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Berichte |
von Stephan Leimgruber
An der Schwelle zum dritten Jahrtausend hat das Seminar für
Liturgiewissenschaft der Universität Freiburg (Schweiz) unter
der Leitung von Professor Dr. Martin Klöckener und
Titularprofessor Bruno Bürki ein Forschungsprogramm über
die gottesdienstliche Erneuerung in der mehrkonfessionellen Schweiz
während des 20. Jahrhunderts initiiert. Gefragt wird, was der
Aufruf Pius X. zu einer aktiven Teilnahme an der Liturgie für
die Erneuerung des gottesdienstlichen Lebens in Wechselwirkung mit
der Diakonie ausgelöst hat. Geforscht wird in
interkonfessioneller Perspektive nach Spuren einer schweizerischen
liturgischen Bewegung im Kontext der europäischen Liturgischen
Bewegung.
Ferner sollen auch die Rollen des Gesangs und die Bedeutung
liturgischer Bücher in der reformierten, römisch- und
christkatholischen Schweiz untersucht werden. Welche Personen standen
in der lateinischen Schweiz im Vordergrund, welche in der deutschen
Schweiz? Das Forschungsprogramm versucht, die theologischen,
sozialgeschichtlichen und mentalitätsmässigen
Einflüsse auf das liturgische Leben zu ergründen, um diesem
neue Impulse für die Zukunft zu geben. Einen vorrangigen Platz
nehmen dabei anthropologische Überlegungen zur Liturgischen
Bildung ein. Bereits ist eine Reihe von Einzel- und Gruppenarbeiten
unterwegs.
Im Zusammenhang mit dem skizzierten Forschungsprogramm hat dasselbe
Institut vom 1. bis 3. März ein liturgiewissenschaftliches
Kolloquium veranstaltet. Über fünfzig Frauen und
Männer aus der multikulturellen Schweiz und aus dem nahen
Ausland folgten der Einladung und trafen sich zu einem intensiven
Erfahrungsaustausch. Das konsequent zweisprachig durchgeführte
Symposion begann mit sozialwissenschaftlichen (Urs Altermatt) und
theologischen Voraussetzungen (Gottfried Hammann) der
gottesdienstlichen Erneuerung in der Schweiz und einer Übersicht
über die europaweite Liturgische Bewegung (Martin
Klöckener). Die Mitarbeit der Schweiz in der Internationalen
Arbeitsgemeinschaft der Liturgischen Kommission im deutschen
Sprachgebiet präsentierte Anton Pomella, während der
Vertreter des Centre Romand de Liturgie (Jean-Claude Crivelli) seinen
Bericht infolge Erkrankung schriftlich übermittelte.
Eine zweite Sequenz war den gottesdienstlichen Reformen im Spiegel
erneuerter liturgischer Bücher gewidmet. Aus christkatholischer
Sicht referierte Herwig Aldenhoven, aus reformierter Sicht Bruno
Bürki und aus römisch-katholischer Sicht Martin
Klöckener. Die Zahl und Vielfalt der Agenden und Rituale
erstaunte!
Die dritte Sequenz befasste sich in drei Studiengruppen mit
Einzelfragen wie Frauengottesdiensten (Ch. Barben), liturgischen
Wegbereitern (Paul Schwaller), mit der Züricher
Gottesdienstreform (A. Ehrensperger), mit der Basler liturgischen
Kommission (M. Drögsler), mit den Gesangbüchern (H. J.
Stefan) und mit Gottesdiensten in der Ökumene (K. Schlemmer).
Schliesslich wurde die Bedeutung der Liturgie an der Synode 72 (A.
Cadotsch) und an der reformierten Synode (M. Périllard)
dargelegt und diskutiert. Weiterführende Perspektiven und
Ausblicke beschlossen die intensive, gut organisierte und
gewinnbringende Tagung.
Den feierlichen Höhepunkt bildete eine ökumenische
Wort-Gottes-Feier «Die sieben durchsichtigen Tage.
Schöpfungsbericht und Credo», gestaltet von Schwester Silja
Walter, Simone Staehelin, Donata Schoeller, Ursula Zeugin und Hans
Jürgen Stefan.