20-21/1999

INHALT

Kirchengesangbuch

Der Ärger mit den fehlenden Bändeln

von Walter Wiesli

 

Eine umfassende Einführung in das Katholische Kirchengesangbuch ist auf schriftlichem Weg nicht zu leisten. Was wir in der SKZ aber tun können und in den kommenden Ausgaben mit einer gewissen Regelmässigkeit auch tun werden: Wir veröffentlichen Antworten auf öfters gestellte echte Fragen sowie Impulse zur Arbeit mit dem KG und zur Vertiefung der Spiritualität in Form von «KG-Miszellen».
Warum keine Bändel im KG? Diese häufig gestellte Frage wurde in der Produktionsphase in verschiedenen Gremien mehrfach abgehandelt. Ein Problem sind Bändel in einem Dünndruckbuch insofern, als diese bei unvorsichtigem oder hastigem Hochziehen das Papier leicht verletzen. Da diese Schwierigkeit schon lange bekannt ist, haben manche Pfarrer oder Sakristane im damals neuen KGB die Bändel kurzerhand weggeschnitten. Der Entscheid, auf Bändel zu verzichten, wurde nicht vorschnell gefasst. Es gingen ihm zahlreiche Diskussionen und Befragungen voraus. Für eine Mehrzahl der Mitentscheidenden überwogen die Nachteile.
In drei KG-Produkten sah man das Einbinden von Bändeln als gerechtfertigt und sinnvoll: in den beiden Orgelbüchern, in der mit etwas dickerem Papier ausgestatteten Grossdruckausgabe und im Goldschnitt-KG, mit dem man vermutlich etwas sorgsamer umgeht. Bändel haben zweifellos den Vorteil, dass sich Lieder zum Aufschlagen vorbereiten lassen.
Diesen Dienst können aber auch Buchzeichen versehen, die mit dem Buch weit schonender umgehen. Viele Pfarreien sehen darin sogar eine Chance, in Bild oder Text eine Botschaft zu vermitteln: seien dies Zeichnungen von Kindern, die sich dabei mit dem Thema «Gottesdienst» beschäftigen, oder Sinn- und Denksprüche, die im Pfarreileben oder in einer Kirchenjahrzeit einen spezifischen Impuls geben. Eine angemessene Papierdicke (etwa 120 g) oder das Laminieren führen zur gewünschten Festigkeit der Zeichen. Dem Vernehmen nach sollen Kinder ihre Altersgenossen oder Eltern in die Kirche geführt haben, um ihre Buchzeichen zu würdigen!

 

Der Musikwissenschaftler Walter Wiesli ist Geschäftsleiter des Vereins für die Herausgabe des Katholischen Kirchengesangbuches der Schweiz.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999