9/1999 | |
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Berichte |
Einen ungewöhnlichen Zugang zur Thematik «Muslime in der schweizerischen
Gesellschaft» eröffnete die Schweizerische Akademie für
Entwicklung (Swiss Academy for Development [SAD])<1>
mit ihrem 5. interkulturellen Forum, das sich letztes Jahr in Solothurn
mit Möglichkeiten und Grenzen der Interkulturalität befasst hatte.
Das SAD-Forum ist eine Plattform für den Dialog zwischen Politik, Verwaltung,
Kirchen, zwischen Wissenschaften und Menschen, die im Alltag von der gestellten
Thematik betroffen sind; es ist, wie Fridolin Kissling als Präsident
des Stiftungsrates betonte, «ein lautes Nachdenken darüber, wie
Tatsachen dargestellt werden, oder wie die Dinge nun einmal liegen, oder
sie von den Betroffenen wahrgenommen werden, und nicht wie es sein sollte».
So wurden zur Vorbereitung des Forums mit 283 Männern und Frauen jeden
Alters, Muslimen und Musliminnen, Nicht-Musliminnen und Nicht-Muslimen,
Gespräche geführt, die Selbstbilder der Mitwirkenden wie ihre
Fremdbilder von der jeweils anderen Gruppe ergaben; darüber liegen
450 Seiten Protokolle vor. Die an der Tagung Teilnehmenden erhielten zur
Vorbereitung eine Zusammenfassung der Interviewprotokolle und an der Tagung
selber noch ergänzende Informationen und Ergebnisse der Situationsanalyse
vorgetragen.
Anschliessend wurden in Workshops zu den Themenbereichen Integration,
Geschlechter-Rollen, Kultur und Alltag, Gewalt, Ethnizität und Religion
- Fragestellungen für die Podiumsdiskussion erarbeitet. Der zweite
Teil des Forums war eine Podiumsdiskussion; Vertreter und Vertreterinnen
aus Wissenschaft, Religion, Schule und Strafvollzug diskutierten dabei einerseits
von den Workshops erarbeitete Fragen und anderseits vom Publikum an das
Podium gestellte Rückfragen. Nach der Tagung wurde die Podiumsdiskussion
transkribiert und im Tagungsbericht nach Fragen bzw. Themen geordnet veröffentlicht.
Die SAD hat nicht nur die Tagung ausgewertet, sondern bleibt an der Thematik.
Zumal die bisherige Arbeit ergeben hat, dass Probleme mit Menschen muslimischen
Glaubens in der Schweiz zunächst nicht mit dem Islam zu tun haben,
sondern Probleme von Ausländern und Ausländerinnen in unserer
Gesellschaft sind, Probleme allerdings, die durch kulturelle und religiöse
Besonderheiten noch akzuentuiert und auch verschärft werden können.
Im Workshop «Ethnizität und Religion» wurde zudem darauf
aufmerksam gemacht, dass «ethnisch typisches» Verhalten schichtspezifisch
sein kann und dass Religion aus nichtreligiösen Interessen instrumentalisiert
werden kann und instrumentalisiert wird.
1 SAD, St. Urbangasse 1, Postfach 1044, 4502 Solothurn, Telefon 032-623 85 43, Fax 032-623 49 35, E-Mail sad@cuenet.ch, Internet http://www.sad.ch