19/1999

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Berichte

Liturgische Forschung in der Schweiz

von Stephan Leimgruber

An der Schwelle zum dritten Jahrtausend hat das Seminar für Liturgiewissenschaft der Universität Freiburg (Schweiz) unter der Leitung von Professor Dr. Martin Klöckener und Titularprofessor Bruno Bürki ein Forschungsprogramm über die gottesdienstliche Erneuerung in der mehrkonfessionellen Schweiz während des 20. Jahrhunderts initiiert. Gefragt wird, was der Aufruf Pius X. zu einer aktiven Teilnahme an der Liturgie für die Erneuerung des gottesdienstlichen Lebens in Wechselwirkung mit der Diakonie ausgelöst hat. Geforscht wird in interkonfessioneller Perspektive nach Spuren einer schweizerischen liturgischen Bewegung im Kontext der europäischen Liturgischen Bewegung.
Ferner sollen auch die Rollen des Gesangs und die Bedeutung liturgischer Bücher in der reformierten, römisch- und christkatholischen Schweiz untersucht werden. Welche Personen standen in der lateinischen Schweiz im Vordergrund, welche in der deutschen Schweiz? Das Forschungsprogramm versucht, die theologischen, sozialgeschichtlichen und mentalitätsmässigen Einflüsse auf das liturgische Leben zu ergründen, um diesem neue Impulse für die Zukunft zu geben. Einen vorrangigen Platz nehmen dabei anthropologische Überlegungen zur Liturgischen Bildung ein. Bereits ist eine Reihe von Einzel- und Gruppenarbeiten unterwegs.
Im Zusammenhang mit dem skizzierten Forschungsprogramm hat dasselbe Institut vom 1. bis 3. März ein liturgiewissenschaftliches Kolloquium veranstaltet. Über fünfzig Frauen und Männer aus der multikulturellen Schweiz und aus dem nahen Ausland folgten der Einladung und trafen sich zu einem intensiven Erfahrungsaustausch. Das konsequent zweisprachig durchgeführte Symposion begann mit sozialwissenschaftlichen (Urs Altermatt) und theologischen Voraussetzungen (Gottfried Hammann) der gottesdienstlichen Erneuerung in der Schweiz und einer Übersicht über die europaweite Liturgische Bewegung (Martin Klöckener). Die Mitarbeit der Schweiz in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Liturgischen Kommission im deutschen Sprachgebiet präsentierte Anton Pomella, während der Vertreter des Centre Romand de Liturgie (Jean-Claude Crivelli) seinen Bericht infolge Erkrankung schriftlich übermittelte.
Eine zweite Sequenz war den gottesdienstlichen Reformen im Spiegel erneuerter liturgischer Bücher gewidmet. Aus christkatholischer Sicht referierte Herwig Aldenhoven, aus reformierter Sicht Bruno Bürki und aus römisch-katholischer Sicht Martin Klöckener. Die Zahl und Vielfalt der Agenden und Rituale erstaunte!
Die dritte Sequenz befasste sich in drei Studiengruppen mit Einzelfragen wie Frauengottesdiensten (Ch. Barben), liturgischen Wegbereitern (Paul Schwaller), mit der Züricher Gottesdienstreform (A. Ehrensperger), mit der Basler liturgischen Kommission (M. Drögsler), mit den Gesangbüchern (H. J. Stefan) und mit Gottesdiensten in der Ökumene (K. Schlemmer). Schliesslich wurde die Bedeutung der Liturgie an der Synode 72 (A. Cadotsch) und an der reformierten Synode (M. Périllard) dargelegt und diskutiert. Weiterführende Perspektiven und Ausblicke beschlossen die intensive, gut organisierte und gewinnbringende Tagung.
Den feierlichen Höhepunkt bildete eine ökumenische Wort-Gottes-Feier «Die sieben durchsichtigen Tage. Schöpfungsbericht und Credo», gestaltet von Schwester Silja Walter, Simone Staehelin, Donata Schoeller, Ursula Zeugin und Hans Jürgen Stefan.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999