3/1999 | |
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Der Bericht |
Über 2000 Jugendliche haben in der Nacht zum vierten Adventssonntag
am traditionellen Ranfttreffen teilgenommen. Unter dem Motto «Face
to Face» bot dieser grösste kirchliche Jugendanlass in der Schweiz
vielfältige Möglichkeiten zu Begegnung und Austausch unter Gleichaltrigen.
Um 2 Uhr morgens feierte erstmals der Churer Bischof Amédée
Grab zusammen mit den Jugendlichen den Gottesdienst in der Ranftschlucht,
die von einem eindrücklichen Lichtermeer von Kerzen und Fackeln erhellt
wurde. Für einen jugendgerechten musikalischen Rahmen sorgten der Jugendchor
«Singwälle» aus Rheinach (BL) sowie der kolumbianische
Trommler Leonardo Ponce.
Unter dem Motto «Face to Face» thematisierte der Gottesdienst
die vielfältigen gelingenden und misslingenden Begegnungen
sowohl mit den Menschen wie auch mit Gott. «Jesus, auf dessen Geburt
wir uns in diesen Tagen vorbereiten, hat uns vorgelebt, jedem Menschen als
Bruder oder Schwester zu begegnen. Sein Vorbild will uns ermutigen, Begegnungen
immer wieder neu zu wagen», meinte Susanne Brenner Büker, Bundespräses
des Blauring.
In seiner Ansprache während des Gottesdienstes dankte Bischof Amédée
Grab den Jugendseelsorgerinnen und Seelsorgern für ihr grosses Engagement,
das sie in der pfarreilichen Jugendarbeit einbringen. Er wies darauf hin,
dass das Ranfttreffen-Thema «Face to Face» nicht zuletzt auch
zur Begegnung mit Gott einlade, der in Jesus Christus Mensch geworden sei.
Die Menschen könnten auch heute Gott von Angesicht zu Angesicht begegnen,
indem sie in den Mitmenschen, vor allem den Bedürftigen unserer Gesellschaft,
Gott zu erkennen suchen, betonte Bischof Grab, der den Jugendlichen frohe
Weihnachten wünschte.
In unzähligen Ateliers hatten die Jugendlichen am Ranfttreffen Gelegenheit,
sich auf vielfältige kreative Weise mit dem Thema Begegnungen auseinanderzusetzen:
Meditatives Tanzen und Singen, Gipsmasken herstellen und Mandalas malen
waren ebenso im Angebot wie die Kletterwand, Street dance sowie Körpersprache,
Theater und Percussion.
Die Jugendlichen standen aber auch im Austausch mit ganz unterschiedlichen
Gästen: Während im Atelier «Face to Face mit einem Bischof»
Amédée Grab und Weihbischof Martin Gächter den Jugendlichen
Red und Antwort standen, erzählte in einem Atelier der Theologe Paul
Weber von seinen Erfahrungen als Gassenarbeiter in Luzern. Im Gespräch
mit dem Churer Bischof machten einige Jugendliche deutlich, dass die Kirche
heute den «Draht» zu vielen Jugendlichen verloren habe: «Hat
die Kirche in den letzten 40 Jahren nicht etwas falsch gemacht, wenn sich
immer mehr Menschen von der Kirche verabschieden?», meinte ein Teilnehmer
des Ranfttreffens.
Helena Jeppesen-Spuhler, Hauptverantwortliche des Ranfttreffens, wies
im Rahmen einer Medienorientierung darauf hin, dass dem Ranfttreffen als
dem grössten kirchlichen Jugendanlass in der Schweiz eine besondere
Bedeutung zukomme. Es sei «unbedingt notwendig, dass Begegnungen in
allen kirchlichen und gesellschaftlichen Lebensbereichen ermöglicht
und gelebt werden», betonte sie als Präses der Jugendstufe von
Blauring und Jungwacht.<1> «Wenn
sich Menschen ÐFace to Faceð begegnen und zueinander in Beziehung
treten, besteht die Möglichkeit zu echter Auseinandersetzung.»
Diese Feststellung machte Helena Jeppesen nicht zuletzt mit Blick auf die
aktuelle Kirchensituation und das Verhältnis zwischen Kirche und Jugend:
«Es ist gerade auch für die Kirche wichtig, sich mit den Jugendlichen
auseinanderzusetzen. Sie ist da für Jugendliche attraktiv, wo sie ihnen
ins Gesicht schaut, sie ernst nimmt und ihnen Raum gibt. Wenn sie mit den
Jugendlichen so ÐFace to Faceð lebt, bleibt sie selbstkritisch und
lebendig.»
Der Theologe Benno Bühlmann arbeitet als Mittelschulreligionslehrer und Journalist.
1 Seit 1997 wird das Ranfttreffen im Rahmen des Projekts «Jugendstufe»
Blauring und Jungwacht durchgeführt, nachdem die einst für die
Organisation des Treffens verantwortliche Junge Gemeinde 1996 aufgelöst
worden war.
Mit insgesamt 35000 Mitgliedern sind Blauring und Jungwacht die beiden grössten
kirchlichen Jugendverbände der Schweiz.