10/1999

INHALT

Berichte

Das "Katholische Gesangbuch" an der Universität

von Jürg Stuker und Urs Länzlinger

 

Das neue Katholische Gesangbuch (KG) hat nicht nur in den meisten Pfarreien der deutschsprachigen Schweiz Einzug gehalten. Die Einführung des KG war für den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg Anlass, während des Wintersemesters ein Seminar zum KG durchzuführen. Ziel des Seminars war es, das KG genauer kennen zu lernen und nach seinen Inhalten zu erschliessen.
In einem ersten Arbeitsschritt wurde die Entstehungsgeschichte des KG erarbeitet. Das Grundkonzept und die theologisch-pastorale Zielsetzung des KG wurden einer Analyse und theologischen Bewertung unterzogen, einschliesslich der Parallelen mit dem neuen Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirche. Es wurde nicht nur das alte und neue Liedgut analysiert, sondern es galt auch, einen kritischen Blick auf die einzelnen gottesdienstlichen Feiern mit ihren Einführungstexten zu werfen.
Als Beispiel von Feiern im Rhythmus der Zeit wurden der Osterfestkreis und die in den Pfarreien neu zu entdeckende Tagzeitenliturgie und ihre Akzentuierung im KG behandelt. Der Vergleich mit dem bisherigen «Kirchengesangbuch» liess auch nach Kontinuität und Wandel fragen. In einem eigenen Veranstaltungsblock mit P. Dr. Walter Wiesli standen die musikalischen Aspekte und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten der Gesänge im Mittelpunkt.
Reflexion der liturgischen Praxis: Es zeigte sich, dass eine adäquate Einführung und Benutzung in den Pfarreien wesentlich von der Bereitschaft der Seelsorger und Seelsorgerinnen abhängt; nur so kann das KG bei den Gläubigen umfassend rezipiert werden. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage nach der Möglichkeit liturgischer Bildung mit dem KG gestellt. Auffallend war, welch unterschiedliche gottesdienstliche Praxiserfahrung die einzelnen Seminarteilnehmer mitbrachten. In einer Seminarsitzung wurden die Texte zur Messfeier (Nrn. 29­34) mit der Allgemeinen Einführung ins Messbuch verglichen. Für einige Seminarteilnehmer war es zum Beispiel neu zu sehen, dass der Vorsteher von seinem Sitz aus die Feier eröffnen soll. Andere bedauerten, dass sie die Praxis des Halleluja-Gesangs vor dem Evangelium nicht überall verwirklicht wissen. Heftig wurde debattiert, ob das Sanctus, das ein Teil des Hochgebets ist, weiterhin, wie mancherorts üblich, vom Chor allein gesungen werden kann. Dies führte wiederum in eine Grundsatzdiskussion über die Aufführungspraxis der Kirchenchöre und das Verständnis der vollen, bewussten und tätigen Teilnahme aller Gläubigen an den liturgischen Feiern.
Vertiefung der Taufspiritualität: Im Seminar wurde deutlich, dass diese volle, bewusste und tätige Teilnahme, die in der Taufe grundgelegt ist, im KG konsequent umgesetzt ist. Fand man im bisherigen KGB gerade zehn Zeilen zur Taufe, so wird sie im neuen KG über 200-mal genannt.<1> Darin wird die notwendige Bewusstseinsveränderung des Stellenwertes des Christ-Werdens heute und in Zukunft wahr- und aufgenommen. Gelegenheit, die Taufspiritualität zu fördern, bietet das Sonntägliche Taufgedächtnis, welches die Versammelten an die Bedeutung der Taufe für ihr Christsein erinnert (vgl. KG 30). Eine Umfrage unter den Seminarteilnehmern zeigte, dass die Möglichkeit des Taufgedächtnisses kaum ergriffen worden ist.
Die differenzierte Analyse ergab, dass das KG eine Schatzkammer für die Bildungsarbeit darstellt.<2> Verantwortlichen in den Pfarreien, welche bereit sind, sich gemeinsam mit Liturgiegruppen, Kirchenmusikern, Pfarreiräten, mit allen, die einen besonderen Dienst übernehmen, und mit der ganzen Gemeinde darauf einzulassen, bietet es echte Chancen für ein vertieftes Christsein. Im Seminar blieb die Frage offen, ob trotz neuem KG alles beim alten bleibt oder ob sich die Pfarreien durch das KG zu einem vertieften liturgischen Feiern im Geist des Konzils herausfordern lassen.
In den Kirchen liegt das neue KG auf. Die Seminarteilnehmer waren sich einig, dass damit der länger dauernde Prozess der Einführung erst beginnt. Prof. Dr. Martin Klöckener nahm die Einführung des neuen KG zum Anlass, das Seminar auch für interessierte Seelsorger, Kirchenmusiker und weitere Interessierte zu öffnen. Der Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden und den anderen Teilnehmern lässt hoffen, dass die Auseinandersetzung mit dem KG nicht nur an der Universität zu vermehrter Zusammenarbeit aller führen wird.

Jürg Stuker
Urs Länzlinger


Das KG im Kirchenjahr

Dazu gibt es Arbeitshefte mit ausgearbeiteten Programmen als Anregung für die Vorbereitung der Sonntagsgottesdienste, der Gottesdienste an den Wochentagen und den Gedenktagen der Heiligen. Die Programme sind als Hilfs- und Orientierungsmittel konzipiert. Lieferbar ist Heft A2: Lesejahr A, Fastenzeit bis Pfingsten. Das Heft ist zum Preis von Fr. 40.­ zu beziehen bei Mattmann-Edition, Feldheimstrasse 7, 6055 Alpnach, Telefon/Fax 041-6702035.

Redaktion


Anmerkungen

1 Vgl. A. Pomella, Die aufgewertete Taufe. Liturgische Bildung mit dem KG (II), in: Singen und Musizieren im Gottesdienst 1 (1999) 4­8.

2 Vgl. A. Pomella, Die Mitte des Gemeindelebens. Liturgische Bildung mit dem KG (I), in: Singen und Musizieren im Gottesdienst 5 (1998) 202­205.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999