoral Hinführung und Spendung der Sakramente auseinanderklaffen. Die Tagung zum Thema «Die vielen Ämter und das eine Amt ­ welche Ämter braucht die Kirche der Zukunft?» am 1./2. Mai 1998 mit Prof. Ottmar Fuchs und Prof. Walter Kirchschläger wurde als sehr gut, aufbauend und vielfältig erlebt. Die Herbsttagung am 26. November 1998 stand sodann unter dem Thema «Seelsorge an den Seelsorger/Seelsorgerinnen». Dabei wurde deutlich, dass es notwendig ist, zum Grund der Konflikte vorzudringen. Es wurde festgehalten, dass sich die Kirche in einem fundamentalen Umbruch befindet, weil die tradierten Werte gesellschaftlich nicht mehr so gefragt sind wie noch vor einigen Jahrzehnten. Dies erschwere die pastorale Arbeit beträchtlich. Ein erster Schritt zur Bewältigung des Problems sei die Trauerarbeit, mit der an dieser Tagung in Kleingruppengesprächen bereits begonnen wurde. Bei einem Gespräch mit Fortbildungsleiter Paul Hutter und Diözesankatechet Philipp Hautle kam die neue Dreiteilung des St. Galler Personalamtes zur Sprache: Generalvikar Anton Thaler ist künftig für die Priester und Diakone zuständig, Paul Hutter für die Pastoralassistentinnen/-assistenten und Philipp Hautle für die Katechetinnen/Katecheten und Spezialseelsorgerinnen/-seelsorger.
Da Kristina Grafström (Bichwil) und Ingrid Krucker (Lenggenwil) aus familiären Gründen aus dem Vorstand ausscheiden, wurden Beate Kuttig (Rüthi) und Bruno Fluder (Herisau) neu gewählt. Rolf Haag (Walenstadt), Elmar Tomasi (Steinach), Bruno Schmid (Wangs) und Fredy Bihler (St. Gallen-Heiligkreuz) wurden in ihrem Amt bestätigt.
Auf die Wahlen folgten Kurzberichte der Laientheologinnen/-theologen-Vertretenden aus den verschiedenen diözesanen Gremien. Das Katholische Kollegium und der Administrationsrat hatten sich im zurückliegenden Jahr damit beschäftigt, wie sie am besten Kosten einsparen könnten, weil die Einnahmen des Bistums stark zurückgegangen waren. So wurde vorgeschlagen, die bibelpastorale Arbeitsstelle von 100 auf 60% zu kürzen und den Personalbestand des Ordinariats durch aussenstehenden Fachleute abklären zu lassen. Im Übrigen wurde dafür plädiert, sich in Zukunft nicht mehr nur im administrativen, sondern vermehrt im inhaltlich-pastoralen Bereich zu engagieren. Dagegen wandte sich jedoch Bischof Ivo Fürer. Seines Erachtens ist die Pastoral Aufgabe des Bischofs und seiner Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen. Im Ordinariat beschäftigte man sich zudem mit den neuen Seelsorgemodellen, vor allem mit dem Seelsorgeverband. Aus dem Seelsorgerat wurde berichtet, man habe im vergangenen Jahr das Thema «Freiwilligenarbeit» diskutiert. Die Motivation zum freiwilligen Engagement solle durch soziale Integration, Dank, klare Abmachungen, Spesenregelung und Weiterbildungsangebote gefördert werden. Weitere Themen seien der Dialog mit dem Islam, das Bistumsprojekt «He, was glaubst du?» (vgl. SKZ 16/1999, S. 236) und die ökumenische Konsultation gewesen. Mit Bischof Ivo Fürer sprach der Seelsorgerat über die «viri probati», das Diakonat der Frau, wiederverheiratete Geschiedene und den demokratischen Prozess innerhalb des Bistums und der Kirche.
Der Laienrat tagte im vergangenen Jahr zu Themen wie «Gemeindeleitung und Sakramentalität» sowie «Sakrament und Sakramentalität der Kirche». Ein Problem wurde darin gesehen, dass Sakramentenvorbereitung und -spendung auseinanderdividiert werden, wenn die sakramentale Vollmacht und die Leitungskompetenz mit der Weihe verbunden sind und es immer weniger geweihte Seelsorger gibt.
Die diözesane Pastoralplanungskommission nahm im vergangenen Jahr zum Thema «Seelsorgeverbände» Stellung und legte diese Stellungnahme der Pastoralplanungskommission Schweiz und den diözesanen Räten vor. Darin geht es um die Grösse der Seelsorgeverbände, die wenigstens 6000 Katholiken umfassen sollen, die Zusammenarbeit und Begleitung innerhalb der Verbände sowie das Verhältnis von Priestern und Laien.
Der Vertreter der Aidshilfe St. Gallen machte in der allgemeinen Umfrage auf sexuelle Übergriffe ­ auch in kirchlichen Kreisen ­ aufmerksam und regte an, dieses Problem zu thematisieren. Die Anregung wurde vom Vorstand inzwischen aufgenommen. Die Hauptversammlung schloss mit Stellungnahmen und Gesprächen zum Thema «ausländische Theologen/Theologinnen als pastorale Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen im Bistum St. Gallen».

 

Martina Gassert ist Pastoralassistentin in St. Otmar, St. Gallen.


Laientheologinnen und -theologen im Bistum Basel

von Elisabeth Aeberli

 

Im Bischöfinnenrat sollen nun auch Männer vertreten sein ­ sogar im Priesterinnenrat ist ein Mann...» Keine Angst, es ist noch alles beim Alten! Diese Äusserungen kamen in einem Rollenspiel, mit dem Frauen an der Tagung der Laientheologinnen und -theologen vom 6./7. Juni 1999 in das Thema «Brauchen wir im Bistum Basel eine Frauenbeauftragte?» einführten. Sie kehrten die Verhältnisse um, sprachen von maskulinistischer Theologie. Ein maskuliner Theologe soll sogar im Lukas-Evangelium eine Aussage entdeckt haben, in dem einem Mann eine wichtige Rolle zugedacht wird. Sie fragen sich deshalb, weshalb Männer nicht Priesterinnen werden dürfen. Argument «von oben»: es fehlt an emotionaler Intelligenz. So bleibt den Männern nichts anderes übrig, für ihren Männergottesdienst anstelle einer Eucharistiefeier ein Fürbittegebet zum heiligen Josef vorzubereiten.

Brauchen wir im Bistum Basel eine Frauenbeauftragte?

Dieses Rollenspiel macht deutlich, was Frauen, Theologinnen oder Laiinnen, schon seit Jahren diskutieren: Sind Frauen in Gremien vertreten? Wie können sie sich einbringen? Wie können sie mit Gruppierungen oder Frauenverbänden Gottesdienst feiern? Wie werden Frauen in der Bibel dargestellt? Und immer wieder kommt die Auseinandersetzung mit der Frage, warum Frauen nicht geweiht werden können ­ und dreht weiter im Kreis herum. Mit dem endgültigen Nein von Papst Johannes Paul II. in seinem apostolischen Schreiben «Ordinatio Sacerdotalis», das im Mai 1994 herausgegeben wurde, war die Frage absolut nicht vom Tisch! Vielmehr kam wieder Bewegung in die Diskussion, auch in den verschiedenen Gremien des Bistums. So wurde auch eine Arbeitsgruppe gebildet, die die Frage studieren soll, ob im Bistum Basel die Stelle einer Frauenbeauftragten geschaffen werden soll. Die Arbeit schien zu stagnieren. Am Treffen der Laientheologinnen und -theologen von 1998 wurde diese Frage wieder aufgegriffen und angeregt, dass sich das Treffen 1999 vertieft dieser Frage widmen und anregen soll, wie es weitergehen könnte.

Eine Gleichstellungsbeauftragte informiert

Was tut eine Gleichstellungsbeauftragte? Um Aufschluss darüber zu erhalten, wurde die Beauftragte für Gleichstellung der Universität Freiburg, Helene Füger, zu einem Referat eingeladen. Seit 1996 besteht an dieser Universität eine halbe Stelle. Der Auftrag ist, die rechtlich festgeschriebene Gleichstellung in die Praxis umzusetzen. An der Universität sind die Schranken wohl nicht so offensichtlich wie in der katholischen Kirche. Es ist aber doch eine Institution, die von Männern für Männer geschaffen wurde. Es war zwar für Frauen schon seit 1905 möglich, sich für das Studium einzuschreiben (ausser an der Theologischen Fakultät). In der Schweiz ist seit 1981 die formale Gleichstellung garantiert. Da es mit der Umsetzung happert, wurde die Stelle geschaffen, was aber auch ein jahrelanges, zähes Ringen brauchte. Helene Füger nennt als ihre wichtigsten Aufgaben: Frauenförderung; Interessenvertretung; Unterstützung von Frauen, die sich für diese Anliegen einsetzen; Wahrung der Kontinuität, dass Frauengruppen, die sich für Gleichstellung einsetzen, nicht immer wieder von vorne beginnen.
Für die Studierenden heisst das zum Beispiel, dass sie Beratung für ihre Karriere-Planung haben, und für die Universität, dass Frauen für Bewerbungen auf Lehrstühle auch eine reale Chance haben.

Was wollen wir?

Die Tagung war nicht nur von Frauen besucht. Deshalb wurde unter Männern und Frauen getrennt diskutiert, welche Erwartungen an eine allfällige Frauenbeauftragte gestellt werden. Die Resultate dieser Diskussion wurden im Plenum wieder vorgestellt. Bei der Frage, woran wir die Ungleichstellung erkennen, kam klar die Ordination zur Sprache. Die Männer, die als Laien aber ebenso nicht ordiniert sind, können sich davon auch nicht einfach distanzieren. Hin und wieder heisse es bei Stellenbesetzungen: «Wir wollen einen Priester oder eine Frau»! Trotzdem wollen die Männer die Anliegen unterstützen und sich engagieren. Wenn es um Gleichstellung geht, so darf die Lösung von Problemen nicht nur einseitig den Frauen übergeben werden, die Männer sollten in einer entsprechenden Kommission vertreten sein.
In der Frauengruppe war ein Ja ­ Aber hörbar. Die Ambivalenz, die Erfahrungen von Frustration und Resignation kamen deutlich zur Sprache. Die Frauen erwarten von der Stelle, dass die entsprechende Inhaberin ein waches Auge auf den Ausschreibungen hat und darauf, ob diese nicht allzu häufig auf Männer-Biographien ausgeschrieben sind. Die Stelle soll eine Anlaufstelle sein für Frauen, sie soll den beruflichen Austausch fördern. Eine Diskussion entspann sich um die Frage, ob die Stelle in Distanz oder in Verbindung mit dem Ordinariat geschaffen werden soll. Eine Arbeitsgruppe hat den Auftrag erhalten, ein Konzept für die Weiterarbeit zu erstellen.<1>

 

 

Die Vereinigung der Laientheologinnen und -theologen

Zum Abschluss der Tagung stellt der Ausschuss der Laientheologinnen und -theologen die Aktivitäten des vergangenen Jahres vor. Der Ausschuss wird gebildet von: Lucia Hauser, Luzern; Jürgen Heinze, Basel (Sprecher); Thomas M. Meier, Schwarzenburg; Leo Karrer, Marly; Alois Reinhard, Solothurn, und Georg Umbricht, Gettnau. Verabschiedet wurde nach siebenjähriger Mitarbeit Claudia Armellino, Biberist. Die Tagung für das nächste Jahr ist auf den 21./22. Mai 2000 angesetzt, sie findet wiederum im Romero-Haus in Luzern statt.


Anmerkung

 

1 Für die Konzeptgruppe «Frauenbeauftragte des Bistums Basel» werden noch weitere Mitglieder gesucht. Interessierte Frauen und Männer erhalten weitere Informationen bei Jürgen Heinze, Haltingerstrasse 97, 4057 Basel, Telefon 061-6924844.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999